Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Was bedeutet Wochenplanarbeit nach Freinet? 4
2.1 Grundzüge der Freinet-Pädagogik 4
2.2 Warum Wochenplanarbeit? 5
3. Organisatorischer Rahmen für die Wochenplanarbeit 7
3.1 Allgemein 7
3.2 Lehrer S.11
3.3 Schüler S.11
4. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein? S.13
4.1 Räumlich S.13
4.2 Ausstattung S.14
5. Fazit S.15
6. Querverbindung „Beratung in der Schule“ (WS 09/10) S.17
7. Querverbindung „Gesprächsführung und Beratung“
(WS 09/10) 18
8. Literaturverzeichnis S.19
2
1. Einleitung
In Anbetracht der Bildungsdebatte, die derzeit in Deutschland geführt wird und der Kritik am deutschen Schulsystem, sollte sich jeder Lehrer und jede Lehrerin Gedanken machen, was sie selbst zum Erfolg beitragen können. Während meines Praktikums habe ich positive Erfahrungen mit der Wochenplanarbeit gemacht, weshalb ich die Grundzüge dieser Arbeitsmethode aufzeigen möchte. Es soll ein erster Überblick für interessierte Lehrer und Lehrerinnen sein, um ihnen eine andere Form der Unterrichtsgestaltung näher zu bringen.
Unter Wochenplanarbeit versteht man die zeitliche wie sachliche Organisation von Arbeitsaufträgen, die die Schülerinnen und Schüler eigenständig meistens innerhalb einer Woche bearbeiten sollen. Dabei soll die Wochenplanarbeit nicht eine Zusammenfassung der ansonsten über die Woche verstreuten Kurzphasen von Gruppen-, Still- und Partnerarbeit sein. Sie soll vielmehr die Jugendlichen in die Mitgestaltung des Schulalltags einbeziehen. 1
Bevor auf die Praxis der Wochenplanarbeit eingegangen wird, möchte ich die theoretische Grundlage nach Célestin Freinet erläutern, was ein Wochenplan überhaupt ist. Daraufhin wird der allgemeine organisatorische Rahmen beschrieben mit Hinweisen, wie man den Wochenplan an einer Schule /in einer Klasse einführen kann. Anschließend werden die neuen Rollen der Lehrer und Schüler genauer beschrieben. Im dritten Punkt werden die räumlichen Voraussetzungen und die benötigte Ausstattung der Klassenzimmer näher beschrieben. Abschließend werde ich in einem Fazit Stellung zu meinen Erfahrungen mit der Wochenplanarbeit nehmen und zu einer Entscheidung kommen, ob ich selbst in Zukunft mit dieser Methode arbeiten werde.
1 Vgl.: Vaupel, Dieter (1995)
3
2. Was bedeutet Wochenplanarbeit nach Freinet?
2.1 Grundzüge der Freinet-Pädagogik
Ein wesentliches Grundprinzip der Pädagogik nach Freinet ist das Recht auf Verschiedenheit der Kinder. Es ist dabei die Aufgabe der Schule, der Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler 2 Rechnung zu tragen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich als Subjekt zu einer selbstverantwortlichen Persönlichkeit entfalten zu können. Daher muss die Lehrperson die kindlichen Bedürfnisse berücksichtigen. Die vier folgenden wichtigen Punkte müssen beachtet werden: ♦ Die Lehrperson muss das Recht der Schüler auf freie Entfaltung der Persönlichkeit respektieren
♦ Die Lehrperson muss die Möglichkeit bieten, dass der Schüler seinen natürlichen Wissensdrang aktiv und kritisch mit seiner Umwelt befriedigen kann.
♦ Der Schüler muss lernen, Selbstverantwortung für seine Arbeit zu übernehmen
♦ Es muss den Schülern ermöglicht werden, ein mitverantwortliches Glied der Klassengruppe zu sein und dadurch ein positives soziales Leben zu führen.
Alle Kinder haben ein natürliches Kommunikations- und Mitteilungsbedürfnis. Diesem Bedürfnis muss unbedingt Rechnung getragen werden. In der Praxis heißt das, dass die Schüler die Möglichkeit haben müssen, zu kommunizieren und sich frei auszudrücken. Dies kann durch die vier Techniken Freier Text, Schuldruckerei (heute auch PC-Arbeit), Klassenzeitung und Korrespondenz ermöglicht werden. Diese Techniken tragen nicht nur dem natürlichen Mitteilungsbedürfnisses der Schüler Rechnung, sondern auch der Aneignung und Vervollkommnung des Lesens und Schreibens.
Neben dem schriftlichen Mitteilen sollte man aber auch das mündliche Mitteilungsbedürfnis im Unterricht berücksichtigen. In einer Klassenlehrerstunde zu Beginn der Schulwoche kann über Wochenenderlebnisse, Probleme oder
2 Im Folgenden nur noch Schüler genannt, ohne eine geschlechtliche Wertung
4
anstehende Ereignisse gesprochen werden. Hierbei muss den Schülern klargemacht werden, dass sie gleichberechtigte Partner sind und ihre mündlichen Beiträge keinerlei Einfluss auf ihre schulischen Leistungen haben. Sämtliche Gestaltungstechniken wie Malen, Zeichnen, Rollenspiel usw. sollten ebenfalls berücksichtigt werden. So sollen die Schüler sich selbst öffnen und offen für andere sein. Dabei geht der Weg immer vom individuellen Erlebnis über die individuelle Gestaltung zur Mitteilung an die Gruppe. Die Phänomene dieses Gruppenlebens können nämlich das persönliche Betroffensein zur Ursache und zur Wirkung haben.
Um die Motivation der Schüler zu steigern, werden die Antworten nicht von dem gegeben, der sie weiß (der Lehrperson). Sie werden selbst von den Schülern erarbeitet. Daher ist die forschende Fragestellung wichtig, um das „tâtonnement expérimental“ („Tastendes Versuchen“) 3 zu gewährleisten. Wenn man eben diese Punkte im Unterricht berücksichtigen will, muss man seinen Unterricht danach gestalten. 4
2.2 Warum Wochenplanarbeit ?
Unter Berücksichtigung der Persönlichkeit jedes einzelnen Schülers muss das Unterrichtsangebot umgestellt werden. Wenn man der Persönlichkeit des Kindes und seiner Individualität gerecht werden will, kann man nicht erwarten, dass von allen Kindern zur gleichen Zeit die gleiche Arbeit ausgeführt werden kann. Deshalb müssen die Schüler angehalten werden, selbst über ihre Arbeitsinteressen zu entscheiden und ihre Arbeit in einer gewissen Zeiteinheit frei zu organisieren und zu erledigen. Schüler lernen leichter, besser und arbeiten motivierter, wenn sie ihre Arbeit selbst wählen können. Somit kommen auch langsamer arbeitende Kinder nicht in eine Versagersituation, da sie nach ihrem eigenen Rhythmus arbeiten können. Wichtig dabei ist natürlich, dass der Schüler lernt, seine Aufgaben und seine Arbeit zu organisieren. Dabei wird es sicherlich zu Schwierigkeiten kommen, aber die Schüler werden aus den Schwächen ihrer Planung lernen und die Fehler verbessern. Dabei müssen die Schüler die Verantwortung für ihre Arbeit übernehmen und lernen
3 Nach Célestin Freinet
4 Vgl. Baillet (1993)
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ihre Arbeit einzuschätzen und zu beurteilen. Diese Kompetenzen (Reflexion) werden auch im Bildungsplan von den Schülern in der Sekundarstufe I verlangt. Zur Kontrolle für die Lehrperson sollten die Schüler eine schriftliche Arbeitsbilanz in regelmäßigen Abständen anfertigen (z. Bsp.: Lesebegleitheft, Lerntagebuch, Entwicklungsportfolio, Arbeitsblätter, Hausaufgaben). Dies hängt aber immer vom Unterrichtsfach und Unterrichtsthema ab. Der Lehrer soll sich als Partner integrieren und die Schüler in die Themenauswahl mit einbinden. Hierfür gibt es die bereits erwähnte Klassenlehrerstunde in der die Klassenversammlung tagen kann. Dadurch soll ein Klima entstehen, das auf gegenseitigem Vertrauen und gegenseitiger Hilfe basiert. Hierbei lernen die Schüler auch die Wichtigkeit von Regeln für das Zusammenleben in einer Gruppe. Gleichzeitig können sie diese Regeln in Frage stellen und neue Regeln zusammen erarbeiten. Dabei können auch immer Probleme angesprochen, diskutiert und gemeinsam gelöst werden. Die Kinder lernen die Probleme und die Wichtigkeit eines demokratischen Zusammenlebens kennen. Für die Lehrer einer Klasse bedeutet das einen kooperativen, kollegialen Umgang miteinander, in dem sie sich regelmäßig in kleinen Arbeitsgruppen treffen und ihre Erfahrungen austauschen. 5
Um noch einmal zu verdeutlichen, warum der Wochenplan durchaus eine sinnvolle Alternative der Unterrichtsgestaltung ist, werden die Möglichkeiten und der Lernzuwachs hier kurz zusammengefasst.
5 Vgl. Baillet (1993)
6 Aus: Vaupel, Dieter (1995), S. 23
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Arbeit zitieren:
Stefan Mergel, 2010, Freinet-Pädagogik in der Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag GmbH
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