Inhalt
1. Ursachen und Voraussetzungen für die Krise im Bankensektor 4
1.1 erster Faktor: Asset Backed Securities 4
1.2 zweiter Faktor: Leverage-Effekt 4
1.3 dritter Faktor: niedrige Eigenkapitalquote 5
2. Chronik des Niedergangs 5
3. Wenn Dominosteine kippen - Die Pleite von Bear Stearns 7
Anhang 9
Literaturverzeichnis 10
3
1. Ursachen und Voraussetzungen für die Krise im Bankensektor
In der mittelfristigen Ursachenforschung kann der Beginn der Weltwirtschaftskrise am Abschwung auf dem US-Immobilienmarkt im Jahr 2006 festgemacht werden. Privatfinanzierte Hypothekenkredite minderer Bonität (subprime mortgages) wurden als Hypotheken gesicherte Wertpapiere (MBS) verbrieft, Forderungen in CDOs umge-wandelt und an die Kunden weitergereicht. 1 Hausbesitzer mit schwächerer Bonität spekulierten auf den Anstieg der Immobilienpreise, finanzierten ihr Eigentum also nicht durch das laufende Einkommen, sondern durch eine mögliche Verwertung ihrer Immobilie. 2 Diese Spekulation gelingt aber nur dann, wenn die Preise tatsächlich steigen. Steigen die Preise nicht mehr an oder sinken sie, ist die Spekulation geplatzt. Die zunehmenden Kreditausfälle bei Hypotheken und die damit verbundene Zwangsverkäufe verstärkten den Preisverfall der Immobilien. 3
1.1 erster Faktor: Asset Backed Securities
Die Krise im Bankensektor kann auf drei Faktoren zurückgeführt werden. 4 Zunächst wurden Instrumente entwickelt, die die Kreditrisiken aus den Bilanzbüchern der Banken entfernen sollten. 5 Forderungen in unterschiedlicher Höhe und unterschiedlichen Risikoprofilen wurden von dem Emittenten in eine Vielzahl von Tranchen gebündelt, von einer Ratingagentur bewertet und an den Kunden weitergereicht. 6
1.2 zweiter Faktor: Leverage-Effekt
Die Unsicherheit auf den globalen Finanzmärkten ist aber insbesondere auf den so genannten „Leverage-Effekt“ zurückzuführen. Dabei wird ein bestimmtes Zielprojekt (z.B. Investition in Immobilien) sowohl durch Fremd- als auch durch Eigenkapital finanziert. Das Fremdkapital wird mit einer zuvor vereinbarten Höhe verzinst. Die Eigenkapitalrendite errechnet sich aus dem Gewinn dividiert durch das eingesetzte Kapital. Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass der Gewinn durch eine Reduzierung des Eigenkapitals maximiert werden kann. Diese enorme Hebelwirkung führt zu einem Maximum an Fremdfinanzierung und einem Minimum an Eigenkapital. Dabei waren sich einige Banken ihrer Risikostreuung derart sicher, dass sie die gegenteilige Hebelwirkung unterschätzten. Die zentrale Funktion des Eigenkapitals, einen Puffer gegen
1 Vgl. Hans-Peter Burghof 2008 S.703 ff.
2 Vgl. ebda.
3 Vgl. ebda.
4 Vgl. ebda.
5 Vgl. ebda.
6 Vgl. ebda.
4
Verluste zu bilden, sei an unaufhörlich wachsenden Märkten verzichtbar gewesen. 7 Der hohe Leverage-Effekt verursachte eine massive Vertrauenskrise in die Finanzmarktstabilität. 8 Folglich war eine Refinanzierung der Banken untereinander nur noch bedingt möglich. Obwohl die Zentralbanken die Rolle des Interbankenmarktes Übernahmen und den Markt mit Liquidität versorgten, konnte dennoch nicht verhindert werden, dass einzelne Kreditinstitute gestützt (gar verstaatlicht) werden mussten. Diese Finanzinstitute wurden als „too-big-to-fail“ bewertet, also systemrelevant für die gesamte Stabilität des Finanzsektors. 9 Vorsichtige Betrachtungsweisen lassen darauf schließen, dass sich einige Banken (insbesondere in den Vereinigten Staaten) strategisch vergrößerten um in eine Kategorie eingereiht zu werden, in der sie zu groß zum Scheitern waren.
1.3 dritter Faktor: niedrige Eigenkapitalquote
Die entsprechende Kreditdeckung durch das Eigenkapital der Bank hängt von den zuvor eingegangenen Risiken ab. So schrieb Basel II den Banken vor, dass mindestens acht Prozent der mit Risiken behafteten Forderungen mit entsprechendem Eigenkapital auszustatten sei. Die restlichen 92 Prozent konnten fremdfinanziert werden. Mit einem solchen Eigenkapitalpuffer sollte das Ausmaß einer Insolvenz so niedrig gehalten werden, dass es für die gesamte Stabilität des Finanzsystems als absorbierbar bewertet wurde. 10 Auf dem Feld der großen Finanzmarktakteure waren aber jene besonders erfolgreich, die sich weniger an die eigentlich verbindlichen Vorgaben hielten. 11 Als Folge dessen sollten die Finanzaufsichtsbehörden ihre Vorgaben möglichst breit und großzügig formulieren. 12 Aus Sicht der Banken konnten auf einem deregulierten Feld höhere Gewinne erzielt werden, die aber zugleich mit hohen Risiken behaftet waren. Der Leverage-Effekt und eine niedrige Eigenkapitalquote haben eine hohe Eigenkapitalrendite ermöglicht. Zugleich aber auch dazu geführt, dass sich die Folgen von Kreditausfällen wie ein Flächenbrand auf die gesamte Finanzbranche ausgebreitet haben. Das eigentliche Ziel einer Bank, der realen Wirtschaft zu dienen 13 , wurde im großen Ausmaß verfehlt.
2. Chronik des Niedergangs
Zu Beginn wurde bereits auf die vermehrten Zwangverkäufe auf den Immobilienmärkten im Jahr 2006 hingewiesen. Nachdem im April 2007 der Hypothekenfinanzierer
7 Vgl. Burghof, 2008
8 Vgl. ebda.
9 Vgl. ebda.
10 Vgl. ebda.
11 Vgl. ebda
12 Vgl. ebda. S. 705
13 WiSo Direkt, F.E.S., 2008
5
Arbeit zitieren:
Marco M. Hagemeyer, 2010, Voraussetzungen und Ursachen für die Krise im Bankensektor, München, GRIN Verlag GmbH
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