1. Einleitung
1.1 Grundriß des Themas
Diese Arbeit hat die Sophoklessche und die Hegelsche Darstellung der Antigone zum Thema. Es wird zunächst der allgemeine Hintergrund der Figur Antigone angerissen, die sie ja nicht nur bei dem Dichter Sophokles zu finden ist. Sophokles ist jedoch einer der wenigen, die Antigone als zentrale Figur in ihrem Werk darstellen, und so wird auch die 'Antigone' von Sophokles Grundlage dieser Arbeit sein. Ich gebe eine Zusammenfassung dieses Stücks wieder, außerdem wird eine Interpretation der 'Antigone' unablässig sein. Hier wird vornehmlich Antigone, aber auch ihr Gegenspieler Kreon behandelt werden.
Da sich Georg Wilhelm Friedrich Hegel intensiv mit der Sophoklesschen 'Antigone' beschäftigt hat, und seine Ansichten immer wieder von Kollegen wie beispielsweise Goethe aufgenommen und kritisiert worden sind, so wird auch Hegels Deutung der 'Antigone' hier dargelegt und behandelt werden. Im Besonderen wird die Schuldfrage diskutiert werden.
Zum Schluß werden die grundlegendsten Aspekte dieser Arbeit zusammengefaßt.
2. Hintergrund zur 'Anigone'
2.1 Antigone-Mythos
Die Figur Antigone ist Angehörige des thebanischen Königshauses. Sie ist die Tochter des Königs Ödipus und seiner Mutter und Ehefrau Iokaste 1 . Sie hat zwei Brüder namens Eteokles und Polyneikes und eine Schwester mit dem Namen Ismene. Die erste Erwähnung einer Tochter des Ödipus findet sich bei Mimnermos in der Wende des 7. und 6. Jahrhunderts vor Christus. Hier ist zum ersten Mal Ismene erwähnt, die als Lokalheroine Thebens dargestellt und auf Athenes Geheiß getötet wird. Antigone wurde erst später, aber noch in der vortragischen Zeit, also noch vor
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dem 5. Jahrhundert v. Chr., bekannt. Hier hat sie den Status einer Nebenrolle im Rahmen des Ödipus-Mythos. Erst im 5. Jahrhundert wurde der Mythos der Antigone weiter ausgebaut, bis die Figur Antigone bei Sophokles und Euripides eine zentrale und tragische Rolle bekam.
Es gibt viele verschiedene Erzählungen von ebensoviel verschiedenen Dichtern über Antigone, die zum Teil stark voneinander abweichen. Aus diesem Grund vermutet man, daß die Familie des Ödipus tatsächlich gelebt haben könnte. In der heutigen Zeit gilt die 'Antigone' des Sophokles als die bekannteste Erzählung bezüglich Antigone, wodurch das Leben der Antigone diesem Stück gleichgesetzt wird.
2.2 Kurze Biographie des Sophokles
Der Dichter Sophokles lebte etwa von 497 v. Chr. bis 406 v. Chr. in Athen. Schon zu seinen Lebzeiten war Sophokles bekannt und wurde als ,,götterbegnadet wie kein anderer" (Kuchenmüller, 62/3) gepriesen. Laut Kuchenmüller verfaßte Sophokles noch nach seinem fünfzigsten Lebensjahr mindestens hundert Dramen, darunter auch 'Antigone'. Durch ihre erstmals zentrale Rolle hatte Sophokles nicht nur den zeitlichen, sondern auch den ideellen Beginn der Darstellung des Antigone-Mythos eingeleitet.
Die Uraufführung der 'Antigone' war vermutlich im Jahre 442 v. Chr. Sophokles soll ein Jahr später unteranderem auf Grund dieses Stückes vom Volk von Athen in ein hohes Strategenamt gewählt worden sein.
1 So zumindest in der 'Antigone' des Sophokles. In anderen Erzählungen ist die Mutter der Antigone eine andere.
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3. Thematik der 'Antigone' des Sophokles
3.1 Zusammenfassung
Das Drama 'Antigone' beginnt am frühen Morgen. Antigone und ihre Schwester Ismene treten aus dem Haus. Aus ihrem Gespräch erfährt man zunächst die Vorgeschichte: Nach dem Tod Ödipus' kamen die Brüder Eteokles und Polyneikes in Theben an die Macht. Doch ein Streit zwischen den beiden führt zur Vertreibung Polyneikes von Seiten Eteokles. Polyneikes strengt daraufhin einen Kriegszug mit einigen Verbündeten gegen Theben an 2 . Dieser wird jedoch an den Stadtmauern abgeschlagen, die beiden Brüder töten sich gegenseitig. Da nun Polyneikes als Landesverräter gilt, verbietet der neue König Kreon, der Onkel der Geschwister, ihn zu bestatten. Antigone ist trotzdem dazu entschlossen, ihren Bruder Polyneikes zu bestatten, und bittet Ismene, ihr dabei zu helfen. Ismene lehnt jedoch aus der Überzeugung,, der Stadt nicht zum Trotz zu handeln, ab. Daraufhin vollzieht Antigone die Bestattung 3 alleine. Sie ist sich klar darüber, daß sie Kreons Anweisungen des Nicht-Bestattens übertritt, und erklärt laut: ,,Ich begrab ihn, und wenn ich dafür sterbe, ist das schön" (Sophokles, Vers 71/2).
Der Chor der thebanischen Ältesten tritt nun auf. Er besingt mit seinem Einzugslied das Ende des Krieges und den Sieg, den die Thebaner mit Hilfe der Götter errungen haben. Sie kündigen den Auftritt des Königs an. Der neue Herrscher Kreon gibt eine Rede, in der er Regierungsgrundsätze darlegt. Sein erster Erlaß soll dem Landesverräter Polyneikes gelten, der nicht bestattet werden darf. Ein Wächter tritt auf, und meldet, daß der Tote bereits von einem Unbekannten bestattet worden sei. Im darauffolgenden Standlied preist ,,der Chor die Fähigkeiten des Menschen zur Beherrschung der Natur" (Hermes, 39), weist aber auch gleich darauf hin, daß diese dem Guten wie auch dem Bösen dienen können. Der Wächter tritt zum zweiten Mal auf und führt Antigone herein, die er bei einer zweiten Bestattung des Polyneikes ertappt hat. Es folgt die große Szene mit Kreon und Antigone, die sich zu ihrer Tat voll bekennt. Ismene kommt hinzu, um ihrer Schwester beizustehen. Kreon läßt beide abführen.
2 Dieser Kriegszug wurde unter dem Namen "Sieben gegen Theben" allgemein bekannt.
3 Die Bestattung ist symbolisch, was den Sachverhalt des Verbots aber nicht ändert.
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Dr. phil. Annika Krüger, 1999, Sophoklesche und Hegelsche Darstellung der Antigone, Munich, GRIN Publishing GmbH
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