Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Das Ende einer europäischen Großmacht 1
2 Vom autoritären zum totalitären Regime 2
2.1 Die Folgen des „Juliputsches“ 1934 2
2.2 Schuschniggs Vorgehen gegen politische Gegner 3
2.3 Die Schaffung einer homogenen Massenbasis 4
3 Österreich als Spielball europäischer Mächte 5
3.1 Der Vertrag von Stresa 1935 5
3.2 Das „Juliabkommen“ von 1936 6
3.3 Das Geheimtreffen mit Hitler in Berchtesgaden 1938 8
4 Ein letztes Aufbäumen: Die Volksbefragung 1938 11
5 Fazit 13
6 Literaturverzeichnis 15
1 Einleitung: Das Ende einer europäischen Großmacht
Zum Ende des Ersten Weltkrieges am 11. November 1918 stand das vom Stellungskrieg paralysierte Europa vor der Aufgabe eine legitime und vom Völkerbund geschützte und funktionierende Staatenordnung zu schaffen. Mit den Pariser Vorortverträgen wurde das Ende der Habsburger Donaumonarchie von den Siegermächten besiegelt und die europäische Großmacht Österreich-Ungarn zerschlagen. Mit dem Staatsvertrag von Saint-Germain-en-Laye bestimmten die Alliierten die gesamte Zukunft Österreichs in seinen neuen Staatsgrenzen.
Ziel dieser Hausarbeit ist es festzustellen, wie Österreich von 1934 bis zur Eingliederung in das Deutsche Reich 1938 verzweifelt um seine Souveränität kämpfte. Besondere Bedeutung hatte in diesem Zeitraum die Politik des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Kurt von Schuschnigg. Es gilt zu erörtern, wie es zu so großem nationalsozialistischem Einfluss auf das österreichische Volk und letzten Endes zur Annexion Österreichs, den Versailler Bestimmungen zuwider, durch das nationalsozialistische Deutschland unter Reichskanzler Adolf Hitler kam. Hierzu findet eine Analyse des Sachverhalts in zwei Abschnitten statt, beginnend mit dem langsamen Wandel Österreichs von einem autoritär zu totalitär regierten Staat und den Auswirkungen außenpolitischer Ereignisse auf die innenpolitischen Verhältnisse. Um dem Inhalt problemlos folgen zu können, müssen einige Begriffe im Vorfeld definiert werden. „Austrofaschismus“ bezeichnet die politische Bewegung des klerikalen Faschismus im Ständestaat Österreich, der sich ab 1934 durch Bundeskanzler Engelbert Dollfuß durchsetzte und von dessen Nachfolger Kurt Schuschnigg weitergeführt und sogar verschärft wurde. Um welche Form eines Regimes es sich während des Austrofaschismus 1934 bis 1938 handelte, ist in der Wissenschaft umstritten 1 ; der Autor der Hausarbeit tendiert aber zu einer Einordnung in ein autoritäres System, das sich aus der Not heraus immer totalitärer entwickelte. Ebenso wird die Theorie des Imitationsfaschismus unterstützt, da faschistische Züge äußerst beschränkt waren 2 . Da es sich unter Bundeskanzler Schuschnigg, wie eben festgestellt, um ein austrofaschistisches und autoritäres Regierungssystem handelte, muss auch dieses vorweg erläutert werden. In einem autoritären Regime wird die Staatsgewalt ohne jegliche parlamentarische oder verfassungsgerichtliche Kontrolle ausgeübt 3 . Dies ist seit Schuschniggs Vorgänger Dollfuß der Fall gewesen, unter dem sich das Parlament am 4.
1 Vgl. Hanisch, Ernst: „Christlich deutscher Bundesstaat (Austrofaschismus)“ in: Wolfram, Herwig
(Hrsg.) „Österreichische Geschichte 1890 bis 1990“, Wien 1994, S. 310.
2 Vgl. ebd., S. 312.
3 Vgl. Das Bertelsmann Lexikon, Bd. 2, Stuttgart 1996, S. 768.
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März 1933 selbst ausschaltete, worauf Dollfuß ein Wiederzusammentreten verhinderte, um alle Macht auf sich zu bündeln.
Die Vaterländische Front war eine von Dollfuß geschaffene bundesweite Heimwehrbewegung und später die homogene Massenbasis für die Macht des Frontführers und Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg. Mit der Vaterländischen Front wurde „nach faschistischem Vorbild eine Massenorganisation“ 4 geschaffen, die gleichzeitig das einzige parteiähnliche Organ Österreichs war. Diese Massenbasis entstand 1936 durch das Verbot anderer Heimwehrverbände neben der Vaterländischen Front 5 .
2 Vom autoritären zum totalitären Regime
2.1 Die Folgen des „Juliputsches“ 1934
Nach dem geglückten Attentat auf Bundeskanzler Engelbert Dollfuß durch den Nationalsozialisten Otto Planetta am 25. Juli 1934 betraute Bundespräsident Wilhelm Miklas, der einer Gefangennahme durch die nationalsozialistischen Putschisten entkommen konnte, den Unterrichts- und Justizminister Kurt Schuschnigg mit den Regierungsaufgaben des autoritären Ständestaates. Da der dem Bundespräsidenten unliebsame Vizekanzler Ernst Rüdiger Fürst von Starhemberg, damals noch Frontführer der Vaterländischen Front, nicht zugegen war, zog der Bundespräsident die weniger radikale Politik Schuschniggs vor 6 .
Aufgrund kämpferischer Auseinandersetzungen der österreichischen Exekutive mit Nationalsozialisten sowie illegalen Sozialdemokraten stationierte Mussolini italienische Truppen in Brennernähe und sicherte Österreich im Falle einer Krise Unterstützung zu. Im Gegenzug wurde im Falle „eines Konflikts mit Jugoslawien ein Durchmarschrecht“ 7 für italienische Truppen versprochen. Der deutsche Reichskanzler Hitler distanzierte sich sofort angesichts der weltweit scharfen Reaktionen auf den Kanzlermord und den italienischen Truppenaufmarsch - der Duce verdächtigte Hitler beteiligt gewesen zu sein - von der nationalsozialistischen Putschbewegung in Österreich 8 . Durch den Einsatz des Bundesheeres konnten die aufständischen Nationalsozialisten letztendlich nie-
4 Hanisch:„Christlich deutscher Bundesstaat“, S. 312.
5 Vgl. Goldinger, Walter: „Kurt Schuschnigg. 1897 bis 1977“, in: Weissensteiner, Friedrich und Wein-
zierl, Erika (Hrsg.): „Die österreichischen Bundeskanzler“, Wien 1983, S. 222f.
6 Vgl. Goldinger, Walter: „Wilhelm Miklas. 1872 bis 1956“, in: Weissensteiner, Friedrich (Hrsg.): „Die
österreichischen Bundespräsidenten“, Wien 1982, S. 112.
7 Scheuch, Manfred: „Österreich im 20. Jahrhundert“, Wien, München 2000, S. 96.
8 Vgl. Hanisch: „Christlich deutscher Bundesstaat“, S. 321.
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dergeschlagen werden 9 und wurden durch darauf folgende „polizeistaatliche Repressionen [...] mit oft harten und inhumanen Mitteln“ 10 als politische Bewegung unterdrückt. Nach der offiziellen Ernennung Schuschniggs zum Kanzler am 30. Juli 1934 bildete dieser ein neues Kabinett, in dem Starhemberg das Amt des Vizekanzlers mit Sicherheitsaufgaben kombiniert übernahm. Emil Fey, Führer der wichtigen Heimwehrbewegung „Wiener Heimatschutz“ und somit auch stärkster Gegner Starhembergs, übernahm das Amt des Innenministers 11 .
2.2 Schuschniggs Vorgehen gegen politische Gegner
Zu Beginn von Schuschniggs Amtszeit zählten Fey und Starhemberg zu den bedeutendsten und mächtigsten Politikern und stellten neben Konkurrenz zueinander eine ebensolche für den Bundeskanzler dar. Es galt die Heimwehren als Machtbasis auszuschalten oder beide Personen regimetreu an die Politik des Kanzlers zu binden. Größter Konkurrent des Bundeskanzlers war Starhemberg als Vizekanzler und Frontführer der Vaterländischen Front. Schuschnigg selbst war stellvertretender Frontführer hinter Starhemberg, daher fehlte ihm die Möglichkeit die Massen für sich zu mobilisieren. Er musste sich den Entscheidungen Starhembergs, das Vorgehen der größten Heimwehrbewegung betreffend, beugen.
Fey schied bei der Regierungsumbildung am 17. Oktober 1935 aus dem Kabinett aus, da „sich die Spannung zwischen Starhemberg und Fey zusehends verschärft“ 12 hatte und seine Passivität beim „Juliputsch“ angezweifelt wurde. „Freilich war damit seine Auseinandersetzung als Führer der Wiener Heimwehren mit Starhemberg noch nicht beendet.“ 13
Am 14. März 1936 wurde Schuschnigg zum Frontführer der Vaterländischen Front 14 und so dem Dualismus Schuschnigg - Starhemberg zu Gunsten des Bundeskanzlers ein Ende gesetzt.
Schuschnigg konnte die Souveränität Österreichs nur durch die Schutzmacht Italien garantieren und dazu war Starhemberg der Schlüssel, da der Vizekanzler sehr gute Beziehungen zu Mussolini unterhielt. Doch mit der Eroberung Abessiniens durch italienische Truppen am 13. Mai 1936 musste sich Österreich von Italien distanzieren, um den
9 Vgl. Schuschnigg, Kurt: „Ein Requiem in Rot-Weiß-Rot“, Wien 1978, S. 9.
10 Vgl. Hanisch: „Christlich deutscher Bundesstaat“, S. 317.
11 Vgl. Schuschnigg, Kurt: „Im Kampf gegen Hitler. Die Überwindung der Anschlußidee“, (Nachdruck)
Wien 1988, S. 167.
12 Ebd., S. 168.
13 Ebd., S. 169.
14 Vgl. Scheuch: „Österreich im 20. Jahrhundert“, S. 97.
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Arbeit zitieren:
Sönke Sönnichsen, 2006, Österreichs Ringen um Souveränität in Europa 1934 - 1938, München, GRIN Verlag GmbH
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