Die kultische Organisation in urbanen Gebieten des hethitischen Reichs
12. Juni 2010
Inhaltsverzeichnis
I Prolog 3
1. Forschungsstand und Methodik 3
1.1 Eingrenzung und deren materielle Überlieferungssituati-
on 3
1.2 Die philologische Aufarbeitung und daraus folgende Rückschlüsse auf das Kultver-
st ändnis der Hethiter 6
II Hauptteil. 8
2. Untersuchungen der materiellen Überlieferungen. 8
2.1 Modell und Aufbau eines Ritualtexts 8
2.2 Fundkontexte 9
2.3 Interkulturelle Einordnung 9
3. Philologische Untersuchungen 10
3.1 Form und Definition der Ritualtexte 10
3.2 Inhaltliche Kohärenzstörungen 12
3.3 Textentwicklung durch redaktionelle Modifizierungen 12
3.4 Datierungsmöglichkeiten 13
3.5 Die Namensnennung im Kolophon und Incipit 13
4. In kultische Handlungen involvierte Individuen 14
4.1 Die Rolle der Götter. 15
4.2 Der König 16
4.3 Der Hof 16
4.4 Der Priester 17
4.5 Die weise Frau 17
4.6 Die Privatperson. 18
III Epilog. 19
V Literaturverzeichnis. 22
Seite 2
I Prolog
Als Grundlage für Untersuchungen der Organisation innerhalb des hethitischen Tempelwesens werden mit Hilfe mehrerer archäologischer Methoden die verschiedenen Kulte isoliert. An-hand der Textgruppe der Ritualtexte wird das Kultwesen aus einer Nischenposition als Ausgangspunkt aufgeschlüsselt. Die Ambazzi-Texte CTH 391, CTH 429 und CTH 463 dienen hierzu als Modell.
Die Textgruppe wird zuerst anhand philologischer Diskussionen skizziert, ein Profil der davon unmittelbar betroffenen Individuen erstellt und schliesslich anhand materieller Hinterlassenschaft in einen umfassenderen archäologischen Zusammenhang gesetzt.
Ziel der Arbeit ist, aus den Untersuchungen eine Annäherung an das Tempelwesen als Modell zu formulieren. Das soziale Konstrukt wird dabei innerhalb des 14. und 13. Jahrhunderts vor Christus isoliert.
1. Forschungsstand und Methodik
Während für HAZENBOS 1 die kultische Organisation der Hethiter des 13. Jahrhunderts v.Chr. gut durch materielle Hinterlassenschaften und stark strukturierte kultische Organisation belegbar ist, vermisst CHRISTIANSEN 2 immer noch wichtige Schlüsselstellen. Dazu gehört zum Beispiel die spezifische Stellung der jeweiligen Kultfunktionäre innerhalb der Hierarchie des Hofes und dessen Funktion. Es mag sein, dass durch den Bruchteil der bis heute erhaltenen Funde niemals eine ganze Kultur und deren alltägliches Leben rekonstruiert werden kann. Mit Hilfe von verschiedenen archäologischen Disziplinen gelingt es jedoch, sich durchaus daran anzunähern. Man darf dabei jedoch nie aus dem Auge verlieren, dass Modelle nicht als gesichertes Wissen gelten dürfen.
1.1 materielle Überlieferungssituation
Abgesehen von den architektonischen Überresten konnten eine Vielzahl von Texten und Objekten ausgegraben werden, die in kultischem Zusammenhang stehen.
Die materiellen Hinterlassenschaften der Hethiter die als Textträger fungieren sind beachtlich in ihrer Quantität; so ist es möglich, diese in verschiedene Genres zu unterteilen und zu cha-
1 Hazenbos2003, S. 1
2 Christiansen 2006, S. 26
rakterisieren. Darunter finden sich Votivgaben 3 , Schwüre 4 , Flüche 5 , Träume 6 , Orakel 7 , Feste 8 , Rituale und Beschwörungen 9 . Anzumerken ist, dass es sich im kultischen Bereich vor allem um Texte handelt, die auf Stein- oder Tonplatten überliefert wurden. 10
3 Votivgaben sind Objekte, die oft im Rahmen einer Schenkung in kultischen Zusammenhang gebracht werden. Ihre Hauptfunktion ist nicht die eines blossen Textträgers; somit sind die Votivgaben in anderem Kontext zu betrachten. Aufgrund den Inschriften die zum Teil Beschwörungen enthalten können, werden sie in dieser Aufzählung genannt. In dieses Genre gehören Statuen, Statuetten, Weihplatten oder Opfergaben, die meist an den Tempel für den lokalen Gott gespendet werden, und folglich eine mehr oder minder ausführliche Weihinschrift tragen. Die Spender wurden im Gegenzug namentlich als solche in Inventarlisten aufgeführt, und bekamen teilweise Land oder Ermässigungen zugesprochen.
4 In den Inschriften der Votivgaben sind meist Versprechen zu finden, die durch hethitische Könige oder Königinnen gegeben werden. Sie thematisieren unter anderem Aufgaben gegenüber dem Tempel, zu denen sich die Mitglieder der königlichen Familie selbst verpflichtet haben. Die Votivgaben wurden nun den Göttern geschenkt, um diese gnädig zu stimmen und somit die Erfüllung des Versprechens zu begünstigen. Die meisten auf Votivgaben verzeichneten Schwüre stammen von Hattushili III und Puduhepa.
Schwüre werden als Textgattung von Ritualtexten abgegrenzt, obwohl sich beide Genres zum Teil sehr ähnlich sind. Die Schwüre sind persönlicher und können meist direkt einem spezifischen Ereignis zuge-ordnet werden.
Die Auswertung der Fundsituation gestaltet sich jedoch etwas schwieriger, da hierzu nicht viel bekannt ist. Der verhältnismässig kleine Anteil der Votivtexte stammt fast ausschliesslich von Büyükkale und dem
Fundorte sind zwar vergleichbar mit denen der Ritualtexte, variieren jedoch im Verhältnis der Quantität. Hazenbos 2003, S. 8
5 Ein weiteres Textgenre sind die Fluchinschriften, die den Zweck hatten die lokale Bevölkerung zu einer Unterlassung einer Handlung zu bewegen. Angedroht wurden Strafen durch die politischen Mächte oder durch Götter. Anzumerken ist, dass wahrscheinlich nur die Elite lesen und schreiben konnte; so war die Effizienz beim öffentlichen Publikum von Vornherein in Frage gestellt.
6 Weniger in religiöser Hinsicht, sondern in kultischer, müssen die Träume und deren Deutung betrachtet werden. Durch die Vielzahl der hinterlassenen Texte wird die Wichtigkeit dieses Genres ausgedrückt, das einen unmittelbaren Bezug zum alltäglichen Leben herstellt. Es wird ähnlich wie die Orakeltexte gewertet, da es sich hierbei um Glück oder Unglück in der Gegenwart und noch mehr in der Zukunft handelt, sowie die Frage, wie damit umzugehen sei. Dabei stehen Rituale in unmittelbarem Zusammenhang, um den Lauf des Schicksals zu beeinflussen.
7 Durch die grosse Masse an überlieferten Orakeltexten der hethitischen Kultur fällt das Augenmerk auf die verschiedenen Aspekte des Kultes an sich. Die Vogelschau, die Art Feste zu feiern, der Status der Kultobjekte in der Gesellschaft und die Ausführung der Kultpraxis durch die entsprechenden Personen fliesst in dieses Gebiet mit ein. Auch der Umgang mit dem Tempelinventar ist wichtig; hier im Bezug auf die Ritualtexte. Diverse Exemplare der Ritualtexte beziehen sich wiederum auf Orakel. Die Durchmischung der verschiedenen Textgattungen geht also in eine tiefere Ebene.
Entweder waren beide Gattungen ein Teil derselben Prozedur oder in ihnen liegt ein gemeinsamer Ursprung. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Orakelbefragungen den Anfang einer kultischen Manifestation innerhalb einer Kulturgruppe bildeten. Dafür spricht, dass die Fundorte der einzelnen Texte fast willkürlich wirken; eine Konzentration findet sich in der Umgebung von Büyükkale, wobei die Gebäude A 72 eine grössere Anzahl der Orakeltexte freigaben. Hazenbos 2003, S. 8 und E
8 Feste werden innerhalb einer geographisch-kultischen Gruppe in regelmässigen Abständen meist Jährlich durchgeführt. Ein Grossteil der Bevölkerung war dabei anwesend, wobei der König die Hauptrolle innehatte. Der Anlass war bei jedem der Feste ein anderer, wobei der Grundton von landwirtschaftlichen Ereignissen geprägt war. So wurden zum Beispiel die Jahreszeiten eingeläutet oder die Erntezeit einer bestimmten Pflanze gefeiert.
9 Die Niederschriften von bestimmten Ritualen und Beschwörungen werden nach CHRISTIANSEN als Ritualtexte bezeichnet. Sie werden vor allem in den Palast- und Tempelarchiven gelagert und stehen so
Leider wurden frühere Ausgrabungen stratigraphisch nicht den heutigen Methoden entsprechend dokumentiert; so sind viele Fundorte der Objekte nur ungefähr bekannt. Zur näheren Illustration eines kultischen Textes wird in dieser Arbeit als Beispiel der Ritualtext herangezogen.
Durch diverse Ausgrabungen in Anatolien liegen zu heutiger Zeit die Befunde von mehreren Städten vor, die über eine Akropolis verfügen. Das Herzstück dieser ist der Palast, der oft direkt neben dem Tempelareal situiert ist. Der Tempel selbst wurde bis jetzt als das Zentrum des urbanen Kultlebens betrachtet, wobei auch unterschiedliche Rituale ausserhalb dieses Areals stattgefunden haben müssen. Nicht zu vergessen sind nichturbane Heiligtümer, die sich weitab der Stadt in eher provinziellen Gebieten befanden; auf diese wird in der Arbeit aber nicht weiter eingegangen. Die Stadt, die im Rahmen dieser Arbeit als Beispiel dient, ist Hattusha.
Eine beachtliche Anzahl Ritualtexte befand sich im Palastareal, wobei detaillierte stratigraphische Befunde der ersten Expeditionen 11 fehlen. Dieser Fehler konnte erst bei späteren Ausgrabungen bereinigt werden. 12 HAZENBOS 13 weist hier auf die Unterscheidung von Kultinventaren und Palastinventaren 14 hin. Diese werden zwar in den gleichen Arealen gelagert und erfahren somit die gleiche administrative Handhabung, gehören aber je einem anderen Textgenre an. Es darf auch angenommen werden, dass bestimmte kultische Texte innerhalb des Reiches zirkulierten. 15
Nahezu ein Drittel der kultischen Textbestände wurden im Tempelareal 16 gefunden, wobei sie auf die östlichen Lagerräume und an der Wand des südlichen Areals konzentriert waren. Auch aus der Tempelumgebung wurden einige Texte ausgegraben. Der Rest der Funde stammt aus Büyükkale 17 , wo sie sich ebenfalls im östlichen Teil des Tempelareals befanden. 18
für den Respekt des Palasts gegenüber dem Kultwesen ein. Auf diese Textgattung wird später noch ausführlicher eingegangen. Hazenbos 2003, S.8
10 Nur bei den Votivgaben treten andere Formen auf; prominent ist hierbei vor allem das mit einer Inschrift versehene Rundbild.
11 Unter anderem in Bogazkale.
12 Hazenbos 2003, S. 6
13 Hazenbos 2003, S. 7
14 Das Palastarchiv fungierte wie ein Konto als Gefäss für Quittungen, Ausgaben des Palasts, Palastbesitze, Lieferungen, Inventarlisten und diversen anderen Listen. Ein Teil dieser Texte behandelte durchaus kultische Themen. Im Archiv befanden sich zusätzlich eine Reihe kultischer Objekte. Von Interesse für kultische Nachforschungen sind hier unter anderem Notizen über eine Gruppe von Steuerabgaben, die für einen bestimmten Gott reserviert wurden.
15 Hazenbos 2003, S. 7
16 Hazenbos 2003, S. 8
17 Die Königsburg.
18 Hazenbos 2003, S. 6
auch einzelne Exemplare in der ganzen Unterstadt verteilt waren. 19
Die restlichen Tafeln aus Bogazkale 20 wurden unter anderem innerhalb der Räume von Privathäusern lokalisiert, die auf ein grösseres Areal verteilt waren. 21
Die Befunde gelten allerdings nicht als Beleg für die Lagerung der Texte an einem bestimmten Ort. In Hattusha ergeben sich breit gefächerte Fundorte der Texte; beide Tempel, sowie der Palast von Hattusha bargen Teile des Kultbestandes. 22 HAZENBOS 23 sieht aus diesem Fundkontext den Palast als treibende Kraft für kultische Handlungen.
I.2 Die philologische Aufarbeitung und daraus folgende Rückschlüsse auf das Kultverständnis der Hethiter
Da sich ein grosser Teil des Kultbegriffs nicht auf einer materiellen Ebene erklären lässt, ist es unbedingt notwendig die ausgegrabenen Objekte anhand philologischer Methoden zu untersuchen. Bei religiösen Statuen, die oft Inschriften tragen, kann durch die Disziplin der Glyptik auf weitere Zusammenhänge geschlossen werden. Bei Tafeln kann diese Methode nur bei Zeichnungen angewandt werden. Der grosse Teil der kultischen Tafeln besteht aber aus Niederschriften von Beschwörungen, Orakeln oder weiteren religiösen Praktiken 24 .
Die meist aus Ton bestehenden Tafeln sind zwar nicht mehr vollständig erhalten, es existieren jedoch mehrere Kopien desselben Textes. Die verschiedenen Überlieferungen sind nicht nur für die Übersetzung von elementarem Wert, sondern bieten auch gute Ansätze für entwicklungsgeschichtliche Forschungen. Es können diverse Schreibformen isoliert werden, die anschliessend nach geographisch-kultischen Aspekten aufgeschlüsselt werden können. Aus der Stratigraphie gewonnene Datierungsvorschläge können nach diesen Untersuchungen zusätzlich präzisiert werden. 25
Um im Anschluss die Struktur des Tempelwesens zu erschliessen, zeigt es sich als notwendig zuerst das thematische Feld der Religion abzugrenzen; es darf angenommen werden, dass die Hethiter an eine höhere Macht glaubten, die in Form von Polytheismus in das alltägliche Le-
19 Hazenbos2003, S. 7
20 Die heutige Bezeichnung für Hattusha.
21 Hazenbos 2003, S. 6
22 Hazenbos 2003, S. 7
23 Hazenbos 2003, S. 7
24 Weitere Informationen hierzu befinden sich als Anmerkung in den Fussnoten 3-10.
25 Diese Thematik wird in Kapitel 3 ausführlicher behandelt.
Arbeit zitieren:
Lena Papailiou, 2010, Die kultische Organisation in urbanen Gebieten des hethitischen Reichs, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Archäologie: Die kultische Organisation in urbanen Gebieten des hethitischen Reichs ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Archäologie: neuer Titel erschienen: Die kultische Organisation in urbanen Gebieten des hethitischen Reichs
Lena Papailiou hat einen neuen Text hochgeladen
Handbook of Oriental Studies. Section 1 the Near and Middle East, Gesc...
Horst Klengel, H. Klengel, F. Imparati
Hethitische Orakel, Vorzeichen und Abwehrstrategien
Ein Beitrag zur hethitischen K...
Volkert Haas
Bestattungsrituale und Totenkult in der römischen Kaiserzeit. Rites fu...
Jörg Rüpke, John Scheid
Das Ritual Der Aatu (Cth 490): Rekonstruktion Und Tradition Eines Hurr...
Susann Gorke, Susanne Garke
Much Ado About Nothing. Textanalyse und Interpretation. Nordrhein-West...
Alle erforderlichen Infos zum ...
William Shakespeare, Alexandra Hausmann
The Prime of Miss Jean Brodie. Textanalyse und Interpretation
Alle erforderlichen Infos für ...
Muriel Spark
0 Kommentare