Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung: Motive des Schöpfers und der eigentliche Schaffungsprozess 3
2. Schöpfung als medizinisches Experiment 5
3. Die Schöpferfigur 7
3.1. Der ambivalente Charakter des Schöpfers 7
3.2. Der Schöpfer als Monster 8
4. Faust-, Frankenstein- und Dr.Moreau-Motive bei Bulgakow 10
5. Schöpfer-Geschöpf-Beziehung im Wandel 12
6. Dir Frage nach der Verantwortung und die Lösung des „Problems“ 15
7. Schluss 17
Literaturverzeichnis 18
2
1.Einleitung: Motive des Schöpfers und der eigentliche Schaffungsprozess
Die Idee einen Menschen auf dem künstlichen Wege schaffen zu wollen gehört zu den ältesten Wunschvorstellungen des Menschen. Wir kennen zahlreiche Schöpfungsmythen, in denen vom Erschaffen eines menschenähnlichen Geschöpfs die Rede ist. Mal ist es der Prometheus, der die Menschen aus Lehm und Wasser formt, mal der Gott der Schmiedekunst, Hephaistos, welcher die unglückbringende Pandora schafft. Die Literatur ihrerseits hat das Motiv des künstlichen Menschen sehr oft aufgegriffen und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Je weiter wir in der Geschichte der Menschheit fortschreiten, desto vielfältiger werden die Möglichkeiten zur Kreation eines künstlichen Menschen in der Literatur, aber auch im wirklichen Leben. Im Mittelalter taucht der Begriff Homunkulus auf, ein Menschlein aus der Retorte, welchem wir in mehreren Werken begegnen und dem Goethe mit seinem Faust ein Denkmal setzt. Im 20. Jahrhundert sind es Begriffe wie Roboter, Cyborg und Replikant, die in der phantastischen Erzählliteratur auftauchen. Sehr oft bedarf es der Macht eines Gottes, um dem Geschöpf dann letztendlich das Leben einzuhauchen, wie im Fall der Galatea, der Statue, die Pygmalion schuf und die dann durch Venus belebt wurde. Manchmal werden die Details des Schaffungsprozesses einfach weggelassen und der Leser wird im Unklaren gelassen. Doch je mehr wir uns dem 20. Jahrhundert nähern, desto detaillierter und sachlicher werden diese Beschreibungen. Die drei traditionellen Bereiche der Naturwissenschaft, Chemie, Physik und Biologie rücken an erste Stelle und verdrängen die Alchemie von ihrer Position und mit ihr die mystische Komponente des Schaffungsprozesses des künstlichen Menschen. Somit sind es im 20. Jahrhundert meistens Naturwissenschaftler und Ärzte, die sich an die Aufgabe einen neuen Menschen zu kreieren, wagen. In Michail Bulgakows Hundeherz 1 von 1925 haben wir es mit einem solchen Schöpfer zu tun. Professor Preobrashenskij ist ein Arzt und Forscher, was sich auch in der Sachlichkeit, mit der er an seine Aufgabe herangeht, zeigt.
Doch sind nicht nur die Details der Erschaffung des künstlichen Menschen interessant, sondern und vor allem die Motive des Schöpfers. Auch diese sind nicht immer die gleichen geblieben, obwohl manche sich wie ein roter Faden durch sämtliche literarische Werke ziehen, die dem künstlichen Menschen gewidmet sind. Die Suche nach der Wahrheit, die Herrschsucht des Menschen und schließlich der Stolz, der dem Menschen eigen ist, sie alle sind die Triebfedern der Schöpfungsversuche. Die Motive reichen von dem edlen Wunsch nach einem besseren Menschen bis zum selbstsüchtigen Wunsch nach einem Diener und
1 Vgl. Michail Bulgakow: Hundeherz. Luchterhand Verlag, Berlin 1968.
3
Helfer.
Ich widme mich in der hier vorliegenden Arbeit den Motiven des Schöpfers, aber auch der ethischen Problematik der Schöpfer-Geschöpf-Beziehung. Der ambivalente Charakter des Professors verdient hier meiner Meinung nach auch eine genauere Untersuchung. Der Schöpfer ist auch derjenige, auf den das Augenmerk in dieser Arbeit gerichtet werden soll. Die offensichtliche politische Satire in der Erzählung Hundeherz wird in dieser Arbeit nicht thematisiert, da sie zum einen nicht im Kontext des Seminars Von Maschinenmenschen und Monstern steht und außerdem sehr ausführlich in der Sekundärliteratur behandelt wurde. Es lassen sich außerdem Parallelen zu Goethes Faust und Mary Shelleys Frankenstein or The Modern Prometheus ziehen. In diesem Zusammenhang will ich auf die typischen Schöpfer-Geschöpf-Motive bei Bulgakow eingehen. Den Schluss dieser Erzählung will ich im Kontext der Verantwortung des Schöpfers vor dem Geschöpf, aber auch vor der ganzen Menschheit, beleuchten.
Die Möglichkeit Michail Bulgakows Erzählung Hundeherz im Original zu lesen, hat zu einem tieferen Verständnis des Textes beigetragen. Ich werde auf die Abweichungen der deutschen Übersetzung vom Original eingehen, sofern diese mir für die Interpretation wichtig erscheinen.
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2. Schöpfung als medizinisches Experiment
In Bulgakows Hundeherz wird uns eine, für diese Thematik, eher seltene Art des Schöpfungsprozesses vorgestellt, das medizinische Experiment, welches der Gehilfe des Professors Preobrashenskij, Bormental, folgendermaßen kommentiert: „Angaben zur Operation: der Professor führte dieses Experiment durch, um die Frage zu klären, ob man die Hypophyse transplantieren kann und ferner, um festzustellen, ob sie einen Einfluss auf die Verjüngung des menschlichen Organismus hat.“ 2
Es handelt sich somit um ein medizinisches Experiment, welches auch nicht der Idee des neuen Lebens gewidmet ist, sondern der Verjüngung des menschlichen Organismus. Professor Preobrashenskij ist ein Fachmann auf diesem Gebiet, was durch zahlreiche Patientenbesuche im Laufe der Erzählung klar wird und auch ausdrücklich durch seinen Gehilfen, Bormental, bestätigt wird. Das Geschöpf ist aber etwas, was rein zufällig entstanden ist und somit kann hier nicht von einem gewollten Schöpfungsakt ausgegangen werden. Es können daher auch kein Motive des Schöpfers, im Sinne der Erschaffung eines künstlichen Menschen, festgestellt werden. Doch lassen sich Motive für die vorgenommene Transplantation durchaus erarbeiten. Der Ruhm ist wohl kaum etwas, woran es dem Professor Preobrashenskij mangelt, denn er wird schon zur Anfang der Erzählung als „eine Leuchte der Wissenschaft“ 3 bezeichnet, was aber für ihn wichtig ist, das sagt er selbst, nachdem das Experiment bereits gescheitert ist: „Mir ging es um etwas völlig anderes, um die Eugenik, um die Verbesserung der menschlichen Rasse. Und deshalb habe ich mich auf diese Verjüngungen eingelassen. Oder glauben Sie, dass ich das nur des Geldes wegen mache? Ich bin schließlich ein Gelehrter!“ 4 . Es geht dem Professor also um die Eugenik, „die Züchtung von Menschen mit bestimmten sozial erwünschten physischen und psychischen Eigenschaften“ 5 , dabei sind die Verjüngungsoperationen eine Art Tarnung vor dem sowjetischen System und gleichzeitig natürlich die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen, womit dann die anderen Bestrebungen des Professors finanziert werden können. Die Ideen der Eugenik sind aber Nichts, was im 20. Jahrhundert neu aufkommt, eugenische Ansätze finden wir bereits beim Platon in seiner Politeia. 6 Da es sich aber, in unserem Fall, um ein Experiment handelt, muss Filipp Filippowitsch Preobrashenskij sich der Tatsache bewusst
2 Bulgakow, Hundeherz, S. 74.
3 Ebd., S. 29.
4 Ebd., S. 136.
5 Vgl. Stefan Artmann: Eugenik. In: Literatur und Medizin. Ein Lexikon. Hrsg. v. Bettina von Jagow und Florian
Steger, Vandenhoeck & Ruprecht Verlag, Göttingen 2005, S. 217.
6 Ebd., S. 218.
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Arbeit zitieren:
Maria Sachs, 2010, Der Schöpfer und die Schöpfer-Geschöpf-Problematik in Michail Bulgakows Erzählung "Hundeherz", München, GRIN Verlag GmbH
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