Hörer zum totalen Krieg aufzurufen. Des Weiteren lobpreist er die Stärke des deutschen Volkes. Im dritten Abschnitt (Z 42 - 85) vor dem eigentlichen Kern seiner Rede, den zehn Fragen, stellt er das Frage-‐ Antwort-‐ Prinzip und die als Vertretung des deutschen Volkes anwesenden verschiedenen Volksgruppen, wie z. B. Arbeiter, Kriegsverletzte, etc. vor. Im nun folgenden Teil (Z 86 - 146) stellt Goebbels den Anwesenden zehn auf den Krieg bezogene Fragen, denen allen mit größter Euphorie zugestimmt wird. Im Schlussteil (Z 147 - 181) fasst er den Inhalt der zehn Fragen zu einem Gelöbnis auf den Führer und mit einem Einschwören auf den totalen Krieg zusammen und schließt seine Rede mit der Parole: „Nun Volk steh auf und Sturm brich los!“
Seine ersten fünf Fragen leitet Goebbels mit „Die Engländer behaupten, …“ ein und bedient sich damit der Manipulationsmethode des Hörers, indem er den Gegner isoliert. Die Engländer repräsentieren die im Atlantik militärisch dominierende Gewalt, die Alliierten, und sind somit das Symbol des politischen Gegners von Deutschland. Durch die Verwendung des Verbes „behaupten“ diskreditiert er die Aussage der Engländer. Goebbels möchte den Feind in die Enge treiben und seine Bedeutung herunterspielen, um potenziellen Sympathisanten im Vorfeld jeden Mut zum Widerstand zu nehmen, aber auch um das deutsche Volk anzutreiben nicht aufzugeben und um sie in ihrem Glauben an sich selbst zu bestärken. In seiner ersten Frage versucht er die Zuhörer auf seine Seite zu ziehen, indem er ihnen schmeichelt. Durch die Anbindung „mit dem Führer und mit uns“ wird eine Vertrauensebene zwischen dem Volk und der Führung Deutschlands geschaffen. Der Zuhörer fühlt sich dazugehörig und wie ein dritter Vertrauter, der mit dem Führer dessen Wünsche und Ziele teilt. Das Verb „glauben“ lässt die Frage wie ein Bekenntnis gegenüber dem Deutschen Reich wirken und bringt den Zuhörer in eine unausweichliche Lage. Entweder er bekennt sich zum Deutschen Reich und damit zum Führer oder er wird in die Gruppe der schwächlichen Feinde eingeordnet. Es scheint sogar fast wie eine rhetorische Frage: „Der Führer glaubt daran, tut ihr das auch?“. In der Frage wird das Wort „Sieg“ angewandt. Durch die Aufzählung der Adjektive „endgültigen, totalen“ wird die Qualität des Sieges deutlich und die Vorstellung an einen anderen Ausweg wird verworfen. Das Adjektiv „total“ lässt auf einen vollkommenden, auf allen Ebenen kompletten, unvermeidbar eintretenden und unumstößlichen Sieg schließen. Gleichzeitig euphorisiert der Gedanke an einen gemeinsamen Sieg und bestärkt die Hoffnung des deutschen Volkes. Es scheint wie seine Vorbestimmung, dass es nur
gewinnen könne. Zugehörig zur ersten Frage stellt Goebbels eine weitere in der er das Volk fragt, ob es zum Kampf entschlossen sei. Durch die bewusste Verwendung des Adjektivs „entschlossen“ erscheint die Bejahung der Frage wie ein Entschluss aus freiem Wille und aus eigener Überzeugung. Hitler wird mithilfe von „dem Führer (…) zu folgen“ wie der Retter in der Not, derjenige der das Licht in dunklen Zeiten bringt, dargestellt. Der Phraseologismus und die Alliteration „durch dick und dünn“ versetzt den Hörer in die Rolle des treuen Freundes bzw. des Kameraden im kämpferischen Sinne. Die Redewendung soll die Verpflichtung, sich niemals im Stich zu lassen, die man einander gegenüber hat, verdeutlichen. Zunächst wird die Freundschaft zwischen dem Führer und dem Volk suggeriert, um anschließend mit der eigentlichen Forderung nach „schwerster persönlicher Belastung“ fortzufahren. Es werden alle gesammelten Kräfte gefordert, was durch die Verwendung des Superlativs „schwerster“ erkenntlich wird. Diese Forderung jedoch hat den Zweck, dem Führer, dem treuen Freund, zu helfen und erscheint daher wie ein Freundschaftsdienst, dem man Folge zu leisten hat.
Seine zweite Frage führt Goebbels mit der Frage nach Bereitschaft des Volkes ein. Die Präposition „mit dem Führer“ begeistert den Zuhörer. Der einfache Mann wird auf dieselbe Ebene wie der Führer gestellt, da sie gemeinsam kämpfen sollen, und gewinnt dadurch ungemein an Bedeutung. Zusammen sollen sie die „Phalanx der Heimat“ bilden. „Phalanx“ kommt aus dem griechischen, ist die Mehrzahl von Phalangen und bezeichnet eine geschlossene, mehrere Glieder tiefe Schlachtreihe des Fußvolkes der antiken Griechen und ist das Sinnbild eines einmütigen Widerstandes. Die Heimat beschreibt die persönliche Zugehörigkeit zu einem Ort, den es zu beschützen gilt. Mit der Beschreibung „ kämpfende Wehrmacht“ wird deutlich, dass der Kampf bereits im Gange ist. Die Wehrmacht wird als Kämpfer des Landes präsentiert und das Volk sollte stolz sein, diese Kämpfer unterstützen zu dürfen. Die Personifikation „wilde Entschlossenheit“ lässt das Bild eines leidenschaftlich, mit aller Kraft und bestialisch kämpfenden Volkes entstehen. Mit „unbeirrt durch alle Schicksalsfügungen“ kommt die Idee an eine höhere Instanz ins Spiel, da alles vorbestimmt zu sein scheint. „Unsere Hände“ lassen auf ein gemeinsames Wirken von Volk und Führung schließen, „wir alle kämpfen zusammen und wir alle siegen zusammen“.
Die dritte Frage leitet der Redner mit „seid ihr uns ist das deutsche Volk“ ein. Durch diese Differenzierung zwischen der Zuhörerschaft im Sportpalast und der Zuhörerschaft vor den Radios suggeriert er die Kraft und die Größe des deutschen Volkes. Das „deutsche Volk“
stellt eine geschlossene Einheit dar, in der alle gleich sind. „Wenn der Führer es befiehlt“ wird später durch den Zuruf des Auditoriums „Führer befiehl, wir folgen“ wieder aufgegriffen und betont die Unterwürfigkeit des Volkes ihm gegenüber. Hitler scheint wie der Messias, dessen Gefolgschaft ihm blind ergeben ist. Die Klimax „zehn, zwölf, und wenn nötig, vierzehn und sechzehn Stunden“ bewirkt ein Aufbrodeln der Emotionen der Zuhörer. Durch die bereits euphorisierte Stimmung im Sportpalast rückt die eigentliche Aussage in den Hintergrund und die Steigerung der Gefühle gewinnt die Oberhand. Die Aufgabe „das Letzte herzugeben für den Sieg“ demonstriert eine ehrenvolle Handlung, da man sich für den heiligen Führer opfert. Durch die Verwendung des Superlativs „das Letzte“ wird dem Hörer die Rolle des Märtyrers zugewiesen, dem man noch in Zukunft gedenken wird. Die vierte Frage, die Frage nach dem totalen Krieg, war die schwerwiegendste Frage der Sportpalastrede. Unter diesem Begriff versteht man heutzutage das militärische Vorgehen Deutschlands nach dem Scheitern von Hitlers „Blitzkriegsstrategie“. Bereits im Januar 1943 forderte eine alliierte Anti-‐Hitler-‐Koalition auf ihrem Treffen in Casablanca die bedingungslose Kapitulation Deutschlands. Hitler hingegen plante die kurze Zeitspanne, in der sich die USA vorwiegend auf Japan konzentrieren würden, effektiv zu nutzen, um sich radikal und total die gefallen Ostgrenzen zurückzuerkämpfen. Die Rücksichtslosigkeit auf Verluste bei diesem Vorgehen wurde von den Nazis als totaler Krieg bezeichnet. Durch das Verb „wollen“ entsteht eine suggestive Meinungsfreiheit des Volkes. Mit der Zustimmung des deutschen Volkes zu dieser Frage wurden kurz vor Kriegsende 1945 die Leiden der Zivilbevölkerung gerechtfertigt: Das Volk hätte sich diese Form des Krieges gewünscht und in einem solchen Krieg gäbe es keine Zivilbevölkerung. Goebbels manipuliert sein Publikum zu der Bestätigung der Frage nach dem totalen Krieg, indem er meint, die „die Engländer behaupten, dass deutsche Volk (…) will nicht den totalen Krieg, sondern die Kapitulation. Im Kontext steht hierzu, dass das ausgewählte Publikum, bestehend aus Nationalsozialisten, eine Kapitulation nicht als existierende Möglichkeit ansah: Sie empfanden die Kapitulation Deutschlands im November 1918 als Demütigung und den mit ihr verbundenen Friedensvertrag als Schanddiktat. Dieser „Schmach“ würden sie sich nicht noch einmal aussetzen, weswegen sie Goebbels zum totalen Krieg zustimmen mussten. Des Weiteren scheint hier die von den Nationalsozialisten auf ihre Regierung übertragene Theorie Darwins durch. Der Stärkere gewinnt und nur wer bis zum bitteren Ende kämpft beweist wahre Stärke. Die rhetorischen Fragen aus Goebbels Rede sind so polarisiert, dass es entweder nur
Arbeit zitieren:
Lynn Schmökel, 2010, Redeanalyse: Sportpalastrede von Goebbels, München, GRIN Verlag GmbH
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