Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
2 Theoretische Grundlagen 3
2.1 Nachhaltigkeit 3
2.2 Corporate Social Responsibility CSR 6
2.3 Die Veranstaltungsbranche 9
2.3.1 Kongress 9
2.3.2 Marketingevents 10
2.3.3 Messe 11
2.3.4 Andere Veranstaltungsarten 11
2.3.4.1 Incentives 12
2.3.4.2 Konzert 12
2.3.4.3 Sportveranstaltungen 13
2.4 Green Events 13
2.5 Marketing 15
3 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility in der
Veranstaltungsbranche 18
3.1 Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche 19
3.1.1 Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit 20
3.1.2 Unterschiedliche Nutzung des Begriffs der Nachhaltigkeit. 22
3.1.3 Beweggründe für die Implementierung von Nachhaltigkeit 24
3.1.4 Herausforderung bei der Implementierung von Nachhaltigkeit 25
3.2 Corporate Social Responsibility in der Veranstaltungsbranche 26
3.2.1 Die Entstehung des Corporate Social Responsibility Ansatzes 27
3.2.2 Abgrenzung von Corporate Social Responsibility zu
Corporate Citizenship 30
3.2.2.1 Corporate Giving 31
3.2.2.2 Corporate Foundation 33
3.2.2.3 Corporate Volunteering 33
3.2.3 Motive für Corporate Social Responsibility 34
3.2.4 Kommunikation der Corporate Social Responibility 39
3.2.5 Voraussetzungen und Bedingungen für die erfolgreiche Einführung 40
3.2.6 Argumente gegen ein Corporate Social Responsibility Engagement 41
3.3 Green Events 42
3.3.1 Möglichkeiten eine Veranstaltung in ein Green Event umzuwandeln 42
3.3.2 Gründe für die Organisation von Green Events 44
3.3.3 Schwierigkeiten bei der Organisation von Green Events 45
3.4 Greenwashing 45
Inhaltsverzeichnis III
4 Marketingaktivitäten in Bezug auf ein nachhaltiges und soziales Engagement 50
4.1 Beweggründe zur Einbindung von Nachhaltigkeit- und Corporate Social
Responsibility in die Unternehmenskommunikation 51
4.2 Ausrichtung eines Marketingkonzepts 53
4.3 Schwierigkeiten 55
4.4 Kommunikationsmöglichkeiten 56
4.4.1 Zielsetzung 58
4.4.2 Wirksame Kommunikationsmöglichkeiten 59
4.4.3 Unwirksame Kommunikationsmöglichkeiten in der
Veranstaltungsbranche 60
4.4.3.1 „Ablasshandel“ 60
4.4.3.2 Oberflächlicher Aktionismus 62
4.4.4 Zertifizierungsmöglichkeiten 62
4.5 Zusammenfassung: „Marketingzweck oder echte Verantwortung“ 64
5 Fazit 66
Literaturverzeichnis 69
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Handlungsfelder von Corporate Social Responsibility
Abbildung 2: Gründe für gesellschaftliches Engagement
Abbildung 3: Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit
Abbildung 4: Zentrale Elemente der gesellschaftlichen Verantwortung von
Unternehmen
Abbildung 5: Haus des bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen
Abbildung 6: Einflussfaktoren für gesellschaftliches Engagement.
Abbildung 7: "Sein-Tun-Haben“ Ebenen
Abbildung 8: Unterschied zwischen Sein, Tun, Haben
Abbildung 9: Eingesetzte Instrumente zur Kommunikation des gesellschaftlichen
Engagements
Abbildung 10: Detailplanung eines Green Events
Abbildung 11: Nachhaltigkeitserwähnung in der Werbebranche.
Abbildung 12: Integration der Umweltleistung in die allgemeine
Veranstaltungsziele.
1 Einleitung
Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility - die gesellschaftlichen Themen?
Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility entwickeln sich zunehmend zu sehr wichtigen Themen in der Gesellschaft. Der Gedanke einer gesellschaftlichen Verant-wortung ist inzwischen ein Leitbild, das viele internationale Unternehmen etabliert haben und vor allem Großunternehmen machen sich Gedanken zu dieser Thematik die dadurch versuchen ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht zu werden.
Im Mittelpunkt steht hierbei die Verantwortung aller Beteiligten, unabhängig davon, ob sie direkt oder indirekt von dem Einsatz der Ressourcen betroffen sind.
Der Druck auf die Unternehmen, ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsbemühungen zu verstärken und transparent zu gestalten, hat immens zugenommen. 1 Verstärkt orientieren sich auch Investoren an Nachhaltigkeits- und Corporate Social Responsibilitykriterien. Die Unternehmen reagieren auf die unterschiedlichen Anforderungen der Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten sowie ihren Interessensvertretern. In vielen Branchen ist ein nachhaltiger und sozial engagierter Ansatz nicht mehr wegzudenken. Die Lebensmittelbranche hat den Trend schon vor einiger Zeit erkannt und lockt die Verbraucher mit „Bio-“ und „Öko-Produkten“, während die Automobilbranche versucht, den CO 2 - Ausstoß drastisch zu reduzieren.
Auch die Veranstaltungsbranche hat sich des Themas bereits seit langem angenommen. In vielen Fachzeitschriften, wie zum Beispiel im Verbände Report, m:con Visions, und in der CIM - Conference and Incentive Management wird über Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility berichtet. Die Verbände der Branche stellen sich dieser Diskussion bewusst und suchen nach neuen Lösungsansätzen. Messen wie die IMEX oder die SuisseEMEX mit dem Schwerpunkt „Green Events“ nehmen beständig zu und greifen die Themen auf.
Es ist anzumerken, dass es bei dieser Debatte nicht allein um ökologische und soziale Aspekte geht. Ökonomische und ethische Aspekte rücken genauso in den Vordergrund und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen erzwingen ein Umdenken. Der Trend der Nachhaltigkeit ist inzwischen auch zum Thema der Geschäftsfüh-
1 Vgl. Rücker, in: m-e-n-s-a, 2009, Ausgabe 06, S.6.
rung geworden und schlägt sich zum Beispiel in geänderten Leitbildern und in einer entsprechenden Unternehmensführung nieder.
Auch wenn sich Unternehmen in wirtschaftlich weit entwickelten Ländern zunehmend um ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung kümmern können und bei bestimmten Aspekten angemessenen Verzicht akzeptieren, kann dies nicht von den vielen jungen und dynamischen Volkswirtschaften erwartet werden, die noch immer danach streben, die Lebensstandards der „westlichen Welt“ zu erreichen. Gefragt sind Dienstleistungen und Möglichkeiten, die eine Entkoppelung von wirtschaftlichem Wachstum und Ressourcenverbrauch sowie Umweltverschmutzung ermöglichen und zur Lösung sozialer Probleme beitragen. 2
Im Rahmen dieser Bachelorarbeit sollen die Themen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility untersucht, veranschaulicht und anschließend auf die Veranstaltungsbranche projiziert werden. Es gilt herauszufinden, ob die Veranstaltungsbranche die Thematik seriös betreibt oder es sich grundsätzlich doch um reine Marketingbemühungen handelt, die eher öffentlichkeitswirksam als langfristig verändernd wirken.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in einen allgemeinen und einen spezifizierten Teil, in dem explizit Bezug auf die Nachhaltigkeits- und Corporate Social Responsibility Bemühungen in der Veranstaltungsbranche eingegangen wird.
Im allgemeinen Teil soll zunächst auf die theoretischen Grundlagen der Thematik analysiert werden. Anschließend werden die Begriffe Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility speziell in Bezug auf die Veranstaltungsbranche untersucht, und im vierten Kapitel der Fragestellung nachgegangen, ob Veranstaltungsorganisatoren ihr gesellschaftliches Engagement als echte Verantwortung sehen oder es nur als Marketingeffekt nutzen, ohne wirklich entscheidende Ambitionen. Des Weiteren soll untersucht werden, welche Aspekte ein Marketingkonzept, speziell in Bezug auf ein Nachhaltigkeits- und Corporate Social Responsibility-Engagement in der Veranstaltungsbranche, glaubwürdig und verantwortlich erscheinen lassen. Indem unterschiedliche Kommunikationsmöglichkeiten vorgestellt werden, wird im Gegenzug ebenfalls dargestellt, welche Aspekte eher als ‚Augenwischerei„ verstanden werden können.
Abschließend werden im Fazit alle bisherigen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Verfasserin zusammengefasst und überprüft, sowie versucht auf die zugrunde liegende Fragestellung eine Antwort zu finden, bzw. eine Position zu beziehen.
2 Vgl. Bundesministerium für Umwelt (Hrsg.), 2009, S. 5.
2 Theoretische Grundlagen
In diesem Kapitel soll zunächst auf die theoretischen Grundlagen der vorliegenden Arbeit eingegangen und alle relevanten Begriffe definiert werden, um vorauszusetzen, dass die verwendeten Definitionen übereinstimmend verstanden werden.
2.1 Nachhaltigkeit
Erstmalig bereits im 17. Jahrhundert verwendet, hat das Thema Nachhaltigkeit eine lange Geschichte, in der sich seine Bedeutung und eine mit dem Begriff verbundene Dringlichkeit kaum verändert, jedoch im allgemeinen Verständnis erweitert haben:
„Die Nachhaltigkeitsidee ist überall wo sie in der Geschichte auftaucht, ein Kind der Krise“. 3
Schon Hans Carl von Carlowitz - Oberberghauptmann zu Zeiten August des Starken - stelltefest, dass man in der Forstwirtschaft des 17. Jahrhunderts die Bestände der Natur „mit Behutsamkeit“ 4 nutzen müsse, sodass‚ eine „Gleichheit zwischen An- und Zuwachs und dem Abtrieb des Holzes erfolget“ 5 und die Nutzung „immerwährend“ 6 , „continuierlich“ 7 und „perpetuirlich“ 8 stattfinden könne.
Bis heute ist diese Aussage von großer Bedeutung, wenn es um die Ressourcenschonung geht. Werden den Wäldern dieser Welt durch Schadstoffe in der Luft und im Boden, weiterhin ihre natürlichen Lebens- und Wachstumsvoraussetzungen entzogen, schreitet auch der Klimawandel durch die Schädigung der Ozonschicht immer schneller voran.
3 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10.
(http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhaltigkeit).
4 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10.
(http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhaltigkeit).
5 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10.
(http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhaltigkeit).
6 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10.
(http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhaltigkeit).
7 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10.
(http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhaltigkeit).
8 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10.
(http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhaltigkeit).
Die eigentliche Prägung des Begriffes Nachhaltigkeit, entstand jedoch im Wesentlichen im Jahre 1987 durch den sogenannten Brundtland Report 9 .Die Brundtland Kommission 10 definierte Nachhaltigkeit über zwei wesentliche Aspekte: 11 Zum einen die Befriedigung der Grundbedürfnisse (essential needs) der Armen und zum anderen das Einhalten eines Verfolgungsmusters, das auch zukünftigen Generationen die Nutzung begrenzter Ressourcen ermöglicht (Generationengerechtigkeit).
Mit einer nachhaltigen Entwicklung ("Im Original ‚sustainable development„ genannt und im Deutschen als nachhaltige Entwicklung übersetzt." 12 ) soll also ein Gleichgewicht hergestellt werden, zwischen der Befriedigung von Lebens-, Konsum- oder Produktionsbedürfnisse, der heutigen Generation einerseits und andererseits der Vermeidung eines Risikos für die Befriedigung der Bedürfnisse nachfolgender Generationen. 13 Die Brundtland Kommission weißt mit Ihrer Definition damit ebenfalls auf einen der wesentlichen Grundaspekte der Nachhaltigkeit hin: die Ressourcenschonung.
Jedoch erst im Rahmen der Klimakonferenz der UNO im Jahr 1992 in Rio de Janeiro entstand die Agenda 21, ein Aktionsprogramm für nachhaltiges Wirtschaften im 21. Jahrhundert, in dem der Begriff der Nachhaltigkeit entstand, wie er in der heutigen Literatur genutzt wird.
Ein nachhaltiger und zukunftsfähiger Umgang mit Ressourcen sind die Kernaspekte der Agenda 21, wobei der Begriff der Ressourcen sich in diesem Zusammenhang nicht nur auf Bodenschätze und nachwachsende Rohstoffe, wie noch bei Carl von Carlowitz, beschränkt, sondern auch die vielfältig vernetzten lokalen, regionalen und globalen
9 Definition Brundtland Report: Im Jahr 1987 von der UNO veröffentlichte Bericht, der sich um die Erhaltung der Umwelt kümmert und politische Richtlinien vorgeben
sollte.
10 Definition Brundtland Kommission: Eine von den Vereinten Nationen 1983 gegründete unabhängige Sachkommission, die mit der Erstellung eines Perspektivenberichts
zur langfristigen und tragfähigen, umweltschonenden Entwicklung beauftragt
wurde. Die Kommission setzte sich aus 19 Bevollmächtigten aus 18 Staaten
weltweit zusammen. Gro Harlem Brundtland wurde zur Vorsitzenden gewählt.
(Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit, o.J.,
http://www.Nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_1987_728.htm, abgeru-
fen am 01.07.2010.)
11 Vgl. o.V., http://www.agenda21-treffpunkt.de/info/nachhalt.htm, 2007, abgerufen am 07.03.10.
12 Gunderlach, Hornung-Pickert; Lucas (Hrsg.), 2007, S. 135.
13 Vgl. Wancizek, http://www.oeci.at/wissensportal/sustainability-management-104/, o.J., abge- rufen am 07.03.10, o.S.
Ökosysteme und letztendlich die gesamte Erde mit ihrer Erdatmosphäre mit einschließt. 14
Mit der zunehmenden Bedeutung von Corporate Social Responsibility 15 und der Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung gegenüber Unternehmen, entstand das so- genannte„Drei-Säulen-Modell“. Es beinhaltet die Dimensionen „Soziales“, „Ökologisches“ und „Ökonomisches“, die heutzutage als Ausgangspunkt für die Verankerung von Nachhaltigkeit gelten. Ob die einzelnen Säulen in einem hierarchischen Verhältnis zueinander stehen, ist umstritten und abhängig von dem Betrachtungspunkt der jeweiligen Gruppierung: Für die Wirtschaft hat die Ökonomie Priorität; für Umweltgruppen hingegen stehen die ökologischen Belange an der Spitze, und Gewerkschaften wiederum fokussieren sich auf den sozialen Aspekt. 16
Eine eindeutige Definition des Begriffs Nachhaltigkeit existiert in der vorhandenen Literatur nicht, was die Variationsbreite im Verständnis und in der Nutzung des Begriffes erklärt. Im Kern geht es um die Verantwortung gegenüber der Umwelt, den Mitmenschen und nachfolgenden Generationen, wie Rhan Gunderlach und Annette Hornung- Pickertin ihrem Buch „Die Kunst Nachhaltigkeit zum Event zu machen“ beschreiben: "Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen." 17
Die Autorin verwendet den Begriff Nachhaltigkeit im Verlauf dieser Arbeit im Sinne des Brundtland Reports und der Agenda 21, bei der Betrachtung ob dieser zu Marketingzwecke genutzt wird oder langfristige Ambitionen für eine Umsetzung bestehen.
14 Vgl. o.V., http://www.agenda21-treffpunkt.de/info/nachhalt.htm, 2007, abgerufen am 07.03.10,
o.S.
15 Definition des Begriffes Corporate Social Responsibility siehe Kapitel 2.2.
16 . Vgl. Buchert; et alli, 2009, S. 24; vgl. dazu auch Wancizek,
http://www.oeci.at/wissensportal/sustainability-management-104/, 2008,
abgerufen am 07.03.10, o.S.
17 Gunderlach, Hornung-Pickert; Lucas (Hrsg.), 2007, S. 138.
2.2 Corporate Social Responsibility = CSR
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll jedoch nicht nur auf das Thema der Nachhaltigkeit eingegangen werden, sondern auch die Auswirkungen eines Corporate Social Responsibility Engagements näher betrachtet werden.
Auch für den Begriff Corporate Social Responsibility gibt es bisher keine einheitliche Definition. Im Grünbuch 18 der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2001 wird der Begriff wie folgt beschrieben:
„Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehun- genmit den Stakeholdern zu integrieren.“ 19
In seinem Buch „Corporate Social Responsibility als strategische Herausforderung“ beschreibt Klaus Rainer Kirchhoff Corporate Social Responsibility wie folgt: "Corporate Social Responsibility ist die über Charity-Engagements und Mäzenatentum hinausgehende Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung: wie beispielsweise die Einhaltung der Menschenrechte und sozialer Standards (Code of Conduct), der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen, Umweltschutz sowie die Aufstellung eines Verhaltenkodex gegenüber Mitarbeitern, Stakeholdern und der Gesellschaft." 20
Neben den sozialen Aspekten, wird Corporate Social Responsibility häufig auch im Zusammenhang mit ökonomisch bedingten Beweggründen einer solchen Verantwortung genannt. Wie bereits in Kapitel 2.1 erwähnt, bilden sowohl soziale, als auch ökonomische und ökologische Gesichtspunkte die Grundlage für das sogenannte Drei-Säulen-Modell, welches von einem Unternehmen als Fundament einer sozialen Ver-antwortung gesehen werden kann. Hierauf wird im weiteren Verlauf der Arbeit, in Kapitel 3.1.1, näher eingegangen.
Auf der nachfolgenden Abbildung ist zu erkennen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt Corporate Social Responsibility (CSR) in einem Unternehmen zu integrieren so dass alle Bereiche und Tätigkeiten berücksichtigt werden können. Es werden die verschiedenen Handlungsfelder von Corporate Social Responsibility dargestellt:
18 Diskussionspapier der Europäischen Kommission, welches oft als Vorlage für Verordnungen und Richtlinien dient.
19 Europäische Kommission (Hrsg.), 2001, http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/com/2001/com2001_0366de01.pdf, abgerufen am
03.07.10, o.S.
20 Kirchhoff; Gazdar, et alli (Hrsg.), 2006, S. 17.
Die geforderte Verantwortung von Unternehmen gegenüber der Gesellschaft beinhaltet eine ganze Reihe von Ideen, Strategien und Praktiken, die die Unternehmensführung beeinflussen. 21
Wie in Abbildung 2 zu sehen ist, sind die Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen groß und reichen von der symbolischen Übernahme klangvoller PR-Konzepte, über weitreichende Integration von Corporate Social Responsibility in das unternehmerische Reputations- und Risikomanagement, bis hin zu einer tiefgreifenden strategischen Neuausrichtungen im Kerngeschäft. 22 Wie sich ein Unternehmen jedoch ausrichtet ist sehr individuell und abhängig von der jeweiligen Unternehmenskultur. Ähnlich ist aber, dass Corporate Social Responsibility sowohl innerhalb eines Unternehmens, als auch nach außen hin zwischen Unternehmen und der Gesellschaft, mit dem Ziel wirkt eine nachhaltige und langanhaltende Entwicklung zu schaffen. 23
Corporate Social Responsibility stellt als eine Art Leitmodel dar, was für eine Verant-wortung ein Unternehmen gegenüber all seinen Stakeholdern hat. 24
21 Vgl. Curbach, in Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik, 2007, Ausgabe 8/1, http://www.zfwu.de/fileadmin/pdf/Dissertationsprojekte/8_1_04_Diss_Curbach_imp.pdf,
abgerufen am 29.06.2010, S. 78.
22 Vgl. Curbach, in Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik, 2007, Ausgabe 8/1, http://www.zfwu.de/fileadmin/pdf/Dissertationsprojekte/8_1_04_Diss_Curbach_imp.pdf,
abgerufen am 29.06.2010, S. 78.
23 Vgl. Paul, 2006, S. 68.
24 Paul, 2006, S. 66.
Eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches gesellschaftliches Engagement eines Unternehmens ist immer ein gewisser wirtschaftlicher Erfolg. 25 Denn neben den drei Säulen des zuvor genannten Modells - soziale, ökologische und ökonomische Aspekte - spielen auch wirtschaftliche Betrachtungsweisen eine große Rolle, die häufig unterschätzt werden, wenn ein langfristiger Corporate Social Responsibility-Ansatz implementiert werden soll. 26
In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) entsprechend der Definition der Europäischen Kommission in ihrem Grünbuch aus dem Jahr 2001 verstanden.
25 Vgl. Kirchhoff; Gazdar, et alli (Hrsg.), 2006, S. 22.
26 Vgl. Kirchhoff; Gazdar, et alli (Hrsg.), 2006, S. 22.
2.3 Die Veranstaltungsbranche
Der Begriff „Veranstaltungsbranche“ konnte nicht eindeutig definiert werden, da auch nach längerer Suche keine geeigneten Quellen für eine Definition gefunden werden konnten. Bei der weiteren Bearbeitung der vorliegenden Bachelorarbeit wird deshalb von der folgenden Beschreibung ausgegangen:
Die Veranstaltungsbranche umfasst die Personen, die Veranstaltungen durchführen. Dazu gehören unter anderem Verbände, Messegesellschaften, Professional Conference Organiser (PCO), Eventagenturen und auch freie Mitarbeiter der Branche. Das Produkt der Branche beinhaltet verschiedene Arten von speziell organisierten Veranstaltungen, die sich durch Inhalt, Anlass, Zielgruppe, Größe, Dauer, und Erlebnisumfeld voneinander unterscheiden, jedoch alle den Charakter eines erlebnisorientierten und emotionalisierten Ereignisses haben. Im Folgenden sollen die häufigsten Veranstaltungsarten kurz vorgestellt werden, um dem Leser einen Überblick über die verschiedenen Ausrichtungsmöglichkeiten einer Veranstaltung zu geben, in deren Planung, Organisation und Durchführung Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility integriert werden kann. Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt jedoch auf dem Kongress-, Messe-, und Eventbereich.
2.3.1 Kongress
Als Kongress wird in der Regel eine Versammlung bezeichnet, die an wechselnden Orten, als ein- oder mehrtägige Zusammentreffen von Menschen mit gleichen oder ähnlichen Interessen im Rahmen einer Einladung einer Organisation oder eines privaten Veranstalters zu wissenschaftlichen oder fachlichen Themen stattfindet. Diese Zusammentreffen werden häufig mehrere Jahre im Voraus festgelegt und dienen sowohl dem Wissens- und Erfahrungsaustausch, als auch der personalen Kommunikation. 27 Neben den Vorträgen, Diskussionen und Arbeitsgruppen, wird häufig zusätzlich noch ein Rahmenprogramm angeboten, welches sowohl touristische als auch fachliche Exkursionen enthalten kann. 28
27 Vgl. Goschmann, 2000, S. 91.
28 Vgl. Goschmann, 2000, S. 90.
2.3.2 Marketingevents
Auf Grund der Informationsflut, der Kunden heutzutage ausgesetzt sind, gehen Unternehmen immer häufiger dazu über, ihre Produkte in speziell dafür organisierten Veranstaltungen zu präsentieren. 29 Durch die Emotionalisierung der Botschaft, wird dem Kunden das Unternehmen in einem „von ihm positiv empfundenen Umfeld“ 30 vorge- stellt„und dadurch das Unternehmen und seine Leistungen mit diesen positiven Eindrücken in Verbindung " 31 gebracht. Diese speziell organisierten Veranstaltungen werden häufig als Events bezeichnet.
Der Marketingexperte Bruhn beschreibt das Event als "ein Event ist eine besondere Veranstaltung oder ein spezielles Ereignis, das multisensitiv vor Ort von ausgewählten Rezipienten erlebt und als Plattform zur Kommunikation von Unternehmen genutzt wird.“ 32
Des Weiteren dienen Events der erlebnisorientierten Vermittlung und Implementierung der Marketingziele eines Unternehmens. Mit Hilfe von Emotionen und Erlebnissen werden dadurch Kundenbindungen verstärkt und neu aufgebaut. 33 Auch die Imagepflege und Unternehmenskommunikation finden immer häufiger im Rahmen von derartig organisierten Inszenierungen statt. 34
Ein weiterer Aspekt ist, dass Events einen zeitlich begrenzten und damit vergänglichen Charakter haben. Umso größer ist die Herausforderung, innerhalb kurzer Zeit einen lange anhaltenden Eindruck zu vermitteln. Dies ist nur möglich, wenn Events Aufmerksamkeit erzeugen, indem sie Begegnung und Beziehungen ermöglichen. 35 Die menschliche Aufmerksamkeit wird hier als eine knappe Ressource betrachtet, die am wirkungsvollsten gebunden wird, wenn die anwesenden Teilnehmer in die Ereignisse involviert werden, d.h. sowohl reagieren als auch agieren dürfen. Durch diese Interaktion wird das Erlebte entsprechend eindrücklich erlebt und später erinnert. 36
29 Vgl. Lucas, 2007, S. 3.
30 Bruhn, Meffert, 2009, S. 295f.
31 Bruhn, Meffert, 2009, S. 295f.
32 Bruhn, Meffert, 2009, S. 295f.
33 Vgl. Lucas, 2007, S. 17f.
34 Vgl. Lucas, 2007, S. 3.
35 Vgl. Paul, 2006, S. 19; vgl. dazu auch Lucas, 2007, S. 21.
36 Vgl. Lucas, 2007, S. 23; vgl. dazu auch Paul, 2006, S. 66.
2.3.3 Messe
Eine Messe ist nach Paragraph 64 GewO (Gewerbeordnung) „eine zeitlich begrenzte, im allgemeinen regelmäßig wiederkehrende Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Ausstellern das wesentliche Angebot eines oder mehrerer Wirtschaftszweige ausstellt und überwiegend nach Muster an gewerbliche Wiederverkäufer, gewerbliche Verbrau- cheroder Großabnehmer vertreibt.“ 37
Da eine Messe - ebenso wie alle anderen bereits vorgestellten Veranstaltungsarten - einenimmateriellen Charakter besitzt, steht der persönliche Kontakt und eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Veranstaltern, Ausstellern und Besuchern im Vorder-grund. Damit soll auch bei einem hohen Fremdeinfluss die Kundenausrichtung des Dienstleistungsangebots gewährleistet werden. 38
Darüber hinaus handelt es sich bei einer Messe um eine Marktveranstaltung, bei der die Präsentation von Produkten zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort stattfindet, die Zielgruppe jedoch meist nur ungefähr definiert, aber nicht eindeutig bestimmt ist. 39
2.3.4 Andere Veranstaltungsarten
An dieser Stelle sollen kurz weitere Veranstaltungen, neben Kongressen, Events und Messen, definiert werden, die in der Veranstaltungsbranche geplant, organisiert und durchgeführt werden. Sie werden in der vorliegenden Arbeit nur der Vollständigkeitshalber erwähnt, sind jedoch nicht entscheidend für die Betrachtung ob Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility ein echtes Bemühen oder ein Marketingeffekt darstellen.
37 GewO §64, 2008, S. 42
38 Vgl. Kirchgeorg, 2003, S. 367.
39 Vgl. Goschmann, 2000, S. 115.
2.3.4.1 Incentives
Incentives werden oft im Rahmen von unternehmensinternen Leistungswettbewerben als „Belohnung“ ausgeschrieben und sollen dazu dienen, die entsprechenden Mitarbei- terzu motivieren und zu begeistern, um dadurch eine Leistungssteigerung zu erreichen. 40 Sie können sowohl abteilungsspezifisch, als auch unternehmensweit ausgeschrieben werden.
Auch wenn Incentives oft eine positive Auswirkung auf die Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens haben, kann es dennoch zu negativen Folgen kommen, wenn der Ausschreibung und der Kommunikation der Ziele keine klare Planung zugrunde liegt und eine Chancengleichheit unter den Mitarbeitern nicht gewährleistet ist. 41 Incentives können sowohl einen materiellen Wert in Form von Sachleistungen als auch einen immateriellen Wert in Form von extra organisierten Veranstaltungen oder Reisen haben.
Aber auch außerhalb von Unternehmen werden Incentive-Veranstaltungen organisiert. So laden beispielsweise Hotels Agenturen ein, da sich das jeweilige Hotel mehr Buchungen verspricht als von den Mitbewerbern der Agentur auf dem Markt. Das Hotel verspricht sich durch die zusätzlich erbrachte ‚Aufmerksamkeit„ und einen dadurch in- tensiviertenKontakt einen Wettbewerbsvorteil.
Incentives werden demnach nicht nur intern als Motivationsmöglichkeit für die eigenen Mitarbeiter des Unternehmens genutzt, sondern helfen auch die nötige Kundenbindung entstehen zu lassen.
2.3.4.2 Konzert
Ein Konzert ist ein Musikvortrag, der vor einer zu diesem Zweck versammelten Hörerschaft privat oder öffentlich aufgeführt wird. 42
Konzerte können von sehr unterschiedlicher Natur sein: Während ein Jazzkonzert eine Art Clubatmosphäre erzeugt, bilden Rock- und Pop-Konzerte meistens eine zwanglose Massenzusammenkunft. Bei klassischen Konzerten wird der Begriff Konzert wiederum als die Zusammenführung verschiedener Instrumente und Künstler verstanden. 43
40 Vgl. Goschmann, 2000, S. 73.
41 Vgl. Goschmann, 2000, S. 73.
42 O.V., http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/791036, o.J., abgerufen am 30.06.10, o.S.
43 Vgl. o.V., http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/791036, o.J., abgerufen am 30.06.10, o.S.
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