Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft 2
Argumentation und Ebenen der Analyse 4
Fazit 9
Verzeichnis der verwendeten Literatur 10
Einleitung
Die soziologischen Ansätze um das Thema der Wissensarbeit beschreiben im Allgemeinen den
Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Mit welchen Möglichkeiten und
Notwendigkeiten diese Transformation verbunden ist, versucht Helmut Willke in seinem Text über
die „Organisierte Wissensarbeit“ zu erläutern. Ziel dieses Essays soll es sein, die zentralen Thesen
herauszuarbeiten sowie die Argumentation und Ebenen der Analyse zu untersuchen. Eine knappe
Einf ührung zum Thema der Wissensgesellschaft bildet dabei den Rahmen zu den großen
Themenbl öcken der „Wissensarbeit“ und der „intelligenten Organisation“
Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft
Einer der ersten Entwürfe zur Zukunft der Industriegesellschaften - im Sinne einer
Wissensgesellschaft - stammt von dem US-amerikanischen Soziologen Daniel Bell. Dieser
prognostizierte bereits 1973, in einigen Aufsätzen sogar noch früher, die Entstehung einer
„postindustriellen Gesellschaft“ 1
Dass es sich dabei um eine Wissensgesellschaft handelt, erläutert Bell an Hand folgender
1 Vgl. Resch, Kristine: Berater-Kapitalismus oder Wissensgesellschaft?, Münster 2003, S. 32.
2
Tendenzen: „einmal, weil Neuerungen mehr und mehr von Forschung und Entwicklung getragen werden (...); und zum anderen, weil die Gesellschaft (...) immer mehr Gewicht auf das Gebiet des Wissens legt.“ 2
Bei seiner Argumentation stützt sich Bell bevorzugt auf Daten aus der empirischen Sozialforschung. So belegen beispielsweise Zuwachsraten bei wissenschaftlich qualifizierten Erwerbstätigkeiten sowie die Verteilung des für den Wissensbereich aufgewandten Anteils am Bruttosozialprodukt seine Thesen. Insgesamt zeichnete Bell das Bild einer Gesellschaft, welche durch eine durchdringende und dominante Rolle von wissensbasierten Dienstleistungen, Symbolanalyse und Forschung geprägt ist. 3
Obwohl Bell schon damals schlüssig argumentierte, blieb das Thema jedoch fast zwanzig Jahre relativ unbeachtet. Wiederbelebt wurde es in den 1990er Jahren durch die Managementtheorie. In der Soziologie waren es Autoren wie Helmut Willke, welche die Wissensgesellschaft erneut zum Untersuchungsobjekt machten. Nach Willke lässt sich immer dann von einer Wissensgesellschaft sprechen,
„wenn die Strukturen und Prozesse der materiellen und symbolischen Reproduktion so von wissensabhängigen Operationen durchdrungen sind, dass Informationsverarbeitung, symbolische Analyse und Expertensysteme gegenüber anderen Faktoren der Reproduktion vorrangig werden.“ 4 Dies soll heißen, dass sowohl wissensbasierte Dienstleistungen, als auch der Produktionsfaktor Wissen gegenüber herkömmlichen Tätigkeitsfeldern und Faktoren wie Land, Kapital und Arbeit an Bedeutung gewinnen. Des Weiteren bedarf es bei Mitgliedern der Wissensgesellschaft einer längeren sowie professionelleren Ausbildung, zunehmend sind Produkte mit einer künstlichen Intelligenz versehen und Organisationen transformieren sich zu wissensbasierten Organisationen. Im Gegensatz zur Industrie-gesellschaft, welche sich erst durch eine verbesserte Infrastruktur an Energieversorgung, Straßen usw. entfalten konnte, stützt sich die Wissensgesellschaft auf die Entwicklung neuer Kommunikationsnetze. In diesem Kontext spricht Willke vom Aufbau einer wissensbasierten Infrastruktur. Dabei geht er jedoch nicht so weit zu behaupten, die Wissensgesellschaft bestehe bereits. Vielmehr wird ein Entwicklungs-trend beschrieben, der aber das Potential einer dritten industriellen Revolution in sich trägt.
2 Bell, Daniel: Die nachindustrielle Gesellschaft, Hamburg 1979, S. 214.
3 Willke, Helmut: Organisierte Wissensarbeit. In: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 27, Heft 3, Juni 1998, S. 165.
4 Willke (1998, S. 162).
3
Argumentation und Ebenen der Analyse
„Organisierte Wissensarbeit entwickelt sich zum Standardmodus der Operationsweise von wissensbasierten, „intelligenten“ Organisationen (...).“ 5 Um diese zentrale These von Willke zu erläutern, ist es zunächst notwendig, auf dessen Begriffsbestimmung von Wissensarbeit einzugehen. Seiner Ansicht nach sind zwar im Prinzip alle Tätigkeiten wissensbasiert in dem Sinne, dass für deren Ausführung eine gewisse Erfahrung und Expertise notwendig sind, gemeint sind aber im Kontext Willkes Theorie:
„Tätigkeiten die dadurch gekennzeichnet sind, dass das erforderliche Wissen nicht einmal im Leben durch Erfahrung, Initation, Lehre, Fachausbildung oder Professionalisierung erworben und dann angewendet wird. Vielmehr erfordert Wissensarbeit im hier gemeinten Sinn, dass das relevante Wissen (1) kontinuierlich revidiert, (2) permanent als verbesserungsfähig angesehen, (3) prinzipiell nicht als Wahrheit sondern als Ressource betrachtet wird und (4) untrennbar mit Nichtwissen gekoppelt ist, so dass mit Wissensarbeit spezifische Risiken verbunden sind.“ 6 Den entscheidenden Unterschied zur herkömmlichen Wissensarbeit sieht Willke in der neuen Qualität. Demnach reicht es nun nicht mehr aus, dass entweder die Person oder die Organisation wissensbasiert operiert. Vielmehr muss ein Zusammenspiel aus personellem und organisationalem Wissen entstehen. Durch diese Vorgehensweise, erhofft sich Willke eine effektivere Wissensgenerierung sowie bessere Nutzung des bereits vorhandenen Wissens. Mit dieser These des Zusammenspiels zwischen Organisation und Personal, welche im Rahmen der intelligenten Organisation noch genauer erläutert wird, grenzt sich Willke bewusst von Personen fixierten soziologischen Theorien ab. Als Grundlage dient ihm dabei die Unterscheidung zwischen Selbstreferenz und operativer Geschlossenheit. Die aus der Kommunikations- sowie Systemtheorie übernommen Begriffe, können laut Willke folgendermaßen beschrieben werden:
a) Selbstreferenz meint die Operationsweise eines Systems, bei welcher die Reproduktion der Einheit des Systems die Bedingung der Möglichkeit von Umweltkontakten (Fremdreferenzen) abgibt.
b) Operative Geschlossenheit kommt zustande, wenn ein System seine spezifischen operativen
5 Willke (1998, S. 161).
6 Willke (1998, S. 161).
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Arbeit zitieren:
Nikolai Schön, 2007, Wissensarbeit und Innovation, München, GRIN Verlag GmbH
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