Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Zur Geschichte der Kärntner Slowenen 2
3. Das habsburgische Österreich 6
4. Die Erste Republik und der Ständestaat. 9
5. Die nationalsozialistische Herrschaft 12
6. Die Zweite Republik 15
6.1. Phase der Gewährung (1945 - 1955) 15
6.2. Phase der Verhinderungspolitik (1955 - 1972) 17
6.3. Phase der restriktiven Politik (1972 - 1988) 18
6.4. Phase der Dialogpolitik (1988 - 1994) 19
6.5. Phase der Ignoranzpolitik (nach 1994) 19
7. Zusammenfassung 20
8. Literaturverzeichnis 22
1. Einleitung
Es ist eine Tatsache, dass Minderheiten nur Bestand haben, wenn sie in ihrem Gesellschaftsverband gefördert werden. Eine reine Gleichberechtigung führt zwangsweise zur Assimilation und dadurch zum zahlenmäßigen Rückgang der Minderheit.
„Das Schulsystem für Volksgruppen ist eng mit den jeweiligen politischen und ethischen Zuständen und Trends verknüpft, also zugleich Ergebnis historischer Prozesse und Generator künftiger Gegebenheiten. Vor allem sagt es viel über das Selbstverständnis einer staatlich organisierten Gesellschaft und den Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt und Verschiedenheit in ihr aus.“ (Domej, S 1) Jede Gesellschaft verlangt nach ihrer passenden Schule, auch für ihre Minderheiten. Die Schule wird den Minderheiten also von der Mehrheit „gegeben“. Wie sehr die Minderheit dabei eingebunden ist, ist ein sehr wichtiger Indikator. So ist Erziehung und Schule ein recht genaues Abbild der Gesellschaft. Unter diesem Gesichtspunkt ist es sehr interessant festzustellen, wie sich Staat und Gesellschaft Kärntens und Österreichs im Laufe der letzten 150 Jahre mit den Schulen für die Kärntner Slowenen auseinandergesetzt haben.
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2. Zur Geschichte der Kärntner Slowenen
Die Slowenen sind in Kärnten eine autochthone Volksgruppe seit vielen Jahrhunderten. Als Folge der slawischen Völkerwanderung des 6. Jahr-hunderts entwickelte sich ein Fürstentum der Alpenslawen (“Carantani”), das sein Zentrum auf dem heutigen Zollfeld nördlich von Klagenfurt hatte. Dieses slawische Karantanien gelangte unter awarische Bedrohung und musste sich unter den Schutz der benachbarten Bajuwaren begeben, ohne jedoch seine Selbstbestimmung zu verlieren. Dies zeigt sich vor allem in der Herzogseinsetzung auf dem Fürstenstein, wo der neue „fremde“ bajuwarische Herrscher von einem „einheimischen“ slawischen Freibauern in seine neue Funktion eingeführt wurde. Diese Zeremonie wurde bis ins ausgehende Mittelalter durchgeführt. Mit dem Verlust der Unabhängigkeit kam es in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts auch zur Missionierung des Alpenbereiches. Von Salzburg wurde Modestus nach Karantanien geschickt, der in Maria Saal das Zentrum der so genannten irischen Mission installierte, gleichzeitig begründete Herzog Tassilo III von Bayern von Innichen aus die Christianisierung der Slawen. Aber auch das Bistum Aquileja hatte Interessen am Süden Karantaniens. Schließlich wurde im Jahre 811 die Drau als Missionierungsgrenze zwischen Salzburg und Aquileja festgesetzt. Karantanien ist im 8. und 9. Jhdt. bedeutend größer als das heutige Kärnten. Es umfasste im wesentlichen die Täler der Drau, der oberen Mur, der Mürz, der oberen Enns, aber auch den Süden Ober- und Niederösterreichs, das Ischler Land, den Pongau, den Lungau und das Steyrtal. Die Südgrenze Karantaniens bilden die Karnischen Alpen und die Karawanken.
Die Eigenständigkeit Karantanien geht im Laufe des 9. Jahrhunderts verloren. Nach misslungenen Aufständen wird das Land vollständig ins bajuwarische Herrschaftsgebiet einbezogen und von bajuwarisch-
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fränkischen Feudalherren beherrscht. Es kam auch eine große Menge von deutschsprachigen Siedlern in das Land, die im Zuge der Kolonisierung Ortschaften und Städte gründeten. So findet man noch heute deutsche Ortsnamen vor allem in den zentralen Orten, während der Großteil der übrigen Siedlungsnamen slawischen oder vorslawischen Ursprungs ist. Im Jahre 976 schließlich trennt Kaiser Otto II. Kärnten von Baiern und macht es zu einem eigenständigen Herzogtum. In staatsrechtlicher Hinsicht ist Kärnten an seinem Höhepunkt angelangt, de facto hat es seine wichtige Rolle am Rande des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aber bereits eingebüßt.
Im 15. Jahrhundert bildet sich zwischen Deutsch und Slowenisch jene Sprachgrenze heraus, wie sie im Wesentlichen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts unverändert bleiben wird. Sie verläuft von Hermagor über die Gailtaler Alpen bis zum Dobratsch, quert südlich von Villach die Drau, verläuft über die Ossiacher Tauern, über Moosburg nach Maria Saal, Diex und endet bei Lavamünd.
Die sozialen und politischen Veränderungen der frühen Neuzeit betreffen natürlich auch Kärnten. Hier werden sie von den Türkeneinfällen noch verstärkt. Der Adel ist nicht mehr in der Lage, die Bevölkerung zu schützen und verliert somit seine ursprüngliche Berechtigung, während er seinen Druck auf die bäuerliche Bevölkerung verstärkt. Dies führt zu einer Reihe von Bauernaufständen, von denen der im Jahre 1515 als der Windische Bauernkrieg in die Geschichte eingeht. Gleichzeitig führte die Reformation, die in Kärnten sehr erfolgreich war, zu einem enormen kulturellen Aufschwung, der auch die slowenische Sprache betraf. Berühmt ist die so genannte Dalmatin-Bibel, deren Kosten zu einem Fünftel von den Kärntner Ständen getragen wurde. Schulen werden allerdings nur in den Städten errichtet, und sie unterrichten nicht in der slowenischen Sprache. So ist ein Großteil der slowenischen Bevölkerung bäuerlicher Herkunft. Allein in der Schichte der
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Landpfarrer findet sich die slowenische Bildungsschichte. Klagenfurt (Celovec) ist hierbei das wesentliche kulturelle Zentrum des Slowenentums. So entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts der Gegensatz zwischen der antiklerikalen deutschen und der kirchlichen slowenischen Intelligenz in einem umfassenden Nationalitätenstreit, der schließlich zum Zerfall der Donaumonarchie führte.
Der junge SHS-Staat beansprucht nach dem 1. Weltkrieg die überwiegend slowenischsprachigen Teile Südkärntens und unterstreicht diese Forderung mit einer teilweisen Besetzung des Gebietes. Dies führt zum so genannten Kärntner Abwehrkampf, der nach drei Phasen im Juni 1919 mit der Besetzung Klagenfurts durch serbische Truppen und der Niederlage der Kärntner Verbände endet. Die Friedenskonferenz von Paris beschließt jedoch eine Volksabstimmung, die am 10. Oktober 1920 mit 59 % den Verbleib des Gebietes bei Österreich entscheidet. Dieses Ergebnis kommt dadurch zustande, dass sich ein großer Teil der slowenischsprachigen Bevölkerung aus wirtschaftlichen Interessen gegen Jugoslawien ausspricht.
Trotzdem wird dieses Plebiszit sehr rasch von den Deutschnationalen Kärntens zum Sieg über das Slawentum umfunktioniert und das Klima im Lande nachhaltig vergiftet, auch mit Zustimmung und Unterstützung vieler Politiker. Es entstehen Gräben, auf die noch heute verwiesen werden.
In der Zeit des Nationalsozialismus wird der Druck auf die Slowenen noch bedeutend verstärkt, an die 1000 Personen werden zur Auswanderung in Lager verfrachtet. Die Partisanenbewegung, die in jugoslawischen Truppenverbänden gegen Hitlerdeutschland kämpft, trägt wesentlich zur Befreiung Österreichs, gleichzeitig aber auch zur Schürung der Kärntner „Urangst“ einer Bedrohung aus dem slawischen Süden bei. Kärntner Slowenen wird ihr Einstehen für den österreichischen Staat, zum Teil bis heute, abgesprochen.
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Der Staatsvertrag 1955 bringt im Artikel 7 eine bedeutende staatsrechtliche Sicherung der Rechte der Minderheiten, somit auch der Kärntner Slowenen. Der Staat ist in vielen Dingen, so auch in der Frage der zweisprachigen Ortstafeln, immer noch säumig. Der Ortstafelsturm des Jahres 1972 und die Sprachenerhebung des Jahres 1976 sind Beispiele für die Unfähigkeit, einen Konsens zustande zu bringen. Die Person, Geschichte und Politik des derzeitigen Landeshauptmanns Dr. Jörg Haider gibt auch für die nächste Zukunft keinen Anlass für Optimismus.
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Arbeit zitieren:
Dietmar Innerwinkler, 2006, Das zweisprachige Schulwesen in Kärnten im Spiegel der gesellschaftspolitischen Entwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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