wir bei einem Wettbewerb zum Thema „Fremd sein, Freund sein“ in Geschichte und Gegenwart, bei dem die Schüler sich mit entsprechenden Darstellungen in verschiedenen Medien auseinandersetzen sollten. Unser Vorschlag wurde zwar nicht akzeptiert, aber wir hatten so unser Thema und die Idee gefunden, uns in den 3 Dimensionen von Vergangenheit (1939), Gegenwart (2009) und Zukunft (2050) mit dem Thema auseinander zu setzen. Außerdem ist von dieser Bewerbung die Methode 'hängen geblieben', erst parallel in den 3 Schulgruppen einen Film zu gucken und zu bearbeiten und davon ausgehend Szenen für ein Theaterstück zu entwickeln, die bei verschiedenen Vortreffen vorgestellt und miteinander diskutiert werden sollen.
Da an den Schulen in Yifat, Nijmegen und Düsseldorf, Theaterspielen entweder als Schulfach oder als AG angeboten wird, gab hier keine größeren Probleme mit der gewählten Methode. Die Schule in Dzialdowo entschied sich für eine Kooperation mit dem örtlichen Jugendkulturhaus und der dortigen Theaterpädagogin, um so auch einen eigenen Beitrag leisten zu können.
Als Kommunikationssprache zwischen den Lehrern bot sich zunächst Deutsch an, da in Nimwegen und Dzialdowo Deutschkolleginnen das Projekt leiteten. Je mehr Kollegen aus beiden Schulen sich aber am Projekt beteiligten (und insbesondere im Blick auf die Israelis) umso mehr wechselte die Kommunikation ins Englische. Bei den Schülern war es eh (fast) immer das Englische.
Trotz einiger Bedenken wegen der - fast schon sprichwörtlich gewordenen - umfangreichen und detailverliebten EU-Anträge entschieden wir uns - mangels Alternativen - dazu, einen Comeniusantrag zu stellen. Das Ausfüllen der Formulare machte noch viele Telefonate, E-Mails und Skype-Konferenzen nötig, doch stand am Ende der Mühen die erhoffte Bewilligung. Dieser EU-Zuschuss ermöglichte es also den Schulen in Polen, den Niederlanden und Deutschland intensiv zusammen zu arbeiten. Die Schule in Israel, für die eigene, kirchliche Fördergelder gefunden werden konnten, wurde über den Projektfortschritt regelmäßig informiert, damit sie möglichst gleichberechtigt am ersten Höhepunkt, den Auftritten beim II. Ökumenischen Kirchentag, mit einer kleinen Gruppe (6 Schüler plus 2 Lehrerinnen) teilnehmen konnte.
Als Ziel formulierten wir: „Generelles Ziel des Projektes ist es, ein dauerhaftes Netzwerk zwischen den beteiligten Schulen einerseits und den Jugendlichen andererseits aufzubauen, so dass die Schulen ihre europäische und interkulturelle Bildungsarbeit weiter qualifizieren
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können und die Jugendlichen (nach dem Schulabschluss) ohne den institutionellen Rahmen der Schulen die entstandenen Kontakte weiterführen können. ... Als Mittel dazu werden die Schülerinnen und Schüler lokal, überschulisch und bei gemeinsamen Treffen Medien und mediale Darstellung als Ort und Quelle freundlichen und feindlichen Verhaltens erfahren und Wege suchen, eigene thematische Aussagen medial in unterschiedlichen Formen zu gestalten und einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren sowie den eigenen Lernprozess dokumentieren, evaluieren und valorisieren.”
2. Projektverlauf - geplant, realisiert
Dank einer intensiven Kommunikation zwischen den beteiligten Lehrern in Nimwegen, Dzialdowo und Düsseldorf konnten wir schon vor dem offiziellen Programmstart am 1.8. einige Fragen klären, die laut Antrag erst beim ersten Projekttreffen besprochen werden sollten. So haben wir uns z.B. recht früh gemäß gemeinsamer Kriterien (der Film sollte möglichst aktuell sein und in möglichst vielen Übersetzungen vorliegen) auf den von allen zu guckenden Film einigen können. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ wurde gewählt da er (im Vergleich zu „Schindlers Liste) aktuell war, in 3 der 4 Sprachen vorlag und im Vergleich zu „Der Pianist“ weniger offene Gewalt enthielt. Inhaltlich bietet die Beziehung zwischen den beiden Kindern am Stacheldrahtzaun natürlich auch viel Stoff über Fremd sein, Freund sein, Grenzen und Grenzüberschreitungen, … nach zu denken, was auch an allen drei Schulen im September/Oktober geschah. Die jeweiligen Treffen wurden mit kleinen Protokollnotizen und Fotos dokumentiert und den anderen Gruppen zur Verfügung gestellt. Nach dem symbolischen Start des Projektes am 1. September 2009 stellte sich schnell heraus, dass wir unserem Plan weit voraus waren und der Wunsch, die Schüler aktiv an dem Projekt zu beteiligen, von diesen auch geteilt und eingefordert wurde. Deshalb änderten wir den Plan dahin gehend, dass am ersten Treffen im November in Nimwegen nicht nur 2 Lehrer, sondern auch 5 Schüler teilnehmen sollten.
Das Treffen, das ursprünglich von Sonntag bis Mittwoch stattfinden sollte, musste dann wegen Nebel über Danzig, der den Abflug des Billigfliegers verhinderte, kurzfristig auf Montag (9. November) bis Donnerstag verschoben werden. Dies tat der Stimmung aber keinen Abbruch, sondern stärkte im Gegenteil noch den Zusammenhalt angesichts des Engagements der polnischen Gruppe, die nun - dank einer Nacht im Zug - statt von Danzig von Breslau aus los flog.
Das Programm in Nimwegen, das von den niederländischen Schülern vorbereitet worden war, sah - immer unter dem Gedanken „Fremd sein, Freund sein” - neben Gesprächen mit
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der lokalen Beauftragten für die Städtepartnerschaften und die Euregio auch Besuche des Befreiungsmuseums sowie des Museums Orientalis (zu den 3 Religionen Judentum, Christentum, Islam) vor. Daneben gab es für die Schüler Zeit für eigenständige Aktivitäten in der Gesamtgruppe oder mit den gastgebenden Familien. Als Höhepunkt stellte sich aber der erste gemeinsame Theaterworkshop heraus, bei dem Talente entdeckt und Ideen entwickelt wurden. Ungeahnte Langzeitwirkungen zeigte auch eine kleine Einheit im Computerraum, die die Schüler auf unseren Vorschlag hin zur Etablierung einer „Comeniusgruppe“ auf Facebook nutzten, in die in kürzester Zeit auch die Nicht-Anwesenden integriert wurden und auf der bis heute immer wieder neue Fotos der Treffen eingestellt werden und so der Austausch intensiv gepflegt wird.
Zu einer Nebenspur des Gesamtprojektes hat sich die spontane Idee einiger niederländischer und deutscher Schüler entwickelt, gemeinsam den Weihnachtsmarkt in Düsseldorf zu besuchen. Mittlerweile hat sich daraus ein reger, eigenständiger nachbarschaftlicher Austausch entwickelt, der von den Lehrern nur moralisch unterstützt wird.
Die Zeit zwischen den Treffen in Nimwegen (Nobvember 2009) und Dzialdowo (Februar 2010) sollte von allen drei Schulgruppen dazu genutzt werden, eigene Szenen zu entwickeln, die dann in Dzialdowo vorgestellt und diskutiert werden sollten. Dies geschah auch und erforderte einen ganzen, anstrengenden „Studientag“. Es zeigte sich aber auch, dass die Idee „Straßentheater“ und nicht „Bühnentheater“ zu spielen, nur von der deutschen Gruppe umgesetzt worden war, was zu ersten Diskussionen darüber führte, wie verbindlich diese Absprache zu verstehen ist und wie sinnvoll sie sei angesichts der Aussicht, beim Ökumenischen Kirchentag drei- von viermal auf einer Bühne (und nicht auf der Straße) zu spielen.
Auch hier kamen inhaltliche Aspekte - Führung durch die deutsch-jüdisch-polnische Stadt Thorn/Thorun und durch Dzialdowo/Soldau - sowie Freizeitaspekte nicht zu kurz. Als besonders kommunikationsfördernd und 'Eisbrecher' im polnischen Winter, erwies sich die gemeinsame Anreise der deutschen und niederländischen Gruppe, was ein Kennen Lernen in kleiner Runde ermöglichte, sowie die Abholung vom und das Begleiten zum Flughafen durch die polnische Gruppe, für die dieses Engagement jeweils knapp 8 Stunden Busfahrt bedeutete.
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Arbeit zitieren:
Alfons Scholten, 2010, Fremd sein – Freund sein zwischen 1939, 2009 und 2050, München, GRIN Verlag GmbH
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