Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Liaison in der Theorie 2
2.1 Liaison obligatoire 5
2.2 Liaison interdite 6
2.3 Liaison facultative 7
2.4 Falsche Liaison 10
3. Die Liaison in der Praxis 11
3.1 Realisierte Liaison im untersuchten Gespräch 11
3.2 Nichtrealisierte Liaison im untersuchten Gespräch 13
3.3 Kommentar zur Analyse des Gesprächs 15
4. Zusammenfassung 15
5. Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Die Liaison ‚Verbindung’ ist ein phonologisches Phänomen, das typisch für die Französische Sprache ist. Sie wird definiert als „Ausspracheregelung des Frz., derzufolge ein an sich stummer Konsonant am Ende eines Wortes dennoch artikuliert wird, wenn er zwischen einem auf Vokal auslautenden und einem mit Vokal anlautenden Wort erscheint.“ (Bußmann 1990:457).
In dieser Arbeit wird zunächst das Phänomen der liaison im größerem Zusammenhang erklärt werden, anschließend werden deskriptiv die verschiedenen Liaison-Arten und ihre Regeln dargestellt, in der Unterteilung zwischen liaison obligatoire, liaison interdite und liaison facultative, welche auch den gängigen Grammatiken vorliegt. Als Einführung dienten die Erklärungen in Meisenburg und Selig. Die deskriptiven Erläuterungen zur Liaison begründen sich hauptsächlich auf Delattre 1 , Klein und Léon, aber auch andere Arbeiten, z.B. von Schwarze und Lahiri, Encrevé und Tranel wurden ergänzend hinzugezogen. Die Erklärungen zu den Eigenschaften der Liaison werden durch Beispiele erläutert.
Die anschließende Analyse eines aufgezeichneten Gesprächs aus dem elektronischen Korpus C-ORAL-ROM soll die Frage beantworten, in wie weit die Liaison im Alltagfranzösisch der Gegenwart Gebrauch findet und ob die normativen Grammatikregeln zur Liaison von Muttersprachlern befolgt werden. Auf diese Weise sollen Akzeptibilitätsurteile erhoben werden. Hierbei sind sowohl Häufigkeit als auch Art der Liaisons, die vom Sprecher des zu Grunde liegenden Monologs realisiert werden, von besonderem Interesse.
Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, die Anwendung der im ersten Teil genannten normativen Regeln der Liaison anhand eines Textes in der Praxis zu überprüfen und Konformitäten und Abweichungen festzustellen.
1 Pierre Delattres Ausführungen gelten eine der wichtigsten Quellen der modernen Arbeiten zur Liaison und waren z.B. für Léon und Grevisse maßgebend, sie wurden aber auch von anderen Linguisten als zu streng und nicht zeitgemäß kritisiert, Rothe weist ihm eine „normativ-puristische Einstellung“ zu. (Rothe 1978:87), Encrevé kritisiert Delattre wegen mangelnder Feldforschung bzw. Quellenangabe und weil er sich auf ein Sprachverhalten berufe, das eher bei gebildeten Parisern, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts und später geboren wurden, vorzufinden ist. (Encrevé 1988:44).
1
2. Die Liaison in der Theorie
Der Begriff der Liaison wird im Deutschen mit Verbindung übersetzt; während Delattre zwischen liaison und enchaînement 2 unterschiedet, führt Klein die Begriffe ‚vokalische’ und ‚konsonantische Bindung’ ein bzw. unterscheidet er zwischen ‚Bindung’ und ‚Mitbindung’ wobei die liaison der konsonantischen bzw. der Mit-bindung entspricht. (Klein 1963:160) 3 . Beim enchaînement werden die latenten Konsonanten auch im isolierten Wort ausgesprochen: grande[d] amie, petite[t] amie. Während beim enchaînement die ausgesprochenen Konsonanten und Vokale in der chaîne parlée aneinandergereiht werden und somit laut Delattre das C-V-C-V-Prinzip 4 befolgt wird, spricht man bei der Liaison den latenten finalen Konsonanten nur dann aus, wenn ein Wort mit Vokal am Anfang folgt. (Delattre1949:148).
Die Liaison ist theoretisch ein phonologischer Prozess und wird realisiert an der Grenze zwischen einem Wort mit schwacher Wortgrenze und des darauf folgenden vokalisch anlautendem Wortes. Bei der Anwendung der Liaison spielen aber auch andere linguistische Prozesse morphologischer, syntaktischer oder pragmatischer Art eine wichtige Rolle. Nicht alle latenten Auslautkonsonanten werden immer an der phonetischen Oberfläche realisiert immer dann wenn das nachfolgenden Wort mit einem Vokal beginnt. Wortgrenzen, Phrasenstrukturen oder Bedeutungsunterschiede können Liaison blockieren. In einigen Fällen erfolgt Liaison, indem ein nicht vorhandener Konsonant eingefügt wird, um in der chaîne parlée einen Hiatus zu vermeiden (Meisenburg, Selig 2004:130, Schwarze/Lahiri 1998:74). Die Liaison ist eine Reminiszenz des Altfranzösischen. „La liaison est la survivance de quelques enchaînements de consonnes finales de l’ancien français.“ (Delattre 1949:148). Während im Altfranzösischen alle Endkonsonanten, wie sie in der graphischen Darstellung der Wörter heute noch vorhanden sind, ausgesprochen wurden, verstummten ab dem 12. Jahrhundert silbenschließende Konsonanten im Wortinlaut und
2 Diese Unterscheidung ist nicht unüblich. Dieser Meinung schließt sich auch Carton an (Carton 1974:87) und sie ist auch bei Léon zu finden. (Léon 1992: 151).
3 Klein benutzt jedoch selber in seinen Ausführungen den französischen Terminus, dies ist in den meisten Grammatiken üblich und wird deshalb auch in der vorliegenden Arbeit so gehandhabt.
4 Delattre sieht wohlgefällige Sprache als eine Kette von Konsonanten und Vokalen, die sich abwechseln. Dort, wo diese Kette unterbrochen wird, neige der Sprecher dazu, diese Verbindung künstlich herzustellen. (Delattre1949:148).
2
im Wortauslaut, jedoch galt das nicht vor vokalisch anlautenden Wörtern. Auslautkonsonanten wurden dort weiterhin ausgesprochen, wo ein Hiatus im Silbenkontakt vermieden werden musste (Meisenburg, Selig 2004:131). Dort, wo die finalen Konsonanten in der groupe rhythmique an ein Vokal gebunden waren, hat man sie erhalten (Léon 1992:152, Carton 1974:217f).
Im Gegenwartsfranzösisch bestimmen mehrere Faktoren die Realisierung bzw. die Nichtrealisierung der Liaison. Die gängigen Grammatiken (s.o.) unterscheiden, unter Berücksichtigung silbenprosodischer, syntaktische, morphologischer und lexikalischer Faktoren, zwischen liaison obligatoire, liaison facultative und liaison interdite, können sich aber bei der Erstellung systematischer Regeln der Abgrenzung nicht auf einem linguistischen Bereich einigen. Während die liaison obligatoire und die liaison interdite sich an den normativen Regeln der Liaison orientieren und somit festgelegt sind, variiert die Realisierung der liaison facultative je nach Kontext. Sie wird von sozialen und stilistischen Faktoren beeinflusst wie in 2.3 gezeigt wird. Je höher die soziale Stellung bzw. das soziale sprachliche Niveau des Sprechers oder der Kontext der Sprechsituation, desto mehr fakultative Liaison wird realisiert, umgekehrt ist häufige fakultative Liaison im alltäglichen und familiären Sprachgebrauch unüblich. (Meisenburg, Selig 2004:132). Wenn Liaison realisiert wird, so geschieht dies nur innerhalb der prosodischen Einheit, der sogenannten groupe rythmique 5 d.h. überall dort, wo der Sprachgebrauch eine starke Zusammengehörigkeit zweier Wörter oder Wortklassen etabliert hat.
In seinen grundlegenden Beobachtungen zur Liaison (Delattre 1949:150ff) stellt Delattre fest, dass Liaison in folgenden Fällen realisiert wird:
a) von einem weniger wichtigen zu einem wichtigerem Wort: les[z]amis, nous[z]arrivons, deux[z]élèves, eine Ausnahme bilden Inversionsfragen
b) im Plural, um den Bedeutungsunterschied zum Singular herzustellen: maisons[z]à vendre ‚Häuser zu verkaufen’ vs. maison / à vendre ‚Haus zu verkaufen’
c) wenn das erste Wort kürzer als das zweite ist: très[z] utile vs. extrêmement / utile
5 Eine Ausnahme bildet z.B. das Rezitieren von Texten oder die Theaterrede, bei der jede mögliche Liaison realisiert wird.
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Arbeit zitieren:
Laura Hordoan, 2006, Die französische Liaison in Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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