Gliederung
1. Einleitung 3
2. Wahrnehmung’, Gestalt’ und Kategorisierung’
als zentrale Begriffe der Prototypentheorie
S. 4
2.1 Der Wahrnehmungsbegriff 4
2.2 Farbwahrnehmung und Farbkonstanz’ 6
2.3 Die Definition der Gestalt 7
2.4 Massstäbe der Kategorisierung 9
2.4.1 Die klassische Kategorisierung nach Aristoteles 11
2.4.2 Kategorisierung nach Rosch 11
2.5 Eleanor Roschs Basic-Level-Model 12
3. Zusammenfassung 14
4. Bibliographie 15
2
1. Einleitung
Die Prototypentheorie ist kein autonomes Konstrukt, welches von Sprachwissenschaftlern allein zum Zweck der Kategorisierung von Wörtern, Wortarten und Begriffen generiert wurde. Das Thema der Kategorisierung taucht bereits in der griechischen Antike bei Aristoteles auf und wurde im Laufe der Jahrhunderte vielfach beleuchtet und von verschiedenen Disziplinen aufgegriffen, modifiziert und durch neue Bedingungen definiert. Ein Zitat des Linguisten George Lakoff dürfte die Notwendigkeit und Natürlichkeit des kognitiven Kategorisierungsprozesses am ehesten verdeutlichen: There is nothing more basic than categorization to our thought, perception, action, and speech. Every time we see something as a kind of thing, for example, a tree, we are categorizing. Whenever we reason about kinds of things - chairs, nations, illnesses, emotions, any kind of thing at all - we are employing categories. Whenever we intentionally perform any kind of action, say something as mundane as writing with a pencil, hammering with a hammer, or ironing clothes, we are using categories. […] And any time we either produce or understand any utterance of any reasonable length, we are employing dozens if not hundreds of categories: categories of speech sounds, of words, of phrases and clauses, as well as conceptual categories. (Lakoff 1987, 5f) Vor Allem die Wahrnehmungs- und Gestaltpsychologie haben das Konzept der Kategorisierung um die Theorie des perzeptionsabhängigen Prototypen im letzten Jahrhundert erweitert und herausgearbeitet wie sich ein Prototyp vom anderen durch dessen spezifische Gestalt unterscheidet. Dafür wurden die klassischen
Kategorisierungsschemata herangezogen, überprüft und oftmals neu definiert. Im
Bereich der Sprachwissenschaft hat Eleanor Rosch in den 70er Jahren neue Definitionen zur Kategorisierung von Prototypen erarbeitet.
In dieser Arbeit möchte ich den historischen Verlauf der Kategorisierung nachzeichnen und die verschiedenen Einflussfaktoren skizzieren, welche zur Gestaltung der Protoypentheorie beigetragen haben. Dabei möchte ich Eleanor Rosch zu einem späteren Zeitpunkt zwei eigene Kapitel (2.4.2 und 2.5) widmen, um ihren Ansatz zu verdeutlichen.
Zunächst aber werde ich auf die Begriffe der Wahrnehmung im Allgemeinen und der Gestalt eingehen, ehe ich mich der Thematik der Kategorisierung zuwende und schließlich zur Prototypentheorie gelange. Im folgenden Kapitel soll nun das Konzept der Perzeption oder Wahrnehmung kurz vorgestellt werden.
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2. ‚Wahrnehmung’, ‚Gestalt’ und ‚Kategorisierung’ als zentrale Begriffe der
Prototypentheorie
2.1 Der Wahrnehmungsbegriff
Der Begriffsdefinition der Wahrnehmung selbst und die Disziplin der Wahrnehmungspsychologie entstammt philosophischen Betrachtungen Ende des 20. Jahrhunderts.
Sucht man heute im psychologischen Wörterbuch von Dorsch nach einer Definition des Wahrnehmungsbegriffes, so findet man dies:
Wahrnehmung (=W.), Perzeption [engl. perception], Vorgang und Ergebnis der Reizverarbeitung. Das Ergebnis ist ein Abbild objektiv-realer Umwelt und der eigenen Person (Innenwelt). [...] Prozesse und Ergebnisse sowie Modelle und Theorien der W. sind Gegenstände der Wahrnehmungspsychologie. Der Begriff Wahrnehmung ist unscharf definiert. (Dorsch 2009, 1082)
Wie so oft im Bereich der Psychologie, fällt auch hier vor allem der letzte Satz ins Auge, der darauf verweist, dass leider keine klare Definition möglich ist. Kein Wunder bei einem so komplexen Vorgang wie dem des Wahrnehmens, bei dem so viele Reize, Rezeptoren und neuronale Verknüpfungen beteiligt sind. Auf das Problem der Unschärfe komme ich im Kapitel 2.4.2 noch einmal ausführlich zu sprechen. Wie dieser Prozess der Wahrnehmung (perceptual process) einigermaßen vereinfacht dargestellt werden kann, sieht man in folgendem Schema:
Die Reihenfolge der einzelnen Begrifflichkeiten darf nicht als linear vorausgesetzt werden und beweist die Komplexität eines solchen Prozesses wie dem der
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Wahrnehmung. Wenn ein Mensch ein Objekt wahrnimmt, so filtert er 1 bereits aus allen verfügbaren und potentiellen wahrnehmbaren Reizen, diejenigen heraus die er genauer betrachten (hier greift schon der Begriff der Handlung) möchte. Welche Stimuli seine genauere Betrachtung hervorrufen wurde bereits vorher durch die Instanzen Wissen und Erkennen bestimmt. Während das Wissen - welches ausserhalb steht und die Wahrnehmung beeinflusst - abgleicht, ob dieses Objekt bereits jemals irgendwo wahrgenommen wurde oder eine Vorkenntnis darüber existiert, sucht das Erkennen in seinem schier unerschöpflichen Archiv nach Kategorisierungs- und Zuordnungsmöglichkeiten. Das Ergebnis dieses Zusammenspiels der Instanzen ist dann bestenfalls Neugier, weil das Objekt an sich eben ‚neu’ und unbekannt ist oder weil irgendetwas an diesem Objekt so noch nicht betrachtet wurde. In beiden Fällen folgt die Handlung des genaueren Betrachtens. Der Rest besteht aus biochemischen Prozessen, auf die ich hier nur noch kurz eingehen möchte. Der verfügbare Stimulus wird an die entsprechenden Rezeptoren weitergegeben, die elektronische Energie wird transformiert (Transduktion), neuronal verarbeitet und anschließend in der Festplatte des Wissens gespeichert (vgl. Goldstein 2008, 4-6).
Welche Faszination dieser Wahrnehmungsprozess selbst auf um Sachlichkeit bemühte Wissenschaftler ausübt, wird bei Metzger deutlich: Dem Menschen, der unbefangen um sich schaut, kommen seine eigenen Augen wie eine Art Fenster vor. Öffnet er die Vorhänge, die Lider, so ‚ist’ da draußen die sichtbare Welt der Dinge und der anderen Wesen. […] Eines Tages wird klar, daß nicht nur die blendende und schmerzende Sonne, sondern auch jedes harmlose und unauffällige Ding auf die Augen ‚einwirkt’, und daß überhaupt kein Sehen möglich ist ohne diese geheimnisvollen Vorgänge, die auch aus den größten Entfernungen von der Oberfläche aus bis in die Augen des Betrachters hineingelangen. (Metzger 1975, 15)
Hauptaugenmerk der Erforschung der Perzeptionsprozesse waren oftmals Farben und Formen. Während sich im letzten Fall aus den Betrachtungen zur Form die Theorien und Gesetze zur Gestalt und ihrer Wahrnehmung entwickelten, auf die ich in Kapitel 2.3 explizit eingehen werde, konzentrierte sich die Wissenschaft im ersten Fall mit den Vorgängen der Farbwahrnehmung, womit sich das nächste Kapitel befassen wird.
1 Wenn ich hierbei von einem Er spreche, so sei auch die weibliche Gattung der Spezies Mensch mit eingeschlossen.
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Arbeit zitieren:
Giuseppe Stein, 2010, Wahrnehmung und Gestaltpsychologie als Grundlage der Prototypentheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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