1) Einleitung
Im Rahmen dieser Hausarbeit werden zwei Interventionsprogramme vorgestellt und analysiert, welche die Bedeutsamkeit partnerschaftlicher Kommunikation in den Mittelpunkt stellen.
Zum einen sollen durch das partnerschaftliche Lernprogramm EPL Paaren, die in den ersten Beziehungsjahren befindlich sind und diese Beziehung vertiefen wollen, kommunikative Fertigkeiten vermittelt werden, damit sie partnerschaftliche Konflikte und psychische Probleme im Alltag (besser) bewältigen können. Der Gedanke der Prävention spielt hierbei eine besondere Rolle und wird an anderer Stelle ausführlicher behandelt.
Zum anderen werden mit Paaren, deren Beziehung bzw. Ehe schon einige Jahre besteht und weiter bestehen soll, mittels dem Programm Konstruktive Ehe und Kommunikation (KEK) grundlegende Gesprächs- und Problemlösefertigkeiten erarbeitet und eingeübt.
Im Anschluss an das Vorstellen der genannten Interventionsprogramme EPL und KEK, in dem es vorrangig um Inhalte, Ziele und Methoden gehen wird, sollen Nützlichkeit und Wirksamkeit hinterfragt werden. Theoretische Grundlagen zu den Themen Interventionsprogramme und Wirkung sowie Partnerschaft und Kommunikation bilden den einleitenden Part und sind somit Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit.
2) Theoretische Grundlagen
2.1) Was ist ein Interventionsprogramm 1 ?
Eine Intervention ist die Anwendung einer bestimmten Interventionsmaßnahme in einem bestimmten Setting. Abgesehen von der chirurgischen und medikamentösen Intervention findet sie sowohl in der klinischen und pädagogischen Psychologie, als auch in der Arbeit-, Betriebs- und Organisationspsychologie (ABO) Anwendung, wobei es sich dabei um die Bereitstellung systematischer Übungen, Anleitungen, Beratungen, Trainings und/oder Unterweisungen handelt (Vgl. Hager & Hasselhorn, 2000, S. 41).
Unter Interventionsmaßnahmen verstehen wir jede Art von außengesteuerter, zielorientierter und systematischer Beeinflussung von Personen- und/oder Systemmerkmalen. Jede Interventionsmaßnahme besteht mindestens aus einer Menge von zu bearbeitenden Aufgaben bzw. Problemen und mindestens einer Methode der Instruktion (ebd., S. 41).
Man versucht dabei, Verhalten, Kompetenzen, Fertig- und Fähigkeiten sowie Einstellungen von Personen zu optimieren, bzw. zu verbessern. Hager und Haselhorn unterscheiden bei den Interventionsmaßnahmen vier Funktionen:
‐ Entfaltung, bzw. allgemeine Förderung (ohne dass ein spezielles oder allgemeines Defizit bei den Personen vorliegen muss),
‐ Prävention (zukünftig zu erwartende/zu befürchtende Defizite vorbeugen),
‐ Kurative Behandlung von manifest gewordenen Defiziten, Störungen im Verhaltens- oder Erlebensbereich,
‐ Im Zusammenhang mit Rehabilitation (Wiederaufbau von verlorenen Fähigkeiten oder Fertigkeiten; durch Störung oder Krankheit) (Vgl. Ebd., S. 42)
1 In der verwendeten Literatur werden die Bezeichnungen Interventionsmaßnahme und Interventionspro‐ gramm gleichgesetzt.
In dieser Arbeit werden Interventionsprogramme/-maßnahmen vorgestellt, die zum einen der allgemeinen Förderung der kommunikativen Fertigkeiten (KEK) und zum anderen der Prävention zu befürchtender kommunikativen Defizite (EPL) dienen. Im Allgemeinen haben Interventionsmaßnahmen die Ziele des „… Aufbau[s] von erwünschten [Fertig-und/oder Fähigkeiten] und Verhaltenstendenzen oder aber… [des] Abbau[s] von als hinderlich oder unerwünscht klassifizierten Verhaltens- und Erlebensweisen“ (Perrez, 1982, S. 461). Häufig werden beide Ziele angestrebt, wobei sie sich auf unterschiedliche Bereiche und Funktionen des Verhaltens und/oder Erlebens beziehen (Vgl. Hager & Hasselhorn, 2000, S. 42). Des Weiteren setzen Interventionsmaßnahmen auf verschiedenen Ebenen an (nach Perrez & Baumann, 1998, S. 13-14). Dabei unterscheidet man zwischen intrapersonellen Systemen 2 (Ebenen) und interpersonellen Systemen 3 . Die Programme EPL und KEK setzen auf der interpersonellen, d.h. zwischenmenschlichen Ebene an, weil sie bei Paaren in Zweierbeziehungen (Dyaden) eingesetzt werden, um deren Kommunikationsmuster zu verbessern.
In wie weit diese Maßnahmen ihre Wirkung und Wirksamkeit erreichen wird an andere Stelle aufzugreifen sein. Im folgenden Abschnitt soll kurz dargelegt werden, was man unter einer Partnerschaft versteht, durch welche Merkmale sich positives sowie negatives partnerschaftliches Kommunikationsverhalten auszeichnet und welche Auswirkungen bestimmte kommunikative Verhaltensweisen auf die Partnerschaft haben können.
2.2) Partnerschaft & Kommunikation
Die auf Dauer angelegte 4 , emotionale Beziehung zwischen zwei Menschen bildet nicht nur das Kernstück der Familie, sondern bedeutet
2 Intrapersonelle Systeme: Unterscheidung zwischen einfachen Funktionen (Gedächtnis) und komplexeren Funktionsmustern (Selbsterfahrung) (Vgl. Hager & Hasselhorn, 2000, S. 42).
3 Interpersonelle Systeme sind nicht nur Zweierbeziehungen, sondern auch Familien und Primärgruppen (Freundeskreis), Betrieb oder vergleichbare Organisationen, Schule, Gemeinde usw. Man unterscheidet nach Größe der Programmgruppe (Vgl. Ebd.)
4 Die Paarbeziehung erwächst aus wiederkehrenden Interaktionen beider Partner und ist durch Kontinuität geprägt, d. h., sie ist auf Dauer angelegt (Vgl. Kaiser, 2000, S. 1; Schneewind et al., 2000, S. 97).
… für die meisten Erwachsenen soziale Grundeinheit ihres Lebens. Lebensbereiche wie Sexualität, Zeugung und Elternschaft, Geburt, Kindheit und Entwicklung, aber auch Altern, Leiden und Sterben sind für die meisten Menschen untrennbar mit Partnerschaft und Familie verbunden (Kaiser, 2000, S. 1). Dabei unterscheiden sich eheliche von nichtehelichen Partnerschaften, wobei letztere in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich zugenommen haben (Vgl. Nave-Herz, 2000). In beiden Formen der Paarbeziehung geht man von einer mehr oder weniger intensiven körperlichen, sozialen und emotionalen Beziehung mit meist hoher Interaktionsdichte aus (Vgl. Kaiser 2000). Aufgrund der beigemessenen, hohen Bedeutung einer Partnerschaft im Leben der Erwachsenen liegt die Vermutung nahe, dass Erfahrungen und Erlebnisse aus dem partnerschaftlichen Bereich Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden und die Gesundheit haben, bzw. dass „Erlebnisse im Kontext von Partnerschaft und Familie… besonders zu Wohlbefinden bei[tragen] bzw. … Anlass zu Sorge oder gar Verzweiflung geben“ (Schütz, 2000, S. 194). Eine Definition für eine erfolgreiche, glückliche und gesunde Partnerschaft lässt sich allerdings nicht finden, denn der Grad der Partnerschaftszufriedenheit kann nur subjektiv erfasst werden und ist zudem abhängig von Lebensphase und -situation des Einzelnen (Vgl. Braukhaus, 2000).
In der Paarforschung unterscheidet man nicht nur verschiedene Beziehungsstile (Vgl. Bierhoff, 2000), sondern differenziert auch zwischen einzelnen Phasen und entsprechenden Entwicklungsaufgaben innerhalb einer Partnerschaft.
Arbeit zitieren:
Stefanie Fuchs, 2010, Kommunikationstrainings für Paare: EPL & KEK, München, GRIN Verlag GmbH
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