Inhaltsverzeichnis
Zugang zum Thema. 5
Vorwort. 6
THEORETISCHER TEIL 7
1 Zentrale Fragen und Ziel des Forschungsprozesses 7
1.1 Kernfragen und Problemstellungen der Arbeit 7
1.2 Angestrebter Erkenntnisgewinn 8
1.3 Aufbau der Arbeit. 8
1.4 Hintergrund des Forschungsdesigns 9
2 Das Ehrenamt als Freizeitbeschäftigung 10
2.1 Freiwilliges Engagement in der heutigen Zeit 10
2.1.1 Ist der Begriff „Ehrenamt“ noch aktuell? 10
2.1.2 Kriterien der Freiwilligkeit 11
2.1.3 Die unklaren Trennlinien 12
2.1.4 Wer engagiert sich freiwillig? 13
2.2 Motivation und Beweggründe für eine freiwillige Tätigkeit 14
2.3 Einstieg in die Organisation als freiwilliges Mitglied 16
2.3.1 Übernahme von Aufgaben und Bereitschaft zur Ausbildung 17
2.3.2 Anfallende Tätigkeiten. 17
2.3.2.1 Physische Belastungen. 17
2.3.2.2 Psychische Belastungen. 18
2.4 Umfang des Ehrenamtes 18
2.4.1 Zeitaufwand. 18
2.4.2 Funktionärsposition oder einer bzw. eine von vielen? 19
3 Freiwillige Mitarbeit in humanitären Hilfsorganisationen. 20
3.1 Organisierte Hilfe für Mitmenschen. 20
3.2 Österreichisches Rotes Kreuz (ÖRK) 20
3.3 Ehrenamt beim ÖRK. 21
3.3.1 Allgemeine Voraussetzungen für ein Ehrenamt beim ÖRK. 21
3.3.2 Geregelte Ausbildung. 22
3.3.3 Ehrenamtliche Arbeit im Zeichen der sieben Grundsätze 22
3.3.4 Aufgaben und Pflichten 23
2
4 Kompetenzentwicklungen durch freiwillige Tätigkeit. 24
4.1 Wissensmanagement im Ehrenamt 24
4.2 Kompetenz - „richtig“ handeln 25
4.3 Auf welche Art und Weise werden Kompetenzen angeeignet? 29
4.3.1 Formale bzw. institutionelle Kompetenzaneignung 29
4.3.2 Non-formale Entwicklung von Kompetenzen. 30
4.3.3 Informelle Kompetenzentwicklung. 31
4.3.4 Sonstige Formen der Kompetenzaneignung 34
4.3.5 Schwierige Abgrenzung 34
4.4 Voraussetzungen für informelle Kompetenzentwicklung. 34
4.5 Aneignung von informellen Kompetenzen 35
4.5.1 „Learning by doing“ 36
4.5.2 Lernen im Team 38
4.5.3 Lernen von erfahrenen Mitarbeiter/innen 39
4.6 Parallele Lernfelder. 40
4.7 Förderung der Kompetenzen 40
4.8 Erkennen von Kompetenzen für sich und andere 41
4.8.1 Kompetenzbilanzen. 41
4.8.2 Der Prozess 41
4.9 Informelle Kompetenzentwicklung beim ÖRK. 42
4.9.1 Arbeit am Patienten. 42
4.9.2 Organisation von Veranstaltungen 43
4.9.3 Tätigkeit in der Vereinsführung 44
4.9.4 Lehrtätigkeit und Jugendbetreuung 44
4.9.5 Die Kameradschaft und der Teamgedanke. 44
PRAKTISCHER TEIL. 47
5 Empirische Untersuchung 47
5.1 Untersuchungsmethode. 47
5.1.1 Erhebung mittels gemischter qualitativer Methoden. 47
5.1.1.1 Das narrative Interview 47
5.1.1.2 Das problemzentrierte Interview 48
5.1.2 Auswahl der Interviewpartner/innen und Repräsentativität 49
5.1.3 Die Interviewpartner/innen 51
5.1.4 Narrativer Interviewteil. 51
3
5.1.5 Problemzentrierter Interviewteil 52
5.2 Auswertung der Interviews. 53
5.2.1 Auswertung des narrativen Interviewteils 53
5.2.2 Auswertung des problemzentrierten Interviewteils 63
6 Rück- und Ausblick 71
6.1 Zusammenfassung der erzielten Ergebnisse. 71
6.2 Resumée 72
6.3 Offene Fragen bzw. ein Blick in die Zukunft. 72
7 Schlusswort 74
Literaturverzeichnis 75
Abbildungsverzeichnis 78
Anhang 79
A) Meilensteine des Internationalen und des Österreichischen Roten Kreuzes 80
B) Tätigkeitsbereiche des Österreichischen Roten Kreuzes 82
)C Interviews. 84
4
Zugang zum Thema
Seit nahezu einem Jahrzehnt engagiere ich mich nunmehr als freiwilliger Mitarbeiter in diversen Tätigkeitsbereichen des Österreichischen Roten Kreuzes (in der Folge öfters mit ÖRK abgekürzt). Hin und wieder kommen gewisse Zweifel auf, warum ich diese Arbeit überhaupt vollbringe und welches Kapital ich daraus schlage. Bemerkenswert ist, dass ich immer wieder die gleiche Antwort für mich finde. Es macht einfach Spaß, im Team zu arbeiten und für hilfsbedürftige Menschen da zu sein, etwas zu bewegen und somit sinnvoll meine Freizeit zu verbringen.
Als der Schweizer Handelsmann Henry Dunant im Jahre 1859 zufällig Augenzeuge der furchtbaren Schlacht bei Solferino in Norditalien wurde, waren es Freiwillige aus der Region, welche auf seine Initiative hin zehntausende Verwundete bargen und versorgten, unabhängig von deren Abstammung und deren Herkunft. Dieses Ereignis war in größtem Ausmaß ausschlaggebend für die Gründung des Roten Kreuzes in den Jahren 1863/1864. Aus dieser Zeit stammt auch die Aussage:
„So braucht man also Freiwillige, die im Voraus ausgebildet, ge-
schickt und mit ihrer Aufgabe vertraut sind“ (Dunant 1862).
Genau dieser Gedanke wird mittlerweile seit über 150 Jahren vom Österreichischen Roten Kreuz gelebt. Die Freiwilligkeit stellt sogar einen der sieben international anerkannten Grundsätze der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften dar und ist Voraussetzung, um das Ziel der Nächstenhilfe zu verfolgen.
5
Vorwort
Als freiwilliger Funktionär und aktiver Mitarbeiter der Bezirksstelle Telfs des Österreichischen Roten Kreuzes bin ich überaus mit dem Thema Ehrenamt und Kompetenzentwicklung verbunden. Es stellt sich immer wieder für mich die Frage, inwieweit man sich vor allem außerhalb von Schulungen über sanitätsdienstliche Maßnahmen Fertigkeiten und Kompetenzen aneignen kann, welche institutionell gar nicht gelernt werden können. Mich interessiert, wie Kolleginnen und Kollegen des Roten Kreuzes zu ihrem zivilen Engagement stehen, was sie im Laufe ihrer freiwilligen Mitgliedschaft lernen, wie sie zu diesem Wissen kommen und in welcher Art und Weise sie es einsetzen und reflektieren. So freut es mich, dass es durch die Unterstützung von Frau Univ.-Prof. Dr. Annette Ostendorf gelungen ist, einen Fachbereich zu behandeln, mit dem ich sehr verbunden bin.
Ich möchte mich auf diesem Weg ganz besonders bei meinen lieben Eltern bedanken, die mich auf meiner gesamten Schul- und Studienlaufbahn tatkräftig und beherzt unterstützt haben. Da sich meine Mutter und mein Vater bereits seit Jahrzehnten ehrenamtlich beim Österreichischen Roten Kreuz engagieren, widme ich ihnen diese Diplomarbeit.
Weiters danke ich Frau Univ.-Prof. Dr. Annette Ostendorf für die Betreuung beim Verfassen der Diplomarbeit sowie Frau SR Irmgard Pfurtscheller für die Übernahme des Lektorates. Dank gebührt auch den Interviewpartner/innen, den freiwilligen Mitgliedern, meinen Kolleg/innen der Rot-Kreuz-Bezirksstelle Telfs, welche einen wertvollen Beitrag zum Gelingen dieser Arbeit geleistet haben.
Die ehrenamtliche Tätigkeit beim Österreichischen Roten Kreuz und anderen Vereinen war, ist und wird immer ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben sein. Ich werde von vielen Freunden als typischer „Vereinsmeier“ bezeichnet. Dies freut mich eigentlich und macht mich umso mehr stolz, einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren des sozialen Gefüges zu leisten und gleichzeitig viele Bedürfnisse meinerseits zu stillen (vgl. Wadsack 2003: 25).
6
THEORETISCHER TEIL
1 Zentrale Fragen und Ziel des Forschungsprozesses
Anfangs soll kurz betrachtet werden, welche Absichten die Ausführungen in der vorliegenden Arbeit verfolgen. Es wird erläutert, welche Fragestellungen sich ergeben, worauf die Inhalte und Recherchen abzielen und welche Erwartungshaltung daraus resultiert. Genauso wird der Aufbau der Arbeit grob erläutert sowie das Forschungsdesign, welches die Sichtweise der Ausführungen festlegt, abschließend nahegebracht.
1.1 Kernfragen und Problemstellungen der Arbeit
Das Ehrenamt stellt einen überaus wichtigen Faktor in einer modernen Gesellschaft dar und beruht auf freiwilligem Engagement und bürgerlicher Nächstenhilfe. Doch vielfach sind Ausbildungen und Schulungen vonnöten, um in einem Verein, in einer Organisation oder in einer Gemeinschaft aktiv mitwirken zu können. Kompetenzen werden gefordert, welche man eben durch die Teilnahme an Schulungen erwirbt. Diese Arbeit beschäftigt sich jedoch mit der Frage, welche Kompetenzen abseits dieser formalen Strukturen angeeignet bzw. entwickelt werden können. Es wird betrachtet, welche fachlichen, persönlichen und sozialen Fähigkeiten entwickelt werden können und vor allem, wie es möglich ist, welche verschiedenen Wege und Möglichkeiten sich bieten, diese Kompetenzen zu erlangen, ohne zwangsläufig die „Schulbank“ zu drücken. Im Weiteren soll klargestellt werden, welche Lerninhalte Betroffene wie und in welchem Ausmaß überhaupt wahrnehmen und schlussendlich in nach außen hin sichtbare Kompetenzen umsetzen können. Also geht vor allem der empirische Teil auf die Frage ein, ob solche in-formell entwickelten Fähigkeiten überhaupt reflektiert und positiv auf die ehrenamtlichen Tätigkeiten umgelegt und bewertet werden können.
Aufgrund dessen, dass das Österreichische Rote Kreuz mehrere Tätigkeitsbereiche ausführt (siehe Kap. 3.2), wird im Weiteren ein Fokus auf spezielle Kompetenzen in den verschiedenen Arbeitsbereichen gelegt. Ergeben sich unterschiedliche Fähigkeiten durch informelle Aneignung und wenn ja, um welche Kompetenzen handelt es sich? Auch die Art der informellen Kompetenzentwicklung in Vereinen und Organisationen soll genauer betrachtet werden. Dazu wird im praktischen
7
Teil hinterfragt und veranschaulicht, durch welche konkreten Tätigkeiten es zu einer Bildung von Kompetenz kommt.
1.2 Angestrebter Erkenntnisgewinn
Da die Freiwilligkeit einen beträchtlichen Stellenwert hat und auch in Zukunft diesen nicht verlieren wird, soll gezeigt werden, warum sich so viele Menschen beim Österreichischen Roten Kreuz engagieren. Beweg- und Motivationsgründe werden erörtert und die damit verbundenen Aufgaben, Pflichten und Belastungen beleuchtet. Im Weiteren wird das Interesse auf das Potenzial gelenkt, über welches ehrenamtliche Mitarbeiter/innen verfügen und welche Bildungsmöglichkeiten außerhalb von Lehrsälen und unabhängig von Lehr- und Schulungspersonal für sie bestehen. An diesen Ansatz anknüpfend soll ergründet werden, durch welche informellen Wege diese Kompetenzentwicklungen in der Vereinstätigkeit stattfinden. Dafür müssen jedoch die erworbenen Fähigkeiten von einem selbst erkannt und auch wiedergegeben werden, denn nicht jede Kompetenz ist nach außen hin erkennbar. Oft stellt sich erst nach persönlichem Kontakt mit dem bzw. der Betroffenen heraus, worin die Kompetenzen bestehen und wie diese um- bzw. eingesetzt werden.
1.3 Aufbau der Arbeit
Die Arbeit ist geteilt in einen theoretischen Grundlagen- und einen empirischen Forschungsteil. Zuerst werden die zentralen Begriffe des Arbeitstitels betrachtet, erklärt und näher erläutert. Dabei werden zuerst Hintergründe zum Thema Ehrenamt angesprochen und behandelt, nachher folgt ein Überblick über die ehrenamtliche Tätigkeit beim Österreichischen Roten Kreuz in den verschiedenen Aufgabenbereichen. Der letzte Abschnitt des Grundlagenteils widmet sich dem Bereich Kompetenz und den verschiedenen Lernformen, natürlich mit dem Fokus auf das informelle Lernen. In weiterer Folge werden einige ehrenamtliche Tätigkeiten beim ÖRK, verknüpft mit informellem Lernen, dargestellt und betrachtet, um den Rückschluss auf das Kernthema zu bilden.
Der empirische Forschungsteil beinhaltet die Durchführung von Interviews, welche aus einem narrativen und einem problemorientierten Teil bestehen. Diese Interviews wurden mit ehrenamtlichen Mitgliedern der Bezirksstelle Telfs des Österreichischen Roten Kreuzes geführt, welche mittels einem nachfolgend erörterten
8
Auswahlverfahren gezielt ausgesucht wurden. Neben dem Auswahlverfahren der Interviewpartner werden auch der Aufbau der Interviews sowie die daraus ent-standene Erwartungshaltung genau erläutert. Anschließend folgen die Auswertungen und Interpretationen zur Befragung sowie die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen und Erkenntnisgewinne, welche einen Rückschluss und Vergleich auf die ausgearbeiteten theoretischen Hintergründe herstellen sollen.
Eine Zusammenfassung der gewonnen Resultate sowie eine kurze Reflexion und offen gebliebene Fragestellungen runden die Untersuchungen ab und bilden den Abschluss der vorliegenden Diplomarbeit.
1.4 Hintergrund des Forschungsdesigns
Die Arbeit wird unter dem Aspekt geschrieben, Veränderungen eines bestimmten Personenkreises in Hinsicht auf deren Bildung zu beobachten und diese zu interpretieren. Im Speziellen wird auf die informelle Bildung bzw. die Verstärkung bereits vorhandener Ansätze Wert gelegt. Somit erfolgen die Ausarbeitungen aus der Sicht des pädagogischen Verständnisses. Dieses geht der Auffassung nach, die Entwicklung von Menschen zu fokussieren und daraus Schlüsse und Entwicklungen abzuleiten. Im speziellen Fall soll die Entwicklung von ehrenamtlichen Mitgliedern des Österreichischen Roten Kreuzes hinsichtlich der Aneignung von informellen Kompetenzen analysiert werden. Diese Analyse beschränkt sich aber nicht allein auf die Ausgangs- bzw. Schlusssituation, sondern versucht auch den Weg dorthin mit vielen seiner Ausprägungen und Meilensteinen zu beleuchten.
Durch die qualitative Befragung von Ehrenamtlichen im empirischen Teil ergibt sich der übergeordnete Forschungsstrang eines interpretativen Paradigmas, in dem der bzw. die Forscher/in als Interpret/in einer sozialen Wirklichkeit gesehen wird. Diese Sammelbezeichnung für eine Reihe von soziologischen Theorien des 20. Jahrhunderts erklärt die Handlungen zwischen zwei Menschen als aktiven und kreativen Deutungsprozess. Personen handeln also danach, wie die Wirklichkeit von ihnen definiert und wahrgenommen wird (Wilson 1970).
9
2 Das Ehrenamt als Freizeitbeschäftigung
2.1 Freiwilliges Engagement in der heutigen Zeit
Das Ehrenamt ist ständig in aller Munde und stellt ein unverzichtbares Element dar, damit eine Gesellschaft überhaupt funktioniert. „Soziale Unterstützung durch andere Personen - in Form von Hilfe, Rat und Zuneigung - ist […] in vielen Lebenssituationen notwendig“ (BMASK 2009: 21). Führt man sich einmal vor Augen, welche Alltagsabläufe nicht mehr vorhanden wären, wenn man die Idee der Freiwilligkeit aus dem täglichen Leben streicht, kommt man sehr schnell darauf, dass bürgerliches Engagement fast unverzichtbar ist (vgl. Österreichisches Rotes Kreuz 2010: 7). Der Ersatz durch hauptamtliches Personal würde erstens eine Unsumme von monetären Mitteln binden und zweitens eine gewachsene Kultur zerstören. Auch wenn nicht jeder aktiv ein Ehrenamt ausüben kann bzw. will, sollten sich diese Personen zumindest passiv erkenntlich zeigen, indem sie die freiwilligen Dienste schätzen, nützen und unterstützen. Doch wie bei so vielen Dingen gilt es auch hier oft als durchaus selbstverständlich, dass Organisationen wie das Rote Kreuz oder die Feuerwehr einfach vorhanden sind und funktionieren, wenn sie gebraucht werden (vgl. Buchauer 2007: 9 f.).
2.1.1 Ist der Begriff „Ehrenamt“ noch aktuell?
Der Begriff Ehrenamt weist mittlerweile einige Synonyme auf. Die Bezeichnungen Freiwilligkeit, bürgerschaftliches Engagement oder „Volunteering“ sind allseits bekannt und verdrängen den Ausdruck Ehrenamt allmählich. Diese Entwicklung basiert auf nachvollziehbaren Gründen, denn nicht immer kann man freiwillige Arbeit als ehrendes Amt betrachten (vgl. Notz 1999: 22 f.). Was für eine Ehre steckt überhaupt hinter dem Begriff Ehrenamt und gilt die Verantwortung, die ein jedes Ehrenamt in irgendeiner Weise mit sich bringt, wirklich als Ehre? Der Begriff Ehrenamt stammt aus früheren Zeiten. Damals ehrte es einen Bürger, wenn ihm eine unentgeltliche öffentliche Verwaltungsaufgabe übertragen wurde, da dies als etwas Besonderes galt (Zimmer 2005). Bis heute wird dieser Begriff für eine Amtsübernahme im Freiwilligenbereich verwendet. Heutzutage steht jedoch die Ehre in vielen Fällen im Hintergrund, vielmehr sind Verantwortungsgefühl und oftmals großer Arbeitsaufwand mit dem ausgeführten Amt verbunden (vgl. Pankoke 1988: 207 f.). Im alltäglichen Gebrauch versteht man unter allen verwendeten Begriffen rund um das Ehrenamt annähernd dasselbe, jedoch weist die Literatur einige Un-
10
terschiede zwischen einzelnen Bezeichnungen auf. Es kann aber durchaus festgehalten werden, dass es im Kern immer um Menschen geht, welche ihre Freizeit für Tätigkeiten nutzen, die einer Gemeinschaft von Bekannten oder Dritten zugutekommen, ohne dafür monetär entschädigt zu werden (vgl. Badelt/More-Hollerweger 2007: 503 ff.). Doch ob es immer so einfach ist, dieses Themenfeld so klar abzugrenzen, erläutern die folgenden Kapitel.
2.1.2 Kriterien der Freiwilligkeit
Wenn man von der freiwilligen Tätigkeit spricht, versteht es sich nicht immer ganz von selbst, welche Kriterien dafür überhaupt erfüllt sein müssen. Laut Hanhart (2000) gelten vor allem folgende Gesichtspunkte als Kernelemente der freiwilligen Arbeit:
- Keine Auszahlung von Löhnen bzw. Gehältern (nur Spesen werden vergütet).
- Das Engagement erfolgt freiwillig.
- Das Ehrenamt ist eine Ergänzung zu anderen Tätigkeiten (zwischen vier und acht Stunden pro Woche).
- Der Nutzen besteht darin, dass die Tätigkeit zugunsten von Dritten erbracht wird.
- Neben einer verlangten Kompetenz findet sich eben auch ein persönlicher Nutzen in Form von Anerkennung etc.
- Man verfügt über Zeit sowie über eine finanzielle Absicherung.
Der letzte Punkt wird auch bei Rauschenbach et. al (1988: 226 ff.) als der wesentlichste Aspekt der Freiwilligenarbeit angeführt. Weiters erwähnen ebd., dass nur jemand einem freiwilligen Engagement nachgehen kann, der etwas hat, was andere brauchen und selbst nicht alles davon benötigt. Dies kann man auf die verfügbare Zeit ebenso umwälzen wie auf die finanzielle Situation, um die „Fähigkeit“ zur ehrenamtlichen Tätigkeit einzuschätzen (vgl. von Eckardstein 2007: 275 f.).
Bevor man sich freiwillig engagiert, tritt durch das angeborene Phänomen der Sozialisation bereits ab dem Kindesalter eine Werteentwicklung ein (siehe Kap. 4.3.4). Daraus ergibt sich, dass man nicht einfach aus dem Nichts heraus eine ehrenamtliche Tätigkeit anstrebt, sondern bereits mit einer positiven Einstellung
11
zum geforderten Tun wie z.B. der Bereitschaft zum Helfen oder der Freude an der Vereinstätigkeit auf die Organisation zugeht (Wadsack 2003: 25).
Verwendet man den Begriff des bürgerschaftlichen Engagements, so muss man die angeführten Kriterien der Freiwilligkeit noch um weitere Punkte ergänzen bzw. differenzieren. Bürgerschaftliches Engagement muss definitionsgemäß in einem öffentlichen Raum, das heißt, über private und familiäre Nächstenhilfe hinaus erfolgen. Gleichermaßen ist für diese Bezeichnung eine gewisse konstante und erwartbare, leicht institutionalisierte Hilfeleistung Voraussetzung, welche aber etwas gemildert zum „Standard-Ehrenamt-Ausmaß“ von vier bis acht Stunden pro Woche gesehen wird (Corsten et. al 2008: 12 f.).
2.1.3 Die unklaren Trennlinien
Oftmals fällt es schwer, die bereits im vorhergehenden Kapitel erwähnten Kriterien klar festzumachen. Rauschenbach et. al (1988: 232 f.) sprechen drei kritische Aspekte in Hinblick auf den Faktor „Unentgeltlichkeit“ der Freiwilligkeit an. Dabei wird als Erstes hinterfragt, inwieweit eine Aufwandsentschädigung gerechtfertigt ist, um noch von Freiwilligkeit zu sprechen, denn oftmals ist die Rekrutierung neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen nur mehr über den Weg einer geringen Bezahlung möglich. Als Zweites erwächst das Problem der ungeschützten Arbeitsverhältnisse. Wie schaut es aus mit dem Versicherungsschutz während der freiwilligen Tätigkeit (Runggaldier/Drs 2007: 319 bzw. BMASK 2009: 16)? Als Drittes werden Mitarbeitsformen angeführt, die genau zwischen Erwerbs- und Freiwilligentätigkeit angesiedelt sind. Darunter fallen z.B. Zivildienstleistende oder Praktikant/innen, welche je nach „Arbeitgeber/in“, angefangen von einer kleinen Abgeltung bis hin zu einer ordentlichen Bezahlung, die quasi einem regulären Gehalt nahekommt, entschädigt werden (vgl. Runggaldier/Drs 2007: 299 ff.).
Laut Wadsack (2003: 8) sollen Freiwillige zwar monetär nichts verdienen, jedoch auch keine Investitionen, die ehrenamtliche Mitgliedschaft betreffend, aus eigener Tasche tätigen. Hiermit wäre doch wieder eine klare Linie erkennbar, dass Auf-wandsentschädigungen in keinster Weise das Bild des tatsächlich unentgeltlichen Engagements trüben würden. „Der gezahlte Aufwendungsersatz muss jedoch für den Verein notwendig sein, also ein Zusammenhang mit den Vereinsgeschäften muss unschwer erkennbar sein“ (ebd. 2003: 132). Sieht man sich die Problematik
12
wieder aus diesem Betrachtungswinkel an, weiß man, dass diese Definition der Aufwandsentschädigung sehr großen Interpretationsspielraum zulässt. Viele Anschaffungen können unter dem Gesichtspunkt der Notwendigkeit für die Vereinstätigkeit getätigt werden, bilden aber häufig einen enormen Synergieeffekt für den privaten Bereich. Generell gilt aber, dass Ehrenamtlichen Dank und Anerkennung für ihre geleisteten Tätigkeiten gebührt, ob in verbaler oder materieller Form, was in vielen Organisationen und Vereinen zu kurz kommt (vgl. von Eckardstein 2007: 289). Meistens wird nämlich denjenigen Mitarbeiter/innen am wenigsten Aufmerksamkeit geschenkt, die im Stillen und ohne Auffälligkeiten selbstständig und verlässlich einen Großteil der anfallenden Arbeiten erledigen.
2.1.4 Wer engagiert sich freiwillig?
Freiwilliges Engagement beginnt, indem man aufgrund von einer klaren Perspektive und nachvollziehbarer Sinnhaftigkeit einem Verein beitritt, von dem man überzeugt ist (Badelt/More-Hollerweger 2007: 516 f.). Betrachtet man die Ausführungen von Notz (1987: 142 ff.), kann man sechs Typen unterscheiden, welche diese Werte und persönlichen Vorteile in der Vereinstätigkeit für sich erkennen. Die Beschreibung der verschiedenen Grundmotive für die freiwillige Tätigkeit erfolgt über demografische und einkommensabhängige Merkmale. Beim ersten Typus handelt es sich um Frauen mit Erziehungs- und Versorgungsaufgaben, die nebenher tätig sein wollen, während die zweite Gruppe Frauen beschreibt, welche finanziell abgesichert sind und eine sinnvolle Arbeit suchen. Die dritte Sparte umfasst ältere Menschen beider Geschlechter, die im Alter weiterhin sinnvollen Tätigkeiten nachgehen wollen. Der vierte Typus erfasst wiederum Frauen und Männer, die in ihrer Erwerbstätigkeit unzufrieden sind und im Ehrenamt eine Kompensation dafür suchen. Die fünfte Gruppe beschreibt Auszubildende aller Bereiche, die sich durch ein bürgerschaftliches Engagement Vorteile für ihre berufliche Zukunft erwarten. Schlussendlich spricht Notz noch vom sechsten Typus, welcher arbeitslose Frauen und Männer beschreibt, die das Ehrenamt als Hilfe für den Einstieg in einen neuen Job heranziehen.
Eine andere Einteilung erfolgt durch Wadsack (2003: 7), welcher die Freiwilligenarbeit mit den Argumenten des zeitlichen Umfanges und mit bzw. ohne (Wahl-) Amt beurteilt und daraus folgend zwischen Freiwilligen mit Wahlamt, einem Vollzeit-Ehrenamt sowie dem zeitgemäßen Ehrenamt unterscheidet. Das durch gere-
13
gelte Vorgaben zeitlich begrenzte Wahlamt sieht er als durchaus unterschiedlich aufwändig, beachtet man die Größe und Geschäftstüchtigkeit einer Organisation. Im Vollzeit-Ehrenamt finden sich Personen wieder, denen das Vereinswesen zur persönlichen Angelegenheit geworden ist und die sehr viel Zeit für die Tätigkeit aufwenden, während das zeitgemäße Ehrenamt mit keiner vorgegebenen Amtsdauer verbunden ist und somit meist einen zeitlich begrenzten Charakter aufweist. Diese Unterteilung kann auch beim ÖRK durchaus beobachtet werden. Es gibt Mitglieder, welche gemäß den internen Vorgaben ihre „Pflichtdienste“ ableisten und diese auch zur vollen Zufriedenheit aller erledigen, jedoch können sie sich nicht mit dem Verein vollkommen identifizieren, sondern sehen die Faszination des Ehrenamtes nahezu nur in der auszuführenden Tätigkeit. Andere verbindet neben den sanitätsdienstlichen Tätigkeiten mehr mit dem Verein. Sie sind stolz darauf, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Dies schlägt sich in der Teilnahme bei offiziellen Ausrückungen, dem Besuch von vereinsinternen Feierlichkeiten, der Übernahme und Mithilfe von bzw. bei sonstigen anfallenden Tätigkeiten und der Anwesenheit im Rot-Kreuz-Heim über dem durchschnittlichen Zeitvolumen nieder (vgl. Kap. 2.4).
2.2 Motivation und Beweggründe für eine freiwillige Tätigkeit
Es müssen Gründe vorliegen, warum sich so viele Menschen überhaupt freiwillig in Organisationen, Vereinen oder auch in der Nachbarschaftshilfe engagieren (vgl. Simsa 2007: 125). Es muss etwas geben, was diese freiwilligen Helfer/innen aus ihrer unentgeltlichen Arbeit für sich mitnehmen, was sie erfüllt, damit sie auch wieder zur nächsten freiwilligen Aktivität, ihrem nächsten Dienst erscheinen. „Helfer ‚profitieren’ durch ihre Hilfeleistungen oft mehr als der Hilfsempfänger“ (Müller-Kohlenberg 1990: 212). Ebd. spricht von einer so genannten „Helferrückwirkung“, welche die positiven Auswirkungen auf die persönliche Genugtuung einer freiwilligen Tätigkeit wiedergeben soll. Von Eckardstein (2007: 275) weist auf eine veränderte Funktion für Verantwortliche hin, was die Motivation von Mitarbeiter/innen angeht, denn Freiwillige sind meist von sich aus motiviert für eine Mitarbeit.
Die Gründe für freiwilliges Engagement erstrecken sich über viele verschiedene Felder. Von Aufrechterhaltung letzter sozialer Kontakte bis hin zu besseren Chancen am Arbeitsmarkt oder auch, um einfach jemand anderem etwas Gutes zu tun, reicht die Palette der Beweggründe. Doch damit ist meist insgeheim der Wunsch
14
verbunden, dass man selbst in irgendeiner Weise in den Genuss einer freiwilligen Hilfeleistung kommt oder auch eine Anerkennung in finanzieller oder materieller Form verbuchen kann (vgl. Müller/Rauschenbach 1988 bzw. Müller-Kohlenberg 1990 bzw. Badelt/More-Hollerweger 2007).
Neben Vereinigungen, deren Tätigkeiten eher auf den Eigenbedarf ausgerichtet sind, kann dem Roten Kreuz ein klassisch auf Fremdbedarf versierter Ehrenamtscharakter zugeschrieben werden. „[…] sie kann aber auch zur Erstellung von Leistungen durchgeführt werden, die primär von Dritten konsumiert oder in Anspruch genommen werden. Dies ist etwa bei ehrenamtlicher Arbeit für den Rettungsdienst des Roten Kreuzes der Fall“ (Badelt/More-Hollerweger 2007: 505).
Auch wenn natürlich das persönliche Interesse an den notfallmedizinischen Maßnahmen und dem Adrenalinausstoß bei „Blaulicht-Einsätzen“, speziell im Bereich Rettungs- und Krankentransportdienst (siehe Kap. 3.2), einen nicht unbeträchtlichen Faktor an Eigennutzen darstellt, eine „soziale Ader“ benötigt jeder, der Dienst beim Roten Kreuz versieht. In einer Befragung des Österreichischen Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) (2009: 53) lassen sich zwei Motive erkennen, welche von mehr als der Hälfte der Befragten als hauptsächliche Beweggründe für das freiwillige Wirken im Verein genannt wurden und die beide sehr gut zur Tätigkeit beim ÖRK passen. Zum einen ist es „Spaß“, welcher dem Bereich Eigenbedarf zuzuordnen ist, zum anderen das Argument „anderen zu helfen“ aus dem Bereich des Fremdbedarfs.
Nach Badelt (2007: 241 ff.) gibt es drei Komponenten, welche als Motivations-grundlage für eine freiwillige Tätigkeit in Frage kommen. Bei der altruistischen Sichtweise geht es den freiwilligen Helfer/innen um die gute Sache selbst. Auf den Punkt gebracht steht die Erhöhung des Nutzens und des Wohlbefindens einer anderen Person im Vordergrund. Gerade das Schenken von Zeit ist ein Merkmal für die Ehrenamtlichkeit, was Dritten zugutekommt (vgl. Müller/Rauschenbach 1988: 226 ff.). Die Eigenwertkomponente zielt hingegen auf den eigenen Nutzen ab, indem durch die Ausübung eines Ehrenamtes persönliche Gefühle stärker empfunden werden oder dass das persönliche Ansehen in der Gesellschaft steigt. Als drittes Argument nennt Badelt eine so genannte Tauschkomponente. Diese zielt
15
auf eine direkte Gegenleistung des Leistungsempfängers ab, wobei festgestellt werden muss, dass diese Komponente somit sehr der Eigenwertkomponente ähnelt. Als Beispiele für Gegenleistungen werden u.a. Mitwirkungsentscheidungen in der Organisation genannt. Man versucht einfach, etwas für sich herauszuholen, einen persönlichen Nutzen aus dem freiwilligen Dienst zu ziehen. Diverse Erwartungen machen sich breit, welche aber nicht immer Zug um Zug, sondern auch zeitversetzt stattfinden können (vgl. Müller/Rauschenbach 1988: 226 f.).
Eine andere Zugangsweise halten Düx et. al (2008: 116) parat. Sie sehen die Motivation im außerschulischen Wirken im Verlangen des Lernens. In der Schule lernt man, da die Lehrpersonen sowie die Erziehungsberechtigten von einem verlangen, dass man lernt. Im Verein geschieht das Lernen jedoch aus eigenem Interesse heraus. Niemand fordert den Lernaufwand, außer man selbst, um beim Verein aktiv mitzuwirken und „up to date“ bleiben zu können oder einfach um mehr über das selbst ausgesuchte Themengebiet zu erfahren. „Nicht Zwang, Wettbewerb, Konkurrenz, Leistungsdruck und Benotung wie in der Schule scheinen die Jugendlichen im Engagement zum Lernen anzuspornen, sondern Freiwilligkeit, eigenes Interesse, die emotionale Bindung an die Gruppe, gemeinsamer Spaß, Möglichkeiten und Freiräume zur Mitbestimmung und Mitgestaltung sowie das Bewusstsein, Verantwortung für Dritte bzw. für wichtige Aufgaben zu tragen“ (Düx et. al 2008: 131). Beweggrund für gewisse Ehrenämter ist der selbstständig gewählte Lernprozess. Man lernt das, was man sich selbst auferlegt. Man nimmt selbst teil am Fortschritt als Regisseur seines eigenen Wissens. Ausmaß und Intensität liegen im eigenen Ermessen und können selbst gesteuert werden. Auch wenn durch äußere Umstände wie vereinsinterne Vorgaben Wissen verlangt wird, um die ehrenamtliche Tätigkeit weiterhin ausführen zu können (vgl. Kap. 3.3.2), gilt dies als freiwilliger Lerneinsatz (Knoll 1999: 64).
2.3 Einstieg in die Organisation als freiwilliges Mitglied
Um in einer Organisation tätig zu werden, bedarf es diverser Voraussetzungen, die man als Bewerber/in um eine Mitgliedschaft erfüllen muss. Erforderlich ist das Bewusstsein über festgelegte Regeln, welche nach erfolgter Aufnahme für jede/n freiwillig Tätige/n verbindlich werden. Ganz unabhängig, um welche Organisation es sich handelt, gibt es eine klare Führungsstruktur, die man zu akzeptieren und zu respektieren hat. Man muss sich in ein bestehendes Team integrieren und ver-
16
suchen, „Fuß zu fassen“, damit man anerkannt wird (vgl. Zapotoczky 2004: 384 ff.).
2.3.1 Übernahme von Aufgaben und Bereitschaft zur Ausbildung
Wenn man sich zu einer ehrenamtlichen Aufgabe bereiterklärt, muss man sich auch bewusst sein, sämtliche Aufgaben und Tätigkeiten zu übernehmen, welche in irgendeiner Weise zum gewählten Bereich gehören. Vor allem sind es oft Randbzw. Nebenaufgaben (z.B. Desinfektion von Rettungsfahrzeugen), welche nicht in den Hauptaufgabenbereich der Organisation fallen, jedoch vonnöten sind, um einen geregelten Ablauf zu gewährleisten (vgl. Kellner 2006: 35 f.). Genauso muss jedem bewusst sein, dass je nach Vereinsart Einschulungen oder sogar Ausbildungen angeboten, aber auch gefordert werden, um eine Tätigkeit ausführen zu können und zu dürfen (vgl. Kap. 3.3.2).
Da aufgrund des ehrenamtlichen Engagements geregelte Vereinbarungen wie ein Dienstvertrag fehlen, bleiben jedoch Möglichkeiten der Sanktionierung sehr eingeschränkt. Bei gröberen Verstößen gegen vereinsinterne Vorschriften oder bei disziplinärem Fehlverhalten kann jedoch der Ausschluss vollzogen werden. Trotz beschränkter Vereinbarungen bestehen für jedes ehrenamtliche Mitglied so genannte Treuepflichten wie z.B. die Verschwiegenheitspflicht, gleichzeitig haben im Umkehrschluss alle Freiwilligen auch das Recht auf Gleichbehandlung (BMASK 2009: 15). „Am häufigsten ergeben sich derzeit Rechte und Pflichten Freiwilliger aus den Berufsrechten (z. B. Sanitätergesetz) der Tätigkeiten, die sie freiwillig ausüben (z.B. Anforderungsbefugnis der Notärztin/des Notarztes gegenüber einem Rettungssanitäter/einer Rettungssanitäterin)“ (ebd. 2009: 15).
2.3.2 Anfallende Tätigkeiten
Natürlich kann ein ehrenamtliches Vereinsleben nur funktionieren, wenn jedes Mitglied seinen Beitrag leistet. Dieser ist meistens in Form von Arbeitsleistung bei diversen Aktivitäten bzw. fixen Diensten zu erbringen. Anstrengungen und Bemühungen in diesen Tätigkeiten führen zwangsläufig zu körperlichen und bzw. oder seelischen Belastungen, denen man immer wieder ausgesetzt ist.
2.3.2.1 Physische Belastungen
Gerade bei Vereinen des Sport- bzw. Kulturbereiches werden vordergründig körperliche Kräfte abverlangt. Wöchentlich oder sogar mehrmals die Woche wird trai-
17
niert, um in der notwendigen physischen Verfassung zu bleiben bzw. diese zu erlangen. Davon verspricht man sich Erfolg und Zufriedenheit. Auch die Abwicklung von Veranstaltungen (z.B. Aufbau und Betreuung eines Zeltfestes, Betreibung eines Marktstandes etc.) verlangt körperlichen Einsatz, der eine sehr kräfteraubende Wirkung mit sich bringt.
2.3.2.2 Psychische Belastungen
Vor allem in sozialen Vereinen und Hilfsorganisationen stehen meistens psychische Beanspruchungen auf der Tagesordnung. Man ist immer mit anderen Menschen und sehr oft auch mit deren Leiden konfrontiert, man hört und sieht sehr viel, auf das man öfters auch verzichten könnte. Meist sind psychische Belastungen mit physischen Belastungen kombiniert (Rettungs- und Krankentransportdienst), aber es kann auch sein, dass es sich rein um psychische Strapazen handelt (z.B. Telefonservice bei der „Ö3-Kummernummer“, welche von Rot-Kreuz-Mitarbeiter/innen betreut wird). Nicht von ungefähr kommt es, dass speziell ausgebildete Freiwillige für andere Freiwillige auf Abruf zur Verfügung stehen, um psychisch belastende Einsätze und Tätigkeiten gemeinsam aufzuarbeiten (siehe Anhang - Tätigkeitsbereich KIT/SVE).
2.4 Umfang des Ehrenamtes
Natürlich hat man im Bereich der Ehrenamtlichkeit zu unterscheiden, in welchem Ausmaß die Betätigung erfolgt. Sind es einmalige, klar abgegrenzte Aufgaben oder ist es eine aktive Vereinsmitgliedschaft mit mehreren Diensten pro Monat (vgl. Wadsack 2003: 27)? Ist es vielleicht sogar eine Funktionärstätigkeit, die einen nahezu zwingt, ständig erreichbar zu sein oder sogar in finanzieller Hinsicht seinen Kopf hinzuhalten (vgl. ebd. 2003: 7 f.)? Ehrenamtliche können sämtliche Posten besetzen. Vom bzw. von der Präsident/in, der bzw. die den Verein nach außen hin repräsentiert und alle Mitglieder in ihren Interessen vertritt bis hin zum einfachen Vereinsmitglied, welches die grundlegenden Alltagstätigkeiten ausführt, findet man Freiwillige in allen Funktionen vor (vgl. Badelt/More-Hollerweger 2007: 506). Beide Extreme werden benötigt, damit ein Verein funktioniert.
2.4.1 Zeitaufwand
Bei der Ehrenamtlichkeit kommt es immer darauf an, wie viel persönliche Freizeit man für die freiwillige Tätigkeit opfert und wie viel Zeit dafür überhaupt zur Verfügung steht (vgl. Kammerhofer-Aggermann 2002: 8 f.). Jede Stunde, die man für
18
Dritte „opfert“, trägt zu einem gut funktionierenden System bei. Jedoch macht es einen Unterschied, ob man sich zweimal pro Jahr an einer Veranstaltung als Helfer/in beteiligt oder ob man monatlich etliche Dienste bei einer Hilfsorganisation leistet. Eine Statistik aus dem Jahre 2004 zeigt, dass 46.000 ehrenamtliche Mitglieder des ÖRK, davon 30.000 aus dem RKT- und GUF/KAT-Bereich (siehe Kap. 3.2), ein Arbeitsvolumen von 10,3 Millionen Stunden abdecken (Badelt/More-Hollerweger 2007: 512).
2.4.2 Funktionärsposition oder einer bzw. eine von vielen?
In der freiwilligen Tätigkeit unterscheiden sich nicht nur die einzelnen Tätigkeitsbereiche, sondern auch die hierarchischen Positionen voneinander. Jeder Verein, so auch das ÖRK, bedarf einer Führungsstruktur, welche abhängig von der Angelegenheit in Eigenregie oder nach Absprache und Zustimmung der Mitglieder Entscheidungen zu fällen hat, um einen laufenden Vereinsbetrieb zu gewährleisten (vgl. Reisch 2004: 225 ff.). Daraus ergibt sich, dass die Funktionäre, also die eigentlichen Entscheidungsträger, andere bzw. zusätzliche Kompetenzen aufweisen bzw. entwickeln müssen als die „einfachen“ Mitarbeiter/innen, welche monatlich ihren Dienst versehen. Von Funktionären wird vielfach erwartet, nahezu immer erreichbar zu sein, da öfters schnelle Freigaben, Entscheidungen bzw. Verhandlungen vonnöten sind. Somit entstehen gerade für ehrenamtliche Funktionäre noch höhere Belastungen sowie eine größere Zeitverbindlichkeit, damit die geforderten Aufgaben auch bewältigt werden können. Dazu kommt noch zusätzlich eine etwaige große Verantwortungsübernahme. Ehrenamtliche Vorstände haften u.a. auch mit ihrem Privatvermögen und müssen oftmals Entscheidungen fällen, welche für die Zukunft von Organisationen entscheidend sein können. Diese Ämter erfordern größtes Fingerspitzengefühl, ein robustes Nervenkostüm und vor allem dementsprechende Kompetenzen des fachlichen, sozialen und persönlichen Bereiches (siehe Kap. 4). Jedoch ist es in vielen Organisationen üblich, dass sich ehrenamtliche Präsident/innen bzw. Obleute hauptamtlicher Mitarbeiter/innen bedienen können, welche die Arbeiten und Geschäfte im Hintergrund abhandeln. Somit nehmen diese Angestellten den Ehrenamtlichen einen beträchtlichen Anteil der zeitlichen und bürokratischen Belastung ab bzw. reduzieren diese auf ein überschaubares Maß (vgl. Badelt/More-Hollerweger 2007: 506).
19
3 Freiwillige Mitarbeit in humanitären Hilfsorganisationen
3.1 Organisierte Hilfe für Mitmenschen
Umweltkatastrophen, Kriege, Terroranschläge oder Armut fordern weltweit Millionen von Toten, Verletzten, Obdachlosen und Betroffenen. Meist reichen die lokalen Hilfseinrichtungen nicht mehr aus, um die Lage nach dermaßen massiven Eingriffen zu kontrollieren. Hier kommen humanitäre Hilfsorganisationen zum Einsatz, um nach solchen Krisenereignissen, angefangen von der Erstversorgung bis hin zum Wiederaufbau, effizient und unbürokratisch mitzuwirken. Zu erwähnen sind hier Organisationen wie u.a. „Ärzte ohne Grenzen“, „Malteser International“ oder „CARE“. In dieser Arbeit geht es aber um die Tätigkeiten und vor allem um die ehrenamtlich Tätigen der weltweit größten humanitären Hilfsorganisation, um das Internationale Rote Kreuz. Dieses umfasst das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (Föderation) und weltweit 186 nationale Gesellschaften vom Roten
Kreuz und Roten Halbmond, welche bei Bedarf helfen. 1 Auch in Österreich hat diese Hilfsorganisation eine national anerkannte Vertretung und macht in verschiedensten Tätigkeitsbereichen die humanitäre Hilfe spürbar (vgl. Kap. 3.2).
Die Meilensteine der Gründung sowie der geschichtlichen Entwicklung des Roten Kreuzes weltweit sowie in Österreich sind im Anhang angeführt.
3.2 Österreichisches Rotes Kreuz (ÖRK)
Das Österreichische Rote Kreuz engagiert sich mit seinen über 48.000 ehrenamtlichen und über 5.600 hauptamtlichen Mitarbeiter/innen (Arbeitsvolumen knapp 11
Mio. Stunden jährlich) 2 seit 150 Jahren in verschiedensten Aufgabenbereichen der humanitären Hilfe. Die einzelnen Hilfeleistungen lassen sich in fünf große Teilbereiche gliedern:
- Rettungs- und Krankentransportdienst (RKT)
- Nationale und internationale Großunfall- und Katastrophenhilfe (GUF/KAT)
- Gesundheits- und soziale Dienste (GSD)
1 www.roteskreuz.at (Abfrage 20.05.2010)
2 www.roteskreuz.at - Daten aus dem Jahr 2008 (Abfrage 20.05.2010)
20
Arbeit zitieren:
Mag. Daniel Struggl, 2010, Informelle Kompetenzentwicklung von Ehrenamtlichen in humanitären Hilfsorganisationen am Beispiel des Österreichischen Roten Kreuzes, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Florian Goller gefällt Informelle Kompetenzentwicklung von Ehrenamtlichen in humanitären Hilfsorganisationen am Beispiel des Österreichischen Roten Kreuzes
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik: Informelle Kompetenzentwicklung von Ehrenamtlichen in humanitären Hilfsorganisationen am Beispiel des Österreichischen Roten Kreuzes ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik: neuer Titel erschienen: Informelle Kompetenzentwicklung von Ehrenamtlichen in humanitären Hilfsorganisationen am Beispiel des Österreichischen Roten Kreuzes
Die Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866 und der weltweit erste E...
Der Deutsche Krieg von 1866, B...
Klaus Pfeifer, Erich Neuss
Konsumentenverhalten bei Biowein am Beispiel Österreich
Psychologische Determinanten u...
Christine Weiss
Das Deutsche Rote Kreuz unter der NS-Diktatur 1933-1945
Birgitt Morgenbrod, Stephanie Merkenich
Informelles Lernen und Kompetenzentwicklung für und in beruflichen Wer...
Dargestellt am Beispiel einer ...
Steffen Kirchhof
0 Kommentare