1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit thematisiert die Länder Deutschland und Spanien in den 60er Jahren. Insbesondere geht es um die für das jeweilige Land prägenden Phä-‐ nomene.
Zunächst wird die gesellschaftliche und die wirtschaftliche Lage dieser Zeit in Deutschland erläutert, vor allem in Hinblick auf die tiefgreifenden Veränderungen. Die deutsche Gesellschaft entwickelte sich. Besonders bedeutsam war die 68er-‐ Revolution, die hier kurz erläutert wird. Im Hinblick auf die Wirtschaftssituation durchlebt Deutschland die „langen 60er-‐Jahre“, in denen viele Änderungen statt finden. Das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und Italien bzw. Spanien wird an dieser Stelle thematisiert.
Die derzeitige Bundesrepublik Deutschland ist besonders geprägt durch die zu-‐ strömenden Massen an Gastarbeitern und durch Arbeitsmigration. Diese Beein-‐ flussung wird anschließend dargestellt. Abschließend wird die Rolle der Tourismus vorgestellt, speziell im Hinblick auf die Entwicklung, Ziele und Auswirkungen. Spanien ist geprägt durch den Tourismus. Bevor dies thematisiert wird, werden auch hierfür die damalige gesellschaftliche und die ökonomische Situation be-‐ schrieben. Auch die spanische Gesellschaft entwickelte und verändert sich. Bezüg-‐ lich der wirtschaftlichen Situation ist zeitlich gesehen im Jahre 1939 anzusetzen, da es zu dem Zeitpunkt zu einer entscheidenden politischen Wende kam, die die Wirtschaft und Gesellschaft beeinflusste. Ebenfalls wird die Gastarbeit bezüglich Spanien thematisiert, jedoch auf aktuellerer Basis.
Mit dem entstandenen Tourismus-‐Boom hat sich Spanien erneut verändert, wirt-‐ schaftlich, gesellschaftlich und politisch. Die Neuerungen, sowie die daran ge-‐ knüpften Vor-‐ und Nachteile, werden jeweils dargelegt.
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2. Deutschland - eine Nation geprägt von Arbeitsmigration
Unter Arbeitsmigration versteht man das Auswandern in ein anderes Land als das Heimatland um in dem Zielland zu arbeiten. Eben diese Form der Migration hatte enorme Auswirkungen auf die Situation in Deutschland während der 1960er Jahre, doch ebenso war auch die Situation in Deutschland ausschlaggebend für die enorme Zahl der Arbeitsmigranten.
2.1 Die gesellschaftliche Situation in den 60er Jahren
Während der 1960er Jahre lebte Deutschlands Gesellschaft in einem bis dato un-‐ bekanntem Wohlstand. Die zunehmende technische Entwicklung und die Verbrei-‐ tung der Medien verbesserten und beeinflussten den Lebensstil ungemein. Das in den Medien dargestellte Familienbild entsprach der Realität. Die Frauen waren zu Beginn der 6oer Jahre noch häufig die Verkörperung der Hausfrau, die sich um Haus und Kinder kümmerte. Die Mutterrolle war klar definiert, wenn die Frau denn verheiratet war. Unverheiratete Frauen mit unehelichen Kindern hatten es nicht leicht in der damaligen Gesellschaft. Sie „waren gesellschaftlich geächtet und wurden rechtlich benachteiligt.“ 1 Im Laufe der Zeit änderte sich das Familienbild, denn immer mehr Frauen hielten Einzug in das Berufsleben. Auch dadurch bedingt konnten sich viele Familien ein eigenes Auto leisten, damit Einkäufe erledigen und reisen. Diese Reisen wurden vor alles Dingen von dem in den 60er Jahren einge-‐ führten bezahlten Urlaub und den ersten offiziellen 20 Tagen Urlaub ermöglicht. Die 60er Jahre waren jedoch mehr als alles andere die Zeit für Revolution, Rebelli-‐ on und Flower-‐Power. Die Jugend entwickelte sich rasch weg von der noch häufig
1 Dingemann, Rüdiger / Lüdde, Renate: Deutschland in den 60er-‐Jahren Das waren noch Zeiten,
München 2006
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verbreiteten prüden Lebensart der 50er. Tabu-‐Themen verschwinden nach und nach, Sex wird öffentlich diskutiert und Sexualität gelebt. Studentengruppen, WGs, Provokation, das ist es, was die Jugend verkörperte. Unterstützt wurde das „Neue“, das die Jugend lebte von den Möbelkaufhäusern, die revolutionäre Far-‐ ben und Formen für die Allgemeinheit zugänglich machten und durch die neue Mode, die keine Grenzen kannte. Die Röcke wurden immer kürzer, die jungen Frauen trugen Jeans. Durch diese vielen neuen Möglichkeiten entstand eine Kon-‐ sumgesellschaft, die sich vor der neuen Warenwelt nicht retten konnte. Angefan-‐ gen bei Lebensmittelkonserven über Tiefkühlkost bis hin zu neuen Haushaltsgerä-‐ ten, nichts war unmöglich zu beschaffen. Der Lebensmitteldiscounter „Aldi“ hatte Hochkonjunktur, überall wurde Werbung gemacht. Nur private Sender im Fernse-‐ hen, die sich durch Werbung finanzierten gab es nicht. Immerhin wurde Fernsehen nun bunt. Auch das Radio hatte Neues zu bieten. Immer mehr internationale In-‐ terpreten hielten Einzug in die deutsche Musikszene. Sänger wie Bill Ramsey, Roy Black oder Billy Mo hatten sich in den „Wellen“ einen Namen gemacht und waren bei den Deutschen beliebt. Schlager war die Musik der 60er Jahre mit Drafi Deut-‐ scher und „Marmor, Stein und Eisen bricht“ ganz vorne an der Spitze. Die Beatles, die Rolling Stones, Twist und Roch'n'Roll beherrschten das Lebensgefühl. Auch sportlich hat sich in diesem Jahrzehnt einiges getan. Seit 1963/64 gibt es in Deutschland die Fußball-‐Bundesliga. Sport wurde professioneller. Viele Medaillen wurden für Deutschland in Sommer-‐ und Winterspielen gewonnen. Beim Boxen erreichte ein Deutscher den Titel des Europameisters in der Mittelgewichtklasse und das Traumpaar im Eiskunstlauf landete bei den olympischen Spielen auf dem zweiten Platz. Doch Teile der Jugend waren nicht nur von Mode und Sport beein-‐ druckt. Sie entwickelten eine eigene Initiative - die Demonstrationen der Studen-‐ ten - die '68er Revolution.
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Die '68er Revolution
Die Partizipanten der „'68er Generation“ waren junge Studenten, die hauptsäch-‐ lich gegen die mangelnder Reformbereitschaft an den Hochschulen protestierten, doch sie protestierten auch gegen politische Strukturen, den Vietnamkrieg, die Se-‐ xualmoral und die fehlende Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialis-‐ mus. Sie kritisierten das kapitalistische System, den Krieg der USA in Vietnam und die bestehenden Herrschaftsformen. Ideologische Leitbilder stellten Karl Marx und Friedrich Engels dar. Vorbilder für die Praxis waren jedoch Größen wie Theodor Adorno, Fidel Castro, Che Guevara oder Ho Chi Minh. „In der politisch engagierten Studentenschaft etablierten sich neue Protestformen wie »Teach-‐ins«, »Go-‐ins« oder »Sit-‐ins« in Hörsälen oder bei Großdemonstrationen auf der Straße.“ 2 Der er-‐ ste Tote war im Juni '67 zu verzeichnen, ein Unbeteiligter, der sich die Demonstra-‐ tion anschauen wollte. Daraufhin schlossen sich viele der Außerparlamentarischen Organisation (APO) an. Doch keinesfalls ist verallgemeinernd zu sagen, dass sich die ganze westdeutsche Jugend unter den Demonstranten befand. Die Regenbo-‐ genpresse verhöhnte sie als „radikale Minderheit“. Ein Höhepunkt der Demonstra-‐ tionen fand im April '68 statt, als das Sprachrohr der Organisation, Rudi Dutschke, niedergeschossen wurde und bei einer zu Beginn friedlichen Demonstration 400 Demonstranten und 54 Polizisten verletzt wurden. Sie lebten alternativ um die Ge-‐ sellschaft zu ändern. Sie entwickelten Slogans um ihre Ziele zu demonstrieren, die noch heute geläufig sind, wie zum Beispiel: „Unter den Talaren, Muff von 1000 Jahren!“ Diese Aussage trifft auch den Kern der Ziele der Demonstranten, nämlich die Reformierung der veralteten Strukturen an deutsche Hochschulen.
2 s. Dingemann, Rüdiger / Lüdde, Renate: Deutschland in den 60er-‐Jahren Das waren noch Zeiten,
München 2006
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2.2 Die wirtschaftliche Situation in den 60er Jahren
Im Verlauf der „langen 60er Jahre“, vom „letzten Drittel der 1950er Jahre bis zum ersten Drittel der 1970er Jahre“ 3 erlebte Deutschland erhebliche wirtschaftliche Veränderungen. Die Gesellschaft lebte in nie gesehenem Wohlstand, das Bruttoin-‐ landsprodukt verdoppelte sich von 1950 bis 1960 was zweifelsohne ein Zeichen für die wirtschaftliche Prosperität darstellte.
Auch die volkswirtschaftlichen Strukturen haben sich in dieser Phase verschoben. Im primären Sektor, der Land-‐ und Forstwirtschaft sank die Zahl der Beschäftigten von 13,7 % im Jahre 1960 auf 8,5 % im Jahre 1970 und schließlich auf 7,2 % im Jah-‐ re 1975. Im sekundären Sektor, dem Sektor für Industrie und Handwerk schwank-‐ ten die Zahlen. Im Jahre 1960 lag der Prozentsatz der Beschäftigten bei 47, 9 %, stieg bis 1965 auf 49, 1 % und sank bis zum Jahre 1975 auf 45,6 %. Auch im tertiären Sektor, dem der Dienstleistungen traten enorme Veränderungen auf.
Die Zahlen stiegen von 38, 4 % der Beschäftigten im Jahre 1960 auf 47, 2 % im Jah-‐ re 1975. Der Stand der Arbeiterschaft ist extrem zurück gegangen. Man verzeich-‐ nete einen Rückgang von 30 %. Die Zahlen der Beamten und Angestellten steigen weit über die Zahlen der Arbeiter hinaus. Während dieser Zeit gab es in Deutsch-‐ land kaum Arbeitslosigkeit. Die Zahl der offenen Stellen überstieg die der Erwerbs-‐ losen. Diese Veränderungen brachten es mit sich, dass auch die Forderungen für Facharbeiter stiegen. Die Qualifikationsanforderungen waren wesentlich höher als noch im vergangenen Jahrzehnt.
Während der Jahre der Hochkonjunktur gab es nicht nur die volkswirtschaftlichen Strukturen verändert, auch in der Wirtschaft bezüglich des Sozialprodukts gab es enorme Schwankungen und Veränderungen. Von 1950 bis 1967 waren vier Boom-‐ phasen zu verzeichnen, wobei jeder Boom wirtschaftlich hinter dem vorausgehen-‐ den zurückbleibt. Im Jahre 1950 war der erste Boom zu verzeichnen mit einem
3 s. Schildt, Axel:Die Sozialgeschichte der Bundesrepublik Deutschland bis 1989/90, München 2007
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Anwuchs des Sozialprodukts um 12,8 %. Im Verlauf der nächsten fünf Jahre war die wirtschaftliche Lage etwas rückläufig um dann im Jahre 1955 einen zweiten Boom zu verzeichnen, der einen Wachstumsschub von 12 % des Sozialprodukts mit sich brachte. In den folgenden drei Jahren sank das Sozialprodukt um dann zu steigen und im Jahre '60 den dritten Boom auszumachen. Der dritte Boom jedoch hatte nur ein Wachstum von 9 %, fast 4 % weniger als das Wachstum des ersten Booms. Der vierte Boom ereignete sich im Jahre 1964 mit einem Anstieg des Sozi-‐ alprodukts um 6,6 %. Im Jahre 1967 erlitt die Wirtschaft mit der ersten Rezession einen enormen Einbruch. Doch schon zwei Jahre später erlöste der fünfte Boom Deutschland von der misslichen Lage der Wirtschaft. Dieser fünfte und letzte Boom war mit einem Aufschwung von 7,9 % die Rettung. Die wirtschaftliche Lage flachte danach ab, '73 gab es einen weiteren Aufschwung bevor dann die zweite Rezession, die erste Ölkrise, '75/'76 Deutschland in ein noch tieferes Loch sinken ließ. Diese wirtschaftlichen Veränderungen wurden nicht nur von deutschen Ar-‐ beitnehmern getragen, sondern auch von fremdländischen Gastarbeitern, die durch das Anwerbeabkommen nach Deutschland geholt wurden. Das Anwerbeabkommen
Das erste Anwerbeabkommen Deutschlands wurde mit Italien im Dezember 1955 geschlossen. Diese Verbindung wurde geschlossen um die offenen Stellen in Deutschland zu besetzten und die prekäre Arbeitssituation in Italien zu entschär-‐ fen. Nach diesem Vertrag erhofften sich auch viele andere Staaten ein ähnliches Abkommen. Im April 1957 schlug Sorres, Mitarbeiter der spanischen Botschaft ein Abkommen mit Deutschland an, das besagen sollte, dass spanische Arbeiter nach Deutschland kommen sollten zur Arbeit am deutschen Bergbau. Franco-‐Spanien allerdings verlangte zuvor jedoch als Bedingung, dass ein spanisch-‐deutsches Sozi-‐ alversicherungsabkommen geschlossen werden müsse, welchem des Auswärtige
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Amt positiv gegenübertrat. Somit waren sich beide Seiten, die deutsche und die spanische einig über dieses Abkommen. Aus der Sicht Spaniens stand nun nichts mehr im Wege für die Migration ihrer Arbeitskräfte, das Bundesministerium hin-‐ gegen sah keine Notwendigkeit für das Anwerben der spanischen Arbeiter. Das Ministerium war der Ansicht, dass der Bedarf an Gastarbeitern auch von italieni-‐ schen Arbeitern gedeckt werden könne. Man vertröstete Spanien damit, dass das Abkommen über die Sozialversicherung noch nicht abgeschlossen sei. Bezüglich der Frage nach anderen Gastarbeitern in Deutschland bezog sich das Bundesmini-‐ sterium an den Bedarf des westdeutschen Arbeitsmarktes. Aus diesem Grund wurde auch Griechenland im Jahre 1958 vertröstet, man könne erst Verhandlun-‐ gen aufnehmen, wenn der deutsche Arbeitsmarkt sich diesbezüglich verändert habe. Außerdem gäbe es noch immer italienische Arbeiter, die dem deutschen Ar-‐ beitsmarkt zur Verfügung stünden. Die griechische Regierung bekam eine zumin-‐ dest eine bedingte Zusage für die Zusammenarbeit mit Deutschland. Im Juli 1959 versuchte Spanien erneut die Zusammenarbeit mit Deutschland zu vereinbaren, da extreme Befürchtungen ihre Kreise zogen, dass Spaniens Arbeitslosigkeit ins Ex-‐ treme steigen könnte. Die spanischen Arbeiter sollten „für die Dauer des Umstel-‐ lungsprozesses der spanischen Wirtschaft in der Bundesrepublik Arbeit finden“. 4 In Deutschland war zu dieser Zeit die Arbeitslage sehr günstig; die BRD war voll be-‐ schäftigt und es gab trotzdem rund 284.000 offene Stellen. Spanien wurde gebe-‐ ten eine Absprache über die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt abzuwarten. Erst im Anschluss an diese Verhandlung könne eine Zusage oder Absage getroffen werden. Auch die Bundesanstalt für Arbeit und Arbeitsvermittlung war skeptisch gegenüber der Anwerbung spanischer Arbeiter, da es diesen nicht wie den italieni-‐ schen Arbeitskräften möglich war über die Wintermonate in die Heimat zurückzu-‐ reisen. Die spanischen Arbeiter benötigten dann eine Beschäftigung über das gan-‐ ze Jahr. Ebenso zweifelte die Bundesanstalt für Arbeit und Arbeitsvermittlung an
4 s. Lehmann, Walter: Die Bundesrepublik und Franco-‐Spanien in den 50er Jahren - NS -
Vergangenheit als Bürde, München 2006
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Arbeit zitieren:
Frauke Schaper, 2006, Deutschland und Spanien der 60er Jahre, München, GRIN Verlag GmbH
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