Inhalt
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Die Tugendlehre des Aristoteles. 3
2.1 Der Begriff der Eudaimonia. 3
2.2 Die Bestimmung der Tugenden. 4
2.2.1 Die Charaktertugenden. 5
2.2.2 Die Mitte als Definitionselement der ethischen Tugenden. 5
2.2.3 Die dianoetischen Tugenden (arete dianoetike) 6
2.3 Politische (bios politikos) oder Theoretische Existenz (bios theoretikos) 7
3 Schluss. 10
4 Literaturverzeichnis. 11
2
1 Einleitung
Der Mensch als „zoon politikon“. Das Menschenbild, das Aristoteles seiner politischen Philosophie zugrunde legt, besagt, dass dieser von Natur aus ein staatenbildendes Lebewesen ist, und das in höherem Maße noch „als jede Biene oder irgendein Heerdentier“ 1 .Nur die politische Gemeinschaft, in diesem Fall die Polis, ermöglicht es dem Menschen sich gemäß seiner Wesensform zu verwirklichen und glücklich zu werden. Entsprechend seiner Anthropologie basiert das praktische Gelingen der politischen Philosophie des Aristoteles auf der Ethik 2 , schließlich ist Politik nichts anderes als deren Anwendung. In dieser Arbeit möchte ich ausgehend von dem aristotelischen Leitbegriff des Glücks (agathon), auf die Kompetenzen der Bürger eingehen, auf die ein gelungenes Staatswesen, in diesem Fall der Polis, fußt, denn die aristotelische Tugendethik bezieht sich direkt auf die reale Ordnung des Staates. So soll zuerst der Begriff der Glückseligkeit (eudaimonia) näher erläutert werden, er nimmt eine zentrale in Stellung in der aristotelischen Tugendethik ein. Ausgehend davon werde ich auf die Charaktertugenden (arete ethike) und ihre Bestimmung durch das Moment der Mitte (mesotes) eingehen, anschließend die Vernunfttugenden (arete ethike) behandeln. Mag die Ethik des Aristoteles auf das Gelingen einer politischen und sozialen Gemeinschaft abzielen, so stellt er dennoch die Frage, welches Leben, theoretisch betrachtet, am meisten die Kriterien des Glücks erfüllen würde, denn nicht nur das „Staatenbilden“ liegt ihm im Blut, auch der Besitz der Vernunft bestimmt maßgeblich das menschliche Wesen. Deshalb möchte ich am Ende dieser Arbeit die Frage beantworten, die Aristoteles bis zum Ende der Nikomachischen Ethik offen lässt, nämlich ob der Mensch das größte Glück in der politischen oder in der theoretischen Existenz finden kann.
2 Die Tugendlehre des Aristoteles
2.1 Der Begriff der Eudaimonia
Im Unterschied zu seiner Bestimmung als politisches Wesen, besitzt der Mensch die Tugenden nicht von Natur aus, es sind gewissermaßen Haltungen, die er mittels seiner Vernunft und Sprachbegabung erwirbt und ausbaut. Davon ausgehend muss man sich die
1 POL I.2.1253a1
2 Ich beziehe mich immer auf die Nikomachische Ethik. Die Eudemische, wie die große Ethik (magna moralia) sollen für diese Arbeit keine größere Verwendung finden.
3
Frage stellen, was den Menschen antreibt, was seine Ziele bestimmt oder kurz: wonach strebt der Mensch? Im ersten Buch der Nikomachischen Ethik zeigt Aristoteles, dass alle Handlungen ein Ziel haben, nach etwas streben, nämlich nach dem Guten (agathon). „Deshalb hat man Gut zu Recht erklärt als das, wonach alles strebt“ 3 Geht man von einer Art Hierarchie der Ziele aus, wird deutlich, dass es auch höherrangigere gibt, um derentwillen wiederum andere verfolgt werden.
„(...) so ist das Ziel der Medizin die Gesundheit, dasjenige des Schiffbaus das Schiff , das der Strategik der Sieg, das der Haushaltsführung der Reichtum.“ 4 Dieses Ziel, das allen vorangehenden Zielen als Beweggrund dient, bezeichnet Aristoteles als das „beste Gut (ariston)“ 5 .
Nun fragt Aristoteles, was unser aller Intention ist, was die vollständige Erfüllung allen menschlichen Strebens und uns allen, unabhängig von gesellschaftlicher Stellung oder Bildung, als höchstes Ziel gilt. Es ist die Eudaimonia, das Glück oder die Glückseligkeit. „Das Glück erweist sich also als etwas, das abschließend und autark ist; es ist das Ziel all dessen, was wir tun.“ 6
Aristoteles bestimmt dieses Glück als autark, da es das Leben auch dann lebenswert macht, würde man es allein besitzen. Alles erstreben wir um seinetwillen. Die Glückseligkeit kann als „das“ Prinzip des Staatswesens aufgefasst werden, sie ist das höchste praktikable Gut und sich selbst genügendes Ziel allen menschlichen Strebens.
2.2 Die Bestimmung der Tugenden
Ausgehend von der Frage nach der spezifischen Funktion des Menschen, die Aristoteles in der Tätigkeit der Seele gemäß der Vernunft sieht, soll nun auf die aristotelische Aufteilung der menschlichen Seele eingegangen werden. Aristoteles teilt die Seele in einen vernunftlosen und in einen vernunftbegabten Teil. Ersterer ist wiederum zusammengesetzt aus dem vegetativen Seelenvermögen, dieses ist für Ernährung und Wachstum zuständig, es wird allen Wesen und Pflanzen zugesprochen, und aus einem begehrenden, animalischen. Die Affekte dieses animalischen Teils können von der Vernunft und der ihr ge-horchenden Klugheit teilweise gesteuert werden. Wenn man also davon ausgeht, dass die-
3EN I 1.1094a1-2
4 EN Ι 1.1094abff.
5 EN I 1.1094a23
6 EN Ι 5.1097b4.
4
Arbeit zitieren:
Carina Losert, 2010, Die Tugendethik des Aristoteles und die Frage nach dem besten Leben, München, GRIN Verlag GmbH
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