1. MARIA DE ZAYAS Y SOTOMAYOR
1.1 Ihr Leben
Über das Leben von María de Zayas y Sotomayor gibt es nur wenige Informationen. Sie wurde in Madrid geboren und lebte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, weder Geburts- noch Todesjahr sind genau bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass sie nach 1647 starb, da es seitdem keine Notizen mehr von ihr gab.
Wie die meisten Schriftstellerinnern zu der Zeit war auch Zayas ein Autodidakt, so dass sie sich alles, bis auf lesen und schreiben, da sie dies von einem Privatlehrer lernte, selbst beibrachte. María de Zayas y Sotomayor war die bekannteste Schriftstellerin der Zeit. In ganz Europa wurde sie berühmt und hatte großen Erfolg auf dem zeitgenössischen Buchmarkt.
1.2 Ihre Ideologie
Im kaiserlichen Spanien hatte die Frau eine untergeordnete Stellung. Sie hatte lediglich die Aufgabe, das Haus zu führen und die Kinder zu erziehen. Sie war abhängig vom Mann und hatte nahezu keinerlei Rechte. Die derzeitige Unterlegenheit basiert auf frühen theologischen, philosophischen und wissenschaftlichen Theorien. Die Theologen begründeten ihre Ansichten zum einem anhand des „göttlichen Gesetzes“ („ley divina“), welches die Unterordnung der Frau vorschreibt, zum anderen mit dem „natürlichen Gesetz“ („ley natural“), welches die männliche Übermacht rechtfertigt. Der Mann sei von Natur aus stärker, rational denkend und dazu bestimmt, dominant zu sein. Er repräsentiere den Staat und sei für ihn verantwortlich. Die Frau sei von Natur aus schwach, minder gebildet und emotional. Ebenfalls sei sie unfähig, sich am politischen Geschehen zu beteiligen. Nach philosophischen Theorien sei die Frau ein entstellter Mensch („hombre mutilado“). Schon Aristoteles sah sie als unvollkommenes Tier („animal imperfecto“) an. In den wissenschaftlichen Theorien stellt der Mann die Seele und die Frau den Körper bezüglich der Sexualität dar. 1
1 Olivares, Julián: María de Zayas y Sotomayor: Novelas amorosas y ejemplares. Madrid: Ediciones
2
Weder mit der mit der allgemeinen Betrachtungsweise noch mit der Art und Weise des Umgangs mit der Frau fand Zayas Berührungspunkte. Sie stellte das Zuhause der damaligen Zeit sogar als Ort der Gewalt dar, wo die Frau geschlagen, vergiftet, gewürgt und verletzt wird, von Ehemännern, Schwagern, Schwiegervätern und Brüdern. Sie sah die Welt, und vor allem das Zuhause, als Ort der Geschlechtskämpfe an. 2
Die 'novelas' der María de Zayas y Sotomayor tragen dazu bei, eine neue Perspektive der Gattungsform 'novela' zu entdecken, indem sie ein neues Denken über Ideologie vermitteln. Im Vordergrund steht hierbei die Stellung der Frau. Im Gegensatz zu den konventionellen 'novelas', die die weibliche Sexualität unterdrücken, entfaltet Zayas sie immer mehr. 'Novelas' männlicher Autoren enden hauptsächlich mit einer glücklichen Ehe. Die der Zayas jedoch haben meist ein tragisches Ende. Vor der Ehe ist der Liebste höflich, zurückhaltend und fürsorglich, und wird als gutmütiger Mensch angesehen. Nach der Hochzeit allerdings wendet sich das Blatt und er wird zu einem widerrechtlichen, unbarmherzigen und bösen Weiberhelden. Die feministische Perspektive in den 'novelas' ist der hauptsächliche Beitrag, der von Zayas in die Geschichte der 'novela' einging. Zayas ist originell, da sie, im Gegensatz zu den zeitgenössischen Autoren, die Geschlechterbeziehungen zum Hauptthema macht, Partei für die Frau ergreift und das feministische Thema durch Verzicht auf Ehe und Leben in Gesellschaft auf den Höhepunkt bringt.
1.3 Ihre „Novelas amorosas y ejemplares“
Die Novelas amorosas y ejemplares von María de Zayas y Sotomayor wurden 1637, zu der Zeit des Siglo de Oro, erstmals veröffentlicht. Einige Jahre später gab es eine Neuauflage, basierend auf der Ausgabe von 1637. Insgesamt wurden die 'novelas' neunmal gedruckt, welches die zweithöchste
Cátedra, 2000. (S.21)
2 Olivares, Julián: María de Zayas y Sotomayor: Novelas amorosas y ejemplares. Madrid: Ediciones Cátedra, 2000. (S.25)
3
Auflagenanzahl in der Gattungsform 'novela corta' 3 ist. Den Rahmen für die hier erzählten Geschichten bildet eine Zusammenkunft von fünf jungen Damen und fünf jungen Herren der Madrider Gesellschaft im Hause der schönen Lisis, die aus Liebeskummer erkrankt ist. In den fünf Nächten zwischen Weihnachten und Neujahr erzählen die jungen Leute zur Unterhaltung der Kranken jeweils abwechselnd zwei Novellen. Die Inhalte der Novellen „Der gewarnte Betrogene“ („El prevenido engañado“) und „Wer sich wagt geht zugrund“ („Aventurarse perdiendo“) fasse ich im Punkt 2 zusammen, weshalb ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehe.
Die Ziele der 'Novelas amorosas y ejemplares', zusammen mit den 'Desengaños' 4 , sind zum einen die Bewusstmachung der Frauen, aber auch der Männer. Die Frauen möchte sie vor den Enttäuschungen und Lügen der Männer warnen, damit sie, soweit möglich, kein Opfer mehr sein müssen. Die Männer möchte sie ermahnen, indem sie die Schlechtigkeit der Männer durch ausführliche Beschreibungen von ihren Missbräuchen und Täuschungen der Frauen etc., ihnen vor Augen führt. Ferner versucht Zayas die Frauen zu verteidigen und das Bild (bzw. das Image) zurechtzurücken, welches von männlichem Reden und Schreiben verfälscht wurde. Dies verdeutlicht sich an einem wesentlichen Merkmal des Werkes: der Feminismus mit der weiblichen Selbstständigkeit. Bemerkenswert, und sehr ungewöhnlich im Bezug auf die damalige Zeit, ist die Herausstellung der sexuellen Autonomie der weiblichen Gestalten und die Betonung des sexuellen Charakters der Beziehungen. Das sexuelle Leben der Frauen wird in den 'novelas' 5 vollkommen neutral und zum Teil sehr detailliert geschildert, was zu der Zeit eigentlich verboten war. Dies zeigt den nahezu revolutionären Gedanken und ebenfalls den Willen von Zayas, die Frau gleichberechtigt zu behandeln.
María de Zayas nannte ihre Novellen bewusst nicht 'novelas' sondern
3 Die spanische 'novela corta' etablierte sich durch die „Novelas ejemplares“ von Cervantes,(1637) als eigene Gattung.
4 In den „Desengaños amorosos“ , aus dem Jahre 1648, dominiert nicht wie in den „Novelas amorosas y ejemplares“ die feministische Selbstständigkeit, sondern die Betrügereien der Frauen.
5 Das im Titel vorhandene Attribut „ejemplares“ ist ein typisches Modeattribut der spanischen Novellensammlung des 17. Jahrhunderts und verdeutlicht, dass 'novela' in diesem Fall nicht als Roman zu verstehen ist. Aus diesem Grund verwende ich dies fortlaufend.
4
Arbeit zitieren:
Frauke Schaper, 2006, Maria de Zayas y Sotomayor - Leben und Werke, München, GRIN Verlag GmbH
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