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Inhalt
1 Einleitung 3
2 Das chinesische Selbstverständnis 4
2.1 Das Reich der Mitte als kulturelles Zentrum der Welt 4
2.1 Kulturelle Unterschiede zum Westen 7
3 Das politische System:Uneingeschränkter Machtanspruch der KPCh weiterhin unangetastet 9
4 Potentialgrößen der Macht 12
4.1 Der Handelsriese China 12
4.1 Auf dem Weg zur militärischen Großmacht 15
5 Innere Sicherheit: Wirtschaftswachstum als Legitimation der KPCh 18
6 Globales Engagement 20
6.1 Außenpolitische Richtlinien 20
6.2 Außenpolitische Praxis 21
7 Fazit. 24
Verzeichnis der verwendeten Literatur 27
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1 Einleitung
Minutiös planten die chinesischen Organisatoren jedes Detail der olympischen Spiele. Die Infrastruktur wurde für die kommenden Gäste verbessert, Städte verschönert, prunkvolle Stadien errichtet und auch die Sportler mussten eiserne Disziplin beweisen. Das Jahr 2008 sollte das Land auf der internationalen Bühne glänzen lassen. Doch es geschah alles anders als geplant. Schon im Vorfeld kam es beim Fackellauf in unzähligen Ländern zu Demonstrationen, in Tibet sogar zu den größten Ausschreitungen seit 20 Jahren. Die westlichen Medien rückten daraufhin Berichterstattungen über den Dalai Lama, Tibet-Aktivisten und Menschenrechtsverletzungen im Reich der Mitte in den Vordergrund. Wie so oft wurden die olympischen Spiele zu politischen Zwecken instrumentalisiert, sei es von Seiten zahlreicher Nicht-Regierungsorganisationen oder aber aus den Reihen der Politik. Die chinesische Bevölkerung reagierte auf die Kritik aus dem Ausland unerwartet heftig. Nachrichtensendern wie CNN wurde eine bewusste Manipulation des Bildmaterials vorgeworfen und sogar französische Supermärkte litten unter einem Boykott der chinesischen Bevölkerung. Kurz gesagt, zwei Welten prallten aufeinander.
In der westlichen Welt prägte das mediale Gewicht der olympischen Spiele das Bild von China nachhaltig. Abgesehen vom sportlichen Ereignis, waren auch die Aufklärungen über die Menschenrechtslage zu begrüßen. Dennoch lehnt man sich wahrscheinlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man einigen Medien eine oberflächliche, an Sensationen orientierte Berichterstattung unterstellt. Überspitzt formuliert, ist die Folge das überdrehte Bild einer kommenden, wenn nicht gar bereits aufgestiegenen Supermacht, welche an jeder Ecke einen Uniformierten positioniert und unter einer chronischen Bauwut leidet. Oftmals übersehen wird, dass es sich - gemessen am derzeitigen BIP pro Kopf - bei China um ein Entwicklungsland handelt. Ziel dieser Arbeit soll es sein, ein realistisches Bild der aufstrebenden Wirtschaftsmacht zu skizzieren. Im Zentrum stehen dabei die Fragen, wie mächtig China bereits ist und welche Möglichkeiten das Land derzeit hat. Hierzu sollen Ausführungen zum wirtschaftlichen als auch zum militärischen Machtpotential einen Überblick garantieren.
Die ersten Punkte des Hauptteils widmen sich dem chinesischen Selbstverständnis und den kulturellen Unterschieden zum Westen. Ein solches Vorgehen sichert nicht nur den Einblick in
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eine fremde Kultur, sondern erklärt auch weite Teile der außenpolitischen Praxis. Weitreichende Konsequenzen - deswegen auch in einem extra Punkt angeführt - hat für die chinesische Regierung das Thema der Inneren Sicherheit. Denn gerade für ein autoritäres Regime ist die einzige Legitimationsbasis der politische Erfolg. Sowohl Handlungsmöglichkeiten in der Innen- und Außenpolitik als auch die Machtpotentiale erscheinen aus diesem Grund eingeschränkt. Beendet wird der Hauptteil mit einem Überblick zu den außenpolitischen Richtlinien und der von China ausgeübten Praxis. Hierbei sollen auch die zuvor ausgearbeiteten Erkenntnisse, seien es kulturelle oder strukturelle Hintergründe, als hilfreiche Erklärungen zur Anwendung kommen.
Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit, welches die gewonnen Ergebnisse kritisch bewertet.
2 Das chinesische Selbstverständnis
2.1 Das Reich der Mitte als kulturelles Zentrum der Welt
Vergleicht man nun diesen Begriff mit dem chinesischen Selbstverständnis, erschließt sich erst dessen gesamte Bedeutung. So galt China für das Volk über Jahrtausende als der Mittelpunkt der Erde.
Im Gegensatz zu umliegenden Nomadenstämmen, war dort bereits vor über 4000 Jahren ein - an den Kalender angepasster - Ackerbau üblich. Aus der Shang-Dynastie von ca. 1600 bis 1045 v. Chr. überlieferte Schriftstücke zeugen sogar von Eisenwerkzeug, Seidenprodukten, Pferdestreitwägen und einer ausgebauten Bürokratie. 1 Auch die chinesische Mauer zeigt sich aus diesem Blickwinkel als mehr als nur ein Wahrzeichen. Das zum Teil über 2000 Jahre alte schützen.
Noch während der Qing Dynastie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war die wirtschaftliche und technische Entwicklung Chinas - beispielsweise der Ackerbau, die
1 Vgl. Becker, Helmut/Straub, Nils: Drachenflug, Wirtschaftsmacht China quo vadis?, Berlin 2007, S. 4.
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Textilindustrie oder der Bergbau - der europäischen in vielerlei Hinsicht überlegen. 2 Zu dieser Zeit verstand man sich jedoch noch nicht als Nation im europäischen Sinne, sondern als Zentrum des moralischen Universums. Dabei wurde die gesamte zivilisierte Welt (auf Chinesisch: tianxia; auf Deutsch: alles unter dem Himmel) mit der chinesischen Zivilisation gleichgesetzt. 3 Heute schlägt sich dieses Bild der überlegenen Kultur unter anderem in der Sprache nieder. So bezeichnet sich der Chinese übersetzt "Reich-der-Mitte-Mensch", der Ausländer wird "Außerhalb-des-Reichs-Mensch" genannt.
Entsprechend groß war für viele Chinesen die Schande, als das Land nicht mit den Fortschritten der industriellen Revolution mithalten konnte. Der Untergang des chinesischen Reiches folgte aufgrund mehrerer Faktoren. Das explosionsartige Bevölkerungswachstum führte zunehmend zur Verelendung der unteren Bevölkerungsschicht, Reformversuche scheiterten, Modernisierungen wurden versäumt und schließlich kam es während des Kolonialismus zur Besetzung großer Teile des Landes durch die Europäer. 4 Erst im Oktober 1949 erfolgte mit der Gründung der Volksrepublik China die ersehnte Rückkehr zur eigenständigen Nation. Mao wird für diesen Verdienst bis heute vom größten Teil des Volkes als Nationalheld verehrt, trotz der späteren Misserfolge und Millionen von Toten. Die Fremddominanz stellte für das Land und seine Bevölkerung eine so tiefe Demütigung und Schande dar, dass diese für viele sogar bis zur Übergabe Hongkongs im Jahre 1997 andauerte.
Zu beachten ist, dass China - bis auf die vergleichsweise kurze Herrschaft der Kuomintangüber Jahrtausende autoritär regiert wurde. Zwar war der Einfluss früher Kaiser auf die Lebens-weise der Bevölkerung allein aus technischen Gründen verschwindend gering, dennoch blieb dessen uneingeschränkter Führungsanspruch unantastbar. Heute vertreten viele Chinesen die Meinung, die kommunistische Partei regiere in alter Tradition, sozusagen chinesisch im Sinne einer neuen Dynastie, die sich lediglich den neuen wirtschaftlichen Bedingungen angepasst hat. Die Politikwissenschaftler Helmut Becker und Nils Straub haben dieses Verständnis auf folgende prägnante Formel gebracht: die Stelle des Kaisers und
2 Schmidt-Glintzer, Helwig: Wachstum und Zerfall des kaiserlichen China. In: Fischer, Doris/Lackner, Michael (Hrsg): Länderbericht China, Bonn 2007, S. 125.
3 Fischer, Doris: Integration in die Weltwirtschaft. In: Fischer/Lackner (2007, S. 310).
4 Klaschka, Siegfried: Die politische Geschichte im 20. Jahrhundert. In: Fischer/Lackner (2007, S. 129).
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seines Beamtenapparates ist der Kader der Kommunistischen Partei gerückt, angeführt vom Präsidenten als dreifachem Machthaber über Partei, 5
Auch der heutige Reformprozess zur freien Marktwirtschaft ist keinesfalls als Sinneswandel zu deuten. Zur Zeit der Öffnung unter Deng Xiaoping im Jahre 1979 stand die Regierung einem zunehmenden Vertrauensverlust durch die Bevölkerung gegenüber. Wie später noch erörtert wird, stand dabei allerdings nicht die Systemfrage im Vordergrund. Ernüchternd musste man feststellen, dass China - unter der von Mao gewählten Isolation - den Aufstieg zur Industrienation nicht schaffen würde. Die gewünschten Erfolge der Massenkampagnen
Um den Machterhalt der KPCh nicht zu gefährden, sahen sich die Reformer gezwungen, neue Handelspartner zu gewinnen und einen Entwicklungsschub durch ausländische Technologien zu generieren. Die Abwendung von der Isolation geschah jedoch nicht, um sich etwa nach einem westlichen Vorbild zu modernisieren. Vielmehr wollte man eine sozialistische n - Chinese 6
Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die erstaunliche Verbreitung des oben skizzierten Selbstverständnisses. Denn dieses Bild Chinas und der chinesischen Mentalität wird nicht nur durch die Propaganda der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) verbreitet, sondern ist für einem Großteil der Bevölkerung selbstverständlich. So hat sich in China ein demokratisches Bewusstsein nie wirklich entwickeln können und Gedanken der Aufklärung sind bis heute vergleichsweise gering verbreitet. Auch der Rückhalt für die - zumindest republikanisch ausgerichtete - Kuomintang ist kaum noch spürbar. Machtpolitisch gesehen würde sich China als Teil einer multipolaren Welt einordnen. Dabei sieht sich das Land auf der Ebene der Großmächte Russland, Japan und der EU. Die besondere Stellung der USA als einzig verbliebene Supermacht wird jedoch anerkannt. So gehören beispielsweise offene Angriffe, wie die russische Ankündigung eines Raketenabwehrschildes nach dem Wahlsieg Obamas, nicht zur Regel der chinesischen Außenpolitik. Zu groß sind die Interdependenzen bzw. die Gefahr einer Destabilisierung des Landes - wie in Punkt 6 noch gezeigt wird - als dass die chinesische Regierung eine größere Konfrontation mit der west-lichen Welt riskieren würde.
5 Becker/Straub (2007, S. 79).
6 a.a.O. , S. 69.
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2.1 Kulturelle Unterschiede zum Westen
Um im Folgenden auf die chinesische Kultur einzugehen, muss man sich gezwungener Maßen auf zentrale Aspekte beschränken. Nicht alle Chinesen identifizieren sich mit dieser Kultur und Minoritäten wie die tibetische Bevölkerung leben bewusst eine Andere. Da es sich bei China mit ca. 92 % Han-Chinesen jedoch um einen relativ homogenen Staat handelt als auch ein relativ breiter Konsens bzw. eine gemeinsame Weltanschauung verbreitet ist, kann für ein umfassendes Verständnis vom Land auf eine Beschäftigung mit diesem Thema nicht verzichtet werden. 7
Zentral für die chinesische Kultur ist die Koexistenz zweier großer Religionen und einer Quasi-Religion. Neben dem Buddhismus und dem Daoismus, nehmen die Lehren des Konfuzius den Platz einer Moral und Handlungsphilosophie ein. Der erste Unterschied zur abendländischen Kultur zeigt sich darin, dass der überwiegende Teil der Chinesen nicht Anhänger einer dieser Religionen ist, sondern die einzelnen Anschauungen wie ein Puzzle verbindet. So dient der Daoismus als Ratgeber für religiöse Fragen des Diesseits. Bei einem Todesfall wendet man sich der buddhistischen Lehre zu. Geht es jedoch um das Verhalten in der Gemeinschaft oder aber die Ordnung der Gesellschaft, werden die - für das politische System entscheidenden -Regeln des Konfuzianismus befolgt.
Die Ursprünge der über 2500 Jahre alten Konfuzianischen Philosophie vermutet man in der Organisation des Reisanbaus. Im Gegensatz zum Westen, welcher reich an Weideland zur Viehzucht ist, war man in China schon damals auf eine effiziente Nutzung der Bodenressourcen angewiesen. Doch die Reisanbaukultur ist in besonderem Maße von der Gemeinschaftsarbeit abhängig. Eine optimale Nutzung der Anbaufläche ist nämlich nur dann möglich, ne Bauer (...) Wasser unter der Berücksichtigung der Bedürfnisse der anderen Bauern einsetzt(...). Zum anderen lässt sich der Ernteertrag durch eine sukzessive Bearbeitung der einzelnen Felder deutlich steigern und erfordert damit wiederum die Zusammenarbe 8
7 Vgl. Auswärtiges Amt:Länderinformation China. Internet: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/China.html (Aufgerufen am 10.01.2009)
8 Becker/Straub (2007, S. 86).
Arbeit zitieren:
Nikolai Schön, 2008, Volksrepublik China, München, GRIN Verlag GmbH
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