Etliche Verfahren endeten jedoch mit Freisprüchen oder wurden, meist aus Mangel an Beweisen, eingestellt weswegen die Glaubwürdigkeit der Prozesse schnell von den Allierten in Frage gestellt wurde. Von Selle zitiert den damaligen französische Ministerpräsidenten Briand, der die Prozesse als „Komödie, Justizparodie und Skandal“ bezeichnet haben soll. Mit zunehmender Dauer verblasste jedoch bald das Interesse der Allierten an den Prozessen, wesewegen später keiner der neunhundert noch auf der Auslieferungsliste befindlichen Personen der Prozess gemacht wurde und sogar bereits Verurteile nachträglich freigesprochen wurden.
2) Wie bewertet der Autor diese Prozesse?
Dirk von Selle, der Autor des Aufsatzes, steht den Prozessen durchaus gespalten gegenüber. Er betont, dass es für die Überzeugungskraft einer gerichtlichen Entscheidung vor allem auf die Unabhängikeit des Gerichtes ankommt. Genau diese fehle aber bei den Leipziger Prozessen, so von Selle, da das Reichsgericht bei der Durchführung der Prozesse sehr auf die weltpolitische Stimmung geachtet habe und somit unter einem gewissen politischem Zwang stand. 2 Er verdächtig das Reichsgericht deshalb weniger aus tatsächlicher Überzeugung diese Prozesse durchgeführt zu haben als vielmehr aufgrund des Druckes der Allierten und sich damit einer „politischen Notwendigkeit“ 3 gebeugt zu haben. Diese These wird unterstützt durch die etlichen Verfahren die eingestellt wurden, nachdem die Allierten das Interesse an den Prozessen verloren hatten und auf deren Weiterführung die Reichsregierung offenbar keinen Wert legte. Desweitern steht von Selle sehr kritisch der Tatsche gegenüber, dass höhere Dienstgrade kaum zur Verantwortung gezogen wurden und die Prozesse verschiedene rechtliche Fragwürdikeiten aufwiesen, außerdem vermisst er eine gewisse Sachlichkeit bei den Gerichtsurteilen in denen allierte Vorwürfe als „bodenlos und leichtfertig“
2 siehe Dirk von Selle, Prolog zu Nürnberg - Die Leipziger Kriegsverbrecherprozesse vor dem Reichsgericht, in: Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte 19 (1997), Seite 203
3 Dirk von Selle, Prolog zu Nürnberg - Die Leipziger Kriegsverbrecherprozesse vor dem Reichsgericht, in: Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte 19 (1997), Seite 201
2
Arbeit zitieren:
Florian Rübener, 2006, Was waren die „Leipziger Kriegsverbrecherprozesse“?, München, GRIN Verlag GmbH
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