Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort Seite 2
2 Was ist Hochbegabung? Seite 2
3 (Wie) Kann man Hochbegabung erkennen? Seite 7
3.1 Verhaltensmerkmale von hochbegabten Kindern Seite 7
3.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede im Allgemeinen Seite 8
3.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Hochbegabten Seite 8
3.4 Das Phänomen Underachievment Seite 10
3.5 Unterschiede in der Attribution von Leistung Seite 11
4 Förderung(-sansätze) für Hochbegabte Seite 12
4.1 Allgemeine Förderaspekte und prinzipien Seite 12
4.2 Förderung im Sachunterricht Seite 13
5 Fazit Seite 15
6 Literaturverzeichnis Seite 17
7 Anhang Seite 18
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1 Vorwort
Das Thema Hochbegabung fand über Jahre hinweg abseits des einschlägigen wissenschaftlichen Diskurses kaum gesellschaftliche Beachtung. Seit einigen Jahren gewinnt nicht nur die kommerzielle Vermarktung des Phänomens, sondern vor allem die empirische Erforschung und die Übertragung auf pädagogische Arbeitsfelder an Bedeutung (vgl. Stapf 2004: 14). Trotzdem wird Hochbegabung z. B. in dem Kerncurriculum für die Grundschule des Faches Sachunterricht oder in gängigen Einführungswerken der Grundschulpädagogik (z. B. Topsch 2004 und Drews et al. 2000) in keiner Weise erwähnt und auch ein aktuelles Lehramtsstudium ist zu durchlaufen möglich, ohne einmal mit dieser Thematik in Berührung gekommen zu sein. Im Wintersemester 2007/08 nahm ich an einem Seminar zur Hochbegabung teil. Mein dadurch gewecktes Interesse konnte durch die Seminarsitzungen und mein Referat nicht gestillt werden, weshalb ich für die Möglichkeit dankbar bin, meinem Wunsch nach Vertiefung im Rahmen dieser Hausarbeit nachkommen zu können. Im Vordergrund steht für mich dabei weniger die Abhandlung von Intelligenz- und Hochbegabungsmodellen, sondern die Darstel- eschlechtsspezifischen Unterschiedenund För-
derungsansätzen, da es diese Bereiche sind, die für die Zukunft angehender LehrerInnen von Vorteil sind.
2 Was ist Hochbegabung?
Der Begriff Hochbegabung fußt auf dem Wort Begabung, das in unserer Gesellschaft auf viele Weisen verwendet wird. So werden beispielsweise betörende Musiker, einfallsreiche Wissenschaftler und ins Staunen versetzende Sportler vom Volksmund als begabte Personen 1 bezeichnet. Darüber hinaus ist man sich einig, dass jedes Kind besondere Stärken und Begabungen in den verschiedensten Bereichen hat, z. B. im motorischen, künstlerischen, musischen oder auch im sozialen Bereich. Der Begriff Hochbegabung findet erst dann Verwendung, wenn hierbei bestimmte Fähigkeiten einzelner Kinder ganz besonders herausragen (vgl. Rohrmann 2005: 38). Hochbegabung ist rein äußerlich jedoch nicht erkennbar, da hochbegabte Kinder in Situationen, in denen ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht zum Einsatz kommen, nicht auffallen können. Erst wenn bestimmte Problemstellungen, Situationen und/oder Gegebenheiten ein- bzw. auftreten, wird die (Hoch-)Begabung sichtbar. So benötigte der musisch hochbegabte Wolfgang Amadeus Mozart ein Musikinstrument, benötigte Pablo Picasso Leinwand, Farbe und Stifte und Charlie Chaplin seinerseits Theaterbühne, Film
1 Im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit werde ich ausschließlich von Kindern sprechen, da diese die
Zielgruppe meiner Ausarbeitung darstellen, wobei die meisten Gegebenheiten natürlich auch auf
Menschen im Allgemeinen, also Menschen aller Altersstufen, zutreffen.
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und Publikum. Einem mathematisch Hochbegabtem wiederum bedarf es an außergewöhnlich kniffligen Fragen, Aufgaben oder Problemen der Mathematik (vgl. Stapf 2004: 14 und Prause 1998: 267ff). Eine Unterscheidung in hochbegabt und nicht-hochbegabt ist meist erst im Vergleich mit anderen Kindern möglich, die eben keine schwierigen Mathematikaufgaben lösen, Musikinstrumente virtuos beherrschen oder Charaktere darstellen können. In Deutschland wird der Begriff Hochbegabung bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts von Psychologen und Pädagogen verwendet. William Stern, der gemeinhin als Erfinder des Intelligenzquotienten gilt, war einer von ihnen. Stern betätigte sich Anfang der 1920er Jahre ausgiebig auf dem Gebiet der Intelligenzforschung bei Kindern und Jugendlichen und nutzte den Begriff Hochbegabung sinngemäß als höchste Ausprägung der Intelligenz (vgl. Stapf 2004: 15f). Durch ein Jahrhundert an Forschung in dem Bereich der (Hoch-)Begabung vor allem in Deutschland und den U.S.A. mit unzähligen Thesen, Gegenthesen, verschiedenen Ergebnissen und Interpretationen-Eichbaum 1928:
40; zitiert nach: Stapf 2004: 16) entwickelt, die auch heute noch in ihren Nachwirkungen spürbar ist. So sind viele der derzeitig kursierende Mutmaßungen und Annahmen von Meinungen aus früheren Dekaden mit beeinflusst, wie z. B. von der These Wilhelm Lange- - bishöchstintelligente Personen sehr häufig eine gestörte Persön-hinaus fallen im aktuellen fachlichen Diskurs die Definitionen von Hochbegabung sehr unterschiedlich aus. Laut Aiga Stapf (2004: 17) kann die Zuschreibung von Hochbegabung auf zweierlei Arten erfolgen:
1. Hochbegabte werden als Personen definiert, die etwas Außergewöhnliches leisten, die extrem schwierige Aufgaben lösen, ein höchst ungewöhnliches Werk schaffen, ungeachtet der Leistung anderer Personen (absolutes, qualitatives Kriterium).
2. Hochbegabte sind solche Menschen, die in einem festgelegten Bereich eine so hohe Leistung aufweisen, wie sie nur noch von wenigen Personen der Bezugsgruppe erbracht werden kann. Dabei ist die Setzung einer quantitativ zu bestimmenden Grenze (cutoff point) erforderlich (relatives, quantitatives Kriterium).
Bei der Bestimmung von Hochbegabung hat es sich jedoch als extrem schwierig erwiesen, ein objektives qualitatives Kriterium zu entwickeln, durch das eine eindeutige Unterscheidung in hochbegabt und nicht-hochbegabt ermöglicht wird. Das ist der Grund, warum Wissenschaftler heute das quantitative Kriterium wählen und die Leistung ihrer Probanden daher mit den Leistungen einer Vergleichsgruppe in Beziehung setzen (die Leistung wird hierbei anhand psy-
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chologischer Tests ermittelt). Als hoch- bzw. höchstbegabt werden dabei diejenigen Personen mit den höchsten Messwerten bezeichnet (vgl. ebd.).
Hochbegabung wird derzeit fast ausschließlich anhand des Intelligenzquotienten diagnostiziert, der durch einen Intelligenztest ermittelt wird. Anfang des letzten Jahrhunderts entwickelten Binet und Simon den ersten Intelligenztest, in welchem sie unter Intelligenz die Fähigkeit, gut urteilen, verstehen und denken zu können, verstanden. Seitdem unterlag der Begriff Intelligenz einer Vielzahl von (Um-)Deutungen und Zusammenstellungen. Viele Jahrzehnte wurde er ausschließlich mit kognitiven Leistungen gleichgesetzt. Bis heute hat er jedoch den Sprung über die Grenzen der einschlägigen Forschungsgebiete geschafft und sogar Einzug in die Umgangssprache gehalten. So spricht man heute ganz selbstverständlich von der Intelligenzbestie (vgl. Rohrmann 2005: 38f). Zudem erschienen in den letzten Jahren zahlreiche Bücher über Varianten der Intelligenz wie die Moralische Intelligenz (siehe hierzu: Coles 2001) oder die Emotionale Intelligenz (siehe hierzu: Goleman 2004). Aus den langen Reihen der Intelligenzmodelle soll hier nur das Generalfaktor-Modell von Charles Spearman erwähnt werden, da es nicht nur als Grundlage vieler klassischer Intelligenztests, sondern auch einiger Modelle von Hochbegabung dient. Spearmans Konzept nach, i- genzeine einheitliche Größe bzw. ein einheitlicher Faktor, der intellektuelle Leistungen in Konträr dazu gehen viele For-
scher von mehrdimensionalen Modellen aus. Stapf grenzt diesbezüglich die Begriffe Intelligenz und Begabung klar voneinander ab. In Anlehnung an Stern bestimmt sie Intelligenz als die Fähigkeit zu abstrakt-analytischem Denken. Folglich ist Intelligenz gleichzusetzen mit intellektueller Fähigkeit (Begabung) als Denk- oder Problemlösefähigkeit mit spezifischen Fähigkeitsdimensionen wie verbale und mathematische Intelligenz, räumlich-abstraktes Vorstellungsvermögen etc. Insgesamt werden folgende fünf Fähigkeits- bzw. Begabungsbereiche unterschieden, die als relativ unabhängig voneinander gelten (vgl. Stapf 2004: 18):
- Intellektuelle Fähigkeit (Intelligenz),
- Soziale Fähigkeit (interpersonale Kompetenz),
- Musische Fähigkeit (Musikalität),
- Bildnerisch-darstellende Fähigkeit,
- Psychomotorisch-praktische Fähigkeit.
In der Hochbegabtenforschung besteht weitestgehend Einigkeit darüber, beim Menschen von verschiedenen Fähigkeits- bzw. Begabungsbereichen auszugehen, wobei sich in den verschiedenen Konzeptionen einzelne Bereiche, Inhalte und Zuordnungen unterscheiden (z. B. Ist
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Kreativität ein einzelner Begabungsbereich? oder Gehören Einfallsreichtum, Flexibilität des Denkens oder Wortgewandtheit ausschließlich zur intellektuellen Fähigkeit?). Aus wissenschaftlicher Sicht wird Hochbegabung nach wie vor hauptsächlich als überragende intellektuelle Leistungsfähigkeit definiert, was andere Begabungsbereiche somit ausspart. Praktiker legen die Definition hingegen eher etwas breiter aus, sodass sie auch andere der o. g. Bereiche einschließt. In Deutschland hat man sich wie bereits erwähnt darauf geeinigt, diejenigen als hochbegabt zu bezeichnen, die in Intelligenztests am Besten abschneiden (quantitatives Kriterium). Diese zwei bis drei Prozent der Bevölkerung haben entsprechend einen Intelligenzquotienten von 130 und höher. In diesem IQ-Bereich werden die Begriffe hoch-und höchstbegabt recht unterschiedlich zur weiteren Differenzierung verwendet (vgl. Rohrmann 2005: 49f). Es existieren zurzeit zahlreiche Modelle, die das Phänomen Hochbegabung begrifflich darzustellen versuchen. Die am weitesten verbreiteten Modelle sind:
- das Drei-Ringe-Modell von Renzulli,
- das triadische Interdependenzmodell von Mönks,
- das differenzierte Begabungs- und Talentmodell von Gagné und
- gsmodell von Heller.
Auf die einzelnen Modelle näher einzugehen, ist weder das Ziel dieser Hausarbeit, noch in dessen Rahmen überhaupt möglich (ausführlich bei: Busse 2007: 55-62). Alles in allem basieren alle vier Modelle hohe Leistung in Intelligenztests für
die Bestimmung von Hochbegabung entscheidend und die Messung von Intelligenz prinzipi- - und ebd.: 52f). Besonders hervorzuheben
ist zudem die Bedeutung von Umweltfaktoren und Wechselwirkungen zwischen dem Individuum und der Umwelt für das Erbringen herausragender Leistungen jeglichen Bereiches. Diese wird in den Modellen verschieden hoch eingestuft, aber nie in Zweifel gestellt (vgl. Busse 2007: 62). Letztendlich finden sich in allen Modellen die Kinder, die Potenzial besitzen, dieses aber nicht in Leistung umzusetzen vermögen, wie z. B. die sogenannten Underachiever (vgl. Rohrmann 2005: 53).
Eine Orientierungsmöglichkeit in der Hochbegabungsthematik, die sich m. E. für angehende Lehrkräfte lohnt, ist die Auseinandersetzung mit dem Mikado-Modell von Thomas Trautmann. Trautmann (2004: 182) begründet sein Modell auf der Annahme, dass die jeweilige e- menteaus Anlagen, Umweltfaktoren und dem Selbst [ist] Hierbei sind als Begabungsfaktoren z. B. Denkschnelligkeit, Phantasie, Einfallsreichtum, Fleiß und Ehrgeiz zu sehen. Dazu
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Arbeit zitieren:
M.Ed. Georg Rabe, 2008, Wer ist hier hochbegabt?, München, GRIN Verlag GmbH
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