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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Was ist der Tango? 3
2.1 Definition. 3
2.2 Etymologie. 3
3. Historische Entwicklung des Tango 4
3.1 Entstehung und Hintergründe 4
3.1.1 Ursprünge 4
3.1.2 Leben im arrabal und dessen conventillos 5
3.1.3 Tango als ein reptil de lupanar’? 5
3.1.4 Frauenmangel in Buenos Aires 6
3.2 Phasen der Entwicklung 7
3.2.1 Vor 1895 7
3.2.2 Alte Garde: 1895 - 1917. 8
3.2.3 Neue Garde: ab ca. 1924 9
4. Einflüsse während der Entwicklung zum Tango 10
4.1 Candombe 10
4.2 Milonga. 10
4.3 Habanera. 11
4.4 Tango andaluz 11
5. Die Alte Garde und Ángel G. Villoldo. 12
5.1 Tango im Hafenviertel von Buenos Aires 12
5.2 Quellen. 13
5.3 Vertreter. 13
6. Der papá del tango criollo’: Ángel G. Villoldo. 14
6.1 Bedeutung 14
6.2 Leben ( 1868/69 - 1919) 14
6.3 Pionier in Schallplatten- und Filmaufnahmen 15
6.4 Texte 16
6.4.1 El Porteñito (1903) 17
6.4.2 La Morocha (1905) 18
7. Schlussbemerkung. 20
Bibliographie 21
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1. Einleitung
Der Tango ist der Inbegriff für Argentiniens Kultur. Er erzählt die Geschichte des Landes, vor allem die der Hauptstadt Buenos Aires, und dessen Gesellschaft.
Der Mehrheit der Deutschen dürfte der Tango vorwiegend als Tanz geläufig sein. Dies stellt aber nur einen Teil seiner möglichen Ausdrucksformen dar, denn er hat sich im Verlauf der Zeit in weiteren Ausprägungen manifestiert: anfänglich war er ein Musikstil mit spontan gedichteten Texten, sowie ein improvisierter Tanz und erst im Lauf der Zeit setzte sich ebenfalls das Tangolied durch, das sich durch feste Liedtexte auszeichnete. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Frühzeit des Tango, der sogenannten Alten Garde, die während der Jahre 1895 - 1917 eingeordnet wird, und deren Hauptvertreter Ángel Gregorio Villoldo. Als Pionier des Tango repräsentiert er die Anfangsgeschichte des Tango wie kein anderer und erhielt so den Ehrennahmen ‘papá del tango criollo’.
Mit dieser Arbeit soll ein umfassender Einblick in den sozialen Kontext des damaligen Buenos Aires gegeben werden und auch die Entwicklungsbedingungen für den Tango dargelegt werden. Argentinien ist stark durch eine außergewöhnliche Einwanderungsgeschichte geprägt, die die Entfaltung des Tango auf diese Weise erst möglich machte. Der frühe Tango ist vor allem Ausdruck großer Sehnsucht der Immigranten.
Während seiner Entstehung wirkten verschiedene Einflüsse von Tänzen und Musikstilen auf den Tango ein. Hierzu zählen der Candombe der in Buenos Aires und Montevideo lebenden Afrokreolen, die Milonga mit argentinischem Ursprung, die aus Kuba stammende Habanera und der südspanische Tango andaluz.
Außerdem wird auf die Frage eingegangen, inwiefern der Ruf des Tango als Kind des Bordells und Rotlichtmilieus berechtigt ist. Entstand er in den düsteren Winkeln von Buenos Aires oder wurde er vielleicht absichtlich aufgrund der strengen moralischen Auffassung seiner Kritiker diffamiert? Fest steht, dass der Tango ein soziales Erzeugnis der rioplatensischen Vorstadt ist und sich langsam Anerkennung in ganz Argentinien verschafft hat, wozu die beliebten Werke von Ángel G. Villoldo einen großen Teil beitrugen. El Porteñito und La Morocha sind zwei berühmte Tango von Villoldo, die später näher als Beispiele seines Schaffens betrachtet werden. Die Leistung für den Tango des facettenreiche Künstlers soll ausführlich geschildert werden und somit ein Eindruck über die Entstehungsgeschichte des Tango ge- währt werden.
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2. Was ist der Tango?
2.1 Definition
Tango [span.] aus Lateinamerika stammender Tanz im 2/4- oder 4/8-Takt, in synkopiertem Rhythmus, mit Kreuz- und Knickschritten und abruptem Still-stand. Der Tango entwickelte sich aus Elementen der Habanera und wurde etwa 1910 in Argentinien zum Gesellschaftstanz; er zählt heute zu den Standardtänzen. (Meyers Enzyklopädisches Lexikon, 1979).
Tango der, in der Umgebung von Buenos Aires entstandener Tanz, seit 1910 in Europa auch Gesellschaftstanz, im 2/4- oder 4/8-Takt. (Der Brockhaus in einem Band, 2002).
Die beiden Definitionen aus renommierten Lexika beleuchten nur den Aspekt des Tango als Tanz, was aber wie schon erwähnt, nur einen Teil des Gesamtbildes darstellt. Darüber hinaus existiert der Tango als Musikform und als Tangolied.
2.2 Etymologie
Die verschiedenen Geschichten um die Entstehung des Tango sind keineswegs gesichert und geben auch heute noch Grund zur Diskussion.
Der Tango wurde in der Vorstadt von Buenos Aires besonders in den Bordellen gespielt und getanzt und erlangte schon um das Jahr 1880 eine gewisse Bekanntheit unter diesem Namen. Zur Etymologie des Wortes Tango gibt es ebenfalls keine nachgewiesene Theorie, sondern lediglich Mutmaßungen.
Einige meinen, dass Tango vom lateinischen Wort tangere, also berühren, abstammt, oder vom spanischen tambor oder dem afrikanischen tambó, der Trommel, was sich dann zu tambo/tangó und letztendlich zu tango veränderte.
Es wird auch vermutet, dass tango von einem afrikanischen Dialekt abstammt, denn in Buenos Aires und Montevideo gab es wichtige Sklaven-Umschlagplätze, was diese Theorie unterstützt. Es existieren mehrere Möglichkeiten zur Herkunft des Wortes. Es gibt einen kongolesischen Tanz, der lango genannt wird. Eine weitere Annahme nennt den nigerianischen Yoru-
ba 1 -Gott shango, von dem das Wort tango abgeleitet sein könnte. Außerdem gibt es ein dem
1 Afrikanisches Volk, Sprache und Religion
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tango ähnliches Bantu 2 -Wort für tanzen - tamgu. Überdies könnte der Ursprung aus dem Kongo stammen, wo tango geschlossener Ort/Kreis heißt und später zur Bezeichnung der Orte wird, an denen sich die Sklaven vor ihrer Einschiffung versammelten. Zango war darüber hinaus ein afro-argentinisches Lied aus dem 18. Jahrhundert. Dies war eine Auswahl an theoretischen Herkunftsmöglichkeiten des Wortes Tango, dennoch wären noch einige andere Möglichkeiten denkbar, auf die aber nicht näher eingegangen werden soll.
3. Historische Entwicklung des Tango
3.1 Entstehung und Hintergründe
3.1.1 Ursprünge
Der Tango gilt als „ein soziales Produkt“, als „eine kollektive Schöpfung“ (Reichardt 1981: 21) der Einwohner von Buenos Aires, von wo er sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Montevideo, der Hauptstadt Uruguays, ausbreitete, wobei der Schwerpunkt der Entwicklung aber in Buenos Aires lag.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts fand in Argentinien eine regelrechte Bevölkerungsexplosion, bedingt durch eine gezielte Einwanderungspolitik, statt. Im Jahr 1869 wurden in Argentinien insgesamt 1,8 Mio. Einwohner gezählt, davon 180.000 in Buenos Aires. Nur 45 Jahre später, 1914, war die Einwohnerzahl auf ungefähr 8 Mio. angestiegen, wovon 1,5 Mio. in Buenos Aires ansässig waren (Collier 1995: 19ff.).
In ganz Argentinien war zu dieser Zeit ein Wandel spürbar. Es gab einen eindrucksvollen wirtschaftlichen Aufstieg durch den Export von Fleischprodukten und Getreide, welche vorwiegend nach Europa ausgeführt wurden. In den zwanziger Jahren der 20. Jahrhunderts gehörte Argentinien zu den reichsten Ländern der Welt.
Die Regierung spekulierte auf die Ankunft gebildeter Immigranten aus Europa. Statt deren kamen aber die meisten Einwanderer aus den agrarischen Gegenden Spaniens und Italiens, sowie aus Osteuropa als auch aus arabischen Ländern. Diese erhofften sich auf einem kleinen Stück Land eine neue Zukunft aufbauen zu können. Bis dahin war aber die Pampa schon den
2 „viele Völker und Stämme im südl. und mittleren Afrika, rd. 100 Mio. Menschen, die die B.-Sprachen spre- chen.“ (Der Brockhaus in einem Band, 2002).
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Gauchos 3 entrissen worden und unter den argentinischen Großgrundbesitzern verteilt worden, welche natürlich auf ihren Besitztümern beharrten und sich weigerten, Land an die Neuankömmlinge abzugeben. Auch wurden durch Spekulanten die Bodenpreise in die Höhe getrieben, so dass selbst kleine Grundstücke für die Einwanderer unbezahlbar waren. Fast die Hälfte dieser Immigranten kehrte wieder in ihre Heimat zurück. Viele konnten für die Rückreise jedoch nicht die nötigen finanziellen Mittel aufbringen. Zurück blieben, besonders in Buenos Aires, entwurzelte Menschen, die in ärmlichen Verhältnissen verweilen mussten.
3.1.2 Leben im arrabal und dessen conventillos
Der arrabal bezeichnet den Stadtrand von Buenos Aires, also den Übergang zur argentinischen Pampa. Er kann aber auch als eine soziale Realität gesehen werden, und weniger als der eigentliche geographische Ort (Birkenstock/Rüegg 2000: 24).
Im arrabal herrschten klägliche Lebensbedingungen. Die Menschen lebten in den sogenannten conventillos, also in speziellen Mietshäusern, in denen auf engstem Raum hauptsächlich die mittellosen Immigranten zusammen wohnten.
Die Bewohner der conventillos waren überwiegend Ausländer und der Rest bestand vor allem aus entwurzelten, kreolischen Landbewohnern, die in die Stadt geflüchtet waren, dem com-
padrito 4 , sowie Ganoven und Akteuren des Rotlichtmilieus, die nun in direkter Nachbarschaft mit beispielsweise tadellosen, tief-religiösen Einwanderern wohnten. Die conventillos gelten als Sinnbild für das Unvermögen der argentinischen Elite, Einwanderer und Kreolen am wirtschaftlichen Wachstum teilhaben zu lassen. Dort herrschte das Heimweh nach der Familie, die Sehnsucht nach der möglicherweise zurückgelassenen Frau und der verlassenen Heimat, sowie der Mangel an einer eigenen Identität. Diese Atmosphäre war die Grundlage für die Entstehung des Tango. Die Menschen verarbeiteten ihr Mosaik aus Emotionen in Worte, Melodien und Tanzbewegungen.
3.1.3 Tango als ein ‘reptil de lupanar’?
In Argentinien konnte sich bis ungefähr 1910 eine Zweiklassengesellschaft halten. 95% der Bevölkerung gehörten der Unterschicht an und wohnten im arrabal. Sie arbeiteten als Hilfsarbeiter, Dienstpersonal der Oberschicht oder als einfache Handwerker, womit ein Aufstieg sehr unwahrscheinlich war. Diese Menschen wurden von den 5% der argentinischen Elite für Abschaum gehalten und um mögliche Proteste zu verhindern, wurden sie absichtlich klein
3 „berittener Rinderhirt in Südamerika“ (ebd.).
4 Junger männlicher Vorstadtbewohner, dessen Verhalten sich an den compadres - ehemaligen Gauchos, die aus der Pampa vertrieben wurden und nach Buenos Aires flüchteten - orientierte. Unter den compadritos befanden sich Ganoven und Zuhälter, aber überwiegend waren es großstädtische Messerhelden und Raufbolde.
Arbeit zitieren:
Jasmin Deufel, 2010, Die Geschichte des Tango, München, GRIN Verlag GmbH
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