Inhalt
1 EINLEITUNG III
2 DER NAME „SOPRANO“ IV
3 DIE ERÖFFNUNGSSEQUENZ V
4 THE GODFATHER IN THE SOPRANOS VI
4.1 Ursprung des Gangster-Film Genre VI
4.2 Genreaufleben und Überarbeitung durch Coppolas THE GODFATHER I-III VII
4.3 Intertextuelle Bezugnahme VIII
4.4 Selbstreferenzialität. IX
5 FAZIT. XI
LITERATUR XII
FILMVERZEICHNIS XIII
1 Einleitung
Das Fernsehformat THE SOPRANOS (Die Sopranos, 1999-2007) gehört zu einer der erfolgreichsten HBO Produktionen. Kreiert und produziert von David Chase entstanden in neun Jahren sechs Staffeln mit insgesamt 86 Episoden. Neben vielen Auszeichnungen in Amerika konnte das Format ebenso internationale Erfolge verzeichnen. Die Serie besitzt fünf entscheidende Kennzeichen, die sie als Qualitätsfernsehen klassifizieren. Dazu zählen high production values, weighty themes, careful characterization, creative impulse und artistic vision of the creator. 1 Als Kernfrage soll in dieser Arbeit herausgefiltert werden, welche intermediale und intertextuelle Einflüsse in der Serie vorhanden sind und welche Auswirkungen sie auf den Plot bzw. die Charakteren haben. Die Untersuchung bezieht sich hierbei ausschließlich auf die erste Staffel. Um direkt in die Thematik einsteigen zu können, wird die Kenntnis der ersten 13 Episoden vorausgesetzt und auf eine Plotskizze verzichtet.
Da der Zuschauer nicht umhin kommt, beim schauen der ersten Staffel auf die Filmtrilogie THE GODFATHER PART I-III (Der Pate I-III, 1972, 1974, 1990) aufmerksam gemacht zu werden und da diese Reihe entscheidende Prägungen im Gangster-Film Genre festgelegt hat, dient sie als Grundlage zur Beispielfindung. Die Aufführung der Beispiele ist wichtig, da hierdurch nicht nur ein Beleg für intertextuelle, bzw. selbstreferenzielle Bezüge geleistet wird, sondern ebenso die verschiedenen Mittel zur Umsetzung verdeutlicht werden.
2 Der Name „Soprano“
Namen wie Corleone, Lucchese, oder Carpone stehen für bekannte Gangsterfamilien, die skrupellos über Leichen gehen und in der Rangliste des organisierten Verbrechens ganz oben stehen. Der Familienname Soprano gehört seit der Erstausstrahlung der Serie THE SOPRANOS, am 10. Januar 1999 (auf HBO) ebenso dazu. Dennoch besteht unter den vier genannten Namen ein entscheidender Unterschied. Corleone, Lucchese und Carpone sind reine italienische Nachnamen ohne einen erkennbaren Bedeutungshintergrund. Soprano hingegen wurde von den Machern der
1 Cardwell, Sarah, „Is Quality Television Any Good?“, In: Janet McCabe, Kim Akass (Hg.), QUALITY TV -
Contemporary American Television and Beyond. London [u.a.]: Tauris, 2007, S.26.
Erfolgsserie gezielt ausgewählt, um den Protagonisten Anthony „Tony“ Soprano (James Gandolfini) bereits durch den ersten Eindruck, der durch den Namen hervorgerufen wird, zu charakterisieren.
Tony, der Anführer einer Mafiaorganisation aus New Jersey (einem Vorort von New York), steht für Respekt und Skrupellosigkeit unter seinen Kollegen. Der Name Soprano auf der anderen Seite entstammt dem Musikgenre und ist ein Begriff für eine meist weibliche Tonlage beim Gesang. Betrachtet man den geschichtlichen Hin-tergrund der Sopranisten und Sopraneure, so spielt der Begriff Kastrat eine entscheidende Rolle. Um die hohe Tonlage damaliger junger Männer zu erhalten, wurden sie vor der Pubertät kastriert und somit ihrer Manneskraft entledigt. Auch Tony Soprano hat neben seinem Beruf mit der Entmannung seiner Person zu kämpfen. Er steht in einem ständigen Konflikt zwischen seinem Job, seiner Familie und seiner Psyche. Eine Schlüsselfunktion spielen in letzteren beiden Fällen jedoch immer die Frauen in seinem Leben. 2 Ironischer weise kommt ihm der gebührende Respekt, den er in seiner Arbeit erlangt, in seinem Privatleben nicht entgegen. Seine Frau und seine Tochter lehnen sich ständig gegen Tony auf und geben ihm ein Gefühl von Minderwertigkeit. Seine verwitwete und leicht senile Mutter hingegen lehnt jegliche Form von persönlicher Beziehung ab, was Tony sowohl wütend als auch traurig macht. Gefangen im Zwiespalt zwischen Familie, Moralvorstellung und Berufserfüllung erleidet Tony gelegentliche Nervenzusammenbrüche. Er findet schließlich Hilfe bei einer Psychiaterin, die eine weitere entscheidende Frau in seinem Leben darstellt. Ein Sopranist aus dem Musikgenre übernimmt meist die Rolle des Solisten, Tony Soprano übernimmt die Rolle des Mafiabosses. Diese Verbindung ist jedoch die einzige Parallele, die man einem Mafiaboss zuschreiben würde. Die feminine Seite und seine psychische Schwäche bilden in dieser Hinsicht totale Kontroversen zum Gangstergenre und ironisieren es auf eine sachliche Art und Weise. Durch den Namen Soprano wird somit die satirische Besonderheit auf eine verschlüsselte Weise zur Schau gestellt, bevor der Plot dem Zuschauer bekannt ist. 3
2 Neal, Chris: „GANGSTAS, DIVAS, AND BREAKING TONY´S BALLS. MUSICAL REFRENCE IN THE
SOPRANOS”. In: David Lavery (Hg.): The Sopranos. Hit TV from HBO. New York: I.B. TAURIS 2006. S.121
ff.
3 Ebd. S.123.
iv
3 Die Eröffnungssequenz
Auch wenn sich diese Arbeit auf die erste Staffel der Serie beschränkt ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass die Eröffnungssequenz von THE SOPRANOS die Besonderheit besitzt, in allen sechs produzierten Staffeln sich bis auf eine einzige Sequenz nie verändert zu haben. Die kleine Veränderung erfolgte aufgrund der Tragödie vom 11. September 2001. In einer kurzen Einstellung waren bis zum Ende der dritten Staffel die World Trade Center towers zu sehen, zu Beginn der vierten Staffel wurde dieses Image jedoch entfernt. Da es sich bei diesem Image jedoch nur um eine Einstellung von einer Sekunde handelte war diese Veränderung kaum merklich. 4 Betrachtet man die Eröffnungssequenz unter einem inhaltlichen Aspekt, so fällt auf, dass diese, einer anderen sehr bekannten Eröffnungssequenz ähnelt. Vater Tony Soprano fährt mit seinem amerikanischen Auto aus der großen Stadt New York nach Hause in den kleineren Familienvorort New Jersey, heim zu Frau und Kindern. Dabei passiert er eine Reihe von Schauplätzen, auf die im nächsten Absatz näher eingegangen wird. Nach dem selben Modell fährt auch der Familienvater Homer Simpson aus dem Serienformat THE SIMPSONS (Die Simpsons, 1989-heute) nach Hause, wenn auch mit weniger symbolischer Bedeutung als in THE SOPRANOS. Diese Parallele ist eine bewusst ausgewählte Inszenierung um abermals einen Hauch Ironie in das ernste Gangstergenre zu bringen. 5 Die Heimfahrt von Tony Soprano wird zum Großteil aus seiner eigenen Sicht illustriert. Nur selten bekommt der Zuschauer einen kurzen Blick auf den Protagonisten selbst. Die Montage entspricht jedoch keinesfalls der Realität, da es einen langen Umweg mit sich ziehen würde, um alle aufgezeigten Images zu passieren. Bei der Eröffnungssequenz wird eine Vielzahl an schnell wechselnder Cuts verwand, wobei hinter jedem Image eine Aussage steckt. So sehen wir beispielsweise Tony an einer Mautstation, wie er auf ganz legale Weise ein Ticket löst. Abgesehen von der Tatsache, dass er mit beiden Händen während der Fahrt eine Zigarre anzündet, sind keine Rückschlüsse auf Tonys kriminelle Arbeit und seinem Leben fern ab von jeglichen Gesetzten zu schließen. Ihn umgibt ein Urbanes Leben, das seinen geregelten Lauf nimmt. Ebenfalls humoristisch sind jedoch Images wie die der Freiheitsstatue oder
4 Chase, David. (1999). "The Sopranos" commentary track. [DVD]
5 Yacowar, Maurice (Hg.), The Sopranos on the couch. The ultimate guide. New York/London: continuum, 2007,
S. 330.
v
Arbeit zitieren:
Stefanie Gareiss, 2010, Intermediale und intertextuelle Bezüge in der Fernsehserie "The Sopranos" , München, GRIN Verlag GmbH
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