Inhalt
1 EINLEITUNG III
2 PHASEN DER DDR FERNSEHUNTERHALTUNG IV
2.1 Gründungsphase 1952-1955 IV
2.2 Formbildung des neuen Massenmediums 1956-1960 V
2.3 Formatexperimente 1961-1971 VII
3 „EIN KESSEL BUNTES“ UND SEIN POLITISCHER GEDANKE VIII
3.1 Der Rahmen des „Kessels“ VIII
3.2 Die bunte Mixtur: Musik. IX
3.3 Die bunte Mixtur: Talk X
3.4 Die bunte Mixtur: Ballett und Artistik. XI
3.5 Die Wende XII
4 FAZIT. XII
LITERATUR XIV
ANHANG 1 XV
1 Einleitung
„Wir brauchen keine Lügen mehr“, so hieß der Musiktitel den Frank Schöbels in der 100. Sendung des „Kessel Buntes“ am 23. September 1989 in einer Live-Übertragung im Deutschen Fernsehfunk präsentierte. Auffällig dabei war, dass in der Wiederholungssendung genau diese eine Darbietung fehlte. Scheinbar gefiel er dem stellvertretenden Vorsitzenden des Staatlichen Komitees für Fernsehen und Berichtsleiter der Fernseh-Unterhaltung, Horst Rentz, beim zweiten Hören dann doch nicht mehr so gut. 1 Steckte etwa zu viel Wahrheit in dieser Aussage und das einen Monat vor dem Mauerfall 2 ? Hierbei wird deutlich, dass die staatliche Zensur und Beeinflussung des DDR-Unterhaltungsfernsehen bis zur letzten Minute aufrecht erhalten wurde.
Das die Medien der DDR der totalen staatlichen Kontrolle unterlagen und der Begriff Agitation 3 dabei eine entscheidende Rolle spielte, ist heute kein Geheimnis mehr. Nun stellt sich die Frage, inwieweit es dennoch möglich war ein Unterhaltungsprogramm zu schaffen, das sowohl den Bedürfnissen der Zuschauer angemessen war, als auch dem staatlichen Lehrauftrag nach dem sozialistischen Gedanken. Zur Beantwortung dieser Frage ist es erforderlich die Entwicklung der DDR-Fernsehunterhaltung von Anfang an zu durchforsten. Um eine Struktur zu bilden, werden in dieser Arbeit hierbei drei entscheidende Phasen unterschieden: Die Gründungsphase von 1952-1955, die Formbildungsphase des neuen Massenmediums von 1956-1960 und schließlich die Experimentierphase von 1961-1971. In der Zeit danach dominierten vor allem zwei Fernsehformate das Unterhaltungsprogramm der DDR: Gunther Emmerlichs „Show-kolade“ und das in ganz Deutschland bekannte Erfolgsformat „Ein Kessel Buntes“. Aus Gründen seiner Popularität und seiner Privilegien vor allen anderen DDR-Produktionen wird nach der historischen Analyse der Schwerpunkt dieser Hausarbeit auf den „Kessel Buntes“ verlagert. Anhand dieses Formatbeispiels soll den Mitteln der Agitation näher auf den Grund gegangen werden. Die zentrale Frage ist hierbei, in welchen Elementen der sozialistische Gedanke versteckt ist und was die entscheidenden Faktoren waren, die das damalige Interesse der Zuschauer auf sich ziehen konnten.
1 Petzold 2001, S.15.
2 29. Oktober 1989.
3 „Agitation: die(_, _en): Werbung; aufreizende politische Werbung; Methoden zur Entwicklung des Sozialist. Bewusstseins durch Aufklärung über aktuelle polit. Tagesfragen mittels Aussprache, Losung, Flugblatts u. a.“. (vgl. http://www.fremdwort.de/suche.php)
2 Phasen der DDR Fernsehunterhaltung
2.1 Gründungsphase 1952-1955
In der Frühphase des Fernsehens ähnelte sich das Unterhaltungsprogramm im Osten und im Westen Deutschlands noch stark. Nicht zuletzt aus dem Grund, dass beide Staaten durch eine gemeinsame Vorgeschichte bis 1945 noch miteinander verbunden waren. 4 Das beidseitige Ziel bestand darin den Bedürfnissen der Bevölkerung nach geselliger Unterhaltung Rechnung zu tragen. Der damalige „Parteiauftrag“ im Hinblick auf das Fernsehen verlangte in erster Linie die Vermittlung von Bildung, zudem sollte das Medium aber auch ein „publizistisches wie künstlerisches Element“ darstellen. 5 Die ersten Formate, die der Unterhaltung dienten, waren die so genannten „Bunten Abende“. Die Grundidee stammte vom klassischen Bühnen-Varieté ab, mit dem entscheidenden Vorteil, dass man im Fernsehen nur eine Auswahl vom Besten der Besten zu sehen bekam. 6 Das Potenzial, das neue Medium als Mittel sozialistischer Propaganda zu nutzen, war der DDR-Führung seit Sendebeginn des Deutschen Fernsehfunks (DFF) bekannt. Nicht zuletzt wurde dieser Tag gezielt auf den 53. Geburtstag Stalins, den 21.12.1952 gelegt. 7 Durch die geringfügige Verbreitung des Mediums Fernsehen maß die SED bis Ende der 50er Jahre dieser Propagandamöglichkeit jedoch noch wenig Bedeutung bei. 8
Erst als sich das Fernsehen als Massenmedium in der Gesellschaft etablierte, wurde es von der politischen Führung als propagandistisch wertvolles Instrument genutzt. Inhaltlich galt es nun den Klassenstandpunkt der DDR Bürger zu festigen und die Menschen zu sozialistischen Persönlichkeiten zu erziehen. 9 Diese Entwicklung, ausgelöst durch den technischen Fortschritt, spaltete das Ostfernsehen schließlich vom Westfernsehen ab. Zunächst sollte der DFF ein Sender für ganz Deutschland sein, schließlich schlug er aber eine andere Richtung ein, und konzentrierte sich nur noch auf die DDR-Bürger als Zielgruppe. Dokumentationen und die Darstellung von Themen aus Kultur und Bildung nahmen den größten Raum im Programm ein. Das Spannungsverhältnis von Politik und Unterhaltung, das sich schon in dieser Frühphase des DDR-Fernsehens auftat, blieb jedoch bis zum Schluss prägend, auch wenn die
4 Hallenberger 2008, S. 151.
5 Heil 1967, S. 183.
6 Hallenberger 2008, S. 151.
7 Pfau/ Trültzsch/ Viehoff 2005, S.183.
8 Bösenberg 2004, S. 87.
9 Pfau/ Trültzsch/ Viehoff 2005, S.183.
iv
Unterhaltung später als autogenes Programmfeld anerkannt wurde. 10 Eine der ersten Versuche im jungen Fernsehen der DDR war die Formatkombination Show/Kabarett. Die Sendung „Fernsehkarussell“(1952-1955) war ein Mix aus verschiedenen Gestaltungselementen, der aus Akrobatik, Zirkus-Nummern (als Filmeinspiel), varietéähnlichen Darbietungen und einer kabarettistisch orientierten Moderation bestand. Die Sendungen damals fanden jedoch noch nicht vor einem Livepublikum statt. 11
2.2 Formbildung des neuen Massenmediums 1956-1960
Der Aufbau des Fernsehens erfolgte nun zielgerichtet mit dem Blick auf seine spätere Funktion als Propagandainstrument. Dabei sollte der damalige DFF sich nach ‚innen‘ die Erhaltung und Festigung der ‚Arbeiter- und Bauernmacht’ und die Herausbildung eines diesem Gesellschaftssystem gemäßen ‚fortschrittlichen’/sozialistischen Menschen zum Ziel setzen. 12 Heiterkeit produzierte man vor allem als Mittel zur Belehrung, nicht zur Unterhaltung. 13 Im Gegensatz zur BRD sollte es in der DDR keine Trennung von Unterhaltung und Publizistik geben, genauso wenig wie eine Abgrenzung von Arbeit und Freizeit. Während man es sich zur Aufgabe machte gegenüber dem Ausland Sympathien für den Sozialismus zu erzeugen, wurden auf der anderen Seite besonders systemkritische Akteure der Bundesrepublik öffentlich bloß gestellt und die beiden deutschen Staaten weiter voneinander entfernt. 14 Das neue Medium Fernsehen bot durch seine Kombination aus visueller und auditiver Darstellung entscheidende Vorteile. Das Abbilden von Sachverhalten und Zusammenhängen wurde erleichtert und damit auch eine gezielte Beeinflussung von Meinungsbildung. Zahlreiche Maßnahmen sollten helfen den neuen Aufgaben des DDR-Fernsehens und speziell der beliebten DDR-Fernsehunterhaltung gerecht zu werden. Neben der Einführung eines Berufsausweises, der Durchführung von Konferenzen und Wettbewerben sowie der systematischen Nachwuchsförderung in allen künstlerischen Bereichen, wurde 1958 vom Ministerium für Kultur eine „60:40“ Quote festgelegt. Das bedeutete, dass künftig „mindestens 60% aller im Rundfunk und bei öffentlichen Veranstaltungen gespielten Musiktitel aus der DDR oder anderen sozialistischen Ländern stammen mussten und höchstens 40% aus dem kapitalisti-
10 Steinmetz/Viehoff2008, S.75, 80.
11 Breitenborn 2002, S.
12 Heil 1967, S. 25.
13 Mit den Worten von Hauke gesagt: „Es ging um die Aufgabe, die unter dem Begriff der ,heiteren Muse’ subsumierten Unterhaltungsformen in ein Gesamtsystem sozialistischer Kulturentwicklung zu integrieren, das auf die Herausbildung der sozialistischen Persönlichkeit zielte.“ (Vgl. Haucke 1969, S. 5).
14 Heil 1967, S. 25.
v
Arbeit zitieren:
Stefanie Gareiss, 2010, Die Politik im Unterhaltungsfernsehen der DDR , München, GRIN Verlag GmbH
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