Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung. 3
2) Der Dreißigjährige Krieg. 3
3) Entstehungsgeschichte und Einflüsse zur Mutter Courage. 6
3.1. Brecht und die Dialektik : Einflüsse zur Mutter Courage. 8
3.2 Die „Courage“ Aufführung und Rezeption: Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. 8
3.3. Die Verfilmung. 10
4) Das Epische Theater. 10
4.1. Analyse der Mutter Courage -Figur. 10
4.2. Szene 3. 12
4.3. Szene 9. 15
5) Schlussfolgerung. 16
6) Bibliographie. 18
6.1. Primärliteratur. 18
6.2. Sekundärliteratur. 18
6.3. Internetangaben 18
1) Einleitung 1
Bertolt Brecht begann seine Arbeit am Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ im September 1939 als er sich noch im schwedischen Exil befand und beendete sie innerhalb weniger Wochen. Die Uraufführung des Stücks fand 1941 im Züricher Schauspielhaus statt, unter den Regieanweisungen von Leopold Lindtberg und der Musik Paul Burkhards. In Brechts Drama reist eine Marketenderin während des Dreißigjährigen Krieges im XVII. Jahrhundert mit Handelswagen und Kinder quer durch Europa.
Brecht sagte: “Ich behaupte, daß das Theater in seiner traditionellen Form überhaupt keine Bedeutung mehr hat, nur eine historische, um zu beleuchten.“ 2 Um sich so weit wie möglich vom traditionellen Theater zu distanzieren, entwickelte Brecht sein Konzept des Theaters, dem „epischen“ Theater. Nach einer kurzen Zusammenfassung des historischen Kontextes und einer theoretischen Einführung des Brechtschen Theaters wird in dieser Arbeit versucht, die Merkmale des dialektischen Theaters in Brechts Werk „Mutter Courage und ihre Kinder“ herauszuarbeiten. Was unterscheidet Brechts Theater vom klassischen aristotelischen Theater? Ist „Mutter Courage und ihre Kinder“ ein typisches episches Drama? Welches Ziel wird von Brecht beabsichtigt? In dieser Arbeit wird versucht, nach einer kurzen historischen und theoretischen Einführung, anhand von zwei konkreten Szenen, diesen Fragen näher auf den Grund zu gehen.
2) Der Dreißigjährige Krieg 3
Auslöser des Krieges soll ein Glaubenskonflikt gewesen sein, der immer wieder auch als Rechtfertigung für den Krieg aufgebracht wurde. Die sich Ende des XVI. Jahrhunderts immer weiter ausbreitende Reform Luthers spaltete das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ in zwei entgegengesetzte Lager. Die Habsburger Gegenreform verfolgte damals das Ziel, mit Gewalt den katholischen Glauben wieder einzuführen, denn die evangelische Mehrheit wurde immer bedrohender. Doch das im Jahre 1555 durch den Kaiser Ferdinand I. und seinem Bruder eingeführte Augsburger Reichsgesetz, dass dem Prinzip „cujus regio, ejus religio“ unterlag, gab den Fürsten das Recht, die Religion für ihr Land zu bestimmen. Dieses Gesetz führte unmittelbar zu einer
1 Werner Mittenzwei: Das Leben des Bertolt Brecht oder der Umgang mit den Welträtseln. Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main, 1987, S.173
2 Brecht im Gespräch: Diskussionen, Dialoge, Interviews. Hg. Werner Hecht. Suhkamp Verlag: Berlin 1956, S. 193
3 http://www.koni.onlinehome.de/basisdateien/ursachen-frames.htm, besucht am 12. Oktober 2010
Gegenreform seitens der Katholischen Kirche.
Doch hinzugefügt muss werden, dass die Einteilung des Habsburgischen Reiches durch den Kaiser unter seinen drei Söhnen Maximilian II., Karl I. und Ferdinand II. das Reichsgebiet stark geschwächt hatte und es traten immer mehr Konflikte mit den Fürsten auf. Die Glaubens- und Machtwidersprüche zwischen dem Kaiser und den Fürsten wurden noch zusätzlich von ausländischen Staaten unterstützt, die politische Ziele verfolgten. Parallel zu diesem Konflikt trat eine ernste Wirtschaftskrise auf. Durch die Entdeckung neuer Seewege wurde der deutsche Handel von ausländischen Waren aus den Niederlanden, England und Frankreich überschwemmt. Dies führte im deutschen Reich zur Erhöhung der Zölle und zum Zusammenbruch des Handels.
Auslöser des Krieges sind somit nicht nur die religiösen Auseinandersetzungen zwischen den Protestanten und den Katholiken gewesen. Hinzu kamen Macht-, Besitz-, und Selbstständigkeitsansprüche der Großmächte . 2.1. Ablauf des Krieges (kurze Zusammenfassung) 4
Der Dreißigjährige Krieg dauerte natürlich nicht exakt dreißig Jahre an. Es gab zwischen 1618 und 1648 mindestens zehn Friedensschlüsse und mehrmals brach der Krieg wieder auf. Der Krieg war ein innereuropäischer Konflikt auf deutschem Boden. Grob schematisiert, lässt sich der Ablauf des Krieges wie folgt zusammenfassen: Böhmisch-pfälzischer Krieg 1618-1623 Niedersächsisch-dänischer Krieg 1624-1629 Schwedischer Krieg 1630-1635 Schwedisch-französischer Krieg 1635-1648 2.2. Bedeutung des Krieges in „Mutter Courage und ihre Kinder“ 5 Der historische Hintergrund Brechts Drama erstreckt sich über zwölf Jahre: Ab Frühjahr 1624 bis Anfang 1636. Doch Brecht geht es nicht darum, den Dreißigjährigen Krieg Detail getreu und auf historische Weise wiederzugeben. Vielmehr geht es ihm um den Krieg, als zerstörerisches,
4 http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/politstrukturen/dreikrieg/gliederung.htm, besucht am 12. Oktober 2010 http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za146/barock/30krieg.htm#Erste%20Station, besucht am 19. Oktober 2010
5 Notizen zum Unterricht von Frau Tabah, genommen am 11. Oktober 2010
grauenhaftes Ereignis. Auch wenn der Untertitel „Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg“ eher vermuten lässt, dass es sich um ein historisches Stück handelt, ist das Drama „enthistorisirend“ und ein „allgemein-menschlicher Fall.“ 6
In dieser Hinsicht müssen die zeitgenössischen politischen Anspielungen näher analysiert werden. Brechts Stück ist ein Geschichtsdrama (keine Parabel). Das heißt, dass das historische Geschehen (hier der Dreißigjährige Krieg) aktualisiert wird damit der Zuschauer seine eigene Zeit historisiert, aus der Geschichte ein Bewusstsein von seiner Gegenwart entwickelt 7 . Jan Knopf definiert das Geschichtsdrama wie folgt: „Beim Geschichtsdrama stellen sich die Schwierigkeiten im Hinblick auf die Darstellung des 'Besonderen' und 'Einmaligen' dar, das zum 'Spiegel' aktueller Ereignisse werden soll: während die Aktualität ständig das Geschichtliche insofern bedroht, als es zu seinen Gunsten manipuliert wird, so bedroht umgekehrt die Aktualisierung das 'Einmalige des historischen Falls.“ 8 Doch um welche Ereignisse in Brechts Stück handelt es sich? In der ersten Szene deutet die Replik des Feldwebels „Eine nette Familie, muß ich sagen.“ 9 zweifelsohne auf die Hitlersche Rassenpolitik hin. Mutter Courages drei Kinder stammen nämlich von verschiedenen Männern ab. Schweizerkas' leiblicher Vater zum Beispiel, ist Schweizer, doch erzogen und geraten ist er aber nach einem Ungarn. Die Kattrin ist nur „eine halbe deutsche“ 5 . Was am Anfang für den Leser noch sehr verwirrend ist, scheint für die Mutter Courage ganz natürlich zu sein, denn „nicht die biologische, die rassische Vererbung, sondern die soziale ist für diese Familie entscheidend“. 10 Auch die Kinder der Mutter Courage stehen für die jeweiligen Länder, die im Zweiten Weltkrieg mit Deutschland in Konfrontation geraten sind. Eilif, der kriegerische Held, ein „finnischer Teufel“ ist mit Finnland in Verbindung zu bringen. Finnland startete nach dem Winterkrieg wegen gewaltiger territorialer Verluste 1941 mit Deutschland einen Krieg (der Fortsetzungskrieg) gegen die Sowjetunion. Finnland schaffte es als einziges Land im zweiten Weltkrieg, seine Unabhängigkeit und demokratische Verfassung zu bewahren. 11 Schweizerkas, der „redliche“, sich sinnlos aufopfernde, steht unmittelbar für die trotz frontistischer Bewegung neutral gebliebene Schweiz. Die stumme Kattrin jedoch, die „halbe Deutsche“ symbolisiert den „halben“, zur Stummheit verurteilten Deutschen, der durch den nationalsozialistischen Staat unterdrückt
6 Jan Knopf: Brecht-Handbuch, Theater, Eine Ästhetik der Widersprüche. J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung: Stuttgart 1980, S. 184
7 Ebd., S. 404
8 Ebd., S. 410
9 Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder, Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg. Suhrkamp Verlag 49: Berlin, S. 11
5 Ebd.
10 Brecht-Handbuch, Theater, Eine Ästhetik der Widersprüche (Anm.6), S. 184
11 Http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Finnlands#Finnland_im_Zweiten_Weltkrieg besucht am 23. Oktober
Arbeit zitieren:
Funk Anne-Christine, 2010, Über das dialektische Theater von Bertold Brecht, München, GRIN Verlag GmbH
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