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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3-4
2. Die Natur und ihr anthropozentrischer Wert 4-6
3. Europäer in der Neuen Welt 7-10
4. Die USA und Europa 10-14
5. Aufblühen des Landes auf Kosten der Natur 14-16
6. Anfänge eines Umweltbewusstseins 16-19
7. Der weitere Verlauf bis Ende der 1960er 19-21
8. Eigene Erfahrungen 21-23
9. Schluss 23-24
10. Literaturverzeichnis 25-26
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1. Einleitung
Der Friedensnobelpreis wurde dieses Jahr unter anderen Preisträgern einem Amerikaner verliehen. Al Gore, der ehemalige Präsidentschaftskandidat der USA, erhielt diese Auszeichnung für seinen Einsatz im Kampf gegen den Klimawandel. Seine 2006 veröffentlichte und mit einem Oskar ausgezeichnete Dokumentation „An Inconvenient Truth“ demonstriert die katastrophalen Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die gesamte Weltbevölkerung. Gore richtet einen eindringlichen Appells an seine Landsleute, sich aktiv am Klimaschutz zu beteiligen, denn die USA sind unter den westlichen Industrienationen die Hauptangeklagten in Sachen Klimawandel. So sind sie für fast 28% aller produzierten Treibhausgase in der Atmosphäre verantwortlich. 1 Mit 5% der Weltbevölkerung verbrauchen sie außerdem 25,6% des gesamten Erdöls, 25,8% der Kohle und 27,2% des Erdgases und liegen mit 128 Millionen in Betrieb genommenen Autos, und somit 25% aller Autos weltweit, klar an der Spitze. 2 Angesichts dieser Zahlen sollte die Bevölkerung und die Regierung alarmiert sein und mit Hilfe einer gezielten Umweltpolitik massiv durchgreifen. Doch die Regierung, hat, im Gegensatz zu den meisten europäischen Staaten, weder das Kyoto-Protokoll ratifiziert, noch sich auf der jüngst tagenden Weltklimakonferenz in Bali auf Ziele für eine Emissionsreduktion festgelegt.
Insbesondere Europa hat in den vergangenen Jahren die USA hinsichtlich ihrer Klimapolitik und des rücksichtslosen Benehmens gegenüber der Umwelt scharf kritisiert. Offensichtlich existieren in der Neuen und der Alten Welt unterschiedliche Auffassungen zum Thema Natur. Eine der Aufgaben des folgenden Textes ist es, die heutige Haltung der USA gegenüber der Umwelt aus historischer Perspektive zu beleuchten. Dabei wird vorwiegend auf die Anfänge der US-amerikanischen Umweltgeschichte eingegangen, welche dann mit einem knappen Blick bis zur Mitte des 20. Jahrhundert abgerundet wird. Dabei muss bemerkt werden, dass die Arbeit nur einen Abriss der amerikanischen Umweltgeschichte darstellt, eine ausführliche Behandlung des Themas würden den Rahmen mehr als sprengen. Im ersten Gliederungspunkt wird allgemein auf das Naturverständnis der Menschen eingegangen, wobei hier dem anthropozentrischen Wert und der christlichen Auffassung ein Hauptaugemerk geschenkt wird. In einem zweiten Punkt wird dann das Verhältnis der ersten US-Amerikaner zu ihrer Umwelt unter die Lupe genommen, um dann die Unterschiede der Einstellung zur Natur von
1
Ohne Autorenangabe: USA an der Spitze der Klimasünder, in: Financial Times Deutschland, letzte Aktualisierung: 06.12.2007, URL:
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Ohne Autorenangabe: Fossile Energieträger: Verbraucher, Produzenten, Vorräte, in: Agenda Energie 21, letzte Aktualisierung: 14.10.2001, URL:
line.nrw.de/angebote/agenda21/archiv/01/daten/zei1023.htm>, Zugriff am:10.12.2007.
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Europäern und US-Amerikanern näher zu beleuchten. Daran schließt sich eine knappe Analyse des Bezuges zur Umwelt bis Ende der 60er Jahre des neunzehnten Jahrhunderts an. Dabei wird der Aufstieg der USA zu einer wirtschaftlichen Macht und dessen Folgen für die Natur betont, aber auch Stimmen und Einrichtung, die sich für den Umweltschutz einsetzten, erfasst. In einem abschließenden Punkt erlaubt sich die Autorin aufgrund persönlicher Erfahrungen, einen kritischen Blick auf die Verhaltensweisen von Amerikanern in Sachen Natur und Umwelt zu werfen. Die wissenschaftliche Basis dieser Arbeit bilden unter anderem Benjamin Klines 2007 erschienener Überblick über die Umweltbewegung in den USA mit dem Titel „First Along the River. A Brief History of the U.S. Environmental Movement“, sowie Roderick Nashs Monographie „Wilderness and the American Mind“.
2. Die Natur und ihr anthropozentrischer Wert
Zunächst einmal stellt sich die Frage, wie man den Naturbegriff in der Geschichte fassen kann und welche Bedeutung dem Schutz der Umwelt 3 in der Menschheit zukommt. Dabei macht sich die Tatsache bemerkbar, dass es den einen Naturbegriff nicht gibt, denn „Natur“ wird in den verschieden Kulturen dieses Planeten, durch geographisch mannigfaltige Gegebenheiten, und zu unterschiedlichen Zeiten in der Geschichte divers beurteilt und bewertet. So beschäftigten sich schon antike Hochkulturen mit der Natur, die Sumerer, zum Beispiel, entwarfen einen Stufenplan für die Bewässerung der Felder aus Sorge um das Gut Wasser, und die vorchristlichen Kulturen des Mittelmeerraums hatten schon damals eine Idee von Umweltschutz. In beiden genannten Fällen muss jedoch betont werden, dass die gesamten Überlegungen nicht der Natur Willen getätigt wurden, sondern vielmehr aus dem Erkennen einer herannahenden Problematik für den Menschen herrührten. So sorgten sich sowohl die vorchristlichen Kulturen des Mittelmeerraums, als auch die Sumerer um die für den Menschen lebensnotwendige Wasserversorgung, und ihre Handlungen waren nicht von einem selbstlosen Gedanken des Schutzes der Natur geprägt. Man darf überdies nicht den Fehler machen und Maßstäbe des heutigen Umweltschutzes auf damalige Zeiten anwenden, denn es gab zwar eine Wahrnehmungen von Umweltproblemen und -phänomenen, aber schwerwiegende Eingriffe in die Natur wurden damals nicht als ökologisch folgenreich empfunden. 4
3 Die Umwelt bedeutet hier primär die Gesamtheit aller auf einen Organismus einwirkenden ökologischen Faktoren, vernachlässigt wird die geistige und sozio-ökonomische Umwelt
4 HEINE, Günther: Ökologie und Recht in historischer Sicht, in: LÜBBE, Hermann/ STRÖKER, Elisabeth (Hrsg.): Ökologische Probleme im kulturellen Wandel, München 1986, S. 116-117.
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Man könnte „Natur“, abgesehen von kulturellen, geographischen oder zeitlichen Gegebenheiten, auch als ein System betrachten, in das sich der Mensch einfügen soll, oder aber als Einrichtung gedacht für die Bedürfnisse des Menschen. 5 Es ist sicherlich nicht gewagt zu behaupten, dass sich der Mensch bis heute nicht in die Natur eingegliedert hat, sondern diese vielmehr versucht hat, systematisch zur Optimierung seines Nutzen zu transformieren. Inwieweit die Menschheit weiterhin so verfahren kann, bleibt aufgrund der zahlreichen Naturkatastrophen der vergangenen Jahre und düsteren Prognosen für die Zukunft dahingestellt. „Umweltbewußtsein möchte“, laut Radkau, „ein Eigenrecht der Natur begründen und kreist doch stets um Bedürfnisse der Menschen. Was „Umwelt“ in der Geschichte konkret bedeutet, ergibt sich aus menschlichen Bedürfnissen“ 6 .
Die anthropozentrische Grundhaltung gegenüber der Natur geht Hand in Hand mit der christlich-theologischen Auffassung, die bis in die Neuzeit, sehr ausgeprägt aber in den heutigen USA, vorherrschte. In dieser nahm die Gesellschaft an, dass die Menschheit keine direkte Verbindung mit der Natur habe, und dass sie zudem nicht auf einer gleichwertigen Ebene stehe, sondern vielmehr die Natur den menschlichen Bedürfnissen untergeordnet sei. Diese Hierarchisierung begründete die Erlaubnis für Christen, die Natur auszubeuten. 7 Gemäß dem christlichen Glauben hat der Mensch in der Schöpfung eine Sonderstellung, welche die Herrschaft über die Natur begründet und in der Bibel in Genesis Kapitel 1, Vers 26-28 mit folgenden Worten Gottes ihren Ursprung hat:
Dann sprach Gott: „Lasset uns Menschen machen nach unserem Abbild, uns ähnlich; sie sollen herrschen über des Meeres Fische, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über alle Landtiere und über alle Kriechtiere am Boden!“ So Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild, nach Gottes Bild schuf er ihn, als Mann und Frau erschuf er sie. Gott segnete sie und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar und mehret euch, füllet die Erde und machet sie untertan und herrschet über des Meeres Fische, die Vögel des Himmels und über alles Getier, das sich auf Erden regt!“ 8
Die Verbannung aus Eden nach dem Kosten vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen, hatte den Bruch mit der Natur zur Folge, welcher nie wieder rückgängig gemacht werden konnte. Der Mensch und die Natur waren uneins geworden und lebten von nun an in
5 RADKAU, Joachim: Warum wurde die Gefährdung der Natur durch den Menschen nicht rechtzeitig erkannt? Naturkult und Angst vor Holznot um 1800, in: LÜBBE, Hermann/ STRÖKER, Elisabeth (Hrsg.): Ökologische Probleme im kulturellen Wandel, München 1986, S. 52.
6 RADKAU, Joachim: Unausdiskutiertes in der Umweltgeschichte, in: HETLING, Manfred u.a. (Hrsg.): Was ist Gesellschaftsgeschichte? Positionen, Themen, Analysen, München 1991, S. 45.
7 KLINE, Benjamin: First Along the River. A Brief History of the U.S. Environmental Movement, Lanham/Boulder/New York u.a., 3 2007. S. 4-5.
8 HAMPF, Vinzenz/ SZENZEL, Meinrad/ KÜRZINGER, Josef (Hrsg.): Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, Würzburg 26 1977. S. 2.
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einer gewissen Disharmonie nebeneinander. Dennoch bestanden die Christen damals auf die Dominanz über die Natur, und rechtfertigten die Ausbeutung der Natur mit ihrer gottgewollten Vorrangsstellung. 9 Interessanterweise hielten sie an dieser Ordnung fest, obwohl Adam und Eva, und somit der Mensch Schuld am Bruch mit der Natur waren. Jedoch könnte man auch argumentieren, dass die Natur, in Form der Schlange, den Menschen zu seinem Fehler verleitet hat.
Überdies wurden die Christen von dem Glauben geleitet, dass die Natur als Schöpfung Gottes nicht zerstörbar war, egal, welchem Einfluss sie ausgesetzt wurde. Laut ihnen lag das Gleichgewicht der Natur in Gottes Händen, der als Allmächtiger alle Prozesse lenkte, was den Menschen von der Schuld seiner für die Umwelt oft folgenschweren Taten reinwusch. 10
Das Verhältnis des Menschen zu seiner unmittelbaren Umwelt ist oft von den für ihn zugänglichen technischen Möglichkeiten geprägt. Obwohl das Mittelalter nicht als das Zeitalter der technischen Erfindungen gelten kann, „denn technische Artefakte waren im Mittelalter kein Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit, schon gar nicht schriftlicher Erinnerung würdig“ 11 brachte es dennoch Erfindungen hervor, die dem Menschen die Möglichkeit gab, natürliche Hindernisse zu bewältigen und der Natur zähmend gegenüber zu treten. So machten sich die Menschen das Wasser und den Wind für Mühlen zu Nutzen, und entwickelten Geschirre, Antriebssysteme mit Kurbelwellen und den Räderpflug, um sich die Arbeit auf dem Felde zu erleichtern. Des Weiteren trieben sie den Ackerbau mit neuen Maßnahmen, wie der Dreifelderwirtschaft, voran und optimierten Viehzucht und Saatwirtschaft. Dies bewirkte zwischen 700 und 1300 n. Chr eine Bevölkerungsexplosion in Westeuropa von 27 auf 73 Millionen Menschen. Das Verlangen nach neuem Land, die Sehnsucht nach Glaubenfreiheit und das Ziel der ökonomischem Expansion zog im Spätmittelalter die Suche nach neuen Ufern mit sich. 12
9 Vgl. Kline, S. 4-5.
10 LÜBBE, Hermann: Ökologische Probleme im kulturellen Wandel, in: LÜBBE, Hermann/ STRÖKER, Elisabeth (Hrsg.): Ökologische Probleme im kulturellen Wandel, München 1986, S. 69.
11 DOHRN-VAN ROSSUM, Gerhard: Novitates-Inventores. Die ‚Erfindung der Erfinder’ im Spätmittelalter, in: SCHMIDT, Hans- Joachim u.a.(Hrsg.): Tradition, Innovation, Invention. Fortschrittsverweigerung und Fortschrittsbewusstsein im Mittelalter, Berlin u.a. 2005, S. 28.
12 Vgl Kline, S. 5-6.
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3. Europäer in der Neuen Welt
Die ersten englischen Siedler, die nach der Gründung Jamestowns, 1607, in der Neuen Welt 1620 Fuß zu fassen versuchten, waren vornehmlich Pilgrims, die ihren Glauben in England als Opposition der anglikanischen Staatskirche nicht ungestört ausleben konnten. Mit der Vorstellung, auf ein zweites Eden zu treffen, bestiegen im September 1620 insgesamt 102 Personen die Mayflower. 13 Bei ihrer Ankunft wurden sie dann aber eines Besseren belehrt, denn sie trafen auf eine „wilderness“, auf deren Beschaffenheit und Ausmaß sie nicht vorbereitet waren. Der Europäer verstand unter „wilderness“ ein überschaubares Stück unkultiviertes Land, Gebirgsketten oder höchsten eine unbewohnte Insel, die nur einen kleinen Flecken auf der sonst dicht besiedelten Landkarte Europas ausmachte. In den heutigen USA jedoch war diese „wilderness“ unmöglich mehr zu überschauen oder zu begreifen. 14 Ein Siedler fasste das Gefühl, das die Menschen nach der Ankunft ergriff, prägnant zusammen: ‚Instead of a garden I found a wilderness’ 15 , und in dieser mussten die ersten Siedler zunächst einmal um ihr Leben bangen. Im täglichen Überlebenskampf entwickelte sich schnell eine starke Antipathie gegenüber der Natur, die bald in ein feindschaftliches Gefühl umschlug. Mit der christlichen Haltung gegenüber der Natur und den neuen technischen Möglichkeiten im Gepäck, nahmen die Siedler den Kampf gegen den Feind Natur auf. Laut Nash, gingen vor allem zwei Gefahren für die Menschen der Alten Welt von der Natur der Neuen Welt aus. Zum einen bedrohte sie ihr Leben, denn die klimatischen Bedingungen, die wilden Tiere, und die mit ihr in Verbindung gebrachten Native Americans, die als „savages“ betitelt wurden, stellten eine große Bedrohung dar. Nicht selten wurde, wenn man von der Unterwerfung der Natur sprach, Militärvokabular verwendet, man sprach von der Natur als Feind, den man erobern, unterwerfen und besiegen musste. 16 Zum anderen fürchteten die Siedler ihre eigene innere, menschliche Natur, die sich im Einklang mit einer äußeren, wilden Natur entfalten könnte. Es bestand das Risiko, dass die unendliche weite und gesetzlose Wildnis eine Versuchung für die lange Zeit unterdrückten Europäer in sich barg und Moral und das friedliche Zusammenleben, die im täglichen Kampf um das Überleben unerlässlich waren, gefährden könnte. Eine Maßnahme dieser Gefahr zu trotzen, bestand daraus, im Zuge der Besiedlung des Landes, nicht zunächst Individuen ziehen zu lassen, sondern ganze Gemeinden miteinander umzusiedeln. 17
13 HEIDEKING, Jürgen: Geschichte der USA, Tübingen/Basel, 3 2003, S. 9.
14 NASH, Roderick: Wilderness and the American Mind, New Haven/London/Yale, 3 1974, S. 26.
15 Vgl. Nash, S. 26.
16 Vgl. Nash, S. 24-27.
17 Vgl. Nash S. 29-30.
Arbeit zitieren:
2008, Die USA und die Umwelt , München, GRIN Verlag GmbH
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