Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 4
1 Wie werden wir uns unserer Umwelt und unser selbst bewusst
- Bewusstsein, Unterbewusstsein und Gewissen. 2
1.1 Bewusstsein 2
1.2 Unterbewusstsein und Träume 6
1.3 Träume als Ausdruck des Unterbewusstseins und psychische Gesundheit 7
1.4 Traumdeutung 7
1.5 Warum sind wir mitunter geistesabwesend - Dissoziation 9
1.6 Gewissen 11
2 Wie nehmen wir unsere Umwelt wahr - Wahrnehmung und
Aufmerksamkeit 12
2.1 Die Sinne 12
2.2 In reizarmen, monotonen Bedingungen sinkt die Aufmerksamkeit 15
2.2.1 Absolutes Fehlen von Anregungen 15
2.2.2 Überlastung der Sinne 15
2.2.3 Die Wahrnehmung verläuft als Prozess 15
2.3 Die Organisation unserer Sinneswahrnehmungen 16
2.4 Aufmerksamkeit 18
2.4.1 Worauf richten wir unsere Aufmerksamkeit? 18
2.4.2 Was entgeht unserer Aufmerksamkeit? 19
2.4.3 Schein und Sein 20
2.4.4 Tagträume 20
2.4.5 Wie kann man sich besser konzentrieren? 21
2.4.5 Das Phänomen der Zeitlücke 22
3. Wie lernen wir - Gedächtnis und Lernen. 25
3.1 Warum erinnern wir uns an das eine und vergessen das andere? 25
3.2 Kurzzeitgedächtnis. 28
3.3 Langzeitgedächtnis 29
3.3.1 Lernen 29
4. Wie wir uns beherrschen - Emotionen und Persönlichkeit. 33
4.1 Der Zusammenhang von Emotion und Gesundheit 33
4.2 Emotionen und Temperament 34
4.3 Emotionen in unserem täglichen Leben 35
4.4 Angst 36
4.5 Liebe ist nicht gleich Liebe 37
4.6 Konzentrieren wir uns auf unsere Emotionen 38
5. Warum handeln wir auf eine bestimmte Weise - Wille und Motivation. 40
5.1 Die Grundlage des Willens sind Motive 40
5.2 Der starke und schwache Wille 40
5.3 Der Wille wird von der Motivation aber auch von der Gewohnheit beeinflusst 41
5.4 Willensprozesse und Willenseigenschaften 41
5.5 Motivation und Persönlichkeit 42
5.5.1 Warum ist man ausgeglichen oder unausgeglichen? 42
5.5.2 Jeder verfolgt ein bestimmtes Ziel 42
5.5.3 Wie kann uns die Motivation helfen? 43
6. Welche Fähigkeiten haben wir und wie nützen wir sie aus
- Intelligenz und Fertigkeiten. 47
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6.1 Intelligenz 44
6.1.1 Fluide und kristallische Intelligenz 46
6.2 Weitere Fähigkeiten 47
6.3 Hängt unser Berufserfolg nur von unseren Fähigkeiten ab? 47
7. Wann verwenden wir unsere Vernunft und wann unser Gefühl
- Intellekt und Intuition. 52
7.1 Denken 49
7.1.1 Kann man das menschliche Denken erforschen? 50
7.1.2 Wie denken Genies? 50
7.1.3 Was ist ein mentales Modell? 51
7.2 Intuition 52
8. Was macht unsere Persönlichkeit aus - charakterliche Eigenschaften. 54
8.1.1 Persönlichkeitseigenschaften 56
8.2 Grundlegende Persönlichkeitsdimensionen 57
8.3 Zuordnung zu den Gruppen. 58
8.4 Verschiedene typologische Klassifikationen der Persönlichkeit 58
9. Wonach wir uns im Leben orientieren - Werte und Einstellungen. 61
9.2 Einstellungen 63
9.2.1 Was ist der Unterschied zwischen Wert und Einstellung 63
9.4 Vorurteile sind eine besondere Art von Einstellung 63
10. Wie schaffen wir etwas Neues - Vorstellungsvermögen und Kreativität. 66
10.2 Kreativität 68
10.2.1 Was benötigen wir zur Kreativität? 68
10.2.2 Der Schaffensprozess 69
11. Wie handeln wir - Entscheiden und Verhalten. 70
11.1 Entscheiden 70
11.2 Entscheiden und Verhalten in der Praxis 70
11.3 Angepasstes und unangepasstes Verhalten 71
12. Wie werden wir frisch und aktiv- Müdigkeit und Erholung. 73
12.2 Tagesrhythmus 73
12.3 Gönnen wir uns Schlaf 74
12.4 Wirksame psychologische Methoden zur Erfrischung 75
12.4.1 Hatha-Yoga und Tai Chi Chuan 75
12.4.2 Autogenes Training 75
12.4.3 Die Feldenkrais Methode 76
12.5 Angemessenes aktives Ausruhen 76
13. Warum wechseln wir unsere Bewusstseinsebenen
- Hypnose, Suggestion und Meditation. 77
13.1 Hypnose 77
13.1.1 Wie hypnotisiert man und wer ist hypnotisierbar? 78
13.1.2 Ist jeder hypnotisierbar? 79
13.1.3 Die Persönlichkeit des Hypnotiseurs 79
13.1.4 Die Hypnose kann Fähigkeiten erwecken 80
13.1.5 Kann Hypnose zur Heilung verwendet werden? 80
13.1.6 Können Hypnose und Suggestion missbraucht werden? 81
13.2 Meditation 81
13.2.1 Was erleben wir bei der Meditation? 82
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14. Wie funktioniert unser Zusammenleben - zwischenmenschliche
Beziehungen 89
14.1 Entwicklung der zwischenmenschlichen Beziehungen 83
14.2 Konfliktbelastete Beziehungen 84
14.3 Neurotische Konflikte 86
14.4 Beziehungsstrategien bei Kindern 86
15. Wie gleichen wir eigene Unzulänglichkeiten aus -
Kompensationsprozesse. 95
16. Wie beurteilen wir unsere Mitmenschen - erster Eindruck und
Gesamteindruck 97
Schlusswort. 99
Literatur. 101
Sachregister. 104
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Einleitung
Der in Psychologie interessierte Leser erhält durch das vorliegende Buch einen praxisnahen Überblick über den aktuellen Stand dieser Wissenschaft. Durch tieferes Verständnis der Persönlichkeit, ihrer Möglichkeiten und Einschränkungen soll dem Leser der Weg zu einer besseren Selbstkontrolle und Selbstverwirklichung sowie zu einem besseren Verständnis der Mitmenschen erleichtert werden. Die Psychologie beschäftigt sich besonders mit der Entwicklung der Persönlichkeit, wie sie durch die Umwelt geformt wird und wie sie selbst aktiv auf die Umwelt einwirkt, sowie mit ihren regulierenden und kompensierenden Fähigkeiten. Die behandelten Bereiche beziehen sich auf unser Alltagsleben und erlauben einen guten Überblick. Es werden die allgemeinen, typologischen und individuellen psychologischen Eigenschaften des Menschen erklärt, dessen Erleben und Handeln durch biologische und soziale Faktoren beeinflusst wird - durch seine Beziehungen zu anderen Menschen, durch die Umwelt, Kultur, Wirtschaft und Politik. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit meinem Sohn Vitus (nicht Psychologe), dessen Fragen zum Erstentwurf und Formulierungen den Text wesentlich beeinflussten. Für die kritische Durchsicht der deutschsprachigen Ausgabe und positive Anregungen danke ich den beiden Wiener Psychologen, Frau Dr. Christa Michalik, und Herrn Dr. Klaus Höfner.
Psychologische Fachausdrücke sind im Text fett gedruckt und jeweils erklärt.
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1 Wie werden wir uns unserer Umwelt und unser selbst bewusst
- Bewusstsein, Unterbewusstsein und Gewissen
1.1 Bewusstsein
In unserem Bewusstsein sind Wahrnehmungen, Erinnerungen und Gedanken, Erlebnisse und Erfahrungen aus unserem Leben gespeichert. Wir unterscheiden das Bewusstsein unserer Tätigkeiten, unserer Identität und Individualität. Unser Bewusstsein hilft uns zu entscheiden, wie wir handeln sollen.
Durch das Bewusstsein können wir uns mögliche zukünftige Ereignisse und auch alternative Abläufe vorstellen, uns zwischen Möglichkeiten entscheiden, Aktivitäten beginnen und beenden. Allerdings spielen sich viele dieser Prozesse außerhalb unseres Bewusstseins, unbewusst, ab. Psychische Vorgänge schließen sowohl bewusste wie auch unterbewusste (unbewusste) Prozesse ein. Auch Anregungen und Reize, die wir nicht bewusst wahrnehmen, werten wir aus. Wir registrieren und speichern sie in unserem Unterbewusstsein und werden durch sie - nicht unwesentlich - beeinflusst.
Das individuelle Unterbewusstsein basiert auf unserer persönlichen Lerngeschichte, auf unseren Erlebnissen und Erfahrungen. Das kollektive Unterbewusstsein verdankt seine Inhalte der Überlieferung. Diese Inhalte werden innerhalb einer Gesellschaft oder Kultur geteilt. Das kollektive Unterbewusstsein macht sich in unserer Beziehung zu bestimmten Symbolen, die Träger von seelischen Bedeutungen sind, und in unseren emotionalen Reaktionen auf diese, bemerkbar. Es sind Symbole, welche in Mythen, Sagen, Märchen, aber auch in den Religionen, dem Ausdruck des Bösen, wie Schlangen und Drachen, der Bedrohung, wie dunkle Wälder, des Lebens, wie der Fisch, der Fruchtbarkeit, wie das Füll-horn, des Göttlichen, wie das Kreuz oder das Auge, usw. dienen. Solche Symbolik finden wir in der Kunst, der Literatur in unseren Träumen und Phantasien. Eine exakte Abgrenzung der Inhalte des individuellen vom
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kollektiven Unterbewussten ist derzeit nicht möglich.
In unserem Bewusstsein sind viele Erinnerungen gespeichert, die wir uns normalerweise nicht vergegenwärtigen, aber in Situationen, wo wir sie benötigen, fallen sie uns plötzlich ein. Derartige vorbewusste Erinnerungen kommen uns laufend bei alltäglichen Beschäftigungen in den Sinn, wenn wir uns auf eine Sache oder ein Thema konzentrieren und helfen uns bei unseren Entscheidungen und Handlungen.
Wir kommen z. B. in die Lage, eine neue Anstellung zu suchen. Zuerst sammeln wir Stellenangebote, die unserer Vorstellung in Bezug auf Bezahlung, Tätigkeit und Ort zusagen. Sobald wir nähere Informationen haben, stellen wir uns unsere Rolle an der betreffenden Arbeitsstelle auf-grund unserer Erfahrungen vor. All das spielt sich auf bewusster Ebene ab. Wir entscheiden uns nicht sofort. Das Sprichwort: "Der Morgen ist weiser als der Abend" drückt aus, dass wir uns während des Schlafes, wenn wir entspannt sind, im Unterbewusstsein mit unseren Problemen befassen. Wir entscheiden uns, ohne zu registrieren, dass das Unterbewusstsein bei der Entscheidungsfindung eine Rolle gespielt hat. Auch vorbewusste Erinnerungen können Entscheidungen beeinflussen. Wir erinnern z. B. uns im Laufe unserer Überlegungen plötzlich an eine wichtige Information, die mit dem gegenwärtigen Stellenangebot zusammenhängt, z. B. was ein Bekannter über die Firma, in die wir eintreten möchten, erzählt hat.
Bei der Entscheidungsfindung wird auf der bewussten Ebene unser klar logischer, begründender Intellekt gefordert, wogegen unsere Intuition aus dem Unbewussten schöpft. Albert Einstein (1879 - 1955) sagte: „Ich ver-
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traue auf Intuition“, allerdings kann man davon ausgehen, dass sein genialer Intellekt bei seinen Entscheidungen nicht zu kurz kam.
Das Bewusstsein lässt sich nach seiner Luzidität, d. h. nach seiner Intensität oder Klarheit einstufen, wobei man dieses als dumpf, getrübt, matt und in verschiedenen Abstufungen bis ganz klar bezeichnen kann. Eine Vielzahl von Eindrücken oder Vorkommnissen hinterlassen in uns lediglich matte Spuren. Wir werden aufmerksam, wenn uns etwas aufrüttelt und widmen uns dann mit ganz klarem Bewusstsein einer intellektuellen oder körperlichen Aktivität. So kann während des Unterrichts, solange der Lehrer den Stoff erklärt, die Bewusstseinslage des Schülers getrübt oder matt sein. Sobald der Lehrer ihn zur Prüfung aufruft, ist das Bewusstsein (aufgerüttelt) klar (trüb ist dann möglicherweise seine Laune - aber das ist ein anderes Kapitel).
Die Bewusstlosigkeit ist ein Bewusstseinszustand, in den eine Person durch einen Unfall oder eine Erkrankung fallen kann. Es kann sich um ein Koma oder eine psychotische Erkrankung handeln. Der Patient ist nicht ansprechbar, er reagiert auf Schmerz, oder auch nicht, seine Reflexe können vorhanden sein, oder auch nicht. Der Mensch ist in diesem Zu-stand oft keiner nach außen wahrnehmbaren Bewusstseinsäußerungen fähig, aber es ist unumstritten, dass auch in diesen Patienten Bewusstseinsprozesse ablaufen. Möglicherweise kann der Patient sein Umfeld
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selektiv oder eingeschränkt wahrnehmen, auch wenn er keine Reaktionen zeigt. Darauf weisen Beobachtungen von Ärzten, Pflegepersonal und Therapeuten hin. Man kann davon ausgehen, dass der Patient Zuwendung, Worte, einfühlsamen Gesang, Musik oder Berührung wahrnimmt und diese zur Genesung beitragen können.
Eine weitere Charakteristik des Bewusstseins ist seine Intentionalität, d. h. dass es immer auf jemanden oder auf etwas ausgerichtet ist: Wir stellen uns etwas vor, wir beurteilen gedanklich etwas, wir lieben oder hassen jemanden.
Im Weiteren interessiert uns auch der Bewusstseinsumfang. Im Basisbereich des Bewusstseins bewegen wir uns innerhalb der Grenzen der Realität, die wir durch praktische Erfahrung beweisen können. Daher sprechen wir vom Bewusstseinsumfang der empirisch gegebenen Wirklichkeit. Unser Streben nach tieferem Erleben und Erkennen führt uns zum Versuch, die Schwelle des Bewusstseins zu überschreiten. Wir können unseren Bewusstseinsumfang in unseren Vorstellungen, unseren Empfindungen und Einsichten (Visionen, Emotionen und Erkenntnissen) ausweiten, wie z. B. in einem Zustand extremer spiritueller, religiöser oder kreativer Begeisterung oder Verzückung. Eine solche Erfahrung wird als einzigartiges Erlebnis, das eine tiefe Einsicht in innere Zusammenhänge des Lebens und der Welt ermöglicht, empfunden. Auch Nahe-Tod-Erlebnisse wurden von den Betroffenen nachher als spirituelle, visionäre Verzückung beschrieben.
Anleitungen zur Bewusstseinserweiterung finden wir zum Beispiel bei Yoga. Alle einschlägigen Methoden sollten unter seriöser fachlicher Leitung praktiziert werden, um eine Desorientierung oder Gefährdung des psychischen Zustands zu vermeiden. Das betrifft vor allem Methoden, die auf der Einnahme von psychotropen Substanzen, auf Atempraktiken oder
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auf Ritualen beruhen. Bei übertrieben langen Übungen kann es zum Ausbruch von psychotischen Erkrankungen kommen. Die Auswahl einer nicht nur fachkundigen, sondern auch seriösen Leitung ist äußerst wichtig, weil eine weitere Gefahr darin besteht, dass beim Trainierenden ein unkritischer Gehorsam gegenüber der Autorität des Instruktors entsteht. Dieses Phänomen wird mitunter von Sektenführern missbraucht. Ein Angehöriger einer Sekte ist oft nicht mehr in der Lage, sich selbst dem Einfluss zu entziehen. Für Außenstehende, die helfen wollen, ist es sehr schwierig, eine betroffene Person gegen deren Willen vom Einfluss eines Sektenführers zu befreien.
Eine weitere Charakteristik des Bewusstseins ist der Bewusstseinsstrom, welcher die Dynamik, den ununterbrochenen Durchfluss von Bewusstseinsinhalten in unseren psychischen Abläufen, wie Empfinden, Wahrnehmen, Denken, Vorstellen, Gedächtnis, Gefühlen, Motiven, und auch psychischen Vorgängen mit organischem Hintergrund, wie z. B. Schmerz, ausdrückt. Insgesamt werden diese psychischen Abläufe als Erleben bezeichnet, im Gegensatz zu Verhalten.
1.2 Unterbewusstsein und Träume
Die unterbewusste Sphäre wird vom Bewusstsein unterschiedlich registriert. Es bestehen große individuelle Unterschiede, in welchem Maß jemand die eigenen unterbewussten Bereiche erkennt und ihm diese
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bewusst werden, auch ob das Unterbewusste als positiv, neutral oder bedrohend empfunden wird. Unser Unterbewusstsein kann sich in unseren Träumen bemerkbar machen. Mithilfe der Träume können uns gewisse unterbewusste Inhalte bewusst werden. Es ist jedoch unmöglich, alle unterbewussten Inhalte ins Bewusstsein zu rufen.
1.3 Träume als Ausdruck des Unterbewusstseins und psychische Gesundheit
Jeder Mensch träumt, häufig erinnern wir uns gar nicht daran geträumt zu haben. Träume treten meist in den REM Phasen (Phasen mit raschen Augenbewegungen) des Schlafes auf, in welchen eine gesteigerte Gehirntätigkeit vor sich geht. Träume können einen infantilen und irrationalen Inhalt, aber auch einen rationalen, reinigenden Charakter haben. Bei Träumen handelt es sich um Reaktionen auf Erlebnisse und Erfahrungen und um eine Selbstregulierung unseres psychischen Systems. Sie sind eine Dokumentation, welche die innere Dynamik der individuellen Persönlichkeit ausdrückt. Der Traum enthält Andeutungen, die bild- oder symbolhaft ausgedrückt werden. Die Interpretation von bestimmten Symbolen, die uns in Träumen erscheinen, helfen uns Trauminhalte zu verstehen. Wenn wir mit einem Traum, den wir uns bewusst machen, nichts anzufangen wissen heißt das nicht, dass er nicht eine Wirkung auf unser Unterbewusstsein haben kann.
1.4 Traumdeutung
Häufig erinnern wir uns nicht an unsere Träume. Das Bewusstmachen der Trauminhalte und deren Erklärung können jedoch für das
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Wohlbefinden oder aus therapeutischen Gründen hilfreich sein. Wenn wir einer nahe stehenden, verständnisreichen Person einen uns belastenden Traum erzählen, werden wir unsere Restangst los und erkennen vielleicht auch, in welchen Erlebnissen oder Problemen der Traum seinen Ursprung hatte. Ein Traum kann Hinweise oder Warnungen aus unserem Unterbewusstsein vermitteln. Auch körperliche Reize während des Schlafs, wie Schmerzen, Frieren, voller Magen usw., äußern sich in Träumen, die Vorboten von Krankheiten oder Krisen sein können.
Traumdeutung ist der mehr oder weniger systematische Versuch, einzelne Traumelemente oder Traumerscheinungen, die oft symbolische Bedeutung haben, zu erklären Für die Interpretation von Träumen gibt es kein universelles Lexikon von Traumsymbolen. Gewisse Symbole können jedoch unter bestimmten kulturellen Bedingungen und unter dem Einfluss bestimmter Situationen einheitlich sein. Die Bedeutung eines Traumes können wir ableiten, wenn wir mit dem Lebenslauf und den Erfahrungen der betreffenden Person gut vertraut sind.
In der psychotherapeutischen Praxis dient die systematische Analyse der Träume zur Aufdeckung von psychischen Störungen und zugleich als ein Zugang zur Erforschung des Unterbewussten. Mit Träumen in der Psychotherapie, haben sich u. a. Sigmund Freud (1875 - 1961) und C. G. Jung (1856 - 1939) intensiv beschäftigt. Freud und seine Schüler konzentrieren sich auf das Thema des Traumes, welches sie als Ausdruck von verdrängten Wünschen sehen. Aufgrund von gemeinsamen Elementen zahlreicher Traumschilderungen verschiedener Klienten wurden Auslegungen von Träumen abgeleitet (z. B. in die Tiefe fallen symbolisiert Angst oder einer erotischen Versuchung nachgeben, fliegen symbolisiert Verlangen nach sexueller Erfüllung, nach oben gerichtete, spitze oder leistungsfähige, starke Objekte, wie Turm, Gewehr, Messer, Auto oder Flugzeug sind männliche Sexualsymbole -
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Phallussymbole - , während hohle, runde oder schwächliche Gegenstände, wie Truhen, Dosen etc. weibliche Sexualsymbole darstellen sollen).
C. G. Jungs analytische Psychologie interpretiert in den Träumen die archetypische Symbolik, nach welcher z. B. ein Pferd im Traum die menschlichen Triebe symbolisieren kann. Jung betont, dass die Bedeutung eines Symbols sehr individuell ist und nicht ohne genaue Analyse der Zusammenhänge interpretiert werden kann.
1.5 Warum sind wir mitunter geistesabwesend - Dissoziation
Dissoziation verstehen wir vielleicht besser, wenn wir sie dem Gegenteil, der Assoziation gegenüberstellen. Während wir bei Assoziation Gedächtnisinhalte (Vorstellungen, Gedanken, Begriffe) verbinden, kommt es bei der Dissoziation zur Trennung oder Abspaltung von Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalten im Bewusstsein. Die gängige Dissoziation unterscheidet sich von der pathologischen, die dauernde Störungen der integrativen Funktion des Bewusstseins zur Folge hat, ganz wesentlich.
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Dissoziative Gedanken, Gefühle, Einstellungen und Handlungen laufen außerhalb unserer bewussten Vorhaben ab, wobei es von vollem Bewusstsein bis zum nicht Bewusstsein viele Abstufungen gibt. Unser tägliches Leben ist voll von kleinen Dissoziationen, bei welchen wir gewisse Gedanken, Gefühle, Einstellungen oder Handlungen nicht in unser Bewusstsein integrieren können, sie werden also nicht bewusst gesteuert und laufen automatisch ab. Je automatischer eine Handlung ist, desto weniger bewusste Kontrolle erfordert sie. Der Mensch kann auch mehrere Handlungen gleichzeitig durchführen, ohne dass diese vom Bewusstsein vollständig registriert werden. Das macht sich etwa so bemerkbar, dass Sie jemanden anrufen, aber die Nummer einer anderen Person eintippen. Dissoziation kann auch zu automatischen Handlungen führen z. B. Beißen am Bleistift, automatisches Kritzeln oder Zeichnen während des Telefonierens oder Nachdenkens. Auch Sprechen oder Gehen im Schlaf (Mondsüchtigkeit, Somnambulismus) gehören zu den dissoziativen Erscheinungen. Die Skala der dissoziativen Erscheinungen ist breit, die Menschen sind sich ihrer meist nicht unmittelbar bewusst und können sich häufig auch nicht an sie erinnern.
Dissoziation dient auch zur Bewältigung traumatischer Erfahrungen oder tragischer Begebenheiten. Durch den Prozess der Dissoziation werden die belastenden Gedanken und Gefühle vom Bewusstsein abgespaltet. Die Betroffenen, z. B. Opfer von Gewalt, erleben ihre Qualen als wären sie Zuschauer des Geschehens und nicht die Leidenden selbst. Es tritt eine Depersonalisation ein. Oft können sich die Betroffenen im Nachhinein nicht mehr an die Begebenheiten erinnern. Wenn der Zustand andauert, ergibt sich das Krankheitsbild der multiplen Persönlichkeit; allerdings kommt diese eher selten vor. Die betroffene Person verhält sich wechselweise wie zwei oder mehrere selbständige, charakterlich verschiedene Persönlichkeiten, und eine ist sich der anderen nicht bewusst. Die betroffene Person wechselt plötzlich von einer in die andere Persön-lichkeitsform.
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1.6 Gewissen
Das Gewissen ist die höchste Form des Selbsterkennens, durch welche wir Bewertungen der eigenen Taten und Motive vornehmen. Es entwickelt sich durch eine Verinnerlichung von Werten und Einstellungen, die durch Eltern, Familie, soziales Umfeld, Kultur und Religion bereits ab der frühen Kindheit vermittelt werden. Idealerweise verstärkt das Gewissen unsere Motivation, verantwortungsvoll gegenüber anderen und uns selbst zu handeln. Gewissenskonflikte ergeben sich durch Abweichungen der tatsächlichen moralischen Handlungen von der eigenen Gesinnung. Gewissensbisse sind noch kein Beweis dafür, dass tatsächlich eine Schuld vorliegt. Sie können Ausdruck einer penibel gewissenhaften Persönlichkeit oder das Symptom einer Depression sein. Unser Gewissen kann gut oder schlecht sein. Wir erforschen unser Gewissen, wir beruhigen es, wir übertönen es oder wir belügen es. Bei der Erforschung unseres Gewissens, können wir in unser Unterbewusstsein vordringen.
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2 Wie nehmen wir unsere Umwelt wahr
- Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
2.1 Die Sinne
Mithilfe unserer Sinne nehmen wir die Umwelt wahr, vor allem durch das Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken. Durch die Wahrnehmung sammeln wir Informationen über unsere Umwelt, die wir in unserem Gedächtnis speichern. Dadurch können wir bei nächster Gelegenheit z. B. die Größe oder Farbe eines Objektes bereits aus größerer Entfernung und unter anderen Lichtverhältnissen richtig einschätzen oder wir können nach einem Geräusch von Schritten erkennen, wer kommt. Dank dieses Phänomens der Konstanz erkennen wir aus größerer Entfernung, auch in der Dämmerung oder in der Dunkelheit z. B. bekannte Personen, dass unser Hund bellt und nicht ein fremder, dass die Hand, die uns berührt, die unseres Partners ist. Die menschlichen Sinne sind in verschiedenen Richtungen bemerkenswert entwickelt, allerdings ist unsere Wahrnehmung manchmal verzerrt.
Von einer großen Anzahl von Gerüchen, die in der freien Atmosphäre vorhanden sind, nimmt der Mensch mit seinem Geruchssinn nur einen kleinen Teil wahr, und einen noch kleineren Teil kann er sicher unterscheiden. Gerüche beeinflussen unsere Gefühle zu anderen Menschen (ich kann jemanden nicht riechen), die Partnerwahl und das Geschlechtsleben, auch wenn wir das nicht oder nur teilweise bewusst registrieren. Der Geruchssinn hat beim Menschen auch die Funktion der Kontrolle von Speisen und Getränken oder das Signalisieren schädigender Stoffe. Ein längeres Verbleiben in einer Umgebung mit einer starken Geruchskonzentration hat zur Folge, dass die Wahrnehmungsempfindlichkeit nach und nach sinkt, bis der Geruch letztendlich überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird, es kommt zur Adaptation.
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Die Geschmacksrezeptoren des Menschen können auf eine große Anzahl von chemischen Stoffen reagieren, die in vier Geschmacksqualitäten zusammengefasst werden: süß, salzig, sauer und bitter. Diese Geschmackseinteilung wurde bereits vom griechischen Philosophen Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.) verwendet. Es gibt starke individuelle und kulturelle Unterschiede in der Bewertung der Geschmacksqualitäten, was schmeckt und was nicht. Geschmacks- und Geruchssinn gehören eng zusammen. Schon bevor man eine Speise oder ein Getränk kostet, bildet man sich aufgrund des Geruchs eine Geschmacksvorstellung. Fällt der Geruchssinn, z. B. bei Schnupfen aus, schmecken auch viele Speisen „fade“. Ähnlich wie beim Geruchssinn führt ein länger dauernder Geschmacksreiz zu einem allmählichen Abnehmen der Wahrnehmungsintensität.
Der Tastsinn wird im weiteren Sinn als Hautsinn bezeichnet. Wir nehmen Druck, Wärme und Schmerz wahr. Gleich wie bei den anderen Sinnen, kommt es bei der Wahrnehmung von Druck und Wärme - nicht jedoch beim Schmerz - zur Adaptation, die bei längerem Andauern des Reizes eine Abnahme der Wahrnehmungsintensität bewirkt. Jede Art von Reiz, der stark genug ist, um eine Beschädigung des Gewebes zu verursachen, bewirkt einen Schmerz. Neben dem Hautsinn haben wir noch körperliche Sinne (kinästhetische Empfindungen), die uns über unsere Bewegungen, die Körperstellung oder Körperlage informieren.
Das Gehör ist neben dem Gesichtssinn wichtig, um Informationen aus unserem Umfeld zu erhalten sowie zur Kommunikation. Die Tonhöhe, die durch die Frequenz bestimmt wird, stellt eine Grundqualität des Geräusches dar. Wir nehmen Schallwellen in der Luft von 16 Hertz (tiefe Töne) bis 20.000 Hertz (hohe Töne) wahr. Wenn zwei oder mehr Frequenzen gleichzeitig ertönen, nehmen wir jeden Ton getrennt wahr. Mit
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zunehmendem Alter nimmt die Hörfähigkeit für hohe Töne ab. Eine weitere Qualität des Tones ist die Intensität. Wenn wir einer übermäßigen Tonintensität ausgesetzt sind, kann es zu einer Beschädigung des Gehörs kommen. Eine kritische Lärmgrenze beginnt bei 70 Dezibel (dB), wenn wir diesem Lärm längere Zeit ohne Unterbrechung ausgesetzt sind. Die Arbeit mit Werkzeugen oder Maschinen bei 100 dB sollte - ohne Pause - nicht länger als zwei Stunden dauern. Lärm von 120 dB stellt eine unmittelbare Gefährdung des Gehörs dar. Solchem Lärm sind wir z. B. bei einem Rockkonzert in der Nähe der Verstärker ausgesetzt.
Sehen können wir, was sich innerhalb unseres Gesichtfeldes befindet, aber hören können wir aus allen Richtungen. Einen Ton, der von der rechten Seite kommt, nehmen wir mit dem rechten Ohr lauter wahr und umgekehrt. Diesen winzigen Unterschied der Lautstärke und den minimalen Zeitunterschied, mit welchem Schallwellen das rechte und linke Ohr erreichen, wertet unser Gehirn aus und ermittelt die Richtung aus der der Laut kam.
Mit dem Gesichtssinn reagieren wir auf Licht. Licht - sichtbare Energie - stellt einen kleinen Teil des Spektrums elektromagnetischer Strahlung dar. Das von unseren Augen aufgenommene Bild, das leicht verzerrt und an den Rändern unscharf ist, wird vom Gehirn korrigiert, sodass wir diese Unzulänglichkeiten nicht wahrnehmen. Auch die dreidimensionale Wahrnehmung ist Aufgabe des Gehirns, da die Abbildung des Gesehenen auf den Netzhäuten vorerst zweidimensional ist. Ringmuskeln um die Augenlinse steuern die Sehschärfe. Mit dem Alter, ab ca. 45 Jahren - nimmt die Elastizität der Linse ab und man wird evtl. altersweitsichtig. In welcher Farbe wir einen Körper unter Lichteinfall wahrnehmen, und ob wir ihn erfassen können, hängt von der Wellenlänge des Lichtes und von der Oberflächenbeschaffenheit des Körpers ab. Der Bereich, den wir wahrnehmen, ohne die Augen und den Kopf zu bewegen, ist
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das Gesichtsfeld, das unter verschiedenen Bedingungen veränderlich ist (Licht oder Dunkelheit, Ruhe oder Fortbewegung, usw.)
2.2 In reizarmen monotonen Bedingungen sinkt die Aufmerksamkeit
Unsere Sinne reagieren besser auf Veränderungen im Umfeld als auf gleichförmige Bedingungen. Vielleicht kennen Sie die Situation, wenn Sie längere Zeit auf einer Autobahn mit monotoner Umgebung fahren. Der Blick stellt sich darauf ein, dass sich in der Umgebung nichts Neues tut. Es kann dann schwer sein, sich zu konzentrieren. Wir bemerken, dass unsere Aufmerksamkeit herabgesetzt ist.
2.2.1 Absolutes Fehlen von Anregungen
Die Absenz von Reizen ist ein Extremfall. Wenn der Zustand länger andauert, kommt es während der sensorischen Deprivation zu einer Kompensation des Mangels an äußeren Anregungen. Es tauchen lebhafte Vorstellungen bis zu Halluzinationen auf.
2.2.2 Überlastung der Sinne
Wenn die Sinne über längere Zeit überlastet werden, führt das zur Erschöpfung. Daher ist es wichtig, bei Tätigkeiten, welche die Sinneswahrnehmung belasten, öfter Pausen einzulegen.
2.2.3 Die Wahrnehmung verläuft als Prozess
Dank unserer Wahrnehmung orientieren wir uns in unserer Umwelt. Wenn wir uns mit der Wahrnehmung näher beschäftigen, können wir sie in eine Reihe von Prozessen einteilen. Wir erkennen z. B. einfache Eigenschaften eines Objektes wie Form, Farbe, und Größe, aber wir nehmen Objekte auch als Ganzes wahr und die wechselseitigen Beziehungen zwischen denselben.
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Bei der Wahrnehmung organisieren wir die Informationen systematisch und verbessern diese Fähigkeit laufend. Je entwickelter unsere Sinne sind, desto mehr Sinneseindrücke erhalten wir. Ein Sinn weniger, und wir sind von einem ganzen Segment des äußeren Geschehens ausgeschlossen. Hätten wir zusätzliche Sinne, könnten wir mehr und vielfältigere Informationen über die Umwelt erhalten. Unser Erkennen ist durch die Sinne, die uns zur Verfügung stehen, eingeschränkt. Oft erhalten wir durch unsere Sinneswahrnehmungen nur unvollständige oder sogar verfälschte Bilder der äußeren Ereignisse. Es existiert jeweils eine obere und untere Grenze (Schwelle) unserer Wahrnehmungsfähigkeit. Aber auch innerhalb dieser Grenzen können unsere Sinneswahrnehmungen unverlässliche Informanten sein, ein Beispiel sind Sinnestäuschungen. Wir können unsere Aufnahmefähigkeit durch technische Mittel erweitern. Die natürlichen Grenzen des Erkennens sind durch unsere Bewusstseinsform (Ebene, Luzidität, Intentionalität und Umfang), Wahrnehmung und Aufmerksamkeit gegeben, aber auch durch die Erfahrung, Vorstellung, Einschätzung und Neugier. Daraus geht hervor, dass die Qualität der Sinneswahrnehmung individuell unterschiedlich ist (Sommeliers z. B. perfektionieren die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung durch gezieltes Training). Wir machen uns auch die besser ausgeprägten Sinne von Tieren zunutze, z. B. den Geruchssinn von Hunden bei der Suche nach Menschen oder Drogen.
2.3 Die Organisation unserer Sinneswahrnehmungen
Wir nehmen Gesamtbilder oder Situationen immer entsprechend dem Figur-Grund-Prinzip wahr, egal ob mit dem Gesichts-, dem Gehör-oder mit dem Geruchssinn, d. h. ein bestimmtes Objekt einer Gesamtkomposition zieht unsere Aufmerksamkeit an sich, und wir nehmen es deutlicher wahr als die anderen umliegenden Objekte. Sobald wir uns mehr auf ein anderes Objekt in der gegeben Gesamtkomposition konzentrieren, nehmen wir dieses als Zentralfigur schärfer wahr, und das vorher dominant wahrgenommene Objekt verschwimmt jetzt im Hinter-grund. Es kann sich dabei um den Ton eines bestimmten Musikinstruments im Orchester, einen bestimmten Duft, oder um einen bestimmten Gegenstand unter vielen anderen handeln. Die Fähigkeit, ein bestimmtes Wahrnehmungsobjekt unter vielen anderen zu erkennen, hat wichtige praktische Bedeutung im Alltagsleben und in vielen Berufen.
Unsere Wahrnehmung wird sowohl durch innere (Emotionen und körperliche Zustände) als auch durch äußere Faktoren beeinflusst. Zum Beispiel bemerken Personen, die Angst vor sozialer Ablehnung haben, rascher Anzeichen eines feindlichen Ausdrucks im Gesicht Ihres Gegenübers.
Es bestehen individuelle Unterschiede der Abhängigkeit des Gesichtsfeldes, die von einem hohen Grad der Abhängigkeit (langsames Abheben der Figur vom Hintergrund) bis zur Unabhängigkeit (rasches Abheben der Figur vom Hintergrund) reicht. Die "Unabhängigen" sind erfolgreicher beim Erkennen von Gegenständen vor einem tarnenden
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Arbeit zitieren:
Jiri Hoskovec, 2009, Psychologie - Einführung, München, GRIN Verlag GmbH
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