US -Immobilienkrise - Ursachenanalyse
Inhaltsverzeichnis
1. Die große Krise. 1
2. Die Entstehung und Ursachen der Immobilienblase in den USA. 2
2.1. Zinspolitik nach der Jahrtausendwende 2
2.2. Preiswerte Kredite und der Immobilienboom 4
2.3. Entwicklung der US-Immobilienpreise 7
2.4. Collateralized Debt Obligation und die Ratingagenturen 8
2.5. Die Subprime-Kredite und Lockerung der Kreditvergabepraxis in den USA 14
3. Der Verlauf der Immobilienkrise 16
3.1. Sinkende Immobilienpreise und die zahlungsunfähigen Hypothekennehmer 16
3.2. Die Immobilienblase platzt - die Krise nimmt ihren Lauf 17
3.3. Stillstand des Interbankenmarktes 20
4. Ausblick und Möglichkeiten für das Verhindern zukünftiger Krisen 21
5. Glossar. 23
6. Literaturverzeichnis 24
6. 24
6. 24
6. 24
1. Die Immobilienblase
Der 10. Oktober 2008 ging als “schwarzer Freitag“ in die Geschichte ein. An diesem Tag endete eine Woche, in der die weltweiten Börsenmärkte um 18,2% einbrachen und damit die Rekordverluste des Krisenjahres 1929 übertrafen. 1
“Man habe kurz vor der Zerstörung des modernen Finanzsystems gestanden”, beschrieb der damalige US-Finanzminister und Ex-Vorstandsmitglied der US-Investmentbank Goldman-Sachs, Henry Paulson, die vorliegende Situation. 2
Verursacht wurde dieser Crash durch die Vergabe von Hypothekarkrediten an Kreditnehmer mit schlechter Bonität, die sich diese Kredite eigentlich nicht leisten konnten - den sogenannten Subprime-Krediten. In Verbindung mit der Gier der Anleger nach hohen Renditen von bis zu 25%, entstand hierbei am Kredit- und Immobilienmarkt eine Blase, die auch als Subprime-Blase bezeichnet wird. 3 Aus Subprime-Krediten wurden Finanzinstrumente generiert, mit der Absicht diese auf dem Kapitalmarkt weiter zu verkaufen. Der dadurch entstandene Weg, die Risiken dieser Kredite schnell weiter zu verkaufen und somit den “Schwarzen Peter” aus seinen eigenen Bilanzen weiterzureichen, ermöglichte zugleich den Banken ihre einst strengen Kreditrichtlinien zu lockern und immer weitere Kredite zu vergeben. Die amerikanischen Finanzinstitute verkauften weltweit Kreditforderungen, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen, ob diese Forderungen auch tatsächlich erfüllt werden können. Doch als vermehrt Zahlungsausfälle seitens der Kreditnehmer zu verbuchen waren, mussten die Banken ihre realen Kreditvergaben stark einschränken und Konsumenten erhielten nur noch vereinzelt Kredite, was gleichzeitig das Erreichen der Krise in der Realwirtschaft bedeutete. 4 Weltweit mussten Regierungen in kürzester Zeit reagieren. US-Präsident Barack Obama setzte das 787 Milliarden US-Dollar (USD) schwere und somit größte Konjunkturpaket in der Geschichte Amerikas durch. Die Volksrepublik China stellte rund 460 Milliarden Euro an Konjunkturhilfen für ihre Wirtschaft bereit und das EU-Paket umfasste nicht weniger als 200 Milliarden Euro an Unterstützungen. Diese Maßnahmen hatten den Zweck die Märkte zu
1 Vgl. Sinn, Hans-Werner; Kasino Kapitalismus, S. 15.
2 Vgl. Internetausdruck Nr.: 13.
3 Vgl. Sinn, Hans-Werner; Kasino Kapitalismus, S. 12.
4 Vgl. Sommer, Rainer; Die Subprime-Krise, S 1f.
1
beruhigen und weitere Schäden vom Finanzsystem abzuwehren. Dadurch sollten allein in Amerika rund 3,5 Millionen Arbeitsplätze erhalten bleiben. 5
Öffentlich wird darüber diskutiert, ob es frühzeitige Anzeichen gab, die auf die Krise hindeuteten, und ob man sie verhindern hätte können.
In dieser Arbeit werden die Ursachen für diese Entwicklung aufgezeigt. Des weiteren wird analysiert, wie es zu dieser Krise, die als schlimmste Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg gilt, kommen konnte. Darüber hinaus wird deren chronologische Abfolge erläutert.
2. Ursachen und Entstehung der Immobilienblase in den USA
2.1 Zinspolitik nach der Jahrtausendwende
Der Zusammenbruch der New Economy (auch Dotcom-Blase genannt) im März 2000 und die Anschläge auf das World Trade Center in New York im September 2001 schwächten die amerikanische Wirtschaft nachhaltig. Innerhalb weniger Wochen nach dem 11. September 2001 wurden Aktienvermögen von rund 2 Billionen USD vernichtet. 6 In dieser Zeit drohte der US-Wirtschaft eine schwere Rezession bis hin zur Deflation. 7 Die amerikanische Notenbank Federal Reserve System (Fed) versuchte anschließend, durch eine Niedrigzinspolitik diesen Absturz der Wirtschaft zu mildern. Sie senkte im Zeitraum vom Januar 2001 bis Juni 2003 den Leitzins in 13 Stufen von 6,5% auf 1,0%. Auf diesem Niveau verharrte der Leitzins von Mitte 2003 bis Mitte 2004. 8 Diese Phase des niedrigen Zinssatzes bedeutete zugleich den niedrigsten Zinssatz in der Geschichte Amerikas. 9 Ab 2003 zahlte der Kreditnehmer nur noch zwischen 5,5% und 6% Zinsen für eine 30-jährige US-Festzinshypothek, für die er 1981 noch zwischen 16% und 18% zahlen musste. 10 Diese Niedrigzinspolitik hatte den Zweck, die Wirtschaft anzukurbeln und die Deflationsängste auf den Finanzmärkten zu beruhigen. Damit gelang es dem damaligen Vorsitzenden der Fed, Alan Greenspan, der mehr als 17 Jahre lang seinem Amt nachging, die befürchtete Rezession abzuwehren und Amerika schon eineinhalb Jahre vor Deutschland aus der Wirtschaftsflaute herauszuführen. Allerdings wird ihm vorgeworfen, dass er durch diese aggressive und zugleich extrem lockere Zinspolitik
5 Vgl. Internetbeitrag Nr.: 4.
6 Vgl. Schäfer, Ulrich; Der Crash , S. 144.
7 Vgl. Sommer, Rainer; Die Subprime-Krise, S 78f.
8 Vgl. Internetbeitrag Nr.: 2.
9 Vgl. Sinn, Hans-Werner; Kasino Kapitalismus, S. 53.
10 Vgl. Köhler, Wolfgang; Wall Street Panik, S.19ff.
2
(zusätzliche Liquidität) die Kurse in die Höhe getrieben habe. Der Hedgefondmanager William Fleckenstein bezeichnete Greenspan sogar als Mr. Bubble und urteilte, dass „Greenspans Politik des leichten Geldes die Spekulationsblase entstehen lassen habe und seine Reden den Leuten das Gefühl gegeben haben, dass nichts passieren könne“. 11 Ferner wird Greenspan dafür kritisiert, dass er die Krise durch die zu rasche Zinserhöhung in kleinen Stufen (insgesamt 16 Erhöhungen zu jeweils 25 Basispunkten, d.h. 0,25%) zwischen Juni 2004 bis Juni 2006 von 1,25% auf 5,25% hervorgerufen habe. 12
Doch lässt sich dieselbe Entwicklung bei der Zinspolitik der europäische Zentralbank (EZB) erkennen, wie in Abbildung I dargestellt ist. Allerdings erfolgte diese nicht so extrem, wie sie die Fed betrieben hatte. Die große Geldmenge und die wachsende Gier der Anleger ließen eine Blase entstehen, die sechs Jahre nach den Anschlägen auf das Wahrzeichen des Kapitalismus den nächsten Schock für die Amerikaner bedeuten sollte. Der Auslöser der Krise kann jedoch nicht einzig und allein an der amerikanischen Zentralbank Fed fest gemacht werden. Schließlich gehört es zu den Pflichten einer Zentralbank, den Leitzinssatz
11 Vgl. Schäfer, Ulrich; Der Crash , S. 149.
12 Vgl. Internetbeitrag Nr.: 3.
13 Vgl. Internetbeitrag Nr.: 21.
3
während eines Booms der Wirtschaft zu erhöhen, um einen Puffer für den nächsten Abschwung zu schaffen. 14
2.2 Preiswerte Kredite und der Immobilienboom
Die Zinspolitik der Fed, die von dem ehemaligen Finanzminister Peer Steinbrück als „Politik des billigen Geldes“ bezeichnet wurde 15 , ließ die Leitzinsen unter die Inflationsrate fallen. Dies ließ es als wirtschaftlich rational erscheinen, Kredite aufzunehmen und geliehenes Geld in Immobilien oder Aktien zu investieren.
Da jedoch nach dem New Economy Crash, der innerhalb weniger Monate Hunderte von Milliarden USD vernichtet hatte, Aktien keinen guten Ruf mehr hatten, fiel die Wahl vieler Anleger eher auf die Investition in die Immobilie. Der Immobiliensektor galt immer noch als attraktive und werthaltige Anlageklasse und zog viel frisches Anlagegeld an. 16 Durch den niedrigen Leitzins der Fed waren die Banken in der Lage günstig an Geld zu kommen und es billig weiterzuverleihen. 17 Im Jahr 2003 waren rund 446.000 real-estate loan officers (übersetzt: Hypothekarkreditbearbeiter) und Hypothekenmakler damit beschäftigt, Hypotheken in Rekordhöhe von 4 Billiarden USD zu vergeben. Als der Boom im 4. Quartal 2006 allmählich sein Ende fand, waren in der Branche immer noch 501.000 Personen in mehr als 8.500 Unternehmen beschäftigt. Zu dieser Zeit wurde noch ein Volumen von etwa 2,5 Billiarden USD vergeben.
Das eigene Haus, ein Symbol des American Dream wurde für viele Amerikaner zunächst zur Realität. Dies wurde durch Kredite gefördert, deren Tilgung teilweise erst nach den ersten Jahren begann. Damit konnte ein Kreditnehmer nicht nur sein Eigenheim finanzieren, sondern darüber hinaus auch noch Geld verdienen. Dabei kam es häufig zu dem sogenannte „house flipping“, was einen schnellen Kauf und Verkauf einer Immobilie bedeutet, um somit einen Profit, meist über mehrere Tausend Dollar einzustreichen. Diese Kombination von billigen Krediten und steigenden Immobilienpreisen trieb den Immobilienboom immer schneller voran. Zu dieser Zeit galten die US-Maklerschulen als überlaufen, da jeder durch den Boom mitverdienen wollte. 18 Was hatte man den schon zu verlieren? Anders als in Deutschland
14 Vgl. Sinn, Hans-Werner; Kasino Kapitalismus, S. 56.
15 Vgl. Internetbeitrag Nr.: 17.
16 Vgl. Sommer, Rainer; Die Subprime-Krise, S 79.
17 Vgl. Schäfer, Ulrich; Der Crash , S. 146.
18 Vgl. Sommer, Rainer; Die Subprime-Krise, S. 107.
4
konnten amerikanische Banken im Falle einer Zwangsvollstreckung auf die Immobilie, nicht aber auf das Geldvermögen ihrer Schuldner greifen. Die Folge war, dass sich das Vermögen der Amerikaner mehr auf Spekulationsgewinne aus den Immobilien stützte _ wie der Spiegel es im August 2005 als „Rein fiktiven Reichtum“ betitelte _ anstatt es auf Geldvermögen aufzubauen. 19 Doch nicht nur bei den gebrauchten Immobilien, sondern auch auf dem Markt der Neubauten ließ sich, begünstigt durch billige Kredite und steigende Immobilienpreise, großer Profit schlagen. 20
Die Abbildung II beschreibt die Entwicklung der Neubau-Immobilienverkäufe in den USA. Im Jahr 1995 lag diese Verkaufszahl bei etwa 700.000, zehn Jahre später bereits bei knapp dem doppelten Wert von über 1.389.000 Häusern. 22 Ein weiterer Grund für Investitionen in die eigene Immobilie war für viele US-Amerikaner der Aspekt der Altersvorsorge. In Europa wird diese Vorsorge eher durch Konsumverzicht geleistet, was für eine Sparquote von mindestens 10% sorgt. 23 In den Jahren 2005 bis 2007 erreichte die amerikanische Sparquote hingegen fast null Prozent. Zu sehr verließen sich die US-Bürger auf die Wertsteigerungen ihrer Immobilien, um im Alter abgesichert zu sein. Die Immobilien waren für die meisten
19 Vgl. Internetbeitrag Nr.: 17.
20 Vgl. Sommer, Rainer; Die Subprime-Krise, S. 6.
21 Vgl. Sinn, Hans-Werner; Kasino Kapitalismus, S. 50.
22 Vgl. Sinn, Hans-Werner; Kasino Kapitalismus, S. 50.
23 Vgl. Internetbeitrag Nr.: 5.
5
Arbeit zitieren:
Frederic Krüsmann, 2010, Die US-Immobilienkrise - Ursachenanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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