Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 1
2. Der siebente Kontinent. 2
3. Fazit. 8
4. Literaturverzeichnis. 11
4.1 Bücher 11
4.2 Internet 11
4.2 Filme 11
1. Einleitung
Wie eine Art Warnung vor der gefühlskalten, eingefahrenen Lebensweise der bürgerlichen Gesellschaft lässt sich der Beitrag von Michael Haneke zu den Filmfestspielen in Cannes im Mai 1989 entschlüsseln. „Der siebente Kontinent“ ist sein erster Kinofilm und versetzt seine Zuschauer bei der Premiere im Plais du Festival gleichzeitig in Faszination und Entsetzen. Die vernichtende Beschreibung des gemeinsamen Selbstmordes einer Familie hinterlässt Spuren: „[...] hatte ich erstmals bei dieser Veranstaltung (und wie nur selten bei einem österreichischen Spielfim) den Eindruck, scharfes Denken und ungedämpfte Empfindungen mitzuerleben. (Horwarth 1991, S. 11). Doch nicht nur in Cannes, sondern auch in seinem Heimatland Österreich, sorgt der Film für kontroverse Diskussionen und einen filmischen Output, den das Publikum so nicht erwartet hatte: „Die Wiener Pressevorführung begann mit nervösem Kichern und endete mit dem gequälten Verstummen der Anwesenden“ (Der Standard 27.10.1989 in Horwarth 1991, S. 13).
Haneke beschreibt in seinem Film „Der siebente Kontinent“ die von ihm sogenannte „Vergletscherung“ der Gesellschaft. Damit versucht er auf die Probleme des Emotionsverlustes, der Mechanisierung und Funktionalisierung des Menschen hinzuweisen, welche in der postindustriellen Konsumgesellschaft immer mehr zum Alltag werden. Dabei bildet „Der siebente Kontinent“ den ersten Teil einer Trilogie, welche mit den Werken „Benny’s Video“ (1992) und „71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“ (1994) vervollständigt wird. Nach diesem unerwarteten und neuartigen Erfolg durch Haneke, wurde die Frage nach der künstlerischen Vergangenheit des damals bereits 47jährigen Filmemachers laut. Dabei stellte sich schnell heraus, dass „Der siebente Kontinent“ zwar der Wegbereiter des Kinoerfolges von Haneke sein sollte, er allerdings schon zuvor sein filmisches Talent mit Fernsehproduktionen wie „der Ingeborg Bachmann-Verfilmung „Drei Wege zum See“ (1976), dem autobiografischen Zweiteiler „Lemminge“ (1979) und der irritierenden Venedig-Fantasie „Wer war Edgar Allan?“ (1884)“ (Horwarth 1991, S. 7) aufblitzen ließ. Der neueste Kinofilm von Michael Haneke „Das weiße Band - eine deutsche Kindergeschichte“ erschien 2009 und wurde unter anderem mit der Goldenen
1
Palme, dem Golden Globe und dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, was die Entwicklung des Kinoerfolgs Hanekes deutlich werden lässt.
2. Der siebente Kontinent
„Wir müssen das systematisch angehen.“ Dieser Satz scheint alles zu beinhalten, was sich über „Der siebente Kontinent“ sagen lässt, denn systematisch ist hier alles.
Ein kleines Eigenheim, angefüllt mit allen Erzeugnissen einer modernen, kapitalistischen Gesellschaft. Eine Art Rückzugspunkt aus der Realität. Und trotzdem muss die Familie, die in „Der siebente Kontinent“ beschrieben wird, und als mehr als eine Beschreibung kann man es nicht bezeichnen, immer wieder zurück.
Sechs Uhr morgens, der schicke Radiowecker setzt seinen Betrieb in Gang und es sind Nachrichten aus aller Welt zu hören. Eine Schreckensmeldung nach der anderen dringt aus den Lautsprechern, während sich die Familie, ebenso wie der Radiowecker, in Betrieb setzt und einen Mechanismus in Gang setzt. Einzelne Teile dieser Maschinerie sind in den Bildausschnitten zu sehen, „Beine, Hausschuhe, Hände, Türklinke, Zahnbürste, Kaffeemaschine, Kaffeetasse, Teller“ (Schlemmer in Horwarth 1991, S. 126). Alles wirkt sehr statisch, präzise, leblos. Die Gesichter der Familie sind nicht zu sehen und somit wird auch keinerlei Gefühl oder Emotion vermittelt, sondern es wird eine anonyme Atmosphäre geschaffen, in welcher jedes kleine Teilchen auswechselbar erscheint. Nachdem alle Tätigkeiten ordnungsgemäß erledigt worden sind, verlässt die Familie ihre „Festung“. In Nahaufnahme ist das Garagentor zu sehen, welches sich elektrisch, nach neuesten und modernsten Standards öffnet. Heraus kommt ein Auto, welches das Kind in die Schule, die Mutter in den Laden und den Vater zur Arbeit bringt. Das nächste Bild zeigt die Totale eines Parkplatzes, im Hintergrund ein riesiges Gebäude, welches auf einen industriellen Großbetrieb schließen lässt. Ein dumpfes, monotones Brummen ist zu hören und ein winzig kleiner Mann, der aus seinem Auto aussteigt und auf das Gebäude zugeht geht im Bild fast verloren. An dieser Stelle setzt eine Frauenstimme aus dem Off ein, welche beginnt einen Brief zu lesen. Die Bilder setzten währenddessen den Gang des Mannes im Inneren des Betriebes fort, vorbei an großen Maschinen aus denen Dampf dringt, unwirklich
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Arbeit zitieren:
Benjamin Müller, 2010, Der siebente Kontinent - filmanalytischer Versuch einer Deutung, München, GRIN Verlag GmbH
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