Inhaltsverzeichnis
1. Das Fernsehen macht offenbar eben doch verrückt - zumindest wenn man
dort arbeitet. - Eine Einleitung 3
2. Die Sitcom 30 ROCK - Ausgangspunkt und Untersuchungsgegenstand dieser
Arbeit. 6
2.1 Einleitendes zur Serie 6
2.2 Übersicht über die wichtigsten Hauptcharaktere. 8
2.3
Medienaneignung im soziokulturellen Kontext 12
2.4
M ögliche Rezeptionspositionen bzw. Lesarten von Medientexten 15
3.
Analyse : Wie die Fernsehserie 30 ROCK das Fernsehen repräsentiert 17
3.1
Selbstreflexivit ät und Spiel mit Genrekonventionen 17
3.2
Parodie und Satire der Fernsehindustrie. 20
3.3
Das (Arbeits-)Verhältnis zwischen Jack Donaghy und Liz Lemon 25
4.
Abschlie ßende Bemerkungen und Fazit. 29
Quellen - und Literaturverzeichnis. 31
Anhang A: Übersicht über die erste Staffel. A-1
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1. Das Fernsehen macht offenbar eben doch verrücktzumindest wenn man dort arbeitet. - Eine Einleitung
Liz Lemon, Chefautorin der NBC-Sketchshow ‚TGS with Tracy Jordan’ hat es wahrlich nicht leicht: Sie muss nicht nur ihren neuen, exzentrischen Programmchef - der vom Fernsehbusiness so gar keine Ahnung zu haben scheint - zufrieden stellen, sondern auch den gegen ihren Willen ins Team geholten, narzisstischen Hauptdarsteller der Show zähmen, das Ego ihrer labilen Freundin und (ab sofort) Nebendarstellerin stärken, ihre faulen Autoren auf Trab halten, versuchen, ihr Privatleben in den Griff zu bekommen - und nebenbei immer wieder so allerhand Schwierigkeiten und Hürden meistern, die der Alltag im Unterhaltungsgeschäft mit sich bringt.
So weit an dieser Stelle und in aller Kürze der Inhalt der US-amerikanischen Sitcom 30 ROCK, die im Fokus der vorliegenden Arbeit stehen soll. In ihrem Produktionsland feiert die Serie große Erfolge, wird mit Auszeichnungen überhäuft und stellte so etwa im vergangenen Jahr mit insgesamt 22 Emmy-Nominierungen unlängst einen neuen Rekord auf. - Seit dem 1. November 2009 läuft 30 ROCK auch in Deutschland, wenn auch mit deutlich geringerer Resonanz: Zu seinem Sendestart hatte sich der digitale Spartenkanal ZDFneo besonders stolz und zuversichtlich über die gesicherten Rechte an der Comedy-Serie gezeigt und sie zu einem der Zugpferde in der Bewerbung des neuen Senders auserkoren (vgl. ZDF 2009: o.S.). Die deutsche Free-TV-Premiere von 30 ROCK am 1. November 2009, einem Sonntagabend, enttäuschte jedoch auf ganzer Linie: 0,0 Prozent Marktanteil lautete das Quotenergebnis, bei dem man unwillkürlich noch ein zweites Mal auf die Zahl sehen muss. Das bedeutet, dass die Zahl der Zuseher unterhalb der Messschwelle gelegen haben muss, d.h. insgesamt weniger als 5.000 Menschen eingeschaltet hatten - ein Ergebnis, dass in der Folge auch in der US-amerikanischen Berichterstattung für einiges Aufsehen gesorgt hat (vgl. Roxborough 2009: o.S.).
Diese kleine Anekdote - die so oder so ähnlich wiederum sicherlich auch Stoff für eine humorvolle Auseinandersetzung innerhalb der Serie selbst liefern würdeverweist gleichzeitig auch auf eine wichtige Beobachtung, auf welche diese Arbeit aufbauen soll. Denn - wie zu zeigen sein wird - ist es eines der wichtigsten Charakteristika von 30 ROCK, mit Mitteln der Parodie und Satire unterschwellig
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Kritik auf eine Dimension zu üben, zu der sie selbst gehört bzw. als Produkt wiederum selbst Teil davon ist: die Rede ist von der US-amerikanischen Fernsehindustrie. Dieses paradoxe und von Widersprüchen durchzogene Verhältnis zeigt sich schon daran, dass in der Serie ganz unverblümt die Arbeit hinter den Kulissen einer (fiktiven) Show des Fernsehsenders NBC persifliert wird - 30 ROCK selbst aber auch im Auftrag von NBC produziert und ausgestrahlt wird. Und wie das folgende Kapitel, in dem wir das übliche Setting und die Hauptcharaktere von 30 ROCK kennen lernen werden, noch genauer darstellen wird, darf angenommen werden, dass es ganz bestimmt nicht Anspruch des Senders ist, den Zuschauern ein wahrheitsgetreues Bild von den eigenen „Zuständen“ zu geben.
Zum Aufbau dieser Arbeit im Einzelnen:
Zielsetzung dieser Arbeit ist es, anhand der Betrachtung der speziell zu diesem Zweck ausgesuchten Sitcom 30 ROCK deren Funktionsweise von Humor und insbesondere der in die Serie eingeschriebenen Kritik genauer zu verstehen. Zu den Gründen, die zur Wahl eben dieses Genres für die Untersuchung geführt haben, zählen neben der Aktualität und Popularität des gewählten Beispiels im Speziellen auch die allgemeine Anerkennung des Genres der Sitcom als eine der ältesten Formen in der Geschichte des Fernsehens. Auf ein ausführliches Eingehen auf die Anfänge und Entwicklung des Genres muss hier jedoch leider verzichtet werden, da dies den Rahmen sprengen würde. Nichtsdestotrotz soll einleitend festgehalten werden, dass die Sitcom über die Jahre einen steten Bedeutungszuwachs auch für die wissenschaftliche Auseinandersetzung erfahren hat, insbesondere etwa seit den 90er Jahren, als mit Formaten wie Roseanne, Eine schrecklich nette Familie oder Die Simpsons die ironischerweise zuvor auch und vor allem in Sitcoms medial konstruierten Familiennormen erstmals offen kritisiert wurden (vgl. Morreale 2003: 247). Inzwischen hat sich die Praxis stark ausgebreitet und es gibt kaum noch einen Lebensbereich, der nicht von einer Serie thematisiert und dabei mal mehr, mal weniger auch unter kritischen Gesichtspunkten repräsentiert wird. Heute lassen sich darüber hinaus auch ästhetische Veränderungen innerhalb des Genres feststellen. So wird immer häufiger auf die in der Vergangenheit das Genre noch konstituierenden „Lachschleifen“ bewusst verzichtet. Dies ist auch bei 30 ROCK der Fall.
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An diese Einleitung schließt sich zunächst ein Überblick über den festen „Mikrokosmos“ von 30 ROCK, d.h. die Kerninhalte, den vertrauten Ort der Handlung und die grundlegende Figurenkonstellation. Dieser ist absichtlich kurz und kompakt gehalten, denn als Untersuchungsgegenstand wird die gesamte erste Staffel betrachtet. Wenn es im Zuge der Analyse sinnvoll erscheint, wird auf spezielle Handlungsstränge deshalb noch einmal im entsprechenden Kontext im Detail eingegangen. Außerdem fasst eine tabellarische Zusammenstellung im Anhang zu dieser Arbeit die wichtigsten Plot-Inhalte sowie spezifische Beobachtungen und technische Auffälligkeiten zu jeder einzelnen Folge - sofern zutreffend - kurz zusammen. In Kapitel 3 folgt dann eine Art „Exkurs“ zu den Cultural Studies und der von Stuart Hall maßgeblich geprägten semiotischen und diskursanalytischen Herangehensweise an „Medientexte“. Dies soll ein Verständnis für die gewählte Arbeitsweise und Methodik der Untersuchung erzeugen, die schwerpunktmäßig schließlich in Kapitel 4 vorgenommen wird. Unter Berücksichtigung beispielsweise der verwendeten Zeichen und Konnotationen, dem Zusammenspiel und Verhältnis der Figuren, Kommentaren auf Dialogebene oder dem Brechen mit tradierten Genrekonventionen soll darin gezeigt werden, wie die Serie mit Themen- bzw. Konfliktfeldern aus dem Medienbereich umgeht.
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2. Die Sitcom 30 ROCK - Ausgangspunkt und Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit
2.1 Einleitendes zur Serie
New York City, Rockefeller Plaza, Hausnummer 30 - hier schlägt sowohl in der Fiktion von 30 ROCK als auch in der Realität das Herz des Senders NBC und hier arbeitet Hauptprotagonistin Liz Lemon (alias Tina Fey) zusammen mit ihrem Team aus Produzenten, Autoren und Schauspielern an fünf Tagen in der Woche an einer Sketch-Comedyshow, die am Ende jeder Arbeitswoche live aus dem angeschlossenen Studio auf Sendung geht. 1 Ihre Welt gerät jedoch gehörig ins Wanken, als ihr in Form von Jack Donaghy, der zuvor im NBC-Mutterkonzern General Electric für die Entwicklung von Mikrowellengeräten verantwortlich war, ein neuer Programmchef in der Hierarchie des Sendergefüges vorgesetzt wird, der vom ersten Tag an nicht davon ablassen kann, sich in den kreativen Prozess der Show einzumischen und auch sonst den gewohnten Lauf der Dinge kräftig zu verändern. Die Handlungsstränge der jeweiligen Episoden konzentrieren sich dabei neben dem Umfeld des Arbeitsplatzes, dem Sendergebäude und der Fernsehindustrie allgemein auch immer wieder auf das Privatleben der Figuren bzw. hier insbesondere der Protagonistin Liz Lemon.
30 ROCK als mediales Produkt erfüllt dabei die meisten Kriterien einer Sitcom und kann daher wohl zweifelsfrei diesem Genre zugeordnet werden: Fiktionalität, ein festes Kernset von Figuren und ein limitierter Handlungsraum, Humor, der aus Alltagssituationen heraus generiert wird sowie überwiegend in sich geschlossene Episoden von (ohne Werbung) rund 22 Minuten durchschnittlicher Dauer (vgl. Knop 2007: 87). Auf bestimmte, bislang für die Sitcom typische Mittel der Inszenierung verzichtet die Serie jedoch bewusst, wie zum Beispiel die Aufzeichnung vor einem Live-Publikum oder untergemischte Lacher vom Band -und folgt damit dem Beispiel vieler Sitcom-Produktionen neueren Datums (vgl. Mills 2009: 31). Dennoch besteht in der wiederholten Reproduktion nach einem Modell ein zentrales Charakteristikum der Serialität. Zusammen mit der oben schon erwähnten Abgeschlossenheit der einzelnen Folgen ergibt sich konkret im Fall von 30 ROCK: Zu Beginn jeder Episode wird meist sehr rasch ein Problem
1 Eine genauere Beschreibung der wichtigsten Charaktere wird noch im folgenden Abschnitt 2.2
erfolgen.
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aufgeworfen (erster Plot Point); es tritt zum Beispiel eine „Störung“ ein, die den sonst gewohnten Ablauf der Showvorbereitung bedroht, welche am Ende aber schließlich gelöst werden kann. Oftmals endet die Episode unmittelbar nach diesem zweiten Plot Point - denn auch dies ist auffällig bei 30 ROCK: Während des Abspanns bzw. der Nennung der „Credits“ setzt die Serie nicht wie weitgehend üblich auf eine finale Szene bzw. letzten Gag, sondern die Einblendungen erfolgen lediglich vor schwarzem Hintergrund und Musik (wobei dies nicht immer eine Version der Titelmusik ist, sondern in einigen Fällen Musik aus der vorangegangen Handlung sein kann und deshalb nicht selten auf eine gesehene Szene anspielt und doch wieder humorellen Wert besitzt). Auch sonst dient die Musik in der Serie oftmals dazu, bestimmte Stimmungen zu inszenieren oder witzige Stellen - obgleich ein „Lacherband“ fehlt - zu kennzeichnen.
An dieser Stelle soll entsprechend auch der Vorspann der Serie nicht außer Acht gelassen werden: Wie bei Sitcoms üblich, korreliert auch bei 30 ROCK eine hohe Anzahl von schnell wechselnden Bildsequenzen mit der (instrumentalen) Titelmusik. Generell lässt sich festhalten, dass die „Opening Credits“ an das konservative Vorspannschema von Serien und Soap Operas angelehnt zu sein scheinen, d.h. die Portraits der einzelnen Figuren - wenn auch hier nur sehr kurz - in den Vordergrund stellen. Der Stil, mit dem dies geschieht, ist aber originell gewählt und wirkt wie bei einer Collage: Die Figuren werden in einer Abfolge von schwarz-weißen Standbildern vor verschiedenen Ansichten des General Electric- Gebäudes,dem zentralen Ort der Handlung, präsentiert. Auffällig hierbei ist, dass dieses häufig aus der Froschperspektive gezeigt wird, was es besonders bombastisch und eindrucksvoll, fast schon dämonisch, erscheinen lasst (vgl. Bratslavsky 2009: 44f.). Die verwendete Blendetechnik zwischen den Bildsequenzen erinnert zudem an die in Fernsehstudios vielfach genutzten und auch in 30 ROCK häufig zur Sprache kommenden „Cue-Cards“, von denen Moderatoren und Schauspieler unbemerkt von den TV-Zuschauern Informationen und Texte ablesen können und die einfach nach vorne umgekippt werden, damit die nächste Seite dahinter sichtbar wird - so ähnlich geschieht es als Anspielung auch mit den Bildern hier.
Im Vorspann wird außerdem schon deutlich, worauf auch in der Komposition der normalen Handlungsstränge offenbar besonderen Wert gelegt wurde: einen möglichst hohen Realitätswert bzw. Authentizität des Gezeigten: So gibt es immer
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wieder Ansichten des „echten“, real existierenden Gebäudes, der es umgebenden Statuen, das originale Pfauen-Logo von NBC und selbst bekannte Gesichter bzw. Stars des Senders in Cameo-Auftritten zu sehen. Eine absichtliche Verfremdung findet nicht statt. - Umso interessanter wird es in Abschnitt 4 sein, die für diese Arbeit besonderen Elemente der Handlung näher unter die Lupe zu nehmen. Dann nämlich, wenn die Serie gezielt darauf eingeht, wie die „Show in der Show“ produziert und welche Unternehmenskultur dabei transportiert wird oder beispielsweise wenn sie sich auf gängige Industriepraktiken wie Marktforschung und Werbung oder die Arbeitsmoral der Autoren bezieht.
Zunächst wollen wir die wichtigsten Figuren von 30 ROCK jedoch näher kennen lernen.
2.2 Übersicht über die wichtigsten Hauptcharaktere
Die Figurengestaltung in 30 ROCK ist gekennzeichnet von einer Art Dichotomie aus originellen und bisweilen „einzigartigen“ Charaktereigenschaften sowie der Konstruktion von klassischen Stereotypen. Da die Charakterisierung hier neben der in Dialogen getroffenen Aussagen und vertretenen Meinungen auch (insbesondere für neue Zuschauer) leicht erschließbar über die Kleidung und das äußere Erscheinungsbild der Figuren erfolgt, wird hierauf in der folgenden Übersicht ebenfalls eingegangen werden.
Liz Lemon (gespielt von Tina Fey) ist die Chefautorin der im Auftrag von NBC produzierten Comedy-Show ‚The Girlie Show’, die schon bald nach Ernennung ihres neuen Programmchefs gegen ihren Willen in ‚TGS with Tracy Jordan’ umbenannt und mit dem gleichnamigen Schauspieler als neuen „main act“ besetzt wird. In ihrer Arbeit, die auch in großem Maße ihr übriges Leben bestimmt, ist sie das Bindeglied zwischen dem kreativen Prozess, der im Kreise ihrer Autoren und Schauspieler stattfindet, und der „Chefetage“, die immer wieder in die gewohnten Arbeitsabläufe eingreift und ökonomische Interessen und Ziele durchzusetzen versucht. Auch ihr Privatleben wird - wie schon erwähnt - hauptsächlich von ihrem Berufsleben dominiert, wobei sich ihr neuer Vorgesetzter selbst in diesen privaten, intimen Bereich ständig ungefragt einzumischen versucht. Zwar führt Liz Lemon eine immer mal wieder neu einsetzende Beziehung mit Dennis Duffy, der wiederum als Prototyp eines - wenn auch liebenswürdigen - männlichen
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Arbeit zitieren:
Christian Undorf, 2010, "Work can be such a production." - Selbstreflexive Fernsehdiskurse und satirische Industriekritik in der US-Serie "30 ROCK", München, GRIN Verlag GmbH
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