Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Tour International Danubien (TID) 3
3. Von Hainburg nach Beograd 5
Hainburg /Donau. 5
Bratislava /Pressburg 6
Kom árno/Komárom 7
Esztergom 8
Visegrád 9
Budapest 9
Baja 11
Moh ács 11
Batina 13
Erdut 13
Borovo 14
Vukovar 14
Sarengrad 16
Novi Sad 17
Petrovaradin 18
Stari Slankamen. 18
Beograd /Belgrad 19
4. Epilog. 22
5. Zusammenfassung 24
6. Literatur 25
7. Internet 26
1. Einleitung
Saša Stanišić hat als Kind den Krieg in Bosnien, in der Stadt Višegrad an der Drina erlebt und nach der Flucht nach Deutschland literarisch verarbeitet. Mit einem Ausschnitt hat er 2005 den Publikumspreis bei den „Tagen der deutschsprachigen Literatur“ in Klagenfurt gewonnen. Das 2006 erschienene Buch wurde ein großer Erfolg. Zwar liegt Višegrad nicht an der Donau und hat auch sonst nicht viel mit dem ungarischen Visegrád gemein, doch beschreibt er im obigen Zitat eine Situation, die allgemein gültig für kriegerische Zustände ist. Er tut dies wie auch Ivo Andrić im Roman „Die Brücke über die Drina“, der im von den Deutschen besetzten Belgrad geschrieben wurde, oder auch Peter Handke, dessen „Winterliche Reise oder Gerechtigkeit für Serbien“ zu großen Diskussionen geführt hat: Krieg trifft immer die Schwächsten der Gesellschaft am stärksten. Nur die Namen sind austauschbar.
Wenn man sich auf eine über 700 Kilometer lange Reise auf der Donau mit einem Paddelboot begibt, hat man viel Zeit und Muße, sich um die Umgebung und um die eigene Befindlichkeit zu kümmern. Äußere Eindrücke verschmelzen mit den inneren Empfindungen und mit dem Wissen, das man sich im Laufe der Jahre angeeignet hat. Von Krieg sieht man sehr wenig, doch schwingt an vielen Orten die Aura vergangener kriegerischer Ereignisse mit. Besonders in Serbien, wo die Kämpfe nicht einmal zehn Jahre vorüber sind, wird man damit konfrontiert.
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Nach Hause zurückgekehrt, beginnt man mit einer Aufarbeitung der Reise. Die Beschäftigung mit der Literatur bestätigt und erweitert die gemachten Erfahrungen.
Sehr trefflich hat es Karl-Markus Gauß in einem Aufsatz in Inge Moraths Fotoband „Donau“ auf den Punkt gebracht: „Die Donau hat die schlimmsten Despoten gekannt, aber auch gesehen, wie sie sich mit ihren Lakaien überstürzt davonstehlen mußten; an der Donau ist viel Blut geflossen, verflossen für Besitz, Herrschaft, Ideologie, doch an der Donau ist auch immer wieder die Toleranz wirksam geworden, nicht als intellektuelle Utopie aufgeklärter Geister oder als politisches Programm wohlmeinender Staatsdenker, sondern als lebensnahes Prinzip des Alltags, als praktizierte Lebensweisheit der sogenannten gewöhnlichen Menschen.“ (Morath, S 5)
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2. Die Tour International Danubien (TID)
Die „Tour International Danubien“, kurz TID genannt, ist die „Erfindung“ einer 123-köpfigen slowak ischen Paddlergruppe, die am 12. August 1956 unter dem Titel „Fahrt zur Förderung des Friedens und der Freundschaft auf der Donau“ von Bratislava nach Budapest aufbrachen. In Ungarn gesellten sich noch etwa 30 einheimische Paddler hinzu. Damit war von Anfang an das Hauptziel dieses durchaus sportlichen Bewerbes definiert: als internationale (vorerst auf den „Ostblock“ beschränkte) Einrichtung, Sportler verschiedener Nationen zusammenzubringen. Erstaunlich ist es, dass es den Veranstaltern auch nach dem Ungarn-aufstand gelungen ist, diese Fahrt ein Jahr später zu wiederholen, diesmal schon mit offizieller Billigung der Sportbehörden der Tschechoslowakei und Ungarns. Aber auch die Funktionäre Jugoslawiens konnten einge-bunden werden und so fuhr man unter dem Titel „Internationale Freundschaftsfahrt“ die nächsten zwei Jahre die knapp 700 km von Bratislava bis Belgrad.
Die vierte TID 1959 hatte bereits ihren Startpunkt in Wien. Damit sprengte sie endgültig die Grenzen des Ostblocks und band das neutrale Österreich ein. In den nächsten Jahren erfolgte die stetige Erweiterung der Strecke. 1965 kam die damalige BRD dazu, und seit 1969 werden die gesamten 2082 km von Ingolstadt nach Silistra gefahren. Seit 1960 war es auch Sportlern aus der DDR gestattet, an der TID teilzunehmen. Allerdings war es ihnen nur erlaubt, die sozialistischen Bruderländer Tschechoslowakei, Ungarn und Bulgarien zu befahren. Seit 2005 wird vom Deutschen Kanuverband im Anschluss an die TID eine Fahrt durch das Donaudelta bis ins Schwarze Meer veranstaltet, die ab 2009 offiziell ins TID-Programm aufgenommen wird. Somit sind an der internationalen TID-Organisation, deren Vorsitz alljährlich unter den Teilnehmerländern wechselt, folgende Staaten beteiligt: Deutschland (früher BRD), Österreich, Slowakei (früher Tschechoslowakei), Ungarn, Serbien (früher Jugoslawien), Bulgarien und Rumänien. Nur Kroatien ist als einziger Anrainerstaat nicht eingebunden.
Die Tour ist eine so genannte Gepäckfahrt, das heißt, die Teilnehmer müssen alles, was sie auf ihrer Reise brauchen, selbst im Boot mitnehmen. Übernachtet wird im eigenen Zelt auf meist sehr einfachen Plätzen. Der Zeitplan ist sehr streng, das heißt, die Etappen sind bei jeder Witte-
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rung zu fahren. Alle fünf bis sieben Tagen und in jeder Hauptstadt ist ein Ruhetag eingeplant.
Start ist jeweils am letzten Sonntag im Juni, und nach etwa 65 Tagen erreicht man Silistra, nach weiteren zwei Wochen dann das Schwarze Meer. Die gesamte Strecke wird nur von einigen Dutzend, meist älteren Personen bewältigt, die auch die nötige Zeit dafür aufwenden können. Man kann aber an jedem Ort einsteigen, und die Tour auch überall beenden.
Heutzutage ist die TID wirklich international, Teilnehmer aus der ganzen Welt nehmen die Herausforderung, zwischen 35 und 60 km pro Tag per Paddel- oder Ruderboot zu absolvieren, an. Die meisten kommen aus Deutschland. Im Durchschnitt waren 2008 etwa 150 Sportler gleichzeitig unterwegs, was natürlich bedeutend weniger ist als in den 1970er Jahren, wo über 500 Teilnehmer die Veranstalter manchmal in große organisatorische Schwierigkeiten brachten.
3. Von Hainburg nach Beograd
Die Donau ist mit einer Länge von 2888 km nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas. Sie fließt durch zehn Staaten, und auf 1071 km (37%) ist sie Grenze zwischen zwei Staaten. Sie ist die wichtigste Verkehrsader von Mittel- nach Südosteuropa. Gleichzeitig ist sie durch ihre Mächtigkeit eine wichtige geographische Grenze, die in vielen Bereichen sehr schwer überwindbar ist.
Auf der von mir befahrenen 725 km von Hainburg/Donau nach Belgrad befinden sich insgesamt 29 Straßen- und Eisenbahnbrücken, wovon sich jedoch allein drei in Bratislava, elf in Budapest und drei in Novi Sad befinden. Auf den restlichen 680 km überspannen nur zwölf Brücken den Strom, was die strategische Bedeutung des Flusses und der Flussübergänge noch unterstreicht. Es ist daher nicht überraschend, dass man auf dieser Reise immer wieder mit den Zeugnissen von kriegerischen Ereignissen konfrontiert ist. Die Ereignisse der letzten Jahrhunderte in Betracht ziehend ist es sogar die größere Überraschung, dass man zurzeit diese Reise ohne Schwierigkeiten absolvieren kann. In diesem Sinne schreibt Karl-Markus Gauß: „Ungezählte Nationalitäten haben an diesem mächtigen Strom gesiedelt, der alles gesehen und erlitten hat, was die mittel- und südosteuropäischen Völker zuwegegebracht oder sich und einander angetan haben. Wovor uns heute schaudert, vor der Grimasse des Chauvinismus, dem Haß der aufeinander angewiesenen, doch periodisch aufeinander gehetzten Völker, dem Fanatismus der Enge, vor der Zerstörung der Natur, dem einebnenden Tritt des Fortschrittsdies alles finden wir an der Donau, verheerender denn irgendwo.“ (Morath, S 5)
Hainburg/Donau
Hainburg ist der Ausgangspunkt meiner Reise. In den Jahren des Kalten Krieges war die kleine Stadt mit den gut erhaltenen mittelalterlichen Mauern Grenzstation zum Ostblock. Die Überschreitung dieser Grenze war mit umfangreichen bürokratischen Hindernissen verbunden, obwohl die Donau seit jeher internationale Wasserstraße war. In der Nähe von Hainburg unterhält das Heeresnachrichtenamt (HNA) auch heute noch die Radarstation Königswarte, die - nur drei Kilometer von der Grenze entfernt und ausgerüstet mit High-Tech der NATO - weit ins sozialistische Feindesland horchte und noch immer horcht.
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Arbeit zitieren:
Mag. Dietmar Innerwinkler, 2009, Geschichten vom Krieg (und vom Frieden), München, GRIN Verlag GmbH
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