INHALTSVERZEICHNIS
Inhaltsverzeichnis
Vorwort IV
1 Einleitung 1
2 Hintergrund 2
2.1 Wohnen im Wandel 3
2.2 Wohnsituation im Alter 5
2.3 Wohnbedürfnisse im Alter 8
3 Wohnformen im Alter 10
3.1 Im eigenen Zuhause bleiben 11
3.1.1 Die Wohnraumanpassung 11
3.1.2 Mobile soziale Dienste 14
3.1.3 Betreutes Wohnen zu Hause 16
3.1.4 Ambulante Pflegedienste 17
3.1.5 Teilstationäre Betreuung - Tagespflege 18
3.2 Vorausschauende Wohnungswechsel im Alter 20
3.2.1 Betreutes Wohnen 20
3.2.2 Selbstorganisierte Wohn- und Hausgemeinschaften 22
3.2.3 Wohnstifte 25
3.3 „Rundum-Versorgung“ im neuen zu Hause 27
3.3.1 Betreute Wohn- und Hausgemeinschaften 27
3.3.2 Alten- und Pflegeheime 29
4 Kritische Darstellung der Wohnformen 32
5 Fazit 35
Literaturverzeichnis V
II
ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Tab. 2
Tab. 3
Tab. 4 Tab. 5
VORWORT
Vorwort
Die Idee, mich in meiner Bachelorarbeit mit der Thematik „Wohnformen im Alter“ aus-einanderzusetzen, entstand während meines zehnwöchigen Pflichtpraktikums bei der Arbeiterwohlfahrt Region Hannover, in der Abteilung der ambulanten Dienste. Dort erlebte ich oftmals eine weit verbreitete Unwissenheit, seitens der älteren Kunden, über ihre Möglichkeiten, Ansprüche und die bestehenden Angebote bezüglich des Wohnens im Alter. Viele der betagten Bürger wünschen sich ein selbstständiges Wohnen in den eigenen vier Wänden. Das „Wohnen im Alter“ ist in den Köpfen der meisten Menschen mit einem Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim verbunden. Doch dies ist ein weit verbreitetes Missverständnis in der Bevölkerung. Da es sich, meiner Meinung nach, beim selbstständigen Wohnen um einen zentralen Aspekt der Lebensqualität handelt, ist es wichtig, sich vor dem Hintergrund der heutigen Ausgangsbedingungen mit den zukünftigen Perspektiven des Wohnens zu beschäftigen. Ich arbeitete mich mithilfe von Literatur und praktischen Erfahrungen (im Rahmen meines Praktikums) in die Materie ein und fand ein umfangreiches, interessantes, aktuelles und zukunftsorientiertes Themengebiet vor, welches ich als geeignet empfand um meiner Bachelorarbeit ihren Titel zu verleihen.
IV
1 EINLEITUNG
1 Einleitung
Die Thematik „Wohnen im Alter“ ist aktuell und wird weit über die Gerontologie hinaus diskutiert, da sie aufgrund des demographischen Wandels in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Doch inwiefern steht der demographische Wandel mit dem Bereich des Wohnens im Alter in einem Zusammenhang?
Die Bevölkerung in Deutschland altert. Langfristige demographische Trends, wie eine niedrige Geburtenrate, eine steigende Lebenserwartung sowie ein sinkender Anteil von Kindern und Jugendlichen werden in den nächsten fünfzig Jahren zu einer Verschiebung der Generationsverhältnisse führen. Laut der mittleren Variante der 11. koordinierten Bevölkerungs-vorausberechnung des statistischen Bundesamtes war im Jahre 2005 bereits jeder Fünfte in Deutschland 65 Jahre und älter [vgl. Statistisches Bundesamt (2007): 15]. Bis zum Jahr 2050 soll schon jeder Dritte dieser Alterskategorie zugeordnet werden können. Auch der Anteil der Hochbetagten an allen 65jährigen und älteren wird von ihren 25% im Jahre 2005 bis 2050 auf 40% deutlich ansteigen [ebd.]. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Veränderungen des sogenannten Altersquotienten 1 wider, der sich bis zum Jahre 2050 von 32 auf 64 erhöhen wird. Dies bedeutet, dass im Jahr 2050 auf einhundert Menschen im Alter von 20 bis 65, etwa 64 Menschen im Alter von 65 und mehr Jahren kommen werden. Die Tatsache, dass der Anteil der hochbetagten Menschen in Deutschland kontinuierlich steigen wird, lässt eine parallel steigende Pflegebedürftigkeit vermuten. Die Pflegestatistik des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2008 untermauert diese Vermutung, denn der Anteil der Pflegebedürftigen 2 wird von 2,13 Millionen Menschen im Jahr 2005 innerhalb der nächsten 25 Jahre auf 3,36 Millionen Menschen ansteigen [vgl. Statistisches Bundesamt (2008): 2]. Während 68% der Pflegebedürftigen von Angehörigen zu Hause versorgt werden 3 , sind lediglich ein Drittel (32%) dieser in Heimen untergebracht [ebd.]. Doch die rückläufigen Kinderzahlen, die steigende Frauenerwerbsquote und die oftmals hohe berufliche Mobilität werden langfristig zu einer Reduzierung der zur Verfügung stehenden pflegenden Angehörigen führen [vgl. Weltzien (2004): 14]. Der Trend zur vermehrten Nutzung professioneller Pflege (Pflegeheim / ambulante Pflege) lässt sich mit einem Rückgang von 5% der Pflegegeldempfänger in der Pflegestatistik erkennen [vgl. Statistisches Bundesamt (2008): 2]. Zusammenfassend sind zwei parallel laufende Trends zu erkennen: während der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung von 2,6% im Jahr 2005 auf 4,4% im Jahr 2030 ansteigen wird, ist die Zahl der pflegenden Angehörigen rückläufig. Diese Diskrepanz wird zukünftig zu einem erhöhten Bedarf an betreuten Wohnmodellen führen [vgl. Voges (2008): 219]. Der Großteil der Älteren zieht aber auch bei erhöhtem Betreuungs- und Versorgungsbedarf vor, in den eigenen vier Wänden zu bleiben als in eine neue Wohnform zu wechseln
1 Der Altersquotient bezieht die ältere Bevölkerung im Rentenalter als Gruppe potenzieller Empfänger von Leistungen der Rentenversicherung oder anderen Altensicherungssystemen auf die Bevölkerung im Erwerbsalter.
2 Pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes.
3 Die Zahl wird von der Statistik der Pflegegeldempfänger abgeleitet.
1
2 HINTERGRUND
[ebd.]. Laut Voges wird „normales Wohnen“ 4 mit zusätzlichen Versorgungsangeboten daher als wichtigste Wohnform im Alter betrachtet [vgl. Voges (2008): 213]. Die rasch wachsende Anzahl von neuen Angeboten und Initiativen zeugt von einem hohem Wachstumspotenzial und einer hohen Dynamik in diesem Bereich. Betrachtet man jedoch die Teilhabe der eigentlichen Betroffenen, die Älteren, zeigt sich, dass nur ein geringer Teil an dieser Entwicklung teilnimmt. Das quantitativ vorherrschende Wohnen im Alter findet in Deutschland in „normalen“ Wohnungen statt [ebd.]. Vor diesem Hintergrund lässt sich folgende Fragestellung der Arbeit zugrunde legen:
Wurden in der Entwicklung der Wohnformen die Wohnbedürfnisse des Alters ausreichend berücksichtigt?
Um eine Antwort auf die oben stehende Frage herauszuarbeiten wird diese Arbeit die neuen sowie bereits länger bestehenden Wohnformen hinterleuchten und auf ihre Bedürfnisgerechtigkeit untersuchen. Aus dieser Aufgabenstellung leitet sich folgender Aufbau ab. Zunächst sollen Hintergrundinformationen zum Wohnwandel, der Wohnsituation Älterer und Wohnbedürfnisse im Alter eine Basis für das Verständnis der sich daran anschließenden Analyse schaffen. Die jeweiligen Kapitel über die Wohnformen schließen neben der Analyse auf die Bedürfnisgerechtigkeit auch eine kritische Betrachtung der Wohnalternativen mit ein. Die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit werden anschließend in tabellarischer Form mit Schwerpunkt auf die kritischen Gesichtspunkte zusammengefasst. In einem abschließenden Fazit werden Konsequenzen dargelegt, welche durch die Einsichten die in dieser Arbeit erlangt wurden, erstrebenswert sind.
2 Hintergrund
Ziel dieses Kapitels ist es, einen Hintergrund für die spätere analytische Betrachtung der Wohnformen zu schaffen, in dem anfangs das Wohnen im Alter aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Der zunächst beschriebene Wohnwandel hilft mit seiner geschichtlichen Vertiefung in die Thematik, das Verständnis für neue Wohnformen zu schärfen. Mithilfe statistisch erfasster Daten rundum die aktuelle Wohnsituation Älterer sollen anschließend die Art des Wohnens im Alter dargelegt werden und der Bedarf an neuen Wohnformen aufgedeckt werden. Abschließend wird die allgemeine Bedeutung des Wohnens Älterer thematisiert, um verschiedene Wohnbedürfnisse aus den Ergebnissen zu ziehen und im Weiteren für die Analyse zu nutzen.
4 „normales Wohnen“ = Wohnen, welches dem vorhergehenden Wohnen aus der vorhergehenden Lebensphase entspricht [vgl. Krämer (2005), In: Wüstenrot-Stiftung (2005): 48]
2
2 HINTERGRUND 2.1 Wohnen im Wandel
2.1 Wohnen im Wandel
Das idyllische Bild, dass im 19. Jahrhundert die Betreuung und Versorgung älterer Menschen in der Großfamilie stattgefunden hat, ist in vielen Köpfen verankert. Doch laut sozial-historischen Forschungen sind diese Wohngemeinschaften von Familiengenerationen nicht üblich gewesen, sondern nur zeitweise und eher begrenzt vorgekommen [vgl. Tews (2005), In: Wüstenrot-Stiftung: 15]. Das Wohnen in Institutionen, wie in einem Heim oder öffentlichen Armenwesen, traf ebenfalls nur für eine Minderheit zu [ebd.]. Auch von Ende des 19. Jahrhunderts bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlebte die Mehrheit der Älteren ihren Lebensabend allein oder mit Partner in einer „normalen“ Wohnung [ebd.]. Der Glaube, dass die ältere Generation in Schutz und Geborgenheit der eigenen Familie alt geworden und gestorben ist, kann demnach eher den Mythen zugeschrieben werden, denn schon die geringe Lebenserwartung 5 begrenzte die Möglichkeiten eines dauerhaften Zusammenlebens mit der Familie [vgl. Rühm (2003): 8]. Weiterhin glich das als harmonisches Familienidyll beschriebene Beisammensein eher einer „Zwangsgemeinschaft“ aufgrund von Traditionen und fehlenden Alternativen [vgl. Tews (2005), In: Wüstenrot-Stiftung (2005): 15]. Mit dem Anstieg der Lebenserwartung in den folgenden Jahren und Generationen nahm die gemeinsame Zeit im Familienbund jedoch zu und führte tatsächlich zu einem vorübergehenden Phänomen der Drei-Generationen-Familien, die auf bestimmte Zeit unter einem Dach lebten [vgl. Höpflinger (2002), In: Wüstenrot-Stiftung (2005): 15]. Dieser Zustand währte aber nicht lang, denn ein Zusammenleben auf engstem Raum barg mit zunehmendem Individualismus auch ein hohes Konfliktpotenzial in sich [vgl. Rühm (2003): 8]. Aber nicht nur die Jüngeren waren unzufrieden mit dieser neuen langwährigen Wohnsituation, sondern auch die Wohnpräferenzen der Älteren veränderten sich durch die Ausdehnung der Lebensphase Alter [vgl. Weltzien (2004): 1]. Die medizinischen Fortschritte und die Erhöhung des Lebensstandards führten zu einem Anstieg der Lebenserwartung. Somit blieben die Menschen im Alter oft länger rege, körperlich gesund und vital [vgl. Rühm (2003): 8]. Der Wunsch, sich in seiner eigenen Wohnung zu verwirklichen und so lange wie möglich eine selbstständige Haushalts-und Lebensführung zu bewerkstelligen, trat vermehrt auf und hat bis heute nicht an seiner Gültigkeit verloren.
Heute legt zusätzlich das Pflegeversicherungsgesetz mit ihrer gesetzlich festgelegten gesundheitspolitischen Prämisse „ambulant vor stationär“ die Priorität auf eine autonome Lebensführung. Um dieser Prämisse gerecht zu werden ist eine gute und bedürfnisgerechte Wohnung grundlegende Vorraussetzung. Jedoch haben eigene Interessen und Bedürfnisse der Älteren bei ihrer Wohnungswahl lange keine bedeutende Rolle gespielt, sodass bedürfnisgerechte Wohnungen in vielen Fällen nicht gegeben sind [vgl. Krämer (2005), In: Wüstenrot-Stiftung: 54]. Die Barrierefreiheit in den Wohnungen soll Selbstbestimmung, Partizipation und Aktivitätsspielräume innerhalb der räumlich-sozialen Umwelt schaffen [vgl. Weltzien (2003): 3]. Bis vor wenigen Jahren war eine altersgerechte Ausstattung von Wohnungen
5 z.B. im Jahr 1900: Jungen 46,4 Jahre und Mädchen 52,5 Jahre [vgl. Statistisches Bundesamt (2006a)]
3
2 HINTERGRUND 2.1 Wohnen im Wandel
und Wohnumfeld im „normalen“ Wohnungsbestand unbekannt und auch im Wohnungsbau war eine barrierearme und nutzungsneutrale Gestaltung eher die Ausnahme [vgl. Tews u.a. (2005), In: Wüstenrot-Stiftung (2005): 11]. Die neuen Wohnformen sollten mehrere Bedarfslagen gleichzeitig abdecken, wie ein Angebot von Hilfen, Betreuung und Pflege sowie von Aktivitäten und Gemeinschaft [vgl. BMFSFJ (1998): 98].
In den 1990er Jahren begann der Aufschwung des Modells „Betreuten Wohnens“, welches barrierefreie Wohnungen und selbstständiges Leben propagierte [vgl. Statistisches Bundesamt (2001): 249]. Doch nicht die Konzeption einer Kombination aus barrierefreien Wohnen und Dienstleistungen war neu und führte zur Dynamik dieses Modells, sondern die Entwicklung hin zu einer gesellschaftlich akzeptierten sowie politisch unterstützten, beziehungsweise geförderten Wohnform im Alter [vgl. Weltzien (2004): 8]. Der Nomenklatur der Altenhilfe des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge wurden im Jahr 1992 fünf neue besondere Wohnformen beigefügt, von denen zwei eher zu den normalen Wohnformen gezählt werden müssen [vgl. BMFSFJ (1998): 98]. Der Altenwohnstift, das Betreute Wohnen und die Hospize ergänzen seither nun die „älteren“ Wohnformen Altenheim, Altenpflegeheim und die Altenwohnung. Die Wohngemeinschaft sowie die Wohnungshilfen / Wohnanpassung wurden aufgrund der Aktualität als neue Elemente des normalen Wohnens, ebenfalls als besondere Wohnformen definiert [ebd.]. Diese Erweiterung weist darauf hin, dass sich die Angebote der Altenhilfeeinrichtungen ausdehnen, sich aber auch außerhalb der Altenhilfeeinrichtungen Wohninitiativen entwickeln. Ebenso die Bundesländer reagierten auf die aktuelle Thematik und unterstützten Förderprogramme zum Bau betreuter Wohnanlagen. Auf Bundesebene wurde das Modellprojekt „Selbstbestimmt Wohnen im Alter“ initiiert, welches nach dreijähriger Laufzeit im Jahre 2001 bereits auslief [vgl. BMFSFJ (2001): 43]. Wohnen im Alter war aufgrund des demographischen Wandels in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Diskussionen geraten. Trotz dieser quantitativen Zunahme an qualitativ guten Einrichtungen und politischer Propaganda für neue Wohnformen, lebt die Mehrheit der Menschen, wie seither, noch in ihren „normalen“ Wohnungen [vgl. Voges (2008): 212]. Aus diesem Sachverhalt heraus lässt sich die Frage formulieren, ob die Modifizierung der Altenhilfeeinrichtungen demnach überhaupt sinnvoll erscheint?
Laut des Alters-Surveys aus dem Jahre 2000 werden zukünftige Seniorengenerationen den neuen Wohnformen aufgeschlossener gegenüber stehen als die älteren [vgl. Kohli u.a. (2000): 137, In: Weltzien (2003): 15]. Eine Umfrage ergab, dass ältere Haushalte (70-85jährige) bei Bedarf sofort in die älteren Wohnformen, wie Alten- und Pflegeheim umziehen würden, wohingegen die jüngeren Haushalte (55-69jährige) einen Umzug in „normale“ Wohnungen oder einen Umbau der alten Wohnung präferieren [ebd.]. Das spricht für ein steigendes Interesse an neuen Wohnprojekten und einen sich vollziehenden gesellschaftlichen Einstellungswandel gegenüber neuer Wohnalternativen. Demnach lässt sich vermuten, dass die Modifizierung der Altenhilfeeinrichtungen eine zukunftsblickende Maßnahme darstellt.
4
Arbeit zitieren:
Caroline Billert, 2009, Wohnformen im Alter, München, GRIN Verlag GmbH
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