2 Gender Mainstreaming
Gender Mainstreaming heißt, dass alle Organisationen geschlechtsspezifische Belange in allen Entscheidungsprozessen berücksichtigen. Den Belangen von Frauen und Männern soll in gleichem Maße gerecht werden, weiterhin soll dazu beigetragen werden, dass Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten beseitigt werden. Allgemein legt Gender Mainstreaming den Fokus auf Frauen, Männer und Geschlechterverhältnisse, sieht die Gleichstellungspolitik als integrierte Aufgabe und ist in der zuständigen Position für alle Beteiligten. Im Besonderen blickt Gender Mainstreaming auf Frauen, die benachteiligt und diskriminiert werden. Die Gleichstellungspolitik wird als eigenständig Aufgabe verstanden und ist vor allem Zuständigkeit als Frauenbeauftragter (siehe Bornheimer, Raddatz, Rütz, 2005, S. 1).
Die Europäische Union spricht bei Gender Mainstreaming von der "Einbindung der Chancengleichheit" in alle Maßnahmen (siehe Bornheimer, Raddatz, Rütz, 2005, S. 3).
Der Begriff „gender“ (engl.) ist ein Sammelbegriff für alle mit dem Geschlechtsunterschied verbundenen Eigenschaften, Verhaltensweisen, Stereotype, sozialen Zuordnungen, kulturellen Zuschreibungen usw., die nicht biologisch vorgegeben sind (siehe Rohrmann, 2010).
Einfach übersetzt meint „gender“ das „soziale Geschlecht“. Außerdem bedeutet es, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt zu berücksichtigen. Einerseits sollen Geschlechterdifferenzen wahrgenommen werden, andererseits sollen diese Differenzen aber nicht als Rollenzuweisungen verfestigt werden (siehe Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2010). „Mit Gender sind also immer auch Vorstellungen von Geschlecht gemeint, die sich ändern lassen“ (ebd.). Der Begriff „Mainstreaming“ bedeutet, laut Duden, wörtlich „in den Hauptstrom einbringen“. Kurzum sollen geschlechtsbezogene Fragen in der ganzen Breite des Alltags berücksichtigt werden. Die Wurzeln des Gender Mainstreaming stammen aus der weltweiten Frauen- bewegung. Gender Mainstreaming wurde auf der 4. Weltfrauenkonferenz 1995
in Peking als Leitprinzip für alle Regierungen und Organisationen beschlossen. Seit 1996 ist Gender Mainstreaming durch die EU-Verträge und durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union zur Durchsetzung von Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern in allen EU-Mitgliedsstaaten verbindlich (siehe Rohrmann, 2010).
Im Jahr 2000 wurde in Deutschland ein Grundlagenpapier zum Gender Mainstreaming entworfen. Die Bundesministerien der Bundesrepublik Deutsch-land sind dazu angehalten, die Gleichstellung als Leitprinzip zu verfolgen (siehe Bornheimer, Raddatz, Rütz 2005, S. 4).
Folglich ist das Ziel die Gleichstellung, das auch im GG Art. 3 Abs. 2 verankert ist. Dies soll vor allem mit dem Konzept des Gender Mainstreaming umgesetzt werden. Diskriminierungen vor allem in Hinblick auf Geschlechterverhältnisse sollen verhindert werden. Unterschiede sollen erkannt werden, damit diese sich daraus ergebenen Nachteile beseitigt werden können. (siehe Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2010).
3 Gleichstellung von Jungen und Mädchen - geschichtlicher
Rückblick
Es folgt ein kurzer historischer Streifzug durch die Geschichte der Entwicklung von Bildung und Erziehung von Jungen und Mädchen.
Im antiken Griechenland gab es nur private Schulen und selbst diese waren nur den Jungen vorbehalten. Zur Römerzeit war die Schule nur für die Oberschicht geöffnet und natürlich auch nur für die Jungen. Vermittelt wurden Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben. Im Mittelalter war die Schule für den kirchlichen Nachwuchs bestimmt und dieser war ausnahmslos männlich. Dem geistigen Umbruch in der Zeit der Aufklärung (18. Jahrhundert) ist zu verdanken, dass die Schulbildung von der kirchlichen Verantwortung in die staatliche Verantwortung überging. Da Gleichheit ein Postulat der Aufklärung war, wurde es nun den Mädchen ermöglicht eine Schule zu besuchen (siehe Rhyner, Zumwald, 2002, S. 14).
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Die Gleichheit wurde durch das im späten 18. Jahrhundert eingeführte Gesetzt zur Schulpflicht manifestiert. Jedoch galt dies nur für die Elementarbildung, weiterführende Schulen waren nach wie vor den männlichen Bürgern vergönnt. Zur Zeit der Industrialisierung wurde die Bildung der Mädchen auf die spätere Rolle als Mutter ausgerichtet. Die damaligen „Höhere Töchterschulen“ gestatteten nun auch Mädchen einen Zugang zur Bildung über den Elementarunterricht hinaus, jedoch zielten die Inhalte wiederum auf das spätere Dasein als Hausfrau und Mutter ab (siehe Rhyner, Zumwald, 2002, S. 15). Erst 1920 wurde ein Antrag angenommen, der eine Regelung des Mädchenschulwesens analog des Jungenschulwesens forderte. Doch diese Forderung wurde zur Zeit des Nationalsozialismus gänzlich in den Hintergrund gestellt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verlangte als erstes die katholische Kirche die Gleichheit in der Schulbildung von Mädchen und Jungen. Im Zeitraum 1950 - 1960wurden in Westdeutschland die meisten Schulen koedukativ (siehe Rhyner, Zumwald, 2002, S. 16f.)
Heute drückt sich die Chancenungleichheit zwischen Mädchen und Jungen vor allem im „heimlichen Lehrplan“ aus: Das Schulwissen beinhaltet normsetzende Verallgemeinerungen und Erfahrungen, die von einer männerprägenden Gesellschaft bestimmt werden. Die Männerwelt steht nach wie vor im Vordergrund. Mädchen und Frauen werden in den Unterrichtsmaterialien zu wenig oder wenn nur andeutungsweise aufgenommen. Meist erfüllen die Schulbücher die Standards zur Gleichstellung auch in der heutigen Zeit bei weitem nicht (siehe siehe Rhyner, Zumwald, 2002, S. 22f.).
4 Grundlagen einer geschlechtsbewussten Pädagogik
Geschlechterstereotype existieren als Vorstellungen und Meinungen in den Köpfen der Mitglieder einer Gemeinschaft und sind als Regeln prägend (siehe Bornheimer, Raddatz, Rütz, 2005, S. 18). Beispiele hierfür wären, dass Frauen emotional und verständnisvoll sind, Männer dagegen stark und offenbaren ihre Gefühle ungern. Die Unterscheidung von Geschlechtern sowie die Fähigkeit zur
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Zuordnung von Verhaltensweisen, die zum eigenen oder anderen Geschlecht passen, können Kinder bereits am Ende des zweiten Lebensjahres vornehmen (siehe Trautner, 2010, S. 36). Kleinkinder wissen schon häufig, ob sie männlich oder weiblich sind und können Menschen auch danach bestimmen. Im Vorschulalter spielen Kinder meist mit geschlechtstypischem Spielzeug, Mädchen bevorzugen Puppenspiele oder Plüschtiere, Jungen sind vorwiegend mit Bausteinen oder Spielzeugautos anzutreffen. In der Schule machen die Kinder Erfahrungen damit, dass es durchaus Gemeinsamkeiten der Geschlechter gibt und so können Geschlechterrollen individuell entwickelt werden (siehe Bornheimer, Raddatz, Rütz 2005, S. 18f.).
a. Gründe für eine geschlechtsbewusste Pädagogik
Eine geschlechtsbewusste Pädagogik ist vor allem vonnöten, weil in unserem kulturellen System des Geschlechtssystems, in der die Femininität anders und insbesondere geringer als die Maskulinität bewertet wird. Vordergründig geht es um Spielräume in der Entwicklung der Identität von Mädchen und Jungen, nicht um die Konstruktion eines richtigen oder falschen Mädchen- bzw. Jungentyps. In unserer Kultur werden Dinge und Menschen vergeschlechtlicht und klassifiziert, menschliches Denken, Fühlen, Handeln, Verhaltensmuster und Eigenschaften werden geschlechtsspezifisch zu- und eingeordnet. Das soziale Geschlecht wird aktiv in der alltäglichen Interaktion u.a. durch gesellschaftliche Normen, Sanktionen, Stereotype, Kleidung, Umgangsweisen impliziert.
Das Geschlecht ist ein Ordnungsprinzip in unserer Gesellschaft. Frauen werden in ihrer gesellschaftlichen Anerkennung und auch in der Gehaltsklasse geringer eingestuft als Männer. Wenn Jungen sich nicht geschlechtskonform verhalten, werden sie schnell als „unnormal“ oder gar als homosexuell abgestempelt. Wegen all diesen Punkten wird eine geschlechtsbewusste Pädagogik gebraucht (siehe Bornheimer, Raddatz, Rütz, 2005, S. 20).
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Arbeit zitieren:
Jasmin Jasz, 2010, Gender Mainstreaming in Bezug auf Mädchenbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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