Inhaltsverzeichnis
1. Kurzüberblick über sein Schaffen 3
2. Bewegte und Idealisierte Bilder 4
3. Seine Models 5
4. Ausführung seiner Fotos 8
5. Abbildungsverzeichnis 11
6. Literatur 16
Seite 2
1. Kurzüberblick über sein Schaffen
Richard Avedon (Abb.1) war der Sohn eines jüdisch-russischen Einwanderers. Sein Vater besaß in den 20er und 30er Jahren in New York ein erfolgreiches Damenbekleidungsgeschäft mit dem Namen „Avedon’s Fifth Avenue“. Avedon, der am 15. Mai 1923 in New York geborene und am 1. Oktober 2004 in San Antonio gestorbene US-Fotograf, gehörte zu den bekanntesten und einflussreichsten Meistern seines Fachs. Viele seiner Aufnahmen sind zu Legenden der Wahrnehmung von Persönlichkeiten, Gesellschaft und Mode geworden.
Er wurde als Berufsfotograf in der Modebranche tätig, nachdem er bei der Handelsmarine in der fotografischen Abteilung für die Passbilder der Marinesoldaten verantwortlich war. Seine frühe Karriere fiel in die Zeit des amerikanischen Fotojournalismus, welche ihn in seiner Neugier und Experimentierfreude unterstützte. Viele Fotografen waren Anfang des 20. Jahrhunderts für Gesellschaftsfotografie und Mode, wie für den Fotojournalismus, auch Bildjournalismus tätig. In den 1920er und 30er Jahren etablierte sich das Foto in der Presse und unterstütze so journalistische Nachrichtentexte. Damit wuchs die Anzahl von Bildern in der Nachrichtenwelt. Die Fotos sollten dokumentarischen Wert beinhalten und objektiv die Nachricht veranschaulichen.
In der Zeit von 1945 bis 1965 arbeitete er bei Alexey Brodovitch (Abb.2) und avancierte in dieser Zeit zu einem der berühmtesten Modefotografen der Welt. Anschließend arbeitete er für die Vogue, zu dessen Mitarbeiterstab er bis zu seinem Tode gehörte. Des Weiteren trat er 1992 die Stelle des Cheffotografen beim „New Yorker“ an, wo seine aufsehenerregenden Bilder bis zu letzt erschienen.
Neben der Modefotografie etablierte er sich als Porträtfotograf, der u.a. die Präsidentengattin Jackie Kennedy exklusiv im Weißen Haus aufnehmen durfte. Avedon bekam aber auch die Chance andere Persönlichkeiten wie die Beatles, Marilyn Monroe, Brigitte Bardot, Louis Armstrong, Elton John, Charly Chaplin etc. abzulichten. Er erregte Anstoß bei den doktrinären Hütern der traditionellen Kunstfotografie, indem er Regeln überschritt, welche bis dato die Szene prägten. Beispielsweise widersetzte er sich den gegebenen Kameraformaten, er vergrößerte Fotos auf zwei Meter Höhe und lehnte es strikt ab, die Ränder unter einem Passepartout oder in einem Rahmen zu verstecken.
In dieser Ausarbeitung möchte ich zeigen, welche die prägenden Einflüsse waren, die Richard Avedon zu seinem Stil führten und ihn zu einem der bedeutendsten Fotografen des letzten Jahrhunderts machten.
2. Bewegte und Idealisierte Bilder
Er revolutionierte zusammen mit dem Fotografen Irving Penn die Porträtfotografie des 20. Jahrhunderts, indem er dunkle, emotional aufgeladene Porträts schuf, darunter eine große Folge von Porträtaufnahmen. Daneben schuf er mit seinen bewegten Straßenbildern etwas Neues in der bis dahin starren Modewelt.
Avedon machte sich bereits Anfang der 1950er Jahre einen Namen als führender Modefotograf der Welt. Er ließ seine Modelle tanzen, springen, rennen, aber auch sitzen und dabei lachen oder mit einem stillen Blick in die Ferne gucken. Er nahm sie aus den Ateliers und Studios mit auf die Straße, genauer die Pariser Straßen (Abb.3,4,5). „Avedons weibliche Pariser Models sehen allesamt aus wie unbemerkt aufgenommene Daisys und Isabels, die männlichen [Modelle wirkten eher] wie Grafen und Prinzen vom europäischen Festland oder distinguierte Briten auf Urlaub in Frankreich. […] Avedon vermenschlicht hier die Haute Couture im Stil großer Literatur und bereitet uns zugleich auf die Ankunft des Supermodelsbenannt, bekannt und geliebt - vor, das alles, was es trägt, mit seiner unverwechselbaren
Persönlichkeit adelt.“ 1
Die Situationen, in denen Avedon seine Modelle fotografierte, scheinen wie zufällig entdeckt.
Bereits Munkacsi 2 hatte bei seinen Modeaufnahmen das Studio verlassen und hatte die „Mannequins“, wie sie damals genannt wurden, in alltäglicher Umgebung fotografiert. Avedon ging noch einen Schritt weiter, er wurde als Fotograf modisch gekleideter Frauen gewissermaßen zum Regisseur, die Models zu SchauspielerInnen.
Dieser temperamentvollen, expressiven Darstellung gegenüber standen idealisierte, ausgebleichte Modelle, die wie Statuen wirkten und an die Fotos mit seiner Schwester Louise erinnern. Louise war zwei Jahre jünger als Richard und Interviews mit Avedon zufolge, eine
wunderschöne Frau, deren Schönheit ihr Untergang war 3 .
1 Avedon, Richard: Woman in the Mirror / Anne Hollander [Essay]. - München : Schirmer/Mosel, 2005, S. 239.
2 Martin Munkácsi war ein bedeutender Modefotograf des 20. Jahrhunderts. Er verband seine Erfahrungen aus der Sportfotografie mit der Modefotografie und revolutionierte die Modefotografie, indem er mit speziellen Techniken Bewegung innerhalb des statischen Mediums der Fotografie umsetzte. Vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Munk%C3%A1csi (Zugriff: 02.08.2010).
3 (s. Punkt 3).
Eines seiner eindrucksvollsten idealisierten Portraits ist das der Bildhauerin June Leaf (Abb.6). Sie steht in der Mitte und wirkt starr, wie ein Baum. „Wo sonst bei Avedon die Geste der Hände eine große Rolle spielt, vermeidet June Leaf diese Pose und verschränkt die Arme
vor dem Körper, als würde sie sich selbst umarmen.“ 4 Sie wirkt verschlossen, aber im selben Moment könnte man denken, sie will dem Betrachter etwas mitteilen.
Ein weiteres idealisiertes Portrait ist das Dyptichon 5 des Tramps Clarence Lippard. Er verkörpert eine natürliche Eleganz und Geschmack in der Art und Weise seines Gesichtsausdrucks. „[E]inmal durch seine Augen und die sonnengegerbte Haut [zum anderen] durch seine Haltung, die seine schmuddeligen Klamotten zum Haute-Couture-Anzug werden
lassen“ 6 (Abb.7).
Ebenso idealisiert hat Avedon auch seinen Freund Andy Warhol (Abb.8). Bei ihm hat er keinen weißen, sondern einen grauen Hintergrund gewählt, um die Narben zwar in den Mittelpunkt zu stellen, aber die Nacktheit und schonungslose Gewissheit des Vorhandenen nicht zu potenzieren. Warhol selbst zu seinem Porträt „Ich sah aus wie ein Dior-Kleid, nein,
wie ein Yves-Saint-Laurent Kleid, lauter Nähte.“ 7 Aber auch Dorian Leigh lichtete er in idealisierter Pose ab. Sie wirkt versunken in Gedanken.
Mehr als 50 Jahre lang war Richard Avedon einer der bedeutendsten Fotografen in der Modeindustrie. Er hatte einen Starstatus, den er über viele Jahre hinweg bewahren konnte.
3. Seine Models
„Als Avedon professioneller Modefotograf wurde, waren Fotomodelle noch keine Berühmtheiten; ihre Arbeit trug kein Prestige ein, und fast niemand kannte ihren Namen“, schreibt Anne Hollander in ihrem Essay, der im Band „Woman in the Mirrow“ posthum
erschienen ist. 8 Umso erstaunlicher ist, dass Avedon sich gegen diese Betrachtung der Modewelt und der Models sträubte. Die zuvor posierenden Mädchen und Frauen waren bekannt für ihre Unnahbarkeit, die durch ihre schaufensterpuppenartige Präsentation auf Fotos geschaffen wurde. „Dabei kam ihm zu Gute, dass sich zu Beginn seines Schaffens auch der
4 Tobias, Daniela: Richard Avedon, 10. Juli 2005. URL: http://www.photozeichen.de/images/referat-avedon-portrait.pdf (Zugriff: 31.06.2010).
5 Ein Dyptichon ist ein aus zwei Teilen bestehendes Bild. URL: http://kulturserver-nds.de/home/malerei1/kunst/d.html (Zugriff: 02.08.2010).
6 Tobias, Daniela: Richard Avedon, 10. Juli 2005. URL: http://www.photozeichen.de/images/referat-avedon-portrait.pdf (Zugriff: 31.06.2010).
7 Sontheimer, Michael: Attentat auf Andy Warhol, 2008. URL:
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/2063/1/_der_mann_ist_eine_biologische_katastrophe.html (Zugriff: 02.08.2010).
8 Avedon, Richard: Woman in the Mirror / Anne Hollander [Essay]. - München : Schirmer/Mosel, 2005, S. 238.
Arbeit zitieren:
Lisa Balihar, 2010, Frauen in Avedons Fotografie, München, GRIN Verlag GmbH
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