Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
1. 1 Problemstellung 2
1. 2 Gang der Untersuchung 3
2. Ernährungsphysiologische Grundlagen 4
2. 1 Die Bestimmung des Energiebedarfs 4
2. 1. 1 Kohlenhydrate 6
2. 1. 2 Proteine 7
2. 1. 3 Lipide 7
2. 2 Mikronährstoffe 8
2. 2. 1 Vitamine 9
2. 2. 2 Mineralstoffe 9
3. Essen für Zwei? Anforderungen an eine bedarfsgerechte Ernährung
und den tatsächlichen Mehrbedarf in der Schwangerschaft 10
3. 1 Gründe für den Nährstoffmehrbedarf 10
3. 2 Veränderte Energiezufuhr 11
3. 3 Makronährstoffe 11
3. 4 Mikronährstoffe 14
3. 5 Kritische Nährstoffe 16
3. 6 Fallbeispiel 19
4. „Erlaubt - Verboten“ 22
4. 1 Lebensmittelinfektionen 22
4. 2 Genussmittel 23
5. Schwanger, nicht krank - wie viel Sport ist gut? 26
5. 1 Physiologische und metabolische Veränderungen des weiblichen Körpers 27
5. 2 Resultierende Konsequenzen für die Ausübung sportlicher Aktivitäten 27
5. 3 Trainingsempfehlungen 31
5. 3. 1 Ganzheitliches Training 32
5. 3. 2 Empfehlungen für Art und Ausmaß der Belastung 33
5. 3. 3 Geeignete und ungeeignete Sportarten in der Schwangerschaft 34
5. 4 Sport und Gestationsdiabetes 36
6. Perinatale Programmierung 38
6. 1 Wirkungsfeld von „fötaler Ernährung“ 38
6. 2 Schwangerschaft und Adipositas - Grundstein für späteres Übergewicht? 39
7. Fazit 42
I
I
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Grundumsätze entsprechend der Altersklassen Abb. 2: PAL-Werte zur Gewichtung der Grundumsätze Abb. 3: Gestaffelte Orientierungswerte für die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
Abb. 4: Zufuhrempfehlungen verschiedener Vitamine für Schwangerschaft und Stillzeit Abb. 5: Zufuhrempfehlungen ausgewählter Mineralstoffe für Schwangerschaft und Stillzeit Abb. 6: Verzehrempfehlungen pro Tag im Sinne einer vollwertigen Ernährung Abb. 7: Angaben für Konsummengen einer vollwertigen Ernährung pro Woche Abb. 8: Kurz- und langfristige Einflüsse der fötalen Ernährung
II
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Aufl. Auflage BMI Body Mass Index bspw. beispielsweise BW Biologische Wertigkeit ca. circa d day DGE Deutsche Gesellschaft für Ernährung d. h. das heißt dl Deziliter et al. und andere etc. et cetera f. folgende (Seiten) ff. fortfolgende (Seiten) g Gramm GU Grundumsatz HDL High-Density-Lipoprotein (Cholesterin) Hrsg. Herausgeber i. d. R. in der Regel J. Jahr Jg. Jahrgang kcal Kilokalorien KG Körpergewicht kg Kilogramm LDL Low - Density - Lipoprotein (Cholesterin) m männlich max. maximal (e) mmHG Millimeter Quecksilbersäule (zur Bestimmung des Blutdrucks) mg Milligramm ml Milliliter Nr. Nummer o. g. oben genannt (e) PAL physical activity level III
Port. Portion S. Seite Sch. Scheibe sog. sogenannt (e) u. und u. a. unter anderem usw. und so weiter u. U. unter Umständen v. a. vor allem Vgl. Vergleiche Vol. Volume w weiblich z. B. zum Beispiel z. T. zum Teil µg Mikrogramm
IV
1. Einleitung
1. 1 Problemstellung
„Für Schwangere gelten die allgemeinen Regeln für gesunde Ernährung“. Im Wesentlichen ist diese Aussage nicht falsch, dennoch ist sie etwas schlicht gehalten und wird einigen interessanten Besonderheiten, die sich im Zuge der Schwangerschaft ergeben, nicht gerecht. In dem spannenden und vielschichtigen Forschungsfeld rund um Schwangerschaft und Ernährung lohnt es sich, noch einmal genau hinzuschauen, auf welche Eigenheiten spezielles Augenmerk zu legen ist. Genauso wie das komplexe Thema „Ernährung“ einem kontinuierlichen Wandel unterworfen ist, werden auch auf diesem Gebiet in vielerlei Hinsicht fortlaufend neue Studien und Untersuchungen durchgeführt, die immer wieder aktuelle Erkenntnisse in Umlauf bringen. Jeder Mensch muss sich tagtäglich zwangsläufig mit der Lebensmittelauswahl, deren Zubereitung und Aufnahme auseinander setzen. Bei der Odyssee durch den Ernährungsalltag kommt erschwerend hinzu, dass Expertenaussagen oft widersprüchlich sind und die Forschung immer wieder zu neuen Erkenntnissen kommt, wodurch viele Informationen schnell überholt sind. Ein Beispiel: nach der Blütezeit von Robert Atkins kam die “low fat“ - Welle, bevor erkannt wurde, dass Nahrungsfette per se doch nicht zu verurteilen sind, sondern es auf deren Zusammensetzung ankommt, was uns derzeit die Renaissance des Fettes beschert. Auch in Bezug auf die richtige Ernährung und Sport in der Schwangerschaft finden sich heute z. T. veränderte Empfehlungen als noch vor 20 - 30 Jahren. Gerade in dieser besonderen Situation treten bei werdenden Müttern viele Fragen auf, wie die bedarfsgerechte Ernährung in dieser Zeit aussehen sollte. In dieser Phase tragen sie nicht nur die Verantwortung für ihre eigene Gesundheit, sondern auch für die Gesundheit und Entwicklung des Kindes, weshalb es nun besonders wichtig ist, optimal mit allen nötigen Nährstoffen versorgt zu sein. Überdies hat sich bei den werdenden Müttern innerhalb der letzten Jahrzehnte eine Entwicklung hin zu erhöhtem Gesundheitsbewusstsein vollzogen. Die Themen „Gesundheit und Ernährung“ finden - oft im Zusammenhang mit Lifestyle und Wellnessim Alltag immer mehr Beachtung. Speziell Frauen haben - nicht zuletzt auf Grund der veränderten Lebensumstände - eine stärker fordernde Position eingenommen und sind immer häufiger daran interessiert, aktiv etwas für sich zu tun, als es bspw. noch vor 50 Jahren der Fall war. Insgesamt führt dieses neue Bewusstsein dazu, dass die Menschen informations-orientierter sind und entsprechende publizierte Empfehlungen vermehrt hinterfragt werden. Vor diesem Hintergrund nimmt auch das Interesse an dem Themengebiet „Ernährung und körperliche Aktivität in der Schwangerschaft“ zu. Gegenstand dieser Arbeit ist es, sich mit den daraus ergebenden Besonderheiten auseinander zu setzten und diese genauer zu beleuchten.
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1. 2 Gang der Untersuchung
Nach einer einführenden Darstellung der ernährungsphysiologischen Grundlagen unter Berücksichtigung der Ermittlung des Energiebedarfs und Charakterisierung verschiedener Nährstoffgruppen in Kapitel 2, findet im anschließenden 3. Kapitel eine Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen Nährstoffmehrbedarf in der Schwangerschaft statt. Neben diversen Gründen, die für die erforderliche Nahrungszulage verantwortlich sind, wird auf relevante Nährstoffe und idealerweise einzuhaltende Empfehlungen detaillierter eingegangen. Ergänzend folgt dann eine Betrachtung der sog. „kritischen Nährstoffe“ und der möglichen Folgen für Mutter und Kind, die aus einer unzureichenden Versorgung resultieren können. Ebenso können sich negative Konsequenzen aus Lebensmittelinfektionen und dem Konsum bestimmter toxisch wirkender Substanzen während der Schwangerschaft ergeben, auf welche im Kapitel 4 Bezug genommen wird. In Kapitel 5 wird geschildert, wie gut sportliche Aktivitäten mit dem Zustand der Gravidität harmonieren. Speziell werden hier Veränderungen des weiblichen Körpers genannt, die relevant sind für eine sportliche Betätigung in dieser Phase. Neben Trainingsempfehlungen zu Art und Ausmaß findet auch der Fall „Gestationsdiabetes und Sport“ besondere Beachtung, da es sich dabei um eine häufig diagnostizierte Schwangerschaftskomplikation handelt. Im Rahmen eines kleinen Exkurses wird in Kapitel 6 noch Bezug darauf genommen, wie sich der Ernährungsstatus bzw. das Ernährungsverhalten der Mutter auf die spätere Entwicklung des Kindes (Übergewicht, Allergien etc.) auswirken kann. Neben möglichen Wirkungsfeldern der „perinatalen Programmierung“ wird auf Möglichkeiten der aktiven Einflussnahme Bezug genommen. Da sich bei der deutschen Bevölkerung geschlechterunabhängig durch alle Altersklassen hindurch seit geraumer Zeit eine immer deutlichere Tendenz in Richtung Übergewicht und Adipositas abzeichnet, wird in diesem Zusammenhang in einem Unterkapitel geschaut, welche Besonderheiten sich bei einer Risikoschwangerschaft bedingt durch Adipositas ergeben können, bevor die Arbeit mit einem Fazit abschließt.
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2. Ernährungsphysiologische Grundlagen
Jeder Mensch benötigt - je nach Alter und Geschlecht - eine gewisse Menge an Energie, Vitaminen und Mineralstoffen 1 , um überlebensfähig zu sein. Auch in Deutschland, wo es - im Vergleich zu zahlreichen armen Ländern - objektiv keine Nahrungsknappheit gibt, kommt es in einigen Bereichen dennoch häufig zur Mangelernährung. So ist z. B. bei einem Großteil der Deutschen weder die Jod noch die Folatversorgung ausreichend. Besonders Frauen zählen hier zu den Betroffenen. Auf konkrete Empfehlungen einzelner Nährstoffe wird in diesem Kapitel Bezug genommen, wobei die gängigen Vorgaben der DGE als Orientierung gelten. Es ist anzumerken, dass diese nur für gesunde Personen gelten und etwaige Krankheitsbilder nicht berücksichtigt werden (Vgl. DGE 2008, S. 7 ff.; Elmadfa/Leitzmann 2004, S. 69 ff.). Die aufgeführten Referenzwerte und Empfehlungen in diesem Kapitel gelten zunächst für die Allgemeinbevölkerung und sollen als Informationsbasis dienen. Der erforderliche Mehrbedarf der unterschiedlichen Nährstoffe bei Schwangerschaft und Stillzeit wird in dem sich anschließenden Kapitel genauer betrachtet.
2. 1 Die Bestimmung des Energiebedarfs
Damit die Funktions- und Leistungsfähigkeit des Körpers erhalten bleibt, ist u. a. eine Versorgung mit ausreichend Energie unerlässlich. Der entsprechende Energiebedarf setzt sich immer zusammen aus dem Grundumsatz, dem Leistungsumsatz sowie der nahrungsinduzierten Thermogenese. Der Grundumsatz stellt den Energiebedarf im absoluten Ruhezustand eines nüchternen Menschen bei konstanter Umgebungstemperatur dar, während der Leistungsumsatz die benötigte Energie für anfallende körperliche Aktivitäten (Wachstum, Schwangerschaft, Sport etc.) umfasst. Die nahrungsinduzierte Thermogenese steigert den Energieumsatz durch das Auslösen der zahlreichen Stoffwechselprozesse nach der Nahrungsaufnahme. Da in unserer heutigen Zeit die körperliche Aktivität vergleichsweise gering ist, macht der Grundumsatz den größten Anteil am Energieverbauch aus. Dennoch kann der individuelle Bedarf von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Den exakten Bedarf einer Person zu ermitteln, würde unverhältnismäßig hohen Aufwand bedeuten. Zudem hängt dieser von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Größe, Krankheit, Ausmaß körperlicher Aktivität, sowie Stoffwechsel und Körperzusammensetzung (z. B. Anteil der Muskelmasse) ab (Elmadfa/Leitzmann 2004, S. 63 u. S. 108 ff.; DGE 2008, S. 23). Um eine Orientierung zu bieten, welche Energiezufuhr für welche Personengruppe angemessen ist, gibt die DGE entsprechende Referenzwerte heraus. Die Berechnungsgrundlage
1 Diese Aufzählung ist selbstverständlich nicht abschließend. In dieser Arbeit wird jedoch schwerpunktmäßig
auf diese drei Bereiche Bezug genommen.
4
ist der jeweilige Grundumsatz (je nach Alter und Geschlecht), der mit sog. PAL-Werten 2 multipliziert wird. Durch diese Gewichtung kann der Grad körperlicher Aktivität (Sport, Beruf etc.) bei der Ermittlung des ungefähren Energiebedarfs berücksichtigt werden.
Die einzelnen Abstufungen für die PAL-Werte sehen folgendermaßen aussehen:
Abb. 2: PAL-Werte zur Gewichtung der Grundumsätze (Modifiziert nach DGE 2008, S. 27)
2 PAL = physical activity level; gibt unter Berücksichtigung der körperlichen Aktivität den durchschnittlichen
Energiebedarf als ein Mehrfaches vom Grundumsatz an (Vgl. DGE 2008, S. 27).
3 GU wird ermittelt unter Berücksichtigung von Körpergewicht und ‐größe, sowie Alter und Geschlecht (Vgl.
DGE 2008, S. 23ff.).
5
Demnach hat bspw. eine 27-jährige Büroangestellte einen Energiebedarf von (1340 kcal x PAL 1,4 bzw. PAL 1,5 =) 1876 kcal bis 2010 kcal. 4
Es handelt sich bei diesen Angaben um Durchschnittswerte, die der Orientierung dienen, nicht aber um individuelle Vorgaben. Pro Tag können 0,3 PAL-Einheiten dazu berechnet werden, wenn 4 - 5 Mal die Woche für 30 - 60 Minuten sportliche Betätigungen oder anderweitige anstrengende Aktivitäten wahrgenommen werden (Vgl. DGE 2008, S. 27; Leitzmann et al. 2003, S. 9). Die notwendige Deckung des Energiebedarfs erfolgt i. d. R problemlos im Zuge der täglichen Ernährung. Die Hauptenergielieferanten unserer Nahrung sind Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett, welche zu den sog. Makronährstoffen gehören (Vgl. Schauder 2006, S. 84). Welchen Nutzen sie stiften und was sie im Einzelnen auszeichnet wird in den nächsten Unterkapiteln geschildert.
2. 1. 1 Kohlenhydrate
Die Kohlenhydrate (Saccharide) sind die primären und schnellsten Energielieferanten für den menschlichen Organismus und liefern pro Gramm ca. 4 kcal. Sie lassen sich nach ihrer Molekülgröße in Monosaccharide (als die kleinsten Grundeinheiten aller Kohlenhydrate), Di-, Oligo- und Polysaccharide unterteilen. Da der Körper letztlich nur Monosaccharide resorbieren kann, müssen sämtliche Kohlenhydrate im Rahmen der Verdauung grundsätzlich in diese kleinste Form aufgespalten werden (Vgl. Rehner/Daniel 2010, S. 218). Zu den wesentlichen Monosacchariden zählen die Glucose (Traubenzucker) und die Fruktose (Fruchtzucker), welche die benötigte Energie am schnellsten bereit stellen können. Wichtige Vertreter der Disaccharide sind die Saccharose (Rohrzucker) und die Laktose (Milchzucker), während bei den komplexeren Polysacchariden der Stärke und dem gespeicherten Glykogen eine große Bedeutung zukommt. Darüber hinaus sind auch die gesundheitsförderlichen Ballaststoffe den Kohlenhydraten zuzuordnen. Es handelt sich bei diesen Verbindungen um unverdauliche Nahrungsbestandteile, genauer gesagt um Polysaccharide, die vom menschlichen Körper mittels Enzymen nicht aufgespalten werden können (Vgl. Hahn/Ströhle/Wolters 2005, S. 8 ff.). Hauptaufgabe der Kohlenhydrate ist es, die Zellen mit Energie zu versorgen und Energie in Form vom Glykogen zu speichern. Besonders das Gehirn und die Muskeln sind auf eine schnelle Energiebereitstellung aus Kohlenhydraten angewiesen. Mit Blick auf die tägliche Lebensmittelauswahl sollten mindestens 50 % der zugeführten Energie aus Kohlenhydraten stammen. Diese sind vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Getreide, Obst und Gemüse zu finden. Grundsätzlich empfiehlt es sich, v. a.
4 Eine Kilokalorie (kcal) entspricht der Wärmemenge, die benötigt wird, um 1l Wasser von 14,5°C um 1°C auf
15,5°C zu erhöhen (1 MJ entspricht 239 kcal und 1 kcal entspricht 4,184 kJ). Die Angabe des Energiegehaltes in
der internationalen Einheit Joule ist in der Wissenschaft üblich, im alltäglichen Gebrauch hat sich dessen Anga‐
be jedoch in Kilokalorien etabliert (Vgl. Elmadfa/Leitzmann 2004, S. 103; Leitzmann et al. 2003, S. 8).
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Arbeit zitieren:
Steffi Hidding, 2010, Bedarfsgerechte Ernährung und körperliche Aktivität in der Schwangerschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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