Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Erkenntnisinteresse und Fragestellung 1
1.2. Aufbau der Arbeit 1
2. Wer leistet gegenw artig humanit are Hilfe? 1
3. Die klassische humanit are Hilfe 3
3.1. Weite Definition 3
3.2. Enge Definition 4
4. Neue Kriege 6
4.1. Dilemmata f ur die humanit are Hilfe 8
4.1.1. Dilemma 1: Personelle und materielle Unterst utzung der lokalen
Machthaber 8
4.1.2. Dilemma 2: Verleihung von Legitimit at an die Konfliktparteien 9
4.1.3. Dilemma 3: Strategischer Schutz 10
4.1.4. Dilemma 4: Eine ungleiche Versorgung der Bev olkerung 10
4.1.5. Dilemma 5: Negative Effekte in Bezug auf die Herausbildung einer
Zivilgesellschaft 11
4.1.6. Dilemma 6: Kurzfristigkeit humanit arer Hilfe 11
5. Erstes Zwischenfazit 11
6. Die ver anderten Prinzipien 13
6.1. Do no harm 13
6.2. Comprehensive Peace Building 14
6.3. Back A Decent Winner 17
7. Zweites Zwischenfazit 18
8. Ausgew ahlte humanit are Operationen 18
8.1. LCPP 18
8.2. Kosovo Einsatz 19
8.3. OLS 22
9. Fazit 23
Anhang 29
A. Glossar 28
A.1. Neue Kriege 28
A.2. A Bed For The Night 29
A.3. NGO 30
B. Tabellen und Schaubilder 31
B.1. Das internationale Netzwerk der humanit aren Hilfe 31
B.2. Finanzquellen von NGOs in den USA 31
ii
1. Einleitung
1.1. Erkenntnisinteresse und Fragestellung
Die Fragestellung, ob die Prinzipien humanit¨ arer Hilfe aufgrund ver¨ anderter Rahmenbedingungen in denen diese heute geleistet wird, diesen Bedingungen angepasst werden sollten, bestimmt seit Jahren die Diskussion im Feld der humanit¨ aren Hilfe (vgl. Hezschel 2006: 33) und soll aufgrund ihrer Aktualit¨ at in dieser Arbeit wie folgt thematisiert werden: Haben sich die Prinzipien humanit¨ arer Hilfe angesichts des Ph¨ anomens der ” neuen
Kriege“ ver¨ andert? Und falls dem so ist, welche Prinzipien verfolgen humanit¨ are NGOs in solch komplexen humanit¨ aren Notlagen?
1.2. Aufbau der Arbeit
Um diese Leitfrage beantworten zu k¨ onnen, wird zun¨ achst die klassische Form humanit¨ arer Hilfe dargestellt, um im zweiten Abschnitt dieser Arbeit drei Typen humanit¨ arer Hilfe darzustellen, deren Prinzipien als Reaktion auf die Herausforderungen der ” neuen
Kriege“ entstanden sind und sich von den klassischen Prinzipien unterscheiden. Zuvor werden die Dilemmata beschrieben, die sich die humanit¨ are Hilfe angesichts der ”
Kriege“ zu stellen hat. Die ” neuen Kriege“ werden in diesem Zusammenhang als der
wichtigste Grund angef¨ uhrt, der zu einer Ver¨ anderung der klassischen Prinzipien humanit¨ arer Hilfe gef¨ uhrt hat. Da die Entstehungsgr¨ unde und Ursachen der ” neuen Kriege“
f¨ ur das Erkenntnisinteresse der vorliegenden Arbeit aus Sicht des Autors keine zwingende Relevanz aufweisen, werden sie ausschließlich als inhaltliche Erg¨ anzung im Anhang der vorliegenden Arbeit thematisiert. Im letzten Abschnitt dieser Arbeit werden die idealtypisch formulierten Theorieans¨ atze, die eine von der klassischen divergierende Form humanit¨ arer Hilfe beschreiben, an der Wirklichkeit ¨ uberpr¨ uft, um eine kritische Reflektion der behandelten Literatur zu gew¨ ahrleisten und um die Leitfrage der vorliegenden Arbeit in einer reflektierten und m¨ oglichst realit¨ atsnahen Weise beantworten zu k¨ onnen.
2. Wer leistet gegenw¨ artig humanit¨ are Hilfe?
Seit dem Ende des kalten Krieges ist es im Bereich der internationalen humanit¨ aren Hilfe zu einer umfassenden ” [...] Multiplikation und Diversifizierung der hier engagier-
ten Akteure.“ (Henzschel 2006: S.74) gekommen. Die humanit¨ are Hilfe ist gegenw¨ artig ein sehr dezentral organisiertes Politik-Netzwerk, dass durch starke Interdependenzen
1
der Akteure gekennzeichnet ist (vgl. Henzschel 2006: S.285). Dies wird vor allem in der Durchf¨ uhrung humanit¨ arer Hilfe deutlich. Diese ” [...] pr¨ asentiert sich als Verkn¨ upfung
multidimensionaler und integrierter Verhandlungssysteme, welche wiederum zahlreiche eigene Sub-Netzwerke formaler oder informaler Art produzieren.“ (Henzschel 2006: S.285). Die Akteure der humanit¨ aren Hilfe rekrutieren sich dabei sowohl aus staatlichen als auch zwischenstaatlichen und privaten Organisationen. Das besondere an diesem Netzwerk ist, dass sich die Geber, welche in der Regel die Nationalstaaten oder private Spender sind, zum gr¨ oßten Teil aus den entwickelten L¨ andern stammen (vgl. Henzschel 2006: S.285). W¨ ahrend sich das T¨ atigkeitsfeld der Empf¨ anger in den unterentwickelten L¨ ander befindet (vgl. Henzschel 2006: S.285). Die Empf¨ anger, bzw. die durchf¨ uhrenden Akteure humanit¨ arer Hilfe, sind in der Regel lokale und internationale NGOs aber auch hilfebed¨ urftige Nationalstaaten und andere staatliche Akteure wie das Milit¨ ar oder semi-staatliche Ak-
teure, wie Bundesanstalten 1 [in der BRD z.B. das THW] (vgl. Henzschel 2006: S.286)
Vor allem private NGOs spielen in den letzten Jahren eine immer gr¨ oßer werdende Rolle in der internationalen humanit¨ aren Hilfe. Dies wird durch drei Punkte belegt:
1. In den letzten Jahren haben sich immer mehr private NGOs gebildet (vgl. Debiel/Sticht 2007: S.167). Dies bedeutet aber nicht, dass alle NGOs gleichberechtigt im Feld der humanit¨ aren Hilfe agieren. Vielmeher gibt es eine ¨ uberschaubare Zahl
von großen, dominierenden NGOs 2 , die auf sich einen Großteil der staatlichen
Gelder vereinen (vgl. Debiel/Sticht 2007: S.167). Dementsprechend nahm der UN-
HCR 1997 an, dass etwa 75% aller ¨ offentlichen Gelder f¨ ur Notsituationen 3 , an
ca. 20 europ¨ aische und nordamerikanische NGOs gingen (vgl. Debiel/Sticht 2007: S.167).
2. Humanit¨ are NGOs verf¨ ugen ¨ uber immer gr¨ oßere Geldbetr¨ age. So erh¨ ohte sich der prozentuale Anteil des Budget den ECHO [European Community Humanitarian Office] an europ¨ aische NGOs vergab, von 40% [1990] auf 64% [2000]. Bereits Ende der 90er Jahre wurde davon ausgegangen, dass, bezogen auf die staatlichen
Geberinstitutionen, ein Viertel der Gelder an NGOs vergeben wurden 4 (vgl. Debi-
el/Sticht 2007: S.167) .
3. Humanit¨ are NGOs erhalten von staatlichen und zwischenstaatlichen Akteuren im-
Contrela Faim, Oxfam.
3 Dies waren nach Sch¨ atzungen zu diesem Zeitpunkt ca. acht bis zehn Milliarden US Dollar
4 Vergleiche hierzu auch die Tabelle im Anhang: ” Finanzquellen von NGOs in den USA“
2
mer umfangreichere und autonom durchzuf¨ uhrende Hilfsprogramme 5 (vgl. Henz-
schel 2006: S.75). und werden gegenw¨ artig in weitaus gr¨ oßerem Umfang als fr¨ uher von nationalen und multinationalen Akteuren respektiert (vgl. de Waal/Omaar 1996: S.218).
Neben non-profit NGOs vergeben Staaten z.T. auch Gelder an kommerzielle Anbieter (vgl. Henzschel 2007:S.75). Es wird deutlich, dass humanit¨ are Hilfe sowohl von staatlichen als auch nicht-staatlichen Akteuren geleistet wird, die wiederum in profit und non-profit Organisationen unterteilt werden k¨ onnen.
Die Fragestellung dieser Arbeit bezieht sich jedoch explizit auf humanit¨ are non-profit NGOs.
3. Die klassische humanit¨ are Hilfe
Im Folgenden wird definiert, was in der vorliegenden Arbeit unter dem Begriff der klassischen humanit¨ aren Hilfe zu verstehen ist. Grunds¨ atzlich kann zwischen einem weiten und einem engen Verst¨ andnis der klassischen humanit¨ aren Hilfe unterschieden werden.
3.1. Weite Definition
Diese Definition orientiert sich am Begriff des Humanitarismus und setzt sich aus religi¨ os-philosophischen und anthropologischen Elementen zusammen. Als anthropologische Determinante humanit¨ are Hilfe ist eine grunds¨ atzliche anthropologische Tatsache zu erw¨ ahnen: die menschliche Hilfsbed¨ urftigkeit (vgl. Henzschel 2006: S.5). So ist der Mensch um ¨ uberleben zu k¨ onnen auf fremde Hilfe angewiesen, was ihn zu einem sozialen Wesen macht. Sorge, Mitgef¨ uhl und Großz¨ ugigkeit sind daher elemantare menschliche Emotionen: ” Call it altruism, call it pity, call it solidarity, call it compassion, but the impulse to help is so deeply rooted in human culture that, whether it is intrinsic or learned, it can be described as one of the basic human emotions.“ (David, Rieff: A Bed for the night: 2002, zitiert nach Henzschel 2006: S.5). Hinweise auf humanit¨ ar motivier-
te Hilfe finden sich schon im Gilgamensch Epos und den abrahamischen 6 und nicht-
5 DieseErkenntnis ist jedoch ¨ außerst ambivalent, da zugleich viele Geberl¨ ander einen relativ großen
Einfluss auf die Implementierung der Hilfsmaßnahmen nehmen (vgl. Henzschel 2007: S.75). Die
geschieht beispielsweise indem nur Gelder f¨ ur Projekte bewilligt werden, an denen die Geberl¨ ander
ein politisches Interesse haben [siehe Anhang]
6 So z.B. im ” Gleichnis vom guten Samariter“ im neuen Testament, dem Gebot der N¨ achstenliebe
[ ” tsedaka“] im j¨ udischen Glauben oder der 16en Sure des Koran (vgl. Henzschel 2006: S.6-7).
3
abrahamischen 7 Religionen. Humanit¨ are Bestrebungen k¨ onnen damit als ein genuines
Element aller menschlichen Gesellschaftsformationen verstanden und als ein ” common
heritage of humankind“ gesehen werden(Isaac 1993: S.21, zitiert nach Henzschel 2006: S.8).
3.2. Enge Definition
Die enge Definition basiert auf der weiten Definition des Begriffes und enth¨ alt dementsprechend als Kerngedanken die ¨ Uberzeugung, dass jeder Mensch aufgrund seines Mensch-
seins ein Anrecht auf physische Unversehrtheit hat. Dieses Anrecht besteht demnach unabh¨ angig von den ¨ außeren Umst¨ anden in denen sich der Einzelne befindet und ist ihm mit dem Zeitpunkt seiner Geburt inh¨ arent (vgl. G¨ otze 2004: S.210). Humanit¨ are Hilfe ist in diesem Verst¨ andnis als ein universelles Menschenrecht zu sehen. Die Grundidee der klassischen humanit¨ aren Hilfe besteht darin, dass sie als eine Nothilfe direkt und unverz¨ uglich nach einer humanit¨ aren Katastrophe einsetzt, gleichg¨ ultig ob diese auf eine Naturkatastrophe oder eine kriegerische Auseinandersetzung zur¨ uckzuf¨ uhren ist (vgl. G¨ otze 2004: S.210). In Kriegssituationen besteht das Ziel der humanit¨ aren Hilfe nicht darin das Kriegsgeschehen zu Gunsten oder Ungunsten einer Kriegspartei zu beeinflussen oder den Krieg zu beenden. Damit ist humanit¨ are Hilfe [1] neutral. Diese Neutralit¨ at bedeutet auch, dass humanit¨ are Hilfe kein politisches Gestaltungsinstrument ist, dass beispielsweise f¨ ur Demokratisierung, nachhaltige Entwicklung oder die Gleichberechtigung von Frauen eintritt (vgl. Eberwein: S.37). Vielmehr wird, im Sinne des humanit¨ aren Kerngedankens, versucht allen Hilfsbed¨ urftigen die notwendige Hilfe zukommen zu lassen und das unabh¨ angig davon, ob es sich um einen verletzten Soldaten oder einen hungernden Zivilisten handelt (vgl. G¨ otz 2004: S.210) Humanit¨ are Hilfe blendet demnach den politischen Kontext aus und hilft unabh¨ angig von der Gesinnung des Hilfebed¨ urftigen. Humanit¨ are Hilfe ist damit bedingungslos, bzw. [2] unparteilich (vgl. G¨ otz 2004: S.210). Humanit¨ are Hilfe ist also weder Friedens- noch Menschenrechten verpflichtet, sondern einzig und allein dem Recht eines jeden Menschen auf Leben (vgl. G¨ otz 2004:S.210).Es gibt keine guten und b¨ osen Opfer, nur ihre Bed¨ urfnisse und der Grad des Leidens z¨ ahlen. Hilfe, die nicht unparteilich ist, die also bestimmte Gruppen anderen vorzieht, entspricht nicht den klassischem humanit¨ aren Prinzipien (vgl. von Pilar: S.3). Um Unparteilich agieren zu k¨ onnen m¨ ussen die humanit¨ aren Helfer so weit wie m¨ oglich [3] unabh¨ angig von wirtschaftlichen und politischen Zw¨ angen sein um ih-
7 Soz.B. das hinduistische Gebot der Gastfreundschaft und des Anstandes [ ” karman“] (vgl. Henzschel
2006: S.7).
4
Arbeit zitieren:
Mario Datts, 2010, Über die gegenwärtigen Formen der humanitären Hilfe von NGOs unter besonderer Berücksichtigung der „neuen Kriege“, München, GRIN Verlag GmbH
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