Vorwort
Die Motivation dieser Arbeit entspringt praktischen Problemstellungen im technischen Großhandel. So sind zur Bewältigung betriebswirtschaftlicher Probleme, durch sich ständig wandelnde Märkte und den verschärften Wettbewerb, Informationssysteme zu entwickeln, die zur Förderung der Wirtschaftlichkeit anhand von Informationsmodellen beschrieben werden. Dabei fällt auf, dass der Wandel im Handel und insbesondere im Großhandel sowie das Potenzial aus den wachsenden Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien die vorhandenen Organisationsstrukturen, Prozessabläufe und Handelsfunktion neu zu ordnen und innovativ zu gestalten, kaum voneinander profitieren. Damit wird die Gestaltung von Informationssystemen für die Unternehmen zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.
In der Theorie sind für derartige Problemstellungen Referenzmodelle einzusetzen, in denen Handelsin-formationssysteme durch Informationsmodelle beschrieben werden, dass sie in einzelnen Unternehmen wiederverwendet werden können. In der Praxis scheinen jedoch das „passende“ Referenzmodell sowie die Kenntnis der damit verbundenen Erfolgsfaktoren für die Unternehmen meist nicht vorzuliegen. Dies ist umso beachtlicher, da mittlerweile im aktuellen Forschungsgebiet der Referenzmodellierung bereits Gestaltungsempfehlungen für Handelsinformationssysteme erarbeitet wurden. Auf der Grundlage theoretischer Erkenntnisse sind Gestaltungsbeiträge gefragt, die Unternehmen unter Berücksichtigung ihrer domänenspezifischen Anforderungen unterstützen. Dazu ist zu analysieren, warum vorgeschlagene Referenzmodelle kaum verwendet werden, und wie Handelsprozesse unter dem Einbezug zukünftiger Aspekte gestaltet werden können, damit die theoretisch gegebenen Potenziale von Referenzmodellen auch praktisch genutzt werden. Zum einen Antworten auf diese Erkenntnis leitenden Fragen zu finden und zum anderen einen nachhaltigen Gestaltungsbeitrag für technische Großhandelsunternehmen zu leisten, bildete die Motivation der vorliegenden Forschungsarbeit. Die geringe Akzeptanz von Referenzmodellen erklärt sich zu einem großen Teil dadurch, dass bislang eine zu enge Sicht auf die Gestaltung ihrer Handelsprozesse eingenommen wird und dabei notwendige unternehmensübergreifende Aspekte unzureichend berücksichtigt werden. Durch die Ausweitung dieser Sicht vor allem auf organisationsbezogene und prozessbezogene Aspekte werden erhebliche Verbesserungspotenziale der technischen Großhandelsprozesse aufgezeigt. Eine solche Gestaltung von Handelsprozessen folgt der Vorstellung, relevante Interessengruppen vom Hersteller bis zum Kunden durch die Integration des Supply Chain Management in die Handelsprozesse kontinuierlich einzubeziehen, sodass die Organisation von Handelsprozessen evolutionär an zukünftige Anforderungen des Handels angepasst werden kann.
Zur Erschließung dieser Potenziale wird das SHK-Referenzmodell vorgeschlagen. Es wurde unter Berücksichtigung empirischer Erfahrungswerte, situativer Rahmenbedingungen der Unternehmen am Markt, Literaturrecherchen und methodischer Grundsätze entwickelt. Die Entwicklungsgrundsätze gliedern sich in strategische Leitlinien, die auf der Entwicklung eines domänenspezifischen Referenzmodellansatzes beruhen, Leitlinien für die unternehmensübergreifende Prozessintegration und softwaretechnische Leitlinien. Letztere konzentrieren sich auf die Realisierung einer ökonomisch und technisch sinnvollen Variabilität durch komponentenbasierende Softwarearchitekturen. Darüber hinaus werden sie im Zusammenhang interpretiert und systematisch für die Entwicklung wiederverwendbarer Modelle dargestellt.
Die methodische Entwicklung dieser Arbeit stellt so einen wichtigen Beitrag für die Forschung in diesem Bereich dar. Für die Unternehmen liefert das SHK-Referenzmodell eine Lösung, das Handelsunternehmen auf die gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen der Unternehmensorganisation durch Wiederverwendung der in diesem Modell detailliert gestalteten Problemlösungen vorbereitet. Die Fundierung auf akzeptierten Standards wie der Architektur integrierter Informationssysteme (ARIS) und der Unified Modeling Language (UML) tragen zur Erhöhung des praktischen Nutzens bei.
Abstract
The motivation for this work arises from practical problems in the technical wholesale. For the coping of economic problems caused by constantly changing markets and the increased competition information systems are to be developed for the increase of the economic efficiency on the basis of information models. It is noticeable that the change in trade as well as the potential from the increasing possibilities of the information technologies and communication technologies to rearrange and to form innovatively the existing organizational structures, processes and commercial function, hardly profit from each other. With it the creation of information systems becomes a determining success factor for the enterprises.
In the theory for such problems authoritative models are to be used in which commercial information systems are described by models of information in such a way that they can be reused in single enterprises. Nevertheless, in practice the “suitable” authoritative models as well as the knowledge of the success factors linked with it mostly do not seem to be available for the enterprises. This is to be considered, since meanwhile in the field of research of the authoritative modelling already creation recommendations were compiled for commercial information systems.
On the basis of theoretical knowledge creation contributions which support enterprises taking into account their domain-specific requirements are in demand. Therefore is to be analyzed, why suggested authoritative models are hardly used, and how commercial processes can be formed allowing for future aspects, so that the theoretically given potentials of authoritative models are used also practically. Finding answers to these questions on the one hand and making a lasting creation contribution for technical wholesale enterprises on the other hand formed the motivation of the present research project.
The low acceptance of authoritative models is mostly due to the fact that up to now a too narrow view of the creation of their commercial processes is taken and, besides, necessary enterprise-covering aspects are considered insufficiently. Considerable improvement potentials of the technical wholesale processes are indicated by the expansion of this view above all on organization-related and processrelated aspects. Such a creation of commercial processes follows the image to continuously include relevant interest groups from the manufacturer up to the customer in the commercial processes by integrating the Supply Chain Management, so that the organization of commercial processes can be adapted evolutionary to future requirements of trade.
For the development of these potentials the authoritative model SHK is suggested. It was developed taking into account empiric experience values, situative basic conditions, literature searches and methodical principles. The developing principles are made up into strategically guidelines which are based on the development of a domain-specific authoritative model attempt, guidelines for the enterprise-covering process integration and software-technical guidelines. The latter concentrate upon the realization of an economical and technical sensible variability by component-based software architectures. In addition, they are interpreted in context and are shown systematically for the development of reusable models.
The methodical development of this work shows thus an important contribution for the research in this field. For the enterprises the authoritative model SHK delivers a solution, which prepares the commercial enterprises for the present and future requirements of the enterprise organization by re-using the problem solutions formed in this model. Basing on accepted standards like the Architecture of integrated Information System (ARIS) and the Unified Modeling Language (UML) contributes to the increase of the practical use.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
AKRONYME XV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS XVII
TABELLENVERZEICHNIS XX
DEFINITIONSVERZEICHNIS XXI
1 THEMATISCHE EINFÜHRUNG 1
1.1 Technischer Großhandel: Potenzial und Wirklichkeit 1
1.2 Motivation und Problemstellung 2
1.3 Zielsetzung: Entwicklung eines domainspezifischen Referenzmodells zur Geschäftsprozess-
unterst ützung im technischen Großhandel 2
1.4 Forschungsdesign 3
1.5 Fachliche Einordnung 5
1.6 Aufbau der Arbeit 6
2 BEFRAGUNG IN DER PRAXIS 7
2.1 Zielsetzung und Forschungsdesign der Befragung 7
2.2 Zeitlicher Ablauf der Befragung 7
2.3 Durchführung der Unternehmensumfrage 8
2.3.1 Allgemeines 9
2.3.2 Technik 10
2.3.3 Marketing-, Beschaffungs- und IT-Strategien 11
2.4 Detaillierte Ergebnisse der Unternehmensbefragung 15
2.5 Zusammenfassung 16
3 ANALYSE DES TECHNISCHEN GROßHANDELS 17
3.1 Terminologische und konzeptionelle Grundlegung 17
3.2 Strukturelle Aspekte des Großhandels 20
3.3 Funktionale Aspekte des Großhandels 21
3.4 Sichtbezug auf technische Großhandelsprozesse 23
3.4.1 Handelsströme und Prozesse 24
3.4.2 Prozess prägende Artikeldifferenzierung 29
3.4.3 Prozess prägende Preisfindung 30
3.5 Prozessbezug von technischen Großhandelsunternehmen 32
3.5.1 Lagergeschäft 32
3.5.2 Streckengeschäft 33
3.5.3 Zentralregulierung 34
3.5.4 Aktionsgeschäft 34
3.5.5 Dienstleistungsgeschäft 35
3.6 Ressourcenbezug technischer Großhandelsunternehmen 36
3.6.1 Wandlungsaspekte des Handelsmanagements 36
3.6.2 Entwicklungsstand der Technisierung 38
3.7 Beurteilung etablierter Gestaltungsansätze zur Differenzierung von Handelsprozessen 38
3.8 Zusammenfassung und Detaillierung des weiteren Untersuchungsumfangs 42
4 GRUNDLAGEN ZU REFERENZMODELLEN 43
4.1 Einführung, Nutzen und Probleme von Referenzmodellen 43
4.2 Modelle und Modellierung 45
4.2.1 Entwicklung des Modellbegriffs 45
4.2.2 Einführung des Modellierungsbegriffs 48
4.3 Informationsmodelle und -modellierung 48
4.4 Referenzmodelle und -modellierung 50
4.4.1 Merkmale des Referenzmodellbegriffs 50
4.4.2 Einführung des Referenzmodellbegriffs 52
4.4.3 Einführung des Referenzmodellierungsbegriffs 53
XI
Inhaltsverzeichnis
4.5 Vorgehen zur Wiederverwendung von Referenzmodellen 54
4.6 Darstellungstechniken zur Beschreibung von Referenzmodellen 54
4.6.1 Entity-Relationship-Diagramm und Ereignisgesteuerte Prozesskette der Architektur integrierter
Informationssysteme 55
4.6.2 Business Process Modeling Notation 59
4.6.3 Klassendiagramm und Aktivitätsdiagramm der Unified Modeling Language 60
4.7 Bewertungsansatz der Referenzmodellierung 62
4.7.1 Allgemeine Anforderungen an die Modellqualität 62
4.7.2 Spezielle Anforderungen zur Wiederverwendbarkeit 65
4.8 Zusammenfassung 66
5 SYSTEMATISCHE REFERENZMODELLERHEBUNG 67
5.1 Bezug und Nutzen der Referenzmodellierung 67
5.1.1 Domänenbezug 69
5.1.2 Nutzenerwartung 71
5.2 Untersuchungsprofil 71
5.3 Kriterien für die Referenzmodellerhebung 72
5.4 Repräsentation von Referenzmodellen 73
5.5 Vorgehen zur Identifikation relevanter Beiträge 74
5.5.1 Dimension der systematischen Referenzmodellerhebung 75
5.5.2 Profil der systematischen Referenzmodellerhebung 75
5.5.3 Vorgehensweise und Ergebnisse der Referenzmodellerhebung 76
5.5.4 Definition der Bewertungsgrößen 78
5.5.5 Definition des Bewertungsrahmens 79
5.6 Detaillierung identifizierter Referenzmodelle 79
5.6.1 Referenzmodell für Handelsinformationssysteme nach BECKER und SCHÜTTE 80
5.6.2 Referenzmodell für Elektronische Märkte nach SCHMID und LINDEMANN 83
5.6.3 Referenzmodell im Digital Commerce nach LUXEM 85
5.6.4 Referenzmodellierung in der Handelslogistik nach REMMERT 87
5.6.5 Referenzmodell mySap Enterprise von SAP 88
5.6.6 Referenzmodell Dynamics NAV von Microsoft 90
5.6.7 Weitere Modelle für den Handel 93
5.7 Interorganisationskonzepte für den Handel 94
5.7.1 Ordnungsrahmen des Efficient Consumer Response 94
5.7.2 Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment 96
5.7.3 Supply Chain Operations Reference Model 98
5.8 Bewertung der identifizierten Referenzmodelle 100
5.9 Zusammenfassung 106
6 GROBKONZEPTION DES REFERENZMODELLS 107
6.1 Gegenstand, Einordnung und Ziele 107
6.2 Methode zur Referenzmodellierung 110
6.2.1 Methodensystematische Übertragung 110
6.2.2 Vorgehensmodell zur Konstruktion des Referenzmodells 111
6.2.3 Darstellungstechnik des Referenzmodells 115
6.2.4 Ordnungsrahmen zur Strukturierung 116
6.3 Entwicklung des konzeptionellen Bezugsrahmens 119
6.3.1 Methodenbezogener Aspekt 120
6.3.2 Modellbezogener Aspekt 121
6.3.3 Organisationsbezogener Aspekt 124
6.3.4 Technologischer Aspekt 128
6.4 Ordnungsrahmen von technischen Großhandelsprozessen 129
6.5 Bewertung der Grobkonzeption 132
6.6 Zusammenfassung 134
7 ENTWURF DES REFERENZMODELLS FÜR DIE PROZESSGESTALTUNG 135
7.1 Aufbau des Referenzmodells 135
7.2 Einkaufskonditionsmanagement 136
7.2.1 Interdependenzen 137
7.2.2 Funktionsmodell 138
7.2.3 Datenmodell 142
7.2.4 Prozessmodell 145
XII
Inhaltsverzeichnis
7.3 Verkaufskonditionsmanagement 150
7.3.1 Interdependenzen 150
7.3.2 Funktionsmodell 152
7.3.3 Datenmodell 154
7.3.4 Prozessmodell 157
7.4 Supply Chain Management 160
7.5 Supplier Relationship Management 163
7.5.1 Interdependenzen 163
7.5.2 Funktionsmodell 164
7.5.3 Datenmodell 168
7.5.4 Prozessmodell 169
7.6 Customer Relationship Management 172
7.6.1 Interdependenzen 172
7.6.2 Funktionsmodell 174
7.6.3 Datenmodell 177
7.6.4 Prozessmodell 179
7.7 Bewertung der Referenzmodellierung 181
7.8 Zusammenfassung der konzeptionellen Ergebnisse 182
8 ENTWURF UND PROTOTYPISCHE IMPLEMENTIERUNG 183
8.1 Systemtheoretische Grundlegung 183
8.2 Spezifische Anforderungen an Softwarearchitekturen 184
8.3 Modellierungsziele und resultierende Teilaufgaben 185
8.4 Applikationsarchitektur 186
8.4.1 Architektur-Framework 187
8.4.2 Komponentenstruktur für technische Großhandelsunternehmen 187
8.4.3 Architekturmuster Konditionsmanagement 189
8.5 Integrationssicht 190
8.5.1 Electronic Business XML 191
8.5.2 WebServices 192
8.6 Infrastruktur 193
8.7 Bewertung der Implementierung 194
8.8 Zusammenfassung 196
9 BEWERTUNG UND ANWENDUNG DES VORGESCHLAGENEN
REFERENZMODELLS 197
9.1 Explorative Bewertung 197
9.2 Bewertung der Gestaltungspotenziale 198
9.3 Bewertung der Modellanwendbarkeit und -nutzbarkeit 200
9.4 Bewertung der Teilmodelle 202
9.4.1 Konditionsmanagement 202
9.4.2 Supplier Relationship Management 203
9.4.3 Customer Relationship Management 203
9.5 Bewertung der Forschungsthesen 204
9.6 Einordnung des Modells in Referenzmodellsystematiken 206
9.7 Bewertung erster Ergebnisse der praktischen Anwendung 206
9.8 Zusammenfassung 208
10 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 209
10.1 Schlussbetrachtung 209
10.2 Kritische Anmerkungen 211
10.3 Schlussfolgerungen für die Praxis 212
10.4 Ausblick 212
LITERATURVERZEICHNIS 213
GLOSSAR 237
ANHANG 249
INDEX 307
XIII
Akronyme
ARIS ARIS Toolset Aufl. Bd. BMEcat BPMI BPMN bspw. bzgl. bzw. C/AL C/SIDE CA CGI CIMOSA COM CORC CPFR CRM C/S DCOM Distributed Component Object Model oder Distributed COM d. h. das heißt
DIN DSO DSOM EA EAN EAI ECR EDI EDIFACT eEPK EIS EJB EK EKR
Akronyme
Fn. Fußnote
HR
Hrsg. HTML HTTP IEEE IKT insbes.
ISO IT J2EE Jg. neubearb. Nr. Nummer
S. SOAP sog. SCC SCM SCOR SMTP u. a. überarb.
UDDI UGL/UGS UML UNSPSC Vgl. VK vollst. W3C
XVI
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1.1: Innovationschancen und -druck in Handel
Abb. 1.2: Elemente des Forschungsdesigns und deren Interdependenzen
Abb. 1.3: Einordnung des Forschungsziels der Arbeit.
Abb. 2.1: Identifizierte zukünftige Anforderungen
Abb. 2.2: Identifizierte Problembereiche der Unternehmen.
Abb. 2.3: IT-Strategien der Unternehmen
Abb. 2.4: Kooperationsstrategien der Unternehmen
Abb. 2.5: Einschätzung des Nutzens von Referenzmodellen durch die Unternehmen
Abb. 2.6: Einschätzung über Einsatzbereiche zu Referenzmodellen in den Unternehmen.
Abb. 2.7: Einschätzung des Nutzens durch das SHK-Referenzmodell für die Unternehmen.
Abb. 2.8: Einschätzung der Entwicklung des SHK-Referenzmodells
Abb. 2.9: Einschätzung der Wahrscheinlichkeit für die Übertragung der Ergebnisse
Abb. 3.1: Schematische Darstellung der Handelsstrukturen
Abb. 3.2: Zuordnung der absatzpolitischen zu den makroökonomischen Funktionen.
Abb. 3.3: Mikroökonomische Handelsfunktionen
Abb. 3.4: Prozess- und Funktionszuordnung im technischen Großhandel.
Abb. 3.5: Allgemeine Darstellung der Wertschöpfungskette.
Abb. 3.6: IST-Funktionsbereiche technischer Großhandelsunternehmen.
Abb. 3.7: IST-Funktionen des Einkaufs und Verkaufs
Abb. 3.8: Schematische Darstellung der Verkaufspreisfindung.
Abb. 3.9: Schematische Darstellung der Handelsgeschäftsarten
Abb. 3.10: Schematische Darstellung des Lagergeschäfts
Abb. 3.11: Schematische Darstellung des Streckengeschäfts
Abb. 3.12: Schematische Darstellung der Filialstrecke.
Abb. 3.13: Schematische Darstellung der Zentralregulierung
Abb. 3.14: Schematische Darstellung der identifizierten Unternehmensdefizite.
Abb. 4.1: Abbildungsorientierter Modellbegriff
Abb. 4.2: Konstruktionsorientierter Modellbegriff nach SCHÜTTE.
Abb. 4.3: Problemfelder des Referenzmodellbegriffs
Abb. 4.4: Vorgehen zur Wiederverwendung von Referenzmodellen.
Abb. 4.5: Einordnung der Darstellungstechniken von ARIS für die Referenzmodellierung
Abb. 4.6: Sprachkonstrukte und Regeln einer Ereignisgesteuerten Prozesskette
Abb. 4.7: Sprachkonstrukte und Regeln eines Entity-Relationship-Diagramms
Abb. 4.8: Sprachkonstrukte und Regeln der Business Process Modeling Notation.
Abb. 4.9: Elemente von Darstellungstechniken der UML
Abb. 4.10: Sprachkonstrukte und Regeln eines Klassendiagramms der UML
Abb. 4.11: Sprachkonstrukte und Regeln eines Aktivitätsdiagramms der UML
Abb. 4.12: Zweckbezogene Abbildung der GoM
Abb. 4.13: Die sechs Grundsätze ordnungsgemäßer Modellierung
Abb. 5.1: Ordnungsschema der Unternehmensarchitektur.
Abb. 5.2: Domänen und Sichten einer Unternehmensarchitektur
Abb. 5.3: Vorgehensmodell zur Analyse des Entwicklungsstandes der Referenzmodellierung.
Abb. 5.4: Schematische Darstellung des Bewertungsmodells
Abb. 5.5: Bezugsrahmen für Anforderungen an technische Großhandelsreferenzmodelle
Abb. 5.6: Das Handels-H-Modell nach BECKER und SCHÜTTE
Abb. 5.7: Das Referenzmodell Elektronischer Märkte nach LINDEMANN und SCHMID
Abb. 5.8: Auswirkungen des Digital Commerce auf das Handels-H-Modell
Abb. 5.9: Sichten und Bestandteile des Solution Map - Wholesale Distribution
Abb. 5.10: Sichten und Bestandteile des Referenzmodell Microsoft Dynamics.
Abb. 5.11: Das ECR-Konzept und seine Basisstrategien.
Abb. 5.12: Überblick über die ECR Basisstrategien
XVII
Abbildungsverzeichnis
Abb. 5.13: Schematische Darstellung der Aufgaben zwischen Lieferanten und Händler.
Abb. 5.14: Das Supply Chain Operations Reference Model.
Abb. 5.15: Bewertung der identifizierten Referenzmodelle.
Abb. 5.16: Bezugsrahmen der Erkenntnisübertragung.
Abb. 5.17: Funktionsbezogene Problembereiche des Ein- und Verkaufs
Abb. 5.18: Prozessbezogene Problembereiche der Konditionspflege
Abb. 6.1: Vorgehen zur Entwicklung des SHK-Referenzmodells
Abb. 6.2: Phasen der Methode zur Referenzmodellkonstruktion nach SCHÜTTE
Abb. 6.3: Vorgehensmodelle zur Anwendung von Referenzmodellen von Schütte
Abb. 6.4: Sichten und Elemente des SHK-Referenzmodells nach ARIS.
Abb. 6.5: Strukturrahmen von technischen Großhandelsprozessen
Abb. 6.6: Ordnung der Prozesse innerhalb der Prozesshierarchie
Abb. 6.7: Ordnungsrahmen des SHK-Referenzmodells.
Abb. 7.1: Darstellung der domänenspezifischen Referenzmodellbausteine
Abb. 7.2: Interdependenzen des EK-Konditionsmanagements
Abb. 7.3: Funktionsdekompositionsdiagramm des EK-Konditionsmanagements
Abb. 7.4: Einkaufsbereichsorientierte Einordnung möglicher Konditionen für einen Händler
Abb. 7.5: Datenmodell Geschäftspartner Lieferant.
Abb. 7.6: Datenmodell Artikel
Abb. 7.7: Datenmodell Einkaufskondition.
Abb. 7.8: Prozessmodell des Einkaufskonditionsmanagements
Abb. 7.9: Prozessmodell Lieferantenstammdatenpflege.
Abb. 7.10: Teilprozess Stammdatenmanagement
Abb. 7.11: Prozessmodell Einkaufskonditionspflege
Abb. 7.12: Interdependenzen des VK-Konditionsmanagements.
Abb. 7.13: Schematische Darstellung der zeitbezogenen Konditionsgültigkeit.
Abb. 7.14: Funktionsdekompositionsdiagramm des VK-Konditionsmanagements.
Abb. 7.15: Datenmodell Geschäftspartner Kunde.
Abb. 7.16: Datenmodell Verkaufskondition
Abb. 7.17: Prozessmodell des Verkaufskonditionsmanagements
Abb. 7.18: Prozessmodell Artikelstammdatenpflege
Abb. 7.19: Prozessmodell VK-Konditionen pflegen
Abb. 7.20: Schematische Darstellung des Supply Chain Managements
Abb. 7.21: Interdependenzen des Supplier Relationship Managements
Abb. 7.22: Funktionsmodell des Supply Chain Managements nach SCOR
Abb. 7.23: Übergreifendes Funktionsmodell des Supplier Relationship Managements
Abb. 7.24: Funktionsmodell des Supplier Relationship Management
Abb. 7.25: Datenmodell Supplier Relationship Configuration
Abb. 7.26: Prozessmodell des Supplier Relationship Managements
Abb. 7.27: Prozessmodell Lieferantenbeziehung pflegen.
Abb. 7.28: Interdependenzen des Customer Relationship Managements
Abb. 7.29: Übergreifendes Funktionsmodell des Customer Relationship Managements
Abb. 7.30: Funktionsmodell des Customer Relationship Managements.
Abb. 7.31: Datenmodell Customer Relationship Management.
Abb. 7.32: Datenmodell Sortimentsplan
Abb. 7.33: Prozessmodell des Customer Relationship Managements
Abb. 7.34: Prozessmodell Verkaufspreiskalkulation
Abb. 8.1: Vorgehensmodell zur Entwicklung der Informationssystemarchitektur
Abb. 8.2: Komponentensicht auf technische Großhandelsinformationssysteme
Abb. 8.3: Architekturmuster EK-Konditionsermittlung.
Abb. 8.4: Architekturmuster VK-Konditionsermittlung
Abb. 8.5: Softwareverteilung technischer Großhandelsinformationssysteme.
Abb. 9.1: Implementierung des Artikelstammdatenmonitors
Abb. 10.1: Befragungsbogen - Seite 1.
Abb. 10.2: Befragungsbogen - Seite 2.
Abb. 10.3: Befragungsbogen - Seite 3.
XVIII
Abbildungsverzeichnis
Abb. 10.4: Befragungsbogen - Seite 4
Abb. 10.5: Befragungsbogen - Seite 5
Abb. 10.6: Befragungsbogen - Seite 6
Abb. 10.7: Befragungsbogen - Seite 7
Abb. 10.8: Befragungsbogen - Seite 8
Abb. 10.9: Befragungsbogen - Seite 9
Abb. 10.10: Befragungsbogen - Seite 10.
Abb. 10.11: Elemente des konstruktionsorientierten Modellbegriffs.
Abb. 10.12: Element des konstruktionsprozessorientierten Referenzmodellbegriffs
Abb. 10.13: Vorgehen zur Erstellung von Referenzmodellen, -elementen und spezifischen
Modellen.
Abb. 10.14: Schematische Darstellung der Elemente von Anwendungssystemen
Abb. 10.15: Typologie von Referenzmodellen
Abb. 10.16: Schematische Darstellung der Handelskomplexität
Abb. 10.17: Vereinfachte Grundstruktur von Referenzmodellen in Handel
Abb. 10.18: Erfolgsfaktoren von Collaboration Planning Forecasting Replenishment
Abb. 10.19: Organisationssicht technischer Großhandel
Abb. 10.20: Artikelstammdaten reduziert Teil 1.
Abb. 10.21: Artikelstammdaten reduziert Teil 2.
Abb. 10.22: Schematische Darstellung der Verkaufskonditionsprioritätenmatrix.
Abb. 10.23: Debitoren - Preisgruppenstammdaten reduziert.
Abb. 10.24: Debitoren - Konditionsgruppenstammdaten reduziert.
Abb. 10.25: Debitoren - Verkaufspreise reduziert.
Abb. 10.26: Prozessmodell - semiautomatische Stammdatenpflege
Abb. 10.27: Informationssystemarchitektur technischer Großhandel - Sicht Unternehmen
Abb. 10.28: Informationssystemarchitektur technischer Großhandel - Sicht Lieferant
Abb. 10.29: Informationssystemarchitektur technischer Großhandel - Sicht Kunde
Abb. 10.30: Implementation Datanorm Schnittstelle (A-Satz)
Abb. 10.31: Implementation Datanorm Schnittstelle (B-Satz)
Abb. 10.32: Implementation Katalogzuordnung
Abb. 10.33: Implementation Felddefinitionen Katalogzuordnung.
Abb. 10.34: Implementation Felddefinitionen Mengeneinheitenzuordnung.
Abb. 10.35: Implementation Felddefinitionen Konditionsgruppenzuordnung.
Abb. 10.36: Implementation Felddefinitionen Preiseinheitenzuordnung.
Abb. 10.37: Implementation Felddefinitionen Warengruppenzuordnung.
Abb. 10.38: Implementation Felddefinitionen Rabattgruppenzuordnung.
Abb. 10.39: Implementation Artikelfeldimportdefinitionen
Abb. 10.40: Implementation Felddefinitionen Artikelsynchronisation.
Abb. 10.41: Implementation Artikel/Lieferantenzuordnung.
Abb. 10.42: Implementation Lieferanten/Artikelpreise
Abb. 10.43: Implementation Artikel/Staffelpreise
Abb. 10.44: Implementation EK-Kondition.
Abb. 10.45: Bestellung in XML-Format
Abb. 10.46: Bestellung in UGL-Format.
Abb. 10.47: Implementierung Fehlermonitor Artikelstammdatenimport.
Abb. 10.48: Klassifikation von Referenzmodellen im Kontext des Handels
XIX
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tab. 2: Tab. 3: Tab. 4: Tab. 5: Tab. 6: Tab. 7: Tab. 8: Tab. 9: Tab. 10: Tab. 11:
Tab. 12:
Tab. 13:
XX
Definitionsverzeichnis
Definitionsverzeichnis
Definition 3.01: Handel. 17
Definition 3.02: Handelsunternehmen 18
Definition 3.03: Großhandel 18
Definition 3.04: Betriebstyp. 21
Definition 3.05: Handelsfunktionen. 21
Definition 3.06: Allgemeiner Prozess 24
Definition 3.07: Strategischen Unternehmensprozess 24
Definition 3.08: Wertschöpfungskette 26
Definition 4.01: Allgemeiner Modellbegriff. 46
Definition 4.02: Konstruktionsorientierter Modellbegriff 47
Definition 4.03: Modellierung 48
Definition 4.04: Information 49
Definition 4.05: Informationssystem 49
Definition 4.06: Informationsmodell 49
Definition 4.07: Informationsmodellierung 50
Definition 4.08: Referenzmodell. 52
Definition 4.09: Referenzmodellierung 53
Definition 5.01: Architektur. 68
Definition 5.02: Enterprise architecture. 68
Definition 5.03: Efficient Consumer Response 94
Definition 6.01: Geschäftsprozess 108
Definition 6.02: Ordnungsrahmen 117
Definition 6.03: Methode zur Konstruktion von Ordnungsrahmen 117
Definition 6.04: Akteur 125
Definition 6.05: Organisation (technischer Großhandelsunternehmen) 126
Definition 6.06: Informationsmanagement 128
Definition 7.01: Kondition. 138
Definition 7.02: Konditionssystem 138
Definition 7.03: Supply Chain Management 161
Definition 7.04: Supplier Relationship Management. 162
Definition 7.05: Customer Relationship Management. 162
Definition 8.01: System 183
Definition 8.02: Computergestütztes Informationssystem. 183
Definition 8.03: WebService. 192
XXI
1 Thematische Einführung
Die prozessorientierte und funktionale Gestaltung der Geschäftsprozesse stellt an die beteiligten Akteure und Unternehmen im technischen Großhandel ebenso wie an die eingesetzten Modelle und Methoden erhebliche Anforderungen. Das gilt vor allem unter dem Blickwinkel, dass Unternehmensgrenzen ihre klassische restriktive Bedeutung als Barrieren gegenüber der Umwelt verloren haben. Um den Anforderungen des Wettbewerbs auch weiterhin gerecht werden zu können, sind Unternehmen zunehmend auf Interaktion und Kooperation mit den Wirtschaftssubjekten außerhalb dieser Grenzen angewiesen. Der unternehmensübergreifende Austausch von Wirtschaftsgütern, Dienstleistungen und Wissen mit den Wirtschaftssubjekten entlang der Wertschöpfungskette und die gemeinsame Erstellung von Leistungen sind daher ins Zentrum betrieblicher Optimierungsbestrebungen zu stellen.
Technischer Großhandel: Potenzial und Wirklichkeit 1.1
Die Austauschbarkeit von Produkten zwischen Industrie und Großhandel sowie eine zunehmende Veränderung des Kundenverhaltens hinsichtlich abnehmender Treue und steigender Ansprüche nach besseren Service- und Dienstleistungen führen dazu, dass Innovationen (siehe Abb. 1.1) maßgeblich das vom Kunden wahrgenommene Profil eines Unternehmens in der Domäne des technischen Groß-handels gestalten [Gros94, S. 44 ff., BeSc04, S. 31 f., BeWi07, S. 13 ff.].
Abb. 1.1: Innovationschancen und -druck in Handel
Aus dem Bestreben der Unternehmen, die eingespielten Prozesse vorerst nicht zu verändern, wurden neue Anforderungen durch neu geschaffene organisatorische Einheiten wahrgenommen, die bei der Gestaltung der Prozesse weitgehende Freiheiten hatten. Nachteil dieses internen Handlungsspielraumes ist eine nur geringe Verzahnung der Wertschöpfung mit den strategischen Unternehmenszielen. Diese Versäumnisse in der organisatorischen Arbeit wurden frühzeitig erkannt (vgl. Sche92, S. 5, Sche98, S. 11, BeSc04. S. 3.), aber bisher nicht mit der notwendigen Konsequenz der konditionellen Marktdifferenzierung des technischen Großhandels in Angriff genommen. Es stellt sich also die Frage, wie der technische Großhandel besser, das heißt, effizienter und effektiver gestaltet werden kann. Um die Fragestellung wissenschaftlich zu beantworten, müssen alle Prozesse der Unternehmen betrachtet und diese Erkenntnisse in ein Unternehmensmodell für technische Großhandelsunternehmen überführt werden. Im Rahmen der Arbeit wird das Konzept der Referenzmodellierung aufgegriffen, mit denen sich durch die Verwendung von Modellen mit Referenzcharakter ein theoretisch fundierter und einheitlicher Rahmen bei der Prozessgestaltung schaffen lässt, der als Grundlage für die Ableitung von spezifischen Unternehmensmodellen dienen kann.
Thematische Einführung
Motivation und Problemstellung 1.2
Die Motivation dieser Arbeit entspringt praktischen Problemstellungen im technischen Großhandel. Durch bisherige Analysen und Ansätze der Gestaltung von Unternehmensstrukturen sowie den darin enthaltenen Abläufen vollzieht sich seit einigen Jahren ein Wandel von einer aufbauorientierten zu einer prozessorientierten Organisationsgestaltung. Ausgangspunkt dieses Wandels ist die zunehmende Erkenntnis darüber, dass der traditionelle, funktionsorientierte Aufbau von Unternehmen den heutigen Anforderungen, die sich verstärkt durch veränderte Markt- und Umweltumgebung für die einzelnen Unternehmen ergeben, gerecht werden.
Der technische Großhandel klassischer Prägung ist somit weiterhin in einer technologischen Meta-morphose, in der neue Organisationsformen, Abläufe und Verfahren des Handels erprobt und eingeführt werden müssen. Bemerkenswerterweise wurde dieser Wandel nicht konsequent fortgeführt. Diese Situation legt nun die Forderung nach einer systematischen unternehmensbezogenen Gestaltung und Optimierung der Handelsprozesse, nach der unternehmensübergreifenden Gestaltung der Beschaffung, nach der Standardisierung der auszutauschenden Geschäftsinformationen und nach einer Unterstützung der Beziehungen mit Geschäftspartnern nahe. Die Neugestaltung der Prozesse ist zugleich die notwendige Voraussetzung der Einführung von Informationssystemen.
Zum heutigen Zeitpunkt existieren im technischen Großhandel noch konzeptionelle Defizite, die betriebswirtschaftliche, wirtschaftsinformatisch- und informatikzentrierte Probleme betreffen. Somit ist der technische Großhandel aufgefordert, sein Profil durch Innovationen zu stärken. Die Steigerung der Innovationskraft wird zum unmittelbaren Wettbewerbsfaktor. Damit ergibt sich für diese Arbeit die Herausforderung, die Veränderungen von technischen Großhandelsunternehmen zu untersuchen, die sich beim Handel mit Produkten gegenüber dem klassischen Handelsgeschäft ergeben. Der technische Großhandel stellt daher aufgrund seiner Motivation, seiner Marktpositionierung und Strukturierung, seiner Ziele und Aktivitäten 1 andere Anforderungen an die Ausgestaltung des Geschäftsprozessmanagements (GPM) und der Informationstechniken (IT) als andere Handelskontexte. Bisherige Arbeiten beschränken sich auf einzelne Beiträge zu methodenbezogenen Aspekten, während die Verwendung der Modelle auf pragmatischer Ebene fehlschlägt. Durch die Ausweitung dieser Sicht werden erhebliche Verbesserungspotenziale durch eine Wiederverwendung und Verteilung der Handelsprozesse vermutet. Als fachlich, organisatorisch und informationstechnisch repräsentatives sowie gleichzeitig innovatives Beispiel wird in dieser Arbeit die Anwendungsdomäne des technischen Großhandels im Bereich Sanitär, Heizung, Klima (SHK) 2 herangezogen.
Über den Erfolg von Unternehmen in einer marktwirtschaftlichen Ordnung entscheidet letztendlich der Absatzmarkt. Das bedeutet, möglichst frühzeitig absatzmarktorientierte Anforderungen sowie deren Veränderungen zu erkennen und darauf zu reagieren. Von wissenschaftlicher Seite sind diese Bemühungen der Unternehmen durch die Entwicklung von neuen Methoden und Vorgehensweisen zur systematischen Analyse und Verbesserung der Geschäfts- und Dienstleistungsprozesse einschließlich der erforderlichen Konditionsprozesse und -funktionen zu unterstützen. Die Zielsetzung dieser Arbeit greift diese Notwendigkeit auf und erarbeitet Lösungsvorschläge für die systematische Konzeption, Implementierung und Verifikation eines Referenzmodells, das geeignet ist, sowohl die innerbetriebliche als auch die überbetrieblichen Geschäftsprozesse des technischen Großhandels zu verbessern. Dazu wird die Effektivität der organisationsbezogenen Wirkung von den Einkaufs- und Verkaufskonditionen in Zusammenhang mit kooperativen Beschaffungsprozessen in den Vordergrund gestellt.
1 Auf den Begriff der Aktivität wird in Abschnitt 5 detaillierter eingegangen. An dieser Stelle vorab der Hinweis, dass unter kooperativen Aktivitäten allgemeine (teil-)strukturierte Handlungen von Unternehmen und Akteuren verstanden werden.
2 Eine Charakterisierung der Domäne des technischen Großhandelsunternehmens im Bereich des Sanitär-, Heizung-, Klima-Großhandels (kurz: SHK-Großhandel) wird in Abschnitt 3 anhand einer Istanalyse vorgenommen.
2
Hierfür wird eine Modellierungsmethode vorgestellt, die die Prozessstruktur des Modells auf fachkonzeptioneller Ebene beschreibt. Für die Übertragung, der gewonnen Erkenntnisse sind, auf Grundlage des entwickelten Referenzmodells, unternehmensspezifische Modelle abzuleiten. Die inhaltliche Anwendung findet das Referenzmodell in der prototypischen Implementierung, in der Vernetzung der Wertschöpfungspartner, in der Beschreibung von technischen und organisatorischen Schnittstellen im technischen Großhandel, als Basis der Weiterentwicklung oder Einführung von Informationssystemen.
Forschungsdesign 1.4
Die vorliegende Arbeit entstammt dem Fachbereich der Wirtschaftsinformatik, einer anwendungsorientierten Wissenschaft im Sinne von [BeSc04, S. 21 f., Broc03, S. 12. f., Thom06, S. 2, FeLo07b, S. 1 f.]. Die von ihr behandelten Problemstellungen entstehen vorwiegend im Kontext der Unternehmen in der Praxis. Ihr verfolgtes Forschungsziel ist damit die Gestaltung der betrieblichen Wirklichkeit [MBKP04, S. 3]. Das Fortschrittskriterium ist die praktische Problemlösungskraft ihrer eingesetzten Modelle und Handlungsempfehlungen. Die Dissertation orientiert sich am Nutzen und kombiniert die wissenschaftliche Forschung mit der Praxis. Für das Forschungsdesign ist es zunächst notwendig, eine Methodik zu entwickeln, mit der die zugrunde liegende Logik für dessen Struktur und Inhalte expliziert wird, um die nachhaltige praktische Erkenntnisübertragung zu erleichtern.
Abb. 1.2: Elemente des Forschungsdesigns und deren Interdependenzen
Die Methode besteht einerseits aus der Darstellung der Struktur des Forschungsdesigns aus Abb. 1.2. andererseits aus einem Vorgehensmodell (vgl. Abb. 1.3), die den Rahmen der Erkenntnisgewinnung sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus praktischer Sicht darstellt. Durch das Vorgehensmodell wird eine wissenschaftstheoretische Positionierung vorgenommen, dass den Rahmen zur Erkenntnisgewinnung ausgestaltet und die Verfahren der Erkenntnisbildung formuliert.
Wissenschaftstheoretische Position
Für die Positionierung bzgl. des fundamentalen Erkenntnisvermögens werden naturwissenschaftliche Theorien und Erfahrungspraxis angesehen. Ein Objekt wird durch die begrifflichen Bemühungen des Subjekts unter Verwendung eines Unterscheidungssystems zum Gegenstand der Erkenntnis. Für die Erkenntnisgewinnung werden induktive und zum anderen deduktive Methoden eingeschlossen. Die Auswahl verpflichtet zur Explikation der fundamentalen Grundannahmen, um Erkenntnisse im Sinne nachvollziehbar zu machen. Dazu werden folgende grundlegende Annahmen eingeführt. Annahme 1: Es existiert einer Klasse von Unternehmen, die über gleiche oder ähnliche Merkmale verfügen, deren Wahrnehmung jedoch subjektiv gebunden ist.
Annahme 2: Es gibt kein Modell, das die Domäne hinsichtlich ihrer Gestaltung unterstützen kann. Annahme 3: Erkenntnisüberprüfungen können von einem Konsens zwischen einem wissenschaftlich-theoretischen und einem praktisch-anwendbaren Wahrheitsverständnis ausgehen. Die wissenschaftstheoretische Position bezieht sich daher auf die Erzielung eines Konsenses über die Gültigkeit von Erkenntnissen. 3
3 Vgl. z. B. NIEHAVES ET AL. [NRDH04, S. 4232 ff.] sowie BECKER und NIEHAVES [BeNi07, S. 197 f.].
Thematische Einführung
Rahmen der Erkenntnisgewinnung
Die Beschreibung des Rahmens der Erkenntnisgewinnung für diese Arbeit erfordert die Explikation des Forschungsziels sowie die Zuordnung von angewendeten Verfahren der Erkenntnisbildung sowie der benutzten Forschungsmethoden.
Forschungsziel: Entwicklung und Evaluation eines Informationsmodells zur Weiterentwicklung des technischen Großhandels in Rahmen der Referenzmodellierung.
Da Ziel lässt sich der technologischen Forschungsebene und entsprechend der Differenzierung nach BECKER ET AL. sowohl dem methodischen als auch dem inhaltlichen, funktionalen Forschungsauftrag der Wissenschaftsdisziplin zuordnen (vgl. Abb. 1.3). 4
Quelle: Eigene Darstellung, teilweise in Anlehnung an BECKER ET AL. [BHKN03, S. 314].
Abb. 1.3: Einordnung des Forschungsziels der Arbeit
Eine Präzisierung erfährt das Forschungsziel dahin gehend, dass eine Differenzierung der Forschungsfrage durch nachfolgende Thesen vorgenommen wird.
Die Referenzmodellierung unter der Einbeziehung von Interorganisationskonzepten kann im technischen Großhandel dazu führen, auf die Veränderungen am Markt zu reagieren und so organisationsbezogene Beiträge zur nachhaltigen Positionierung der Unternehmen zu leisten. Die Integration eines Konditionssystems wird dazu führen, die zunehmende konditionelle Differenzierung einheitlich in der Organisation zu etablieren und einen Beitrag zum nachhaltigen Unternehmenserfolg zu leisten.
Die Einnahme einer unternehmensübergreifenden Sichtweise, sowohl aus organisatorischer als auch informationstechnischer Perspektive heraus, leistet einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Unternehmen.
Der technische Großhandel kann seine Handelsaktivitäten am Markt insbesondere unter den kooperativen Aktivitäten durch den Einsatz von IT erheblich unterstützen und ausweiten sowie die Grenzen einer heterogenen Technisierung überwinden.
Zur Klärung der Thesen wird die methodische Vorgehensweise zur Entwicklung eines strategischen Geschäftsprozessmanagements und ihrer informationstechnischen Unterstützung (methodischer Auftrag) herangezogen. Zur wissenschaftlichen Fundierung werden die Organisations-, Daten-, Prozess-, Funktions- und Technisierungsmuster der Domäne einer detaillierten Analyse unterzogen. Dazu wird eine summative Gesamtbetrachtung der Domäne des technischen Großhandels vorgenommen, als auch die Spezifika z. B. des Konditionsmanagements einbezogen (inhaltlich-funktioneller Auftrag).
4 Vgl. BECKER ET AL. für die wissenschaftliche Grundlegung der Informationsmodellierung [BHKN03, S. 314 f.].
4
Durch ihren klaren Geschäftsprozessbezug der Arbeit und die im technischen Großhandel vermutete unstete Techniknutzung, -gestaltung und -ausstattung sind darüber hinaus Erkenntnisse zu erwarten, die auch für andere Bereiche der Informatik und Praxis relevant sind. Die zunächst domänenorientierte Perspektive der Untersuchungen ist daher kein Nachteil. 5 Zur Erreichung des Forschungsziels werden mehrere Untersuchungsschritte durchgeführt (vgl. Abb. 1.3). Anhand dieser wird der Forschungsprozess in verschiedene einzelne Aktivitäten zerlegt, woraus folgende Grobstruktur resultiert: (a) Theoretische und terminologische Grundlegung der notwendigen Grundlagen der Arbeit. (b) Analyse und fachliche Einordnung der Anwendungsdomäne des technischen Großhandels. (c) Entwurf des Referenzmodells zur Unterstützung des Geschäftsprozessmanagements und (d) eine Validierung und Verifikation der Ergebnisse hinsichtlich ihrer praktischen Anwendbarkeit und Implikationen auf die unterlegten Forschungsfelder.
Die zur Erkenntnisgewinnung involvierten Verfahren und die verwendeten Methoden können je anzustrebendem Teilziel bzw. auszuführender Aktivität während der Untersuchung variieren. Das ist darauf zurückzuführen, weil sich die Untersuchung dabei an wissenschaftlichen Methoden orientiert wird, die die Perspektiven der betrachteten Unternehmen, die Prozesse und Funktionen, die Datenstrukturen und die Organisation der Unternehmen in den Entwicklungsprozess und die Nutzung von moderner Informationstechnik sowie deren Wechselwirkungen mit einbeziehen. Die Darstellung des Forschungsprozesses als Vorgehensmodell dient in Rahmen der Arbeit der Konsolidierung des Forschungsrahmens der Erkenntnisgewinnung. Es wird ersichtlich, dass aufgrund des Forschungsziels die Zuordnung eines konkreten Verfahrens zur Erkenntnisbildung nicht möglich ist. Die notwendigen Verfahren werden zur Nachvollziehbarkeit von relevanten Erkenntnissen erst bei Instanziierung dieses Rahmens in der Arbeit eingeführt.
Fachliche Einordnung 1.5
Der Kontext des technischen Großhandels, der IT-unterstützt, kooperativ mit seinen Geschäftspartnern und strategisch am Markt agiert, lässt sich keinem informationstechnischen Forschungsgebiet zuordnen. Anhand der Forschungsziele finden sich jedoch Anknüpfungspunkte z. B. zu den Bereichen In-formatik, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftswissenschaften und Betriebswirtschaft sowie zur gestaltenden Softwaretechnik. Aus fachlicher Perspektive ordnet sich die Arbeit zunächst in die Sichtweise der Informatik als Gestaltungswissenschaft ein [Schü98, Sche99, Broc03, Rolf03, Fran07, Hrom07, Somm08, KGBA09]. Diese Perspektive umfasst auch die Auslegung der Organisations- und Wirt-schaftsinformatik, wie sie im Rahmen von Arbeiten, wie z. B. VOM BROCKE [Broc03, Broc07], BECKER und SCHÜTTE [BeSc04], THOMAS [Thom06a] sowie FETTKE und LOOS [FeLo07a] weiterentwickelt wurde. Erklärungs- und Gestaltungsmodelle beinhalteten die Betrachtung von Modellen und Kontexten sowie die Wechselwirkungen zwischen Organisationen und Informationstechniken. In Erweiterung werden Handelsunternehmen, das Geschäftsprozessmanagement und ihre Informationstechniken im betrieblichen und unternehmensübergreifenden Umfeld betrachtet. Gleichzeitig setzt sich die Untersuchung über diese Interpretations- und Erklärungsansätze hinaus vertiefter mit Methodiken der Unternehmensorganisation auseinander. Hierzu gehört auch ein Rückgriff auf die Methodik der Referenzmodellierung 6 , die die Gestaltungsansätze für fachliche, inhaltliche, organisatorische sowie informationstechnische Bestandteile verbindet. Untersuchungen werden grundsätzlich als methodisch und handlungsorientiert 7 begriffen. Dementsprechend werden neben theoretischen Überlegungen auch Literaturrecherchen für die Erkenntnisgewinnung für den Kontext sowie modellierende, gestaltende Verfahren zur charakterisierenden Verdichtung und als Unterstützungsangebot angewendet.
5 Zur Bewertung des Nutzens domänenspezifischer Untersuchungen. Vgl. z. B. KRABBEL [Krab00, S. 51 f.].
6 Die Methodik der Referenzmodellierung findet in der Wissenschaft eine breite Akzeptanz. Vgl. bspw. [Sche97, Rolf98, Schü98, HeSi02, Broc03, BeSc04, FeLo04c, Thom06a, Thom06b, FeLo07a] und die dort zitierte Literatur sowie die im Folgenden differenziert angegebenen Quellen.
7 Vgl. SCHÜTTE [Schü98, S. 10 f.] sowie den Ansatz des „Analyse- und Gestaltungsrahmens“ in [Pape05, S. 153 ff.], der Forschungs- und Gestaltungsinteressen umfasst.
Thematische Einführung
Aufbau der Arbeit 1.6
Die vorliegende Arbeit kombiniert die wissenschaftliche Forschung mit der unternehmerischen Praxis und strebt dadurch eine Generalisierbarkeit der Ergebnisse an. Somit ist eine auf wissenschaftlichen Methoden basierende, geeignete Forschungskonzeption erforderlich, um nachhaltige Verbesserungsmöglichkeiten der Unternehmensarchitektur als auch deren Validierung in der Praxis zu erreichen. Die Grundlage für den Aufbau dieser wissenschaftlichen Arbeit bildet das Forschungsdesign. Ausgehend von der praxisbezogenen Motivation, den verfolgten Zielsetzungen, den getroffenen Annahmen und der eingeführten Forschungskonzeption ist die Arbeit wie folgt aufgebaut. Den Ausgangspunkt der Arbeit bildet eine Unternehmensbefragung für die Feststellung des nutzerseitigen Bedarfs der Unternehmen in Abschnitt 2. Da in dieser Ausgangssituation ein Grundproblem bisheriger Gestaltungsansätze zu sehen ist, wird in Abschnitt 3 die Domäne anhand einer IST-Analyse konkretisiert. Die daraus abgeleiteten Anforderungen für die strategische Ausrichtung der Unternehmen bilden die theoretische Basis für die Gestaltung von Großhandelsprozessen. Im Weiteren der Arbeit bildet die Einführung des zentralen Modellbegriffs als Grundlage der Referenzmodellierung in Abschnitt 4. Über die Schaffung einer einheitlichen Terminologie hinaus ist zu klären, welchen Beitrag die Referenzmodellierung in Bezug auf die Gestaltung von technischen Großhandelsunternehmen leisten kann. Durch eine Präzisierung des Modellierungsbegriffs wird die sukzessive Ableitung wichtiger relevanter Begriffe für die Arbeit ermöglicht. Wesentliche Erklärungsansätze für die Unternehmensgestaltung sind in modellthe-oretischen Erkenntnissen zu suchen. Im bisherigen Forschungsstand der Wirtschaftsinformatik ist weitgehend unklar, welche Ansätze der Referenzmodellierung zur Gestaltung von technischen Groß-handelsunternehmen existieren. Der Abschnitt stellt zugleich die Grundlage für den Lösungsansatz der Arbeit dar und ist unmittelbare Voraussetzung für das Verständnis der Abschnitte 6, 7 und 8. In Abschnitt 5 werden Beiträge im State of the Art der Referenzmodellierung untersucht, um eine differenzierte Lokalisierung von Gestaltungspotenzialen zu ermöglichen, die zugleich den Spezifika der Unternehmen gerecht werden. Die Gestaltungsparameter für Unternehmen des technischen Großhandels aus Abschnitt 3 in Verbindung mit den durch die Referenzmodellierung gegebenen Zielsetzungen bieten hierzu eine wissenschaftliche und systematische Beurteilungsgrundlage. Die Untersuchungsergebnisse zeigen konkrete Ansatzpunkte zur Neugestaltung von technischen Großhandelsunternehmen auf, die Potenziale freisetzen können, die mit bisherigen Ansätzen nicht gegeben sind. Aus den einzelnen Betrachtungen ergibt sich gleichzeitig eine Motivation zur Erstellung eines neuen Referenzmodells. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse wird in Abschnitt 6 eine Grobkonzeption für die Gestaltungsunterstützung der Anwendungsdomäne entworfen, welches diese charakterisiert und ein Vorgehensmodell zur Entwicklung von unternehmensspezifischen Anwendungsmodellen umfasst. Der Kern des entwickelten Referenzmodells wird in Abschnitt 6 anhand von Teilmodellen dargestellt, das um Anwendungs- und Nutzbarkeitsaspekte ergänzt wird. Die Wiederverwendung von Bestandteilen wird hierbei über ein heuristisches Klassifizierungs- und Suchverfahren unterstützt, das im Rahmen einer tabellarischen Prozess- und Funktionsbeschreibung bereitgestellt wird. Das entworfene Modell trägt gleichzeitig der erhobenen Forderung nach einer praktischen Nutzbarkeit von Referenzmodellen Rechnung, indem in Abschnitt 8 eine prototypische Umsetzung aufgezeigt wird. Abgerundet wird die Umsetzung durch die Beschreibung einer softwaretechnischen Rahmenarchitektur, die als wesentliches Hilfsmittel zur ganzheitlichen IST-Analyse und Neugestaltung sowie zur zielgerichteten Nutzung von betrieblichen Informationssystemen dienen kann. Dazu werden system- und methoden-theoretische Grundlagen und wesentliche Gestaltungsschwerpunkte über Softwarearchitekturen in den Mittelpunkt gestellt. Abschnitt 9 dient zur Bewertung des vorgeschlagenen SHK-Referenzmodells. Zu diesem Zweck werden die erarbeiten Gestaltungsvorschläge und die Modellanwendbarkeit undnutzbarkeit bewertet. Die Betrachtung von Teilmodellen wird ebenso wie die normierenden Aspekte des Referenzmodells als Grundlage zur Bewertung der Forschungsfragen herangezogen. Darüber hinaus erfolgt eine Einordnung des Referenzmodells in Systematiken und eine Validierung in der Praxis, um den wissenschaftlichen Stellenwert zu unterstreichen. In Abschnitt 10 werden die erarbeiteten Erkenntnisse und Gestaltungsergebnisse der Arbeit zusammengefasst und Ansatzpunkte für weitere Forschungsarbeiten aufgezeigt. Eine kritische Bewertung der in der Arbeit erzielten Ergebnisse sowie Schlussfolgerungen für die Praxis schließen die Arbeit ab.
6
2 Befragung in der Praxis
Im betrieblichen Kontext nehmen die Geschäftsprozesse eine wichtige Rolle ein, die die Unternehmen abhängig von weitgehend objektiven Vorgaben (z. B. Gesetzesvorschriften) ausführen müssen und die nur teilweise Spielraum für subjektive Interpretationen lässt. Die Rolle wiederum wird durch den Betriebstyp, die Branche und die Lebensphase des Unternehmens (z. B. Gründung, Restrukturierung, Internationalisierung, Sanierung) bestimmt. Aus dem jeweiligen Anwendungsbereich in Theorie und Praxis ergeben sich sehr unterschiedliche Sachverhalte, da verschiedene Softwarelösungen jeweils nur die für sie relevanten Elemente verwenden. Die Einführung von Referenzmodellen, die verschiedene Aspekte kombinieren, gestattet eine effizientere Nutzung der im Unternehmen vorhandenen Systeme, da Teilkomponenten wieder verwendet werden können. Zudem können Schwachstellen und zukünftige Entwicklungsbedarfe des Unternehmens einfacher analysiert und unterstützende Maßnahmen ergriffen werden.
Für die Bewertung von Unterschieden zwischen praktischer Anwendung und den State of the Art ist es erforderlich, herauszufinden, ob Abweichungen gegenüber dem Ausgangsszenario - der praktischen Unternehmensorganisation - an geänderten Nutzungsprofilen liegen oder anlagenseitig bedingt sind. Dazu wird eine Expertenumfrage in der Domäne durchgeführt, die Unternehmensprofile einbezieht, denn nur so kann im fundiert Aussage über die Vergleichbarkeit mit den Bedarfswerten erfolgen.
Zielsetzung und Forschungsdesign der Befragung 2.1
Ziel der Befragung war die Gewinnung von vertieften Kenntnissen über die Anwendbarkeit, den zu erwarteten Nutzen und die Entwicklungsperspektiven für die Übertragung eines Referenzmodells in die Domäne des technischen Großhandels. Insbesondere sollten - über die Ergebnisse der Ist-Situation der Unternehmensorganisation hinaus - detaillierte Informationen über die unternehmensbezogene Nutzbarkeit, Weiterentwicklungstrends sowie über die Gültigkeit der Modelle erhoben werden. Die Umfrage in der Domäne setzt neben der Verfügbarkeit von Hard- und Softwaresystemen und Nutzung von Informationstechnologien auch organisations- und informationstechnische Kenntnisse und vor allem die Bereitschaft zu kooperativem Handel voraus. Auf diese Weise können Ergebnisse erzielt werden, die sowohl individuelle Bedürfnisse befriedigen als auch den gemeinschaftlichen Zielen der Unternehmen entgegenkommen. Anhand der Untersuchung soll ermittelt werden, ob und in welchen Maß die Zielsetzung der Arbeit dazu beitragen kann, die Unternehmen zukunftsorientiert und nachhaltig weiterzuentwickeln. Die befragten Bereiche sind neben sozialdemografische Daten zum jeweiligen Unternehmen, auch die Größe, die Umsätze, etc., sowie die Sortimentsbreite und die Markttiefe, der Techniknutzung, der Technikausstattung und Kenntnisse über Informationssysteme und Internet, Marketingstrategien und Strategien zur Kundenbindung, des Bestell- und Kooperationsverhaltens in unternehmensübergreifenden, IT-gestützten Beschaffungsprozessen, die Nutzenbewertung sowie die zu erwartenden Veränderungen durch die konsequente Anwendung eines Referenzmodelle.
Zeitlicher Ablauf der Befragung 2.2
Bei der Befragung handelt es sich um eine Primärerhebung, da vergleichbare Untersuchungen in den befragten Unternehmen nicht durchgeführt oder nicht veröffentlicht worden sind. Andere unternehmen, akteurs- und IT-zentrierte Befragungen zu kooperativen und nachhaltigkeitsorientierten Beschaffungsprozessen andere Branchen sind bekannt. Da nur ein Teil der Unternehmen angesprochen wurden, ist die Befragung als Teilerhebung einzustufen. Es wird davon ausgegangen, dass die befragten Unternehmen eine repräsentative Menge darstellen und die Ergebnisse auf die Grundgesamtheit der Unternehmen bezogen werden kann. Tab. 1 zeigt den zeitlichen Ablauf der Untersuchung. Die Befragung wurde mit standardisierten Fragebögen (vgl. Abb. 10.1 bis Abb. 10.10 im Anhang), die den Unternehmen ausgedruckt zur Verfügung standen, durchgeführt.
Befragung in der Praxis
Tab. 1: Ablauf der Befragung
Die Dateneingabe, der durch die Teilnehmer der Umfrage gegeben Antworten erfolgte in eine format-konforme Excel-Tabelle. Die Eingaben wurden mittels Vergleichsprogrammen in ihrer Richtigkeit überprüft. Nach entsprechender Kategorisierung der Angaben erfolgte die Erstellung der Auswertung.
Durchführung der Unternehmensumfrage 2.3
Den Umfang an Unternehmen, die als Ausgangsbasis für die Unternehmensbefragung dienten, wurden durch die Einwilligung der Unternehmen zur Teilnahme an der Befragung ermittelt. Hierzu sind mehrere Unternehmen angesprochen wurden, zu denen teilweise persönliche Kontakte bestehen bzw. die ihre Teilnahme schon auf einem vorausgegangen Mitgliedertreffen der Branche, signalisiert haben. Insgesamt haben 49 von 60 angefragten Unternehmen den Fragebogen beantwortet, von den 37 verwendbar sind. Die Ergebnisse, die entsprechend dem Aufbau des Fragebogens wiedergegeben werden, werden im Folgenden dargestellt.
Umfragezeitraum : 25. Mai 2009 bis 26. Juni 2009
Methode : Umfrage per Fragebogen
Ausgefüllte Fragebögen
Vollständige Fragebögen
Verwendbare Fragebögen
Falls nicht anders angegeben, beziehen sich anteilige Ergebnisse immer auf die 37 Unternehmen, welche den Fragebogen vollständig und in einer verwendbaren Form beantwortet haben.
8
2.3.1 Allgemeines
Es wurden allgemeine Daten von den befragten Unternehmen erhoben, die zur Charakterisierung der Unternehmen dienen und somit Rückschlüsse über den Gehalt und das Ziel der Studie zulassen. Position der Teilnehmer
Position des in Stellvertretung für das Unternehmen teilnehmenden Personenkreises.
Unternehmensgröße
Die Unternehmensgröße der Unternehmen liegt im arithmetischen Mittel bei 27,2973 Beschäftigten.
Umsatzvolumen
Das Umsatzvolumen der Unternehmen liegt im arithmetischen Mittel gerundet bei 8,1 Millionen Euro.
Sortimentsbreite
Die Sortimentsbreite der Unternehmen liegt hauptsächlich in den Bereichen Sanitär und Heizung und wird nicht wie erwartet durch Klima ergänzt, sondern durch Stahlsortimente ergänzt.
Markttiefe
Die Markttiefe der Unternehmen ist als überregional (Umkreis größer 25 km) einzuschätzen. Hierbei waren Mehrfachnennungen im Bezug auf Lieferungen in Staaten außerhalb der Bundesrepublik möglich.
Die Angaben mit Ausland bzw. europaweit stellen Mehrfachnennungen im Bezug der Lieferungen dar. Hierbei ist von einer ständigen Handelsbeziehung (mindestens 5 Lieferungen pro Kunde und Jahr) ausgegangen worden, dass bedeutet, dass einzelne Lieferungen zwar möglich sind, werden aber nicht statistisch erfasst.
Befragung in der Praxis
2.3.2 Technik
Vorrangiges Ziel dieses Teils der Studie ist das Aufzeigen von Spielräumen für die Gestaltung effektiver und effizienter wie auch unternehmensübergreifender wünschenswerter Integration von Informationstechnologien in den Unternehmen und - soweit wie möglich - auch der gegenwärtigen Weiterentwicklung. Themenbereich ist der Einsatz moderner Informationstechnologien zur Unterstützung der Geschäftsaufgabe. Hierbei werden Fragen auf drei inhaltlichen Ebenen - bzw. vom Ablauf her betrachtet: Techniknutzung, Technikausstattung und Kenntnisstand.
Im Sinn einer Technikfolgenabschätzung wird der Istzustand erhoben, ausgewertet und aufbereitet.
Techniknutzung
Die Techniknutzung der Unternehmen stellt den Grad der Technisierung dar und liegt im mittleren bis hohen Bereich.
Technikausstattungen der Unternehmen
Die Technikausstattung der Unternehmen stellt das Alter der Hard- und Software verallgemeinert dar.
IT-Kenntnisse
Der Kenntnisstand der Unternehmen im Bezug auf IT kann als mittelmäßig eingeschätzt werden.
IT-Reichweite
Die Reichweite der IT-Anwendung stellt die Zielfokussierung der Applikation in den Mittelpunkt und kann als unternehmensweit eingeschätzt werden. Problembezogene Applikationen stellen hierbei Einzelanwendungen dar, die ergänzend innerhalb des jeweiligen Unternehmens oder Unternehmensver-bund eingesetzt werden (z. B. Planungsprogramme).
10
2.3.3 Marketing-, Beschaffungs- und IT-Strategien
Vorrangiges Ziel dieses Teils der Studie ist die Einschätzung von zukünftigen Anforderungen, die gegenwärtig bzw. kurzfristig auf die Unternehmen wirken. Bei der Einschätzung waren Mehrfachnennungen möglich.
Abb. 2.1: Identifizierte zukünftige Anforderungen
Wo sehen die Unternehmen die Problembereiche in der Unternehmensstrategie. Bei der Beantwortung waren Mehrfachnennungen möglich.
Abb. 2.2: Identifizierte Problembereiche der Unternehmen
Befragung in der Praxis
Im Mittelpunkt stand die Erhebung von Themen im Bezug auf gegenwärtige bzw. mittelfristige IT-Strategien. Bei der Beantwortung waren Mehrfachnennungen möglich.
Abb. 2.3: IT-Strategien der Unternehmen
Im Mittelpunkt stand die Erhebung von Aussagen über die Kooperationsstrategien, die durch die Unternehmen gegenwärtig bzw. mittelfristig verfolgt werden. Bei der Beantwortung waren Mehrfachnennungen möglich.
Abb. 2.4: Kooperationsstrategien der Unternehmen
12
Im Mittelpunkt der Erhebung stand die Fragestellung darüber, ob der Einsatz von Modellen dazu beiträgt, unternehmensspezifische Modelle zu entwickeln, die zur Problemlösung beitragen können.
Abb. 2.5: Einschätzung des Nutzens von Referenzmodellen durch die Unternehmen
Im Mittelpunkt der Erhebung standen Aussagen darüber, in welchen Unternehmensbereichen der Einsatz von Modellen durch die Unternehmen als zweckmäßig erscheint und als zielführend zu bezeichnen ist. Bei der Beantwortung waren Mehrfachnennungen möglich.
Abb. 2.6: Einschätzung über Einsatzbereiche zu Referenzmodellen in den Unternehmen
Befragung in der Praxis
Im Mittelpunkt der Erhebung standen Aussagen darüber, wie der Nutzen durch die Unternehmen im Bezug auf die Anwendung eines Referenzmodells für die Domäne (kurz: SHK-Referenzmodell) eingeschätzt wird. Bei der Beantwortung waren Mehrfachnennungen möglich.
Abb. 2.7: Einschätzung des Nutzens durch das SHK-Referenzmodell für die Unternehmen
Im Mittelpunkt der Erhebung standen Aussagen darüber, wie der Nutzen durch die Unternehmen im Bezug auf die adaptive Entwicklung eines Referenzmodells für die Domäne eingeschätzt wird. Bei der Beantwortung waren keine Mehrfachnennungen möglich.
Abb. 2.8: Einschätzung der Entwicklung des SHK-Referenzmodells
Im Mittelpunkt der Erhebung standen Aussagen darüber, ob die Unternehmen die Ergebnisse aus der Entwicklung eines Referenzmodells für die Domäne umsetzen werden. Bei der Beantwortung waren keine Mehrfachnennungen möglich.
14
Abb. 2.9: Einschätzung der Wahrscheinlichkeit für die Übertragung der Ergebnisse
Für die Beurteilung stand dem befragten Unternehmen, Definitionen wichtiger Begriffe in Kontext sowie wichtige Erläuterung zur Referenzmodellierung und der verwendeten Modellierungssprache zur Verfügung.
Eine quantitative Bewertung der Nützlichkeit aus der Modellanwendung, beispielsweise hinsichtlich des zeitlichen Modellierungsaufwandes eines einzelnen Unternehmens, wurde nicht durchgeführt, da die Wirkungen dieser Faktoren nur mit erheblichem Aufwand isoliert werden können. Beispielsweise würde eine solche Abschätzung nicht nur durch ein methodisches Modellierungsvorgehen, sondern auch durch die Vorkenntnisse der Mitarbeiter, die Modellierungsziele, die Prozessreife im Unternehmen unter anderen beeinflusst, die Ergebnisse einer solchen Bewertung wären deshalb nur eingeschränkt aussagekräftig.
Detaillierte Ergebnisse der Unternehmensbefragung 2.4
Im Rahmen der Umfrage von unterschiedlichen Unternehmen konnte ein wesentlicher Unterschied in der verfügbaren Infrastruktur festgestellt werden. Darunter ist die IT-Reichweite mit entsprechender Vernetzung der Geschäftsprozesse zu verstehen. Die Spannweite reicht hier von einer bereichsbezogenen über einer unternehmensweiten Infrastruktur, bis hin zu einzelnen unternehmensübergreifenden Vernetzungen der Unternehmen. Entsprechend unterschiedlich fielen die Antworten in Bezug auf die Anwendbarkeit von Informationssystemen und computergestützter Kommunikationsmöglichkeit aus. Auf der anderen Seite konnten besonders gut die Probleme bei der Umsetzung von Globalisierungstendenzen und Verbesserungspotenziale der zum Einsatz gekommenen Systeme und Unternehmensstrategien identifiziert werden. Obwohl die strategische Ausrichtung der Geschäftsprozesse in der Praxis bislang noch nicht sehr häufig eingesetzt wird, gewinnt sie zunehmend an Bedeutung. Für die Weiterentwicklung der Unternehmensarchitektur gibt es verschiedene Gründe: Veränderung der Wertschöpfungsstruktur, Veränderung der Marktdifferenzierung, Veränderung der Kostenstruktur, Vermeidung strategischer Fehlsteuerungen.
Die Veränderung der Wertschöpfungsstruktur wurde in den letzten Jahren unter anderem durch die rasch fortschreitende Globalisierung des Marktes stark vorangetrieben. Dadurch sind viele Unternehmen dazu aufgefordert, die Unternehmensorganisation flexibler zu gestalten und die Fokussierung der Nutzung der Informationssysteme unternehmensübergreifend einzusetzen, um so den gewandelten Marktgegebenheiten und Kundenbedürfnissen nach komplexeren und variantenreicheren Produkten Rechnung zu tragen. Die traditionellen Geschäftsprozesse, welche bisher im Unternehmen existieren, verlieren durch diese Entwicklung an Einfluss. Ein Ausweg, um den veränderten Gegebenheiten am Markt Rechnung zu tragen, schätzen die Unternehmen in der Integration von Strategien der Unternehmenskooperation ein. Dieses wird nicht nur in der Unternehmensorganisation, sondern auch in dem direkten Beziehungsmanagement zwischen den Handelsunternehmen und seinen Geschäftspartnern immer wichtiger.
Befragung in der Praxis
Als Katalysatoren für den Wandel hin zu einer neuen Prozessorganisation im Handelsunternehmen, identifizieren die befragten Unternehmen als Problembereiche, das Konditionsmanagement, den Einkauf, den Verkauf und das Supply Chain Management. In diesem Zusammenhang stellt sich für die befragten Unternehmen zwangsläufig die wichtige Frage, welche wissenschaftlich begründeten Möglichkeiten existieren, um etablierte Geschäftsprozesse flexibler und unternehmensübergreifend zu gestalten und umzusetzen.
Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der durchgeführten Umfrage mit Experten aus mehreren technischen Großhandelsunternehmen ganz klar auf, dass einerseits die unternehmensübergreifende Wertschöpfung und andererseits das Management von Einkaufs- und Verkaufskonditionen zu einem immer wichtigeren Aspekt, in der Gestaltung der Unternehmensorganisation wird. Dieser nutzerseitige Bedarf durch die Unternehmen wird in Rahmen dieser Arbeit zum Anlass genommen, wissenschaftliche Untersuchungen in der Domäne durchzuführen und Möglichkeit für die prozessorientierte Gestaltung von Abläufen im Kontext des Konditionsmanagements zu entwickeln. Prozessorientierung bedeutet das Denken und Handeln einer Organisation in miteinander kooperierenden Geschäftsprozessen. Das setzt eine Integration von unterschiedlichen Geschäftspartnern, also die Durchgängigkeit des eigenen Geschäftsprozesses über die jeweiligen Unternehmensgrenzen und Organisationsbereiche hinweg, voraus. Ein weiterer wesentlicher Aspekt, der innerhalb der Prozess-orientierung berücksichtigt werden muss, stellt die Optimierung von wertschöpfenden Prozessen, in Zusammenhang mit Interorganisationskonzepten, dar.
Zusammenfassung 2.5
In diesem Abschnitt wurden die Ergebnisse aus einer Umfrage mit Experten aus mehreren Unternehmen unter Berücksichtigung aktueller und zukünftiger praktischer Problemstellungen detailliert dargestellt. Sie umfassen detaillierte Befragungsergebnisse über die Beurteilung des Bedarfs und der Nutzbarkeit für die Unternehmen. Damit werden die Gestaltung und die Anpassung von Informationssystemen, für die Unternehmen, zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. In der Theorie sind für derartige Probleme Referenzmodelle einzusetzen, in denen repräsentative Geschäftsprozesse so beschrieben werden, dass sie für Modellerstellungsprozesse von Informationsmodellen wieder verwendet werden können.
Für das weitere Vorgehen, in Rahmen dieser Arbeit, ist in einem ersten Schritt der Ist-Zustand im Handelsumfeld und innerhalb der Unterorganisation zu analysieren. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse sind Gestaltungsbeiträge gefragt, die das Entwicklungsvorhaben in Rahmen der Arbeit unter Berücksichtigung ihrer ökonomischen Konsequenzen unterstützen. Auf dieser wissenschaftlich fundierten Grundlage können ein Bezugsrahmen und spezifische Handlungsoptionen für die Domäne entwickelt werden und konkrete Schwerpunkte für die Weiterentwicklung der Unternehmensarchitektur abgeleitet werden. In einem zweiten Schritt ist der State of der Art der Unternehmensmodellierung im Kontext des technischen Großhandels zu analysieren. Der Bezugsrahmen liefert die Grundlage zur Beurteilung des Entwicklungsstands der Referenzmodellierung, die in typischen Problemfeldern zusammengefasst werden. Auf diese Weise wird das Potenzial zur Gestaltung von technischen Großhandelsprozessen in der Referenzmodellierung aufgedeckt.
In einem dritten Schritt sind konkrete Gestaltungsansätze und Umsetzungsstrategien für die Domäne zu erarbeiten. Dazu strebt die Arbeit eine nachhaltige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und Prozessqualität durch Ausrichtung der Geschäftsprozesse auf die Kundenbedürfnisse an. Dies betrifft insbesondere die spezifischen Prozesse mit unmittelbaren Kundeninteraktionen und das Management von Konditionen. Die praxisorientierte Struktur der Arbeit wird dazu ergänzt durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung zu Hintergrund und Nutzen der Referenzmodellierung und den zukünftigen Anforderungen an die Unternehmensgestaltung des technischen Großhandels.
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3 Analyse des technischen Großhandels
Aufgrund des eingeführten Forschungsrahmens dieser Arbeit werden die Wissenschaftsgebiete Wirtschafts-, Organisationsinformatik sowie Softwaretechnik tangiert, wodurch die Arbeit einen inter- und transdisziplinären Charakter erfährt [HeSi02, Broc03, BeSc04, FeLo07b]. Gemäß diesem erfordert die, im einführenden Abschnitt, aufgeworfene Fragestellung eine transdisziplinäre Herangehensweise und die Nutzung disziplinübergreifender Methoden. 8 Durch die nicht erhebliche Anzahl an verfügbaren domänenbezogenen Forschungsergebnissen wird in diesem Abschnitt zunächst die primär anvisierte Domäne anhand einer Istanalyse genauer charakterisiert. Damit liegt der Schwerpunkt dieses Abschnitts in der Klärung zentraler Begriffe der Arbeit. Darauf aufbauend wird eine Eingrenzung des Handels auf den Untersuchungsbereich des Sanitär-, Heizung- und Klimagroßhandel, im Folgenden als technischen Großhandel bezeichnet, vorgenommen. Dadurch soll insbesondere ein zweckmäßiger Bezugsrahmen für die Analyse und die spätere Entwicklung des Referenzmodells geschaffen werden. Bezogen auf den Forschungsgegenstand der vorliegenden Arbeit sind zum einen die Begriffe Handel, Handelsstrukturen, Handelsprozesse und Handelsfunktionen, sowie wichtige organisationsbezogene Aspekte des Konditionsmanagements als Zielobjekte der wissenschaftlichen Betrachtung zu klären. Zum anderen sind Gestaltungsparameter technischer Großhandelsprozesse (Abschnitt 3.4) und vor allem der einzelnen Geschäftsarten des technischen Handels als Gestaltungsbereich von Handelsunternehmen (Abschnitt 3.5) detaillierter zu untersuchen. Den Abschluss des Abschnitts bilden die Herausstellung der Spezifika technischer Großhandelsunternehmen und zum anderen die Definition von Ent-wicklungsgrundsätzen an die zukünftige referenzmodellgebundene Unternehmensarchitektur durch die eigene Arbeit. Abschließend wird jeweils der aktuelle Forschungsstand der benannten Forschungsgebiete vorgestellt und gegenüber dem Untersuchungsrahmen eingeordnet und abgegrenzt (Abschnitt 3.7). 9 Hieraus ergibt sich auch die Begründung, warum bestehende Referenzmodelle und Konzepte zur informationstechnischen Unterstützung der Anwendungsdomäne nicht ausreichen und daher die Entwicklung eines neuen Referenzmodells notwendig ist. Daneben sind Erkenntnisse zu erwarten, die eine Rückkopplung auf die zugrunde liegenden Forschungsperspektiven schließen lassen.
Terminologische und konzeptionelle Grundlegung 3.1
Handelsunternehmen sind charakterisiert durch die zeitliche und räumliche Überbrückungsfunktion, die sie zu erfüllen haben. Es gibt in Deutschland derzeit etwa 500.000 Handelsbetriebe mit ca. 4,3 Millionen Beschäftigten, die als Groß- oder Einzelhandel, Binnen- oder Außenhandel, ein- oder mehrstufiger Handel, filialisierender oder kooperierender Handel, unternehmergeführter oder managementgeführter Handel, stationärer Handel oder Versandhandel charakterisiert werden. Differenzierter z. B. durch die handelbaren Artikel, die Vertriebsformen, die Einkaufsformen, die Unternehmensgröße, die Warenpräsentation und weitere Kriterien. Demnach lässt sich der Handel wie folgt definieren.
Definition 3.01: Handel
Im funktionellen Sinne versteht man als Handel den Austausch von Waren und Dienstleitungen zwischen zwei oder mehreren Wirtschaftspartnern. Die einzelnen Prozesse des Handels werden in einem Warenwirtschaftssystem abgebildet, das den Waren- und In-formationsfluss in einem Handelsunternehmen mengen- und wertmäßig darstellt und steuert. Demgegenüber stellt der Handel im institutionellen Sinne einen Verbund von Unternehmen dar, die den Warenaustausch ohne nennenswerte Be- und Verarbeitung der Waren vornehmen.
8 Vgl. hierzu die Einschätzungen unter anderem von ROLF [Rolf98], FRANK [Fran04] BECKER und SCHÜTTE [BeSc04], die bereits für das Feld der Wirtschaftsinformatik Methodenpluralismus einfordern. HEINRICH und SINZ [HeSi02, S.
1037] weisen auf den Charakter der Wirtschaftsinformatik als „Integrationsdisziplin“ hin. Diese Forderung lässt sich auf die Informatik übertragen.
9 Zur weiteren Detaillierung der verwendeten empirischen Methodik innerhalb der Arbeit siehe hierzu die Ausführungen in Abschnitt 4.
Analyse des technischen Großhandels
Unter Handel wird im Folgenden ausschließlich der Handel mit beweglichen Sachgütern (Warenhandel), nicht aber der Handel mit vermögensrechtlichem (Finanzhandel) oder unbeweglichen Sachgütern (Immobilienhandel) verstanden. In jüngerer Zeit führen Industrieunternehmen zunehmend vermehrt die Tätigkeit des Handels aus, während es sich beim institutionellen Handel nur um reine Handelsunternehmen bezieht. Um eine eindeutige Abgrenzung zu finden, muss das Handelsunternehmen charakterisiert werden.
Definition 3.02: Handelsunternehmen
Ein Handelsunternehmen ist ein Unternehmen, welches Produkte auf eigene Rechnung einkauft und diese ohne Be- oder Verarbeitung weiterverkauft. Dabei ist zwischen Groß-und Einzelhandelsunternehmen zu unterscheiden. Großhandelsunternehmen haben zumeist gewerbliche Nachfrager als Kunden. Die Kunden von Einzelhandelsunternehmen dagegen sind private Endverbraucher.
Bevor der technische Großhandel als Anwendungsdomäne im Detail charakterisiert werden kann, stellt sich zunächst die Frage, was ihn in der Gemeinschaft des Handels im Allgemeinen kennzeichnet. Die Gemeinschaft des Handels ist meist durch eine längerfristige Geschäftspartnerschaft zwischen Hersteller, Großhandel und Kunden sowie durch persönliche Bindungen charakterisiert. Insofern ist jede Gemeinschaft eine Gruppe mit spezifischen Eigenschaften im Bezug auf die Handelstätigkeit und deren Ziele.
Das eingeführte Verständnis der Begriffe Handel und Handelsunternehmen wird für die folgende Untersuchung der Domäne zugrunde gelegt. Zur genaueren Beschreibung und Eingrenzung der Anwendungsdomäne dient die folgende Arbeitsdefinition. Sie beruht auf Beobachtung und Analyse, subjektiver Abgrenzung sowie einschlägiger Literatur. 10
Definition 3.03: Großhandel
Der Großhandel umfasst alle Aktivitäten des Verkaufs von Gütern und Dienstleistungen zum Zweck des Wiederverkaufs oder Einsatzes in einem Unternehmen, sofern diese den Hauptgeschäftsgegenstand des Unternehmens darstellt. Die Beschaffung und der Weiterverkauf von Waren erfolgen an Wiederverkäufer (z. B. Einzelhandel) und/oder Weiterverarbeiter (z. B. Industrie und Handwerk) sowie sonstige Verarbeiter oder andere Großverbraucher (z. B. Behörden, Institutionen), wobei diese hierbei nicht oder nur minimal be- oder verarbeitet werden.
Im Weiteren wird der Großhandel sowie seine Unternehmensorganisation bezogen auf die Zielstellung der Arbeit charakterisiert.
Unternehmen mit Großhandelscharakteristik zeichnen sich durch ihre besondere Stelle innerhalb des Marktes aus. Sie sind geprägt durch die Wahrnehmung zeitlicher Überbrückungs-und Verteilungsfunktionen. Darüber hinaus führen sie weitere Funktionen am Markt aus, wie z. B. die Sortimentsgestaltung. 11
Einzelne Großhändler sind zunehmend durch einen institutionellen Zusammenschluss in Verbänden organisiert. Mit diesem Schritt soll zum einen die marktbeherrschende Stellung des Unternehmens nachhaltig gefestigt und zum anderen eine bessere Stellung gegenüber den Herstellern gesichert werden.
Großhandelsunternehmen sind vorwiegend mittelständig und intrinsisch zu gemeinschaftlichen Aktivitäten und zur Umsetzung gemeinschaftlicher Ziele motiviert. Im Unterschied zu anderen Branchen nehmen Großhandelsunternehmen eine aktive Rolle innerhalb der Wertschöpfungskette ein und ist daher professioneller Natur. Die Ziele von Großhandelsunternehmen und ihrer Akteuren sind ökonomischer, informationstechnischer und bisweilen auch gesellschaftlich-politischer Natur.
10 Vgl. z. B. exemplarisch SCHENK [Sche05, S. 19 ff.] auch ZENTES ET AL. [ZHPC07, S. 11 f.].
11 Vgl. hierzu auch die Ausführungen zu den makroökologischen Handelsfunktionen in Abschnitt 3.3 dieser Arbeit.
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Arbeit zitieren:
Dr.-Ing. Andreas Pescholl, 2010, Adaptive Entwicklung eines Referenzmodells für die Geschäftsprozessunterstützung im technischen Großhandel, München, GRIN Verlag GmbH
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