Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 3
Tabellenverzeichnis 3
1. Einleitung. 4
2. Kunst und ihre Definitionen 5
3. Der Kunstmarkt 7
3.1. Struktur des Kunstmarktes. 7
3.2. Volumen des Kunstmarktes 8
3.3. Die Kunstmarktakteure. 13
3.3.1. Der Künstler 13
3.3.2. Der Käufer 16
3.3.2.1. Privater Käufer. 16
3.3.2.2. Unternehmen als Käufer 17
3.3.2.3. Das Museum 19
3.3.3. Die Institutionen 21
3.3.3.1. Galerien. 21
3.3.3.2. Kunstmessen 25
3.3.3.3. Auktionshäuser 27
3.4. Preisbildung 31
3.4.1. Festlegung des Preises auf dem Primärenmarkt 31
3.4.2. Kunstauktion als Tribunal. 33
4. Kunstvermarktung im Internet. 36
4.1. Das Internet und sein Potential. 37
4.1.1. Entfaltung des Internetpotentials von seinem Anfang bis heute 37
4.1.2. Internettechnologien 38
4.2. Geschäftsmodelle und Strategien. 40
4.2.1. Eigener Webauftritt. 40
4.2.1.1. Künstler. 40
4.2.1.2. Galerie. 42
4.2.1.3. Auktionshaus 47
4.2.1.3.1. Stationär. 47
4.2.1.3.2. Virtuell 50
4.2.1.3.2.1. Der Ablauf einer Internetauktion 52
4.2.1.3.2.2. Beispiele für Online-Kunstauktionshäuser. 53
4.2.1.3.2.3. Vor- und Nachteile der virtuellen Kunstauktionen 58
4.2.2. Plattformen 59
4.2.2.1. Allgemeine Handelsplattformen 59
4.2.2.2. Kunsthandelsplattformen 62
4.2.2.3. Informations- und Präsentationsplattformen 66
4.2.2.3.1. Online-Kunstmarktdatenbanken - eine Übersicht. 67
4.2.2.3.2. Exkurs: Die Erfolgsgeschichte - artnet. 69
4.3. Rechtliche Aspekte des Online-Kunsthandels 71
5. Kritische Auseinandersetzung 74
6. Ausblick 76
Literaturverzeichnis. 78
Glossar. 84
2
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Weltweite Verteilung der gefragtesten Künstler (in Prozent), 1970 bis 2005.
Abb. 2: Weltweiter Umsatz in Kunstauktionen 2006 - Ländergewichtung.
Abb. 3: Weltweiter Umsatz in Kunstauktionen 2006 - Kategoriegewichtung.
Abb. 4: Unternehmen mit Kunstbesitz (in Prozent)
Abb. 5: Auswahlkriterien für Künstler aus Sicht der Galeristen (in Prozent)
Abb. 6: Geschäftsverbindungen und Machtverhältnisse des internationalen
Auktionshandels im Jahre 2000
Abb. 7: Auktionshäuser im Kreislauf des Kunstmarktsystems.
Abb. 8: Formen der Preisbildung aus Sicht des Galeristen (in Prozent)
Abb. 9: Screenshot der Webseite von Conny Wendland (vom 21.08.2007)
Abb. 10: Screenshot der Onlinegallery LUMAS (vom 21.08.2007)
Abb. 11: Screenshot von CHRISTIE’S LIVE (vom 21.08.2007)
Abb. 12: Screenshot der Webpräsenz von ExtraLot (vom 21.08.2007)
Abb. 13: Screenshot der Webpräsenz von OneTwoSold (vom 21.08.2007)
Abb. 14: Screenshot der Webpräsenz der Saatchi Gallery (vom 21.08.2007)
Abb. 15: Screenshot der Webpräsenz der artnet AG (vom 21.08.2007)
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Die höchsten Auktionspreise 2007.
Tabelle 2: Die fünf gefragtesten Künstler der Gegenwart
Tabelle 3: Verkaufstätigkeit der Museen bei dem Auktionshaus Christie's
Tabelle 4: Messezyklus der großen Kunstmessen
Tabelle 5: Informations- und Präsentationsplattformen.
3
1. Einleitung
Eine unglückliche Liebe - so etwa wird üblicherweise die Beziehung der Wirtschaft zur Kunst wahrgenommen. Das Weltliche trifft auf das Göttliche. Die Wirtschaft verführt und versucht die Kunst zu erobern - ja, sie sogar zu vereinnahmen. Die Kunst wehrt sich; erhebend und verachtend schaut sie aus ihrem Elfenbeinturm auf ihre Verehrerin herab. Trotzig weigert sie sich, die Macht der Ökonomie über sich anzuerkennen. Und es passiert dennoch: es kommt zur Annäherung und manchmal sogar auch zur Verschmelzung der beiden Lebensbereiche. In diesem Fall ist es schwer zu unterscheiden: ist dies noch Kunst oder Kommerz?
Der Kunstmarkt boomt, auf Auktionen werden Höchstpreise erzielt. Allein bei den New Yorker Frühjahrsauktionen 2007 für Impressionismus und Moderne setzten die beiden Prestige-Auktionshäuser Sotheby's und Christie's mehr als 500 Millionen Dollar um 1 . Wohlstand, die Suche nach alternativen Geldanlagemöglichkeiten, die Suche nach neuen Erlebniswelten, nach gesellschaftlichem Prestige und nach Originalität eröffnen dem Kunstmarkt exzellente Wachstumschancen.
In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, wie sich mit Kunst - und hier ist nur die bildende Kunst gemeint - Geld verdienen lässt! Dabei werden unter anderem folgende Fragen untersucht: Welche Protagonisten spielen in diesem Prozess eine Rolle? Welchen Einfluss haben die Gesetze des Marktes auf das Verhalten der einzelnen Akteure? Wie wird der Wert eines Kunstgegenstandes bestimmt? Welche neue Absatzwege und Vermarktungsmöglichkeiten für die Kunstobjekte existieren?
Das Zeitalter des Internets und dessen massenhafter Nutzung bietet neue Möglichkeiten, Produkte zu vermarkten. Das Produkt „Kunst“ findet jedoch nur zögernd den Anschluss an das moderne Medium. Hier existiert eine scheinbare Schwierigkeit, ästhetische Werte online zu vermitteln. Hauptanliegen dieser Arbeit ist es, die Wachstumschancen des Kunstmarktes mit Hilfe aktueller Internettechnologien zu untersuchen und damit ver-bundene Risiken aufzudecken.
1 Vgl. FAZ.NET (Hrsg.), Rekorde bei Christie's und Sotheby's, [http://www.faz.net/s/Rub17F07FA6040D4F8E938C820ED6EB0545/Doc~E565A51999CA647E2B5E 57AFF072F027A~ATpl~Ecommon~Scontent.html], 03.07.2007.
4
2. Kunst und ihre Definitionen
Es gibt viele Definitionen von Kunst. Grundsätzlich kann jeder seine eigene Kunstdefinition bilden, die nicht allgemeingültig sein muss. Die Kunstwahrnehmung wandelt sich nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch im Laufe der Geschichte - von der Steinzeit bis zur Gegenwart.
Etymologisch gesehen ist das Wort Kunst von „können“ abgeleitet, was früher mit „wis- sen“ und„verstehen“ gleichgesetzt wurde. 2
Nach Meyers Lexikon ist Kunst:
„Die Gesamtheit des vom Menschen Hervorgebrachten (Ggs.: Natur), das nicht durch eine Funktion eindeutig festgelegt oder darin erschöpft ist (Ggs.: Technik), zu dessen Voraussetzungen die Verbindung von hervorragendem und spezifischen Können und großem geistigen Vermögen gehören, das sich durch seine hohe gesellschaftliche und individuelle Geltung auszeichnet, ohne dadurch vorangegangene Werke außer Kraft zu setzen oder den Beweis der Richtigkeit einer Aussage antreten zu müssen.“ 3
Kunst lässt sich in die Teilbereiche Literatur, Musik, „Bildende Kunst“ und „Darstellende Kunst“ gliedern. 4 Die Bildende Kunst unterscheidet sich nach klassischer Sicht von den anderen Künsten dadurch, dass sie weder mit Tönen noch mit Worten, sondern mit materiellen Stoffen als Gestaltungsmittel arbeitet und sich in vier Gattungen unterteilt: 5 1. Architektur 2. Malerei 3. Skulptur 4. Kunstgewerbe (Design, Fotografie)
Im Rahmen dieser Arbeit bleibt die Architektur unberücksichtig.
2 Vgl. Partsch, S., Die 101 wichtigsten Fragen: Moderne Kunst, 2., durchgesehene Aufl., München, 2006, S. 13.
3 Meyers Lexikon, Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 1997.
4 Vgl. Ebenda
5 Vgl. Warnke, M., Gegendstandsbereiche der Kunstgeschichte, in Belting, H.; Dilly, H.; Kemp, W.; Sauerländer, W.; Warnke, M., (Hrsg.), Kunstgeschichte: Eine Einführung, 6., überarbeitete und erweiterte Aufl., Frankfurt am Mein, 2003, S. 28.
5
Thomas Hoving - der ehemalige Direktor des Metropolitan Museum of Art in New York - definiert die Bildende Kunst folgendermaßen:
„Kunst ist, wenn irgendjemand auf der Welt irgendein Material nimmt und damit eine bewusste Aussage formt.“ 6
Hinzu kommt noch die Art und Weise wie die Aussage geformt wird, also die Ästhetik. Kunst ist immer ästhetisch. Das ist ihre allgemeinste Definition. Darüber hinaus kann sie verschiedene andere Funktionen erfüllen, wie z. B.: religiös, politisch und abbildend. Sowohl die ästhetischen Aspekte als auch die übrigen Funktionen der Kunst unterliegen einem historischen Wandel. 7 Heute gelten andere ästhetische, gesellschaftliche oder politische Normen als noch vor hundert oder tausend Jahren. Einer der wichtigsten Merkmale der Kunst ist die Fähigkeit, mit den bestehenden Normen zu brechen, um neu zu erschaffen.
Und nicht zuletzt kann man auch sagen:
„Ein Werk ist dann Kunst, wenn es Käufer gibt, die dafür Geld bezahlen.“ 8
6 Hoving, T., Kunst für Dummies, 2., Aufl., Weinheim, 2005, S. 22.
7 Vgl. Busch, W., Kunst und Funktion, in Busch, W. (Hrsg), Funkkoleg Kunst: Eine Geschichte der Kunst im Wandel ihrer Funktionen, Neuausgabe, München, 1997, S. 22.
8 Boll, D., Der Kampf um die Kunst. Handel und Auktionen positionieren sich am Kunstmarkt, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Diss., 2004.
6
3. Der Kunstmarkt
3.1. Struktur des Kunstmarktes
Als Kunstmarkt wird die Gesamtheit aller der Eigenvermarktung dienenden Künstlerateliers sowie der Galerien, Sammlerbörsen und Auktionen bezeichnet, bei denen Kunstwerke gehandelt werden.
Der Kunstmarkt wird in einen Primär- und einen Sekundärmarkt aufgeteilt. 9 Zum Primärmarkt gehören Formen der Eigenvermarktungen durch die Künstler selbst sowie die Galerien. Der Sekundärmarkt bezieht jeden Wiederverkauf von Kunstwerken, insbesondere über Auktionshäuser ein.
Der Kunsthandel umfasst An- und Verkauf von Werken der bildenden Kunst. Dabei werden drei Handelsformen unterschieden: 10
1. Galerien, Antiquitäten- und Antiquariatsgeschäften
2. Öffentliche Kunstauktionen 3. Kunst- und Antiquitätenmessen
Das Zentrum des Kunstmarktes liegt im geographischen „Westen“ und wird von einer kulturellen Hegemonie der USA und Europas bestimmt. Diese Situation hat sich seit den 70er Jahren kaum verändert. In den letzten Jahren gibt es jedoch Anzeichen für eine leichte Abschwächung dieser starken Konzentration des Kunstmarkts und Tendenzen hin zur Globalisierung. Zunehmend mehr Künstler aus nicht-westlichen Nationen konnten in den Markt integriert werden, Galerien finden und ihre Werke ausstellen. Es dominiert jedoch weiterhin eine stark eurozentrische Kunstauffassung, die sich auch in einer starken Kritik an der modischen Einbindung ethnischer Randgruppen zeigt. 11
9 Vgl. Klein, U., Der Kunstmarkt - zur Interaktion von Ästhetik und Ökonomie, Hochschule St. Gallen, Diss., 1993, S.5.
10 Mayers Lexikon Online, [http://lexikon.meyers.de/meyers/Kunsthandel], 07.06.2007.
11 Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Kulturelle Globalisierung, [http://www.bpb.de/wissen/NCKKFH,0,0,Kunstmarkt.html], 10.07.2007.
7
Abb. 1: Weltweite Verteilung der gefragtesten Künstler (in Prozent), 1970 bis 2005
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Kulturelle Globalisierung, [http://www.bpb.de/wissen/NCKKFH,0,0,Kunstmarkt.html], 10.07.2007
3.2. Volumen des Kunstmarktes
In den 70er Jahren bekam die Kunst zunehmend den Stellenwert von Aktien. Im Jahr 1974 wurde von amerikanischen Experten das Volumen des Gesamtkunstmarktes auf rund 1 Milliarde US-Dollar geschätzt. Kunstferne Personen begannen sich für zeitgenössische Kunst als Anlagewert zu interessieren. In den Achtzigern Jahren, als auch die Japaner neben Immobilien die Kunst als Anlageobjekt entdeckten, kam es zu enormen Beschleunigung des Kunstmarktes. Im Jahr 1988 importierten japanische Sammler Kunstwerke im Wert von 2,5 Milliarden Dollar, was mehr als die Hälfte des weltweiten Auktionsgeschäftes mit Impressionisten und moderner Kunst ausmachte. 12
12 Vgl. Zwirner, R., Die Macht der Auktionshäuser,
[http://www.artnet.de/magazine/features/zwirner/zwirner06-14-06.asp], 07.07.2007.
8
In den Jahren 1989/90, dem zyklischen Höhepunkt der Marktpreise, lag das Weltmarktvolumen nach Schätzungen der Dresdner Bank bei über 70 Milliarden DM. Ende der 90er Jahre stabilisierte sich der Weltumsatz in Kunst auf etwa 40 Milliarden DM. 13
Im neuen Jahrtausend besteht erneut - vergleichbar zu den 80er Jahren - ein hoher Kunstmarktboom. Allein im vergangenen Jahr legte der Global Index des französischen Informationsdienstes Artprice mehr als 25 Prozent zu.
Im Jahr 2006 haben etwa 9200 Kunstauktionen stattgefunden (2005: ca. 9.600; 2000: mehr als 15.000). Auf diesen Auktionen haben nicht weniger als 810 Kunstwerke die Millionengrenze überschritten (2005: 487 Kunstwerke).
Der weltweite durch Kunstauktionen vermittelte Umsatz wuchs im Vergleich zu 2005 um 52 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar. 14
Der enorme Anstieg der Kunstauktionspreise ist vor allem den Liquiditätsproblemen an den Kapitalmärkten, die zu einem „Bullenmarkt“ geführt haben, zu verdanken. Die Suche nach Mehrertrag, Risikobegrenzung und Diversifizierung hat starke Kapitalzuflüsse in alternative Anlagesektoren geführt.
Auch das schnelle, durch die Globalisierung begünstigte Wachsen von Vermögen und Einkommen der Reichen, könnte man als Ursache für den derzeitigen Kunstmarktboom nennen. Die Reichen und Ultrareichen gelten als Anlagegruppe, die den Kauf von Kunstwerken nicht nur als gute Anlagemöglichkeit, sondern auch als Steigerung ihres Prestiges nutzt. 15
Zusätzlich heizt das Internet mit einer Fülle leichtzugänglicher Informationen das Geschäft weiter an. Einzelne, schwindelerregende Auktionsergebnisse suggerieren das schnelle Geld am Kunstmarkt. 16
13 Vgl. Wilke, W., Kunst als Kapitalanlage,
[http://www.privatemagazin.ch/media/2001/01/de/kunst_de.pdf?navtext=Home], 07.07.2007.
14 Artprice.com S.A. (Hrsg.), Art Market Trends 2006, [http://img1.artprice.com/pdf/trends2006.pdf], 06.07.2007.
15 Vgl. Lazard Asset Managemnet (Hrsg.), Kunst als Asset Klasse - Sweet Dreams Are Made of This, [http://www.lazardnet.com/LAM/de/pdfs/TrendMonitor_200608_Kunst_als_Asset_Klasse.pdf], 04.06.2007.
16 Vgl. Sueddeutsche.de, (Hrsg.), [http://www.sueddeutsche.de/finanzen/artikel/93/119945/print.html], 29.06.2007.
9
Tabelle 1: Die höchsten Auktionspreise 2007
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Allerdings ist der Markt nicht nur durch Millionen-Preise spekulativ getrieben. Im Gegenteil: laut artprice lagen 73 Prozent aller Auktionsergebnisse unter 10.000 Dollar. Dies ist ein Wachstum von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 20 Prozent gegenüber 1990. Bei Kunstwerken über 10.000 Dollar beträgt das Wachstum gegenüber dem Vorjahreswert sogar 33 Prozent und gegenüber 1990 32 Prozent.
Besonders interessant ist die weltweite Verteilung der Auktionsergebnisse im Jahr 2006. Wie Abbildung 1 zeigt, sind die USA unbestrittener Marktführer mit 45,9 Prozent, während in Europa mit 26,9 Prozent Großbritannien führt.
10
Abb. 2: Weltweiter Umsatz in Kunstauktionen 2006 - Ländergewichtung
Quelle: Art Market Trends 2006, Artprice 2006.
Auf den Versteigerungen der letzten Jahre waren vor allem Werke zeitgenössischer, junger Künstler der klassischen Moderne gefragt, zu der Künstler wie Paul Klee oder Pablo Picasso gehören. Und zusätzlich Nachkriegskunst, für die Maler wie Gerhard Richter, Victor Vasarely und Roy Lichtenstein stehen.
Im Jahr 2005 sind die Preise für lebende Künstler um 12,5 Prozent gestiegen. Auch die Fotografie feierte im gleichen Jahr Erfolge. 2000 erzielte sie in Auktionen weltweit einen Jahresumsatz von 41,2 Mio. Euro, 2005 lag es mit 76,6 Millionen Euro fast doppelt so hoch. 17
Auf der folgenden Abbildung sieht man die prozentuale Verteilung der Umsätze, bezogen auf die unterschiedlichen Kategorien der Bildenden Künste.
17 Artprice.com S.A. (Hrsg.), Art Market Trends 2005, [http://img1.artprice.com/pdf/Trends2005.pdf], 06.07.2007
11
Abb. 3: Weltweiter Umsatz in Kunstauktionen 2006 - Kategoriegewichtung
Quelle: Art Market Trends 2006, Artpreis 2006
Obwohl der internationale Kunstauktionsmarkt einen rasanten Zuwachs verzeichnet, ist die Situation an den nationalen europäischen Kunstmärkten bei weitem nicht so rosig. In Frankreich sank der Kunstmarktumsatz von 1998 bis 2001 um ca. 20 Prozent, in den Niederlanden um 45 Prozent, in Österreich um 45 Prozent, in Dänemark um 33 Prozent und Belgien um 25 Prozent. 18
Auch der deutsche Kunstmarkt zeigt einen Rückgang - von 2003 bis Januar 2006 waren es 23 Prozent. Die wohl wichtigste Ursache hierfür dürfte die allgemein schwache Binnennachfrage sein. Trotzdem kann man nicht von einer Krise sprechen. Deutschland scheint seit 2000 ein international führendes Kunst-Exportland zu sein. Deutsche Kunst ist durch den großen Anteil deutscher Galerien auf Auslandsmessen stark präsentiert. Im internationalen Umbruch hat der deutsche Kunstmarkt damit eine bessere Ausgangsbasis als viele andere Kunstnationen. 19
18 Kusin & Company (Hrsg.), [http://www.kusin.com/table4.pdf], 08.07.2007.
19 Vgl. Fesel, B,. Der Kunstmarkt in Europa: Ein Internationaler Boom und viele nationale Krisen, [http://www.kulturmanagement.net/downloads/fesel-kunstmarkt.pdf], 27.06.2007.
12
Das Jahr 2007 geht jetzt schon als legendär in die Kunsthandelgeschichte ein. In diesem Jahr spielen sich nämlich die weltweit vier größten Kunstereignisse ab: die 52. Kunstbiennale in Venedig, die Documenta 12 in Kassel, die internationale Großausstellung „Skulptur Projekte Münster“ und die Art Basel. Außerdem finden zahlreiche Kunstmessen statt, die massenhaft Besucher und Galerien anziehen, wie z. B. die Art Cologne, die DC Düsseldorf oder die Armory Show in New York.
Dieses Spektrum an Ereignissen zeigt, dass der Kunstboom nicht aufzuhalten ist. Manche befürchten aber, dass diese große internationale Nachfrage eine nachlassende Qualität der Kunstwerke bewirken könnte. 20
3.3. Die Kunstmarktakteure
3.3.1. Der Künstler
Ohne Künstler kein Kunst.
Jahrhunderte lang wurde Kunst als Handwerk gesehen. Erst die Spätgotik brachte es mit sich, dass Objekte der Bildenden Kunst signiert wurden, was ein höheres gesellschaftliches Ansehen des Künstlers mit sich brachte. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts bildete sich bei der bürgerlichen Gesellschaft die Vorstellung vom Künstler als Genie und über das Kunstschaffen als freien Beruf. 21 Diese Vorstellung hat sich bis heute bewahrt. Aber wer gilt überhaupt als Künstler? So wie es keine einheitliche Definition von Kunst gibt, gibt es auch keine klare Definition von Künstlern.
Es gibt mindestens acht Kriterien, die bei der Frage, wer als Künstler gilt, hinzugezogen werden können: 22
1. Die für die künstlerische Tätigkeit aufgewendete Zeit 2. Die Höhe des aus der Kunst bezogenen Einkommens 3. Das Ansehen des Künstlers in der Öffentlichkeit
20 Vgl. Maak, N., in FAZ.NET (Hrsg.), Der große Kunstrausch, [http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E2BE2C5BBFEB74E21A C83338338CD3EA2~ATpl~Ecommon~Scontent.html], 08.07.2007.
21 Vgl. Bendixen, P., Einführung in die Kultur- und Kunstökonomie, 2., erweiterte Auflage, Wiesbaden, 2001, S. 109.
22 Pommerehne, W.; Frey, B., Musen und Märkte. Ansätze zu einer Ökonomik der Kunst, München, 1993, S. 162.
13
4. Die Anerkennung durch andere Künstler (aber wer definiert die anderen Künstler?)
5. Die Qualität des künstlerischen Schaffens (wobei wiederum Qualität zu definieren wäre)
6. Die Mitgliedschaft in einer berufsständischen Künstlervereinigung 7. Berufliche Qualifikation (Abschluss einer Kunstfach- oder Hochschule) und nicht zuletzt:
8. Die subjektive Selbsteinschätzung als Künstler
Das wichtigste Erkennungszeichen eines künstlerischen Berufes ist seine volle Autonomie in der Ausübung. Der Künstler ist/soll frei sein, um überhaupt den Status eines Künstlers zu erlangen. Es muss nicht unbedingt die inhaltliche Freiheit sein, weil diese, philosophisch gesehen, nicht garantiert werden kann. Vielmehr soll die Freiheit in der Wahl der Ausdrucksmittel bestehen.
Obwohl kein Werk ohne Inhalt existieren kann: entscheidend für die künstlerische Qualität ist schließlich die Form, also die Gestaltung der Mitteilung. 23 Da aber auch hier der Künstler (bewusst oder unbewusst) von den zu seiner Zeit herrschenden Stilrichtungen, gesellschaftlichen Normen, Erwartungen des Rezipienten und nicht zuletzt ökonomischen Begebenheiten abhängig ist, sollte dem Mythos von der Freiheit des Künstler ein Ende gesetzt werden. 24
Marktökonomisch unterscheidet sich der Künstler von anderen Berufsgruppen insbesondere dadurch, dass im Allgemeinen die Gewinnerzielung nicht im Vordergrund seines künstlerischen Schaffens steht. Laut einer Studie der Technischen Universität Berlin über Marketingaktivitäten bildender Künstler kann ein Großteil aller Künstler (85 Prozent) ihren Lebensunterhalt nicht durch Kunst verdienen. 25 Im Idealbild sind die persönlichen Wünsche des Künstlers als Produzent wichtiger als die der Nachfrage. Er entwickelt seine Werke unabhängig von Kundenwünschen, bevor er sie auf den Markt bringt. Weiterhin ergibt sich aus der Studie, dass ein wesentlicher Einflussfaktor auf den
23 Vgl. Bauer, H., Form, Struktur, Stil: Die formanalytischen und formgeschichtlichen Methoden, in Belting, H.; Dilly, H.; Kemp, W.; Sauerländer, W.; Warnke, M., (Hrsg.), Kunstgeschichte: Eine Einführung, 6., überarbeitete und erweiterte Aufl., Frankfurt am Mein, 2003, S. 164.
24 Klein, U., Zur Interaktion von Ästhetik und Ökonomie, Diss., Hochschule St. Gallen, 1993, S. 9.
25 Meyer, J.; Even, R., Marketing für bildende Künstler. Eine Studie über Marketingaktivitäten bildende Künstler und deren Erfolg und Misserfolg, Berlin 1996, S.33.
14
Markterfolg eines Künstlers sein Image ist. Sich gut in Szene zu setzen und möglichst viele Werke zu produzieren wird von 50 Prozent der Galeristen als vorteilhaft für den wirtschaftlichen Erfolg eines Künstlers bewertet.
Ob ein Künstler schließlich erfolgreich ist oder nicht, entscheidet dann aber der Markt. Die Zeitschrift Kapital ermittelt jährlich die 100 weltweit gefragtesten Künstler der Gegenwart. Tabelle 2 zeigt davon die ersten fünf. 26
Tabelle 2: Die fünf gefragtesten Künstler der Gegenwart
Grundlage für dieses Ranking bildet seit 1970 ein System, das sich aus so genannten „Ruhmespunkten“ für Einzelausstellungen in 180 renommierten Museen, Beteiligungen an Gruppenausstellungen und Rezensionen in der Fachliteratur zusammensetzt. Wichtiger Kritikpunkt an diesem Ranking ist, dass ausschließlich die Nachfrage den Stellenwert in der Hitliste der einzelnen Künstler regelt. Faktoren wie Qualität, intellektueller Anspruch des Kunstschaffenden und Ästhetik bleiben außen vor.
26 Capital-Kunstkompass 2007 (Hrsg.),
[http://www.capital.de/guide/kunstkompass/100006894.html?eid=100003842], 13.07.2007.
15
3.3.2. Der Käufer
3.3.2.1. Privater Käufer
Privatleute haben die unterschiedlichsten Beweggründe, Kunst zu kaufen. Aus ökonomischer Sicht sind drei Motivgruppen von besonderem Interesse, die auch die gegenwärtige Kunstszene beherrschen: 27 1. Spekulation 2. Dekoration 3. Kollektion
Spekulation ist ein Kaufmotiv, das auf der erwarteten Wertsteigerung eines Einzelstücks, einer Stilrichtung oder des Gesamtwerkes eines Künstlers beruht.“ 28 Der ästhetische Wert eines Kunstwerkes spielt dabei für den Käufer keine oder eine untergeordnete Rolle. Was zählt, ist die Signatur des Künstlers. 29
Diese Käufergruppe besucht meist nicht selbst Ateliers und Galerien, sondern beschäftigt Experten, die für sie einkaufen. Die zu diesem Zweck gekauften Kunstwerke werden nach dem Kauf in einem Depot aufbewahrt, um später möglichst teuer weiterverkauft zu werden.
Dekoration ist ein Kaufmotiv, bei dem die Prestigewirkung im Vordergrund steht. Die Kunstwerke haben in diesem Fall die Aufgabe, bestimmte Wände bzw. Räume zu schmücken. Der Käufer will durch den Kaufakt Aufmerksamkeit und Prestige erlangen.
Kollektion ist ein Kaufmotiv, das sich auch mit dem Motiv des Künstlers bei seiner Kunstwerkerstellung deckt. Hier steht die ästhetische, bewusste Wahrnehmung im Vor-dergrund. Dabei wird das Einzelstück nicht isoliert, sondern als Variante eines Stils, als Glied in einer künstlerischen Schaffenskette oder als Baustein eines Zyklus erworben. 30
27 Vgl. Bendixen, P., Einführung in die Kultur- und Kunstökonomie, 2., erweiterte Auflage, Wiesbaden. 2001, S. 135.
28 Vgl. Ebenda
29 Vgl. Klein, U., Der Kunstmarkt - zur Interaktion von Ästhetik und Ökonomie, Hochschule St. Gallen, Diss., 1993, S.185.
30 Vgl. Bendixen, P., Einführung in die Kultur- und Kunstökonomie, 2., erweiterte Auflage, Wiesbaden. 2001, S. 136.
16
Oft ist bei Sammlern von zeitgenossischer Kunst ein inniges Verhältnis zu den Künstlern, deren Werke gesammelt werden, zu beobachten. Sie treten als Mäzenen, Kunstförderer und auch als Freunde des Künstlers auf.
Die Brüder Van Der Grinten, die als größte Sammler der Beuys gelten, sagten einmal: 31 „Die Gespräche, die wir in all den Jahren mit den Künstlern führten, haben ja kein geringeres Gewicht als ihre Arbeiten. Dieser innere Austausch, die Identifikation war für uns eigentlich der Kardinalpunkt des Sammelns.“
Die drei Käufertypen existieren nicht nur in reiner Form. Oft sind Mischformen zu beobachten: ein Käufer der seinen sozialen Status durch Kunstkauf verbessern will, kann auch gleichzeitig ein leidenschaftlicher Kunstliebhaber oder ein Spekulant sein, der sich schnell von gekauften Werken trennt, wenn die Preise am höchsten sind. Als Beispiel kann man Charles Saatchi nennen. Der Werbemagnat und Kunstsammler geriert sich zwar einerseits als Mäzen, tritt aber zugleich auch offen als Sponsor und Marktstratege auf. Er kauft nicht nur Kunst, sondern verkauft sie wieder und legt freimütig ein Bekenntnis zur Spekulation mit der Kunst ab. Eine Sammlung von guter Qualität bindet auch eine große Kapitalmenge, denn hohe Versicherung- und Lagerkosten belasten den Besitzer. Gleichzeitig zwingt ein schneller Anstieg der Kunstpreise den Sammler, sich mit der Werterhaltung und Wertesteigerung der Arbeiten auseinander zu setzen. 32 In diesem Fall ist die „Versuchung“, dem lukrativen Wiederverkauf zu widerstehen, oft schwierig.
3.3.2.2. Unternehmen als Käufer
Unternehmen - als primär wirtschaftlich operierende Institutionen - haben von ihren Dienstleistungen und Produkten her selten eine unmittelbare Verbindung zu bildender Kunst. Sie setzen Kunst vor allem als Mittel zur Prestigesteigerung und Marketingkonzept ein, um ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Dabei steht der gewinnbringende Einsatz im Vordergrund.
Dies war aber nicht immer so. Bis in die 70er Jahre war Kunstsponsoring ein noch fremdes Wort. Obwohl die Großindustrie immer ein bestimmter Prozentsatz ihres Um-
31 Sager,P., Die Besessenen - Begegnungen mit Kunstsammlern zwischen Aachen und Tokio, Hamburg, 1992, S. 102.
32 Vgl. Hollein, M., Zeitgenossische Kunst und der Kunstmarktboom, Wien, Köln, Weimer, 1999, S. 121.
17
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