2
Inhalt
Inhalt
1 Einleitung - Aufklärung als Massenbetrug. 3
2 Die Kulturindustrie 4
2.1 Kunst und Kultur - Vom Gebrauchswert zum Tauschwert 5
2.2 Der Warencharakter und das Bewusstsein der Konsumenten 7
2.3 Im Interesse der herrschenden Klasse 12
3. Test der Thesen an der Fernsehserie „Verbotene Liebe“ 14
3.1 Inhalt und Aufbau. 14
Plot 1: Der Adelige will Rache nehmen 15
Plot 2: Lydia und Sebastian wollen heiraten 16
Plot 3: Die verschollene Mutter 17
Aufbau der Serie. 18
3.2 Warencharakter und Ideologie 18
4 Fazit 22
Verzeichnis der verwendeten Literatur 26
Verzeichnis 26
Verzeichnis 26
Verzeichnis 26
3
1 Einleitung - Aufklärung als Massenbetrug
Mit dem Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit hatten sich die Anhänger der Epoche der Aufklärung ein edles Motiv auf die Fahne geschrieben. Der Mensch sollte in seine Vernunft und seinen Verstand vertrauen, überholte Weltbilder abschütteln, sich von den alten Herrschaftsverhältnissen emanzipieren. Besonders in den westlichen Ländern werden diese Prinzipien, wie beispielsweise der kategorische Imperativ von Kant, noch heute als äußerst wichtige Kulturgüter verstanden.
Inwiefern diese Art der Reformierung des Denkens erfolgreich war, bzw. sich tatsächlich die Vernunft durchsetzen konnte, wird von den Anhängern der kritischen Theorie bezweifelt. Zwar werden auch hier die Gedanken der Aufklärung untrennbar mit der Freiheit des Menschen verbunden, jedoch kann im Sinne einer dialektischen Geschichtsbetrachtung jedem Mittel zur Überwindung von Herrschaft auch ein potentiell repressives Element zugeschrieben werden. Der Verdacht ist also der, dass die Gedanken der Aufklärung nicht nur als ein Werkzeug zur Emanzipation und zur Durchsetzung der Demokratie bewertet werden dürfen, sondern darüber hinaus auch als Herrschaftsinstrument verstanden werden müssen.
Im Zentrum der Kritik stehen hierbei das instrumentelle Denken und der Glaube an die Berechenbarkeit der Welt. Anstelle der Mythen trete, von einer Art Aberglaube ebenfalls nicht weit entfernt, der uneingeschränkte Glaube an die Rationalität und die wissenschaftliche Erkenntnis. So heißt es in der Dialektik der Aufklärung: „Was die Menschen von der Natur lernen wollen, ist, sie anzuwenden, um sie und die Menschen vollends zu beherrschen. Nichts anderes gilt. Rücksichtslos gegen sich selbst hat die Aufklärung noch den letzten Rest ihres eigenen Selbstbewusstseins ausgebrannt.“ 1
1 Adorno, Theodor W./Horkheimer, Max: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt/M.
2008 17 , S. 10.
4
Die Ideale der Aufklärung würden sich nach Adorno und Horkheimer selbst verraten und die Entzauberung der Welt scheine ihr Versprechen nicht einhalten zu können. Der Mythos um Zahlen und Formeln bewege sich also lediglich auf einer anderen Ebene. Die Menschen würden nach wie vor beherrscht, die Verhältnisse durch Wissenschaft und Technik legitimiert. Die Aufklärung ende somit im Betrug der Massen. Laut Horkheimer und Adorno spielen die Massenmedien in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle. So muss zum einen davon ausgegangen werden, dass die Botschaften einen Einfluss auf das Bewusstsein der Konsumenten ausüben und zum anderen wird vermutet, dass die Produzenten relativ unkritisch gegenüber den bestehenden Herrschaftsverhältnissen blieben, da sie selbst in diese eingebunden sind. Welche Folgen dies für die Inhalte der Produkte, das Individuum und die Gesellschaft habe, wird im ersten, dem theoretischen Teil der Arbeit, erläutert. Die von Adorno angeführten Gründe für diese Entwicklung und ein möglicher Ausgang aus dieser Dilemma‐Situation sollen ebenfalls an dieser Stelle angeführt werden. Der zweite Teil der Arbeit stellt sozusagen einen Test der Thesen Adornos dar. 2 Zu diesem Zweck soll der Inhalt der Vorabendsendung „Verbotene Liebe“ zunächst analysiert und anschließend in Bezug zur kritischen Theorie bewertetet werden. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit, welches die gewonnenen Erkenntnisse kritisch bewertet.
2 Die Kulturindustrie
Zentral für Adornos Kulturkritik ist die Unterscheidung zwischen Kunst bzw. traditioneller Kultur und den Produkten der Massenmedien. Erstere haben nach dessen Überzeugung den Anspruch, nicht nur ein Abbild der Realität zu sein, sondern immer auch Einspruch gegen die verhärteten Verhältnisse zu erheben. Die Kunst, so heißt es im Text „Prolog
2 Anmerkung: Die „Dialektik der Aufklärung“ ist natürlich in Zusammenarbeit zwischen Adorno und
Horkheimer entstanden. Es hat sich jedoch durchgesetzt, dass das Kapitel zur Kulturindustrie Adorno
zugeschrieben wird. So besteht die gedruckte Fassung aus einem, von beiden Autoren zweimal
überarbeiteten, Manuskripts Adornos. Obwohl der Einfluß Horkheimers wohl auch hier nicht zu
unterschätzen ist, beschränke ich mich daher bei Verweisen zum Text auf Adornos Namen.
5
zum Fernsehen“, habe es mit dem Protest des von der Zivilisation verschandelten Unbewussten zu tun. 3
Die heutige Kultur, im allgemeinen unter dem Begriff der Massenmedien zusammen‐ gefasst, habe diese Funktion jedoch verloren. Seien es Fernsehen, Radio oder der Film, die Produkte seien allesamt zur Ware verkommen. Vor diesem Hintergrund wählten Horkheimer und Adorno ganz bewusst den Begriff der Kulturindustrie. Denn analog zu den Produzenten der Industrie, regiert auch im Bereich der Medien das Dogma der Profitmaximierung. Auch wendet sich eine solche Beschreibung gegen den „verharmlosenden“ Begriff der Massenmedien, welcher eine nützliche Funktion für die Massen suggeriert.
2.1 Kunst und Kultur - Vom Gebrauchswert zum Tauschwert
Die Trennlinie zwischen der Kultur als Ware und den Produkten geistiger Autonomie wurde oftmals als unhaltbare Dichotomie kritisiert. Nach Adorno ist die Unterscheidung jedoch als eine idealtypische Illustration der Verhältnisse zu verstehen: „Die Autonomie der Kunstwerke, die freilich kaum je ganz rein herrschte und stets von Wirkungszusammenhängen durchsetzt war, wird von der Kulturindustrie tendenziell beseitigt (...). Der Unterschied zwischen Kunst und Kulturindustrie ist dann der, dass diese zwar immer auch Ware war, jene aber stets durch und durch nur Ware ist.“ 4
Im Sinne der marxschen Terminologie kann hierbei zwischen dem Gebrauchswert und dem Tauschwert einer Ware unterschieden werden. Ersterer identifiziert lediglich die Nützlichkeit eines Gegenstandes oder einer Dienstleistung. So wird der Käufer eines
3 Adorno, Theodor W.: Kulturkritik und Gesellschaft II. In: Gesammelte Schriften Band 10.2, Frankfurt/M.
1977b, S. 515.
4 Kausch, Michael: Kulturindustrie und Populärkultur. Kritische Theorie der Massenmedien, Frankfurt/M.
1988, S. 84.
6
Kugelschreibers, insofern er ihn nicht gewinnbringend verkaufen will, lediglich an dessen Nutzung bzw. an der Möglichkeit damit schreiben zu können, interessiert sein. Auch jegliches Kulturprodukt trägt in sich einen Gebrauchswert. Dieser kann im günstigsten Fall in einer tieferen geistigen Weiterentwicklung oder aber in einer seichten Zerstreuung liegen. Ohne nun die marxsche Wertlehre im Detail darstellen zu wollen, kann zum Tauschwert gesagt werden, dass dieser als notwendige Abstraktion vom Produkt sich im Wert einer Ware manifestiert. Nur so sei es nach Marx möglich, dass ‐ ihrer Funktion nach ‐ völlig unterschiedliche Güter vergleichbar werden und somit auch auf dem Markt konkurrieren können. 5 Der Unterschied zwischen Kunst und den Produkten der Kulturindustrie ist nun der, dass der Künstler im Idealfall vornehmlich an der Schaffung eines Gebrauchswertes interessiert ist, wohingegen bei der Entstehung heutiger Massenmedien ausschließlich die Verwertung, bzw. der Tauschwert eine Rolle spielt. Dass der einzige Zweck vieler Kulturprodukte lediglich in einer möglichst gewinn‐ bringenden Vermarktung liegt, wird von den Produzenten nicht mehr geleugnet. Es wird sich auch gar nicht die Mühe gemacht, diesen Sachverhalt zu verdecken oder schön zu reden. Nach Adorno werde vielmehr dem Konsumenten die erfolgreiche Profitmaximierung noch als Qualitätssiegel des Produktes verkauft. Inwiefern hierdurch die Industrie eine Ideologie vermittle, welche auch gegen eine autonome Kunst wettere und die bestehenden Strukturen festige, hat der Soziologe Heinz Steinert auf anschauliche Weise formuliert: „Ideologie ist das selbstbewusste Verkünden, Kunst sei nichts als Geschäft, wenn damit die Möglichkeiten von Kunst weiter niedergehalten werden. Ideologie ist nicht nur der Betrug über die Wirklichkeit, sondern auch die Unterdrückung der Möglichkeit. Es kann schon die Wahrnehmung von (vergangenen wie zukünftigen) Möglichkeiten der Entwicklung oder des anderenLebens verhindert werden, indem die empirische Wirklichkeit als übermächtig und die einzig mögliche behauptet wird.“ 6
5 Anmerkung: Eine genaue Darstellung zur Entstehung des Tauschwertes findet sich im „Ersten Buch“ aus
dem Werk „Das Kapital“ von Karl Marx.
6 Steinert, Heinz: Kulturindustrie, Münster 1998³, S. 75.
7
2.2 Der Warencharakter und das Bewusstsein der Konsumenten
Im ersten Moment wird also festgestellt, dass sich die Triebfeder der künstlerischen bzw. Kultur schaffenden Tätigkeit verändert hat. Um nun auf den spezifischen Warencharakter heutiger Kulturprodukte und insbesondere auf die Folgen für das Bewusstsein der Konsumenten einzugehen, hat Adorno besonderen Wert auf die Inhaltsanalyse verschiedener Produktionen gelegt. Grundlage für seinen Text „Fernsehen als Ideologie“ war beispielsweise das Material aus vierunddreißig Fernsehspielen [=Fernsehsendungen; S.N.]. Im Ergebnis konstatiert er den Inhalten dabei eine ideologische Starrheit, welche eine Art Verdopplung der Wirklichkeit nach sich ziehe. Da im zweiten Teil der Hausarbeit nicht auf alle angeführten Thesen Adornos eingegangen werden kann - wie beispielsweise dem Zirkel aus Manipulation und rückwirkendem Bedürfnis - stellen die folgenden Annahmen den Großteil der überprüfbaren Thesen dar.
Im Gegensatz zur traditionellen Kunst, welche den eigentlichen Gehalt nicht direkt vermittle, sondern im günstigsten Fall über den Kontext des gesamten Werkes eine Aussage entfalte, beschränke sich die Botschaft der Kulturindustrie auf das Immergleiche, sich ständig Wiederholende. Gerade so genannten Seifenopern kann diese Eigenschaft problemlos attestiert werden. Anstatt den Plot auf ein Ende der Serie oder einer Staffel auszurichten, reihen sich Intrigen und Affären aneinander, ohne dass ein Ende der Geschichte, geschweige denn eine sinnvolle Aussage zu erkennen wäre. So auffällig verhält es sich natürlich nicht mit allen Produkten. Adorno geht jedoch so weit zu sagen, dass alle Massenkultur unterm Monopol identisch ist. Unterschiede seien demnach illusionär. Für alle sei etwas vorgesehen und damit keiner ausweichen könne, würden die Unterschiede eingeschliffen und durch die Produzenten propagiert. 7 Gegenüber stehe dieser ständigen Wiederholung der Zwang, ständig etwas Neues präsentieren zu müssen. Auf diese Weise schaffe die Kulturindustrie eine Mode, die zwar stets in neuem Gewand erscheine, aber nur an der Oberfläche differiere. Diesen Widerspruch ‐ dem der Kulturbetrieb unweigerlich ausgesetzt sei ‐ setzt Adorno „in Beziehung zum Grundwiderspruch der modernen Zeit, den er mit Marx definiert als den
7 Vgl. Adorno/Horkheimer (2008 17 , S. 131).
Arbeit zitieren:
Nikolai Schön, 2009, Adornos Thesen zur Kulturindustrie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Soziologie - Medien, Kunst, Musik: Adornos Thesen zur Kulturindustrie ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Soziologie - Medien, Kunst, Musik: neuer Titel erschienen: Adornos Thesen zur Kulturindustrie
Nikolai Schön hat einen neuen Text hochgeladen
Lüge und Linguistik: Pragmalinguistische Untersuchungen am Beispiel vo...
Dennis Strömsdörfer
PONS Französisch Lust & Liebe. Die 1000 wichtigsten Wörter
Caroline Kober, Cordula Schurig, Uwe Vaartjes
0 Kommentare