Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Grundlagen der Jungen - Pädagogik 3
2.1 Evolutionstheoretischer und hormoneller Aspekt 3
2.2 Der hirnbiologische Aspekt 4
2.2 Der entwicklungspsychologische Aspekt 5
2.3 Der soziologische Aspekt 6
3 Jungen in pädagogischen Instituten 7
3.1 Jungen im Kindergarten 7
3.2 Schule 7
4 Jungen - neue Bildungsverlierer etwa seit langem? 9
4.1 Bildungsdaten von früher und heute im Vergleich 9
4.2 Erklärungsversuche 11
4.2.1 Der Übeltäter: Feminismus 11
4.2.2 Lebenswelten von Jungen im geschichtlichem Vergleich 13
5 Diagnose Junge - und die Medizin? 14
5.1 Hilfsmittel in der Familie 14
5.2 Hilfsmittel in der Schule 15
6 Eigene Stellungnahme 16
Abbildungsverzeichnis 18
Literaturverzeichnis 19
2
1 Einleitung
Die Jungen sind die Bildungsverlierer von heute. In allen Medien findet man mindestens einen Beitrag darüber. Früher waren die Mädchen die Sorgenkinder in der Schule, heute sind es die Jungen. Die Geschlechterfrage wird wieder aufgegriffen und man diskutiert, wie man die Jungen fördern kann, damit sie besser in der Schule werden. Hier geht man davon aus, dass ausschließlich die Jungen spezifisch gefördert werden müssen. Für eine Jungen-Pädagogik braucht man zunächst Grundkenntnisse über die Verschiedenheit von Jungen und Mädchen und wie diese überhaupt zustande kommen. Die Grundlagen der Jungen-Pädagogik werden somit als erstes geschaffen. Im nächstem Schritt wird geschaut, welche unterschiedlichen Verhaltensweisen von Mädchen und Jungen in den pädagogischen Institutionen auftreten, die eventuell mit dem Sinken der männlichen Schulleistung zusammenhängen. Darauf folgt eine genaue Datenlage über die Bildungswege von Jungen und Mädchen im historischen Vergleich. In diesem Kapitel wird auch geklärt, ob Jungen tatsächlich immer schlechter in der Schule werden, oder ob die Mädchen so weit aufrücken und die Jungen in den Leistungen überholen, so dass sie ins Vordertreffen geraten und die Jungen dabei arm dastehen lassen? Vielleicht waren die Jungen aber auch schon viel länger schlechter in den Schulleistungen und man hat es überhaupt nicht gemerkt, da es kein Vergleich zum anderen Geschlecht gab. Da aber dennoch ein Unterschied zwischen Mädchen und Jungen verbleibt, sind hier die Ursachen zu finden. Dabei werden der Feminismus und dessen Wirkungen und die Lebenswelten von Jungen im geschichtlichen Vergleich genauer betrachtet. Letztendlich werden mögliche Problemlösungen sowohl in der Familie als auch in der Schule erläutert. Die eigene Stellungnahme rahmt die Hausarbeit als letztes ein.
2 Grundlagen der Jungen - Pädagogik
2.1 Evolutionstheoretischer und hormoneller Aspekt
Einige unterschiedliche Verhaltensweisen von Jungen und Mädchen beginnen schon im Mutterleib. So sind Jungen als Embryo motorisch aktiver als Mädchen. Aber wie kann das sein? Bis dato fand weder eine Sozialisation noch jegliche Erziehung statt. Zum einem bestimmen die Hormone diese Verhaltensweisen und zum anderem die Evolution, auf die ich nun genauer eingehen werde.
Nehmen wir die parentale Investition genauer in Betracht, so lassen sich einige geschlechtsspezifische Dispositionen erklären. Die parentale Investition lässt sich
3
anhand der Begrifflichkeiten erklären: Es ist der elterlicher Aufwand um ein Kind zu erzeugen, zu ernähren und zu erziehen. Dieser Aufwand ist bei Frauen weitaus höher als bei Männern, von denen lediglich die Befruchtung erforderlich ist. Männer können demnach potentiell Hunderte von Kindern erzeugen. Das männliche Fortpflanzungspotential kann aber nicht ohne weiteres unbegrenzt genutzt werden, da Partnerinnen vielfach mit Schwangerschaft oder Betreuung des Nachwuchs beschäftigt sind. Dadurch entsteht die Notwendigkeit des männlichen Geschlechts mit Nebenbuhlern konkurrieren zu müssen. (vgl. Matzner/Tischner 2008,S.24) Konkurrenzverhalten und damit einhergehenden Verhalten wie Imponiergehabe und Aggression können hieraus abgeleitet werden.
Die Gründe hierfür liegen aber nicht nur in der Evolution sondern auch in den hormonellen Einflüssen. Hierbei spielt das Geschlechtshormon Androgen die Schlüsselrolle. Es wird etwa von der achten Schwangerschaftswoche an in den Hoden vom männlichen Embryo produziert. Androgene bilden die Geschlechtsmerkmale aus, beeinflussen verhaltensregulierende Gehirnstrukturen und den Testosteronspiegel.
Man geht davon aus, dass Kinder, die je mehr sie als Embryo Androgene ausgesetzt waren, desto unternehmungslustiger und aggressiver sind. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S.27) Der Vollkommenheit halber muss man hinzufügen, dass sich Biologie und Umwelt nicht trennen lassen. Entsprechend formulierte es Chasiotis/Voland (1998, S.582): „Die Gene bestimmen, welche Aspekte der Umwelt überhaupt verhaltenswirksam werden können, und die Umwelt bestimmt, wann welche Gene auf welche Weise tatsächlich aktivieren.“( vgl. Schulheis/Strobel-Eisele/Fuhr 2006, S.57)
2.2 Der hirnbiologische Aspekt
Die Basis von Verhalten im allgemeinem besteht aus fünf Komponenten: das Fühlen, Denken und Handeln als auch die Anlage, die immer in Wechselwirkung zur Umwelt steht. Da die ersten drei Komponenten durch das Gehirn gesteuert wird, sollte man es, wenn man geschlechtsspezifische Verhaltensunterschiede erklären möchte, genauer in Betracht nehmen.(vgl. Matzner/Tischner 2008, S.34)
Um auf das Thema erhöhte körperliche Aggression bei Jungen zurückzukehren: Es lässt sich auch hirnbiologisch erklären. So können Jungen weniger gut als Mädchen in Stressbedingungen negative Emotionen kontrollieren, so dass impulsive Wutausbrüche entstehen. Die Impulskontrolle geschieht durch folgende Hirnstrukturen: Ein Bereich der vorderen Stirnrinde (orbitofrontale Cortex) als auch ein Teil des limbischen Cortex (anteriore
4
cinculäre Cortex) wirken durch den Botenstoff Serotonin hemmend auf den Mandelkern (Amygdala). Durch das Serotonin ist der Mandelkern weniger aktiv und erzeugt dadurch weniger negative emotionale Impulse. Der Grund der besseren Impulskontrolle bei Frauen liegt wohl an der größeren Anzahl von Serotonin - Rezeptoren und dem größeren orbitofrontalen Cortex, die sie im Gegensatz zu Männern besitzen. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 42f) Ein weiterer wesentlicher Geschlechtsunterschied, den man anhand von Gehirnstrukturen nachweisen kann, ist die sprachliche Fähigkeit. Die wichtigsten Gehirnzentren für Sprachverarbeitung sind im Bereich des Stirnlappens (Broca - Areal) sowie im Schläfenlappen (Wernicke - Areal) der linken Gehirnhälfte lokalisiert. Im Vergleich zu Männern sind bei Frauen die Broca- und Wernicke- Areale größer und in den sprachrelevanten Regionen ist der Anteil der grauen Substanz, die für die Informationsverarbeitung im Gehirn zuständig ist, höher. Interessanterweise wurde bei Jugendlichen ein umgekehrtes Verhältnis gefunden. Bei Jungen im Alter zwischen sechs und fünfzehn wurde im Broca - Areal mehr graue Substanz gefunden als bei Mädchen. Des Weiteren nimmt dort die weiße Substanz, die Informationen innerhalb des Gehirns weiterleiten, nur bei Jungen bis ins hohe Alter linear zu. Dieser Anstieg könnte die erhöhte Anfälligkeit von Sprachfehlentwicklungen bei Jungen erklären. Als Ergebnis kann man sagen, dass sich die Sprachzentren geschlechtsspezifisch entwickeln und reifen. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 37-38)
2.2 Der entwicklungspsychologische Aspekt
In diesem Abschnitt soll geklärt werden, wie ein Junge überhaupt zum Jungen und das geschlechtstypische Verhalten erzeugt wird. Dabei werden einige Theorien kurz umrissen. Lerntheoretische Konzepte besagen, dass Jungen durch die Umwelt, sprich von den Eltern und anderen Bezugspersonen zum Jungen geformt werden. Eltern behandeln Jungen und Mädchen von Geburt an anders. Die Geschlechtsrollenvorstellung ist eine wesentliche Ursache.(vgl. Matzner/Tischner 2008 S. 50)
Ergänzend wäre festzustellen, dass das elterliche Verhalten auch eine Reaktion auf eine von Geburt an unterschiedliches Verhalten zwischen Junge und Mädchen ist. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 22) Sicherlich spielen beide Faktoren eine wesentliche Rolle. Soziale Lerntheorien gehen davon aus, dass Jungen ihr geschlechtsspezifisches Verhalten durch gleichgeschlechtliche Modellen (Vater, großer Bruder, evtl. Lehrer) erlernen. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 51)
Bei der Identifikationstheorie entwickelt sich zwischen Sohn und Vater eine enge gefühlsmäßige
5
Bindung (Identifikation), die dazu führt, dass der Sohn nicht nur äußerliche Verhaltensweisen der Vaters sondern auch innere Einstellungen imitiert. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S.52) Letztendlich bei Kohlbergs kognitive Theorie, die man als Rahmentheorie verstehen kann, ist das Kind aktiv, das Informationen verarbeitet - ein gesetzmäßiger Vorgang im Körper tritt in Kraft. Ab dem sechstem Lebensjahr sind Kinder von sich aus sehr stark daran interessiert sich nach ihrem Geschlecht angemessen zu verhalten, was hauptsächlich durch nacheifern eines Elternteils oder eines anderen Vorbildes geschieht.
Für die Entstehung von psychischen Geschlechtsunterschieden spielen aber auch Einflüsse der sozialen Umwelt eine gewichtige Rolle: Das Erziehungs- und Vorbildverhalten, die Peer Group und die Medien dürfen nicht außer Acht gelassen werden (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 54f)
2.3 Der soziologische Aspekt
In diesem Abschnitt wird die männliche Sozialisation genauer unter die Lupe genommen und dabei einige Leib- und Körperkonflikte im Aufwachsen von Jungen aufgegriffen und erläutert. Der erste Konflikt geschieht mit der Bindungsablösung zur Mutter und zugleich mit der Bindungssuche zum Vater. Diese Bewältigungserfahrung betrifft die frühe kindliche Phase eines Jungen, im Alter von 3 bis 5 Jahren. Nun ist es aber meist schwer für Jungen die Alltagsidentifikation des Vaters zu bekommen, da sie nicht nur räumlich sondern sogar oft auch mental abwesend sind, die Erziehungs- und Hausarbeit obliegt schließlich überwiegend der Mutter. Auch im Kindergarten fehlen männliche Vorbilder. Auf diese Weise erfährt der Junge kaum männliche Schwächen und nimmt im
zunehmenden Alter zusätzlich durch die Medien nur die “starke“ Seite des Vaters wahr. Dies führt zwangsweise zur Idolisierung des Manns Seins und zur Abwertung des “schwachen Weiblichen“. Hierbei ist das Auftreten und Tätigkeiten der Mutter sowie das Einbringen des Vaters in das Familienleben wichtig, damit ein solches Gedankengut von Jungen erst gar nicht entsteht.
Die Entwicklung zum Mann werden hängt nicht nur von der Mutter- Vater- Konstellation ab, sondern auch von den Erfahrungen, die sie in ihrem gesamten sozialen Umfeld machen. So fragen sich Eltern, warum ihre Kinder traditionelle Geschlechtsrollen übernehmen, obwohl sie eine geschlechtsemanzipative Erziehung erfahren haben. Die Geschlechterbilder der Medien spielen hier eine gewichtige Rolle. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 71ff)
6
3 Jungen in pädagogischen Instituten
3.1 Jungen im Kindergarten
Ab dem 2. Lebensjahr interessieren sich Kinder durchschnittlich eher für geschlechtsspezifische Spielzeuge. Man darf das allerdings nicht pauschal sehen. So spielen Jungen gerne mit Fahrzeugen, interessieren sich überwiegend für technische Zusammenhänge, zerlegen Dinge in ihre Einzelteile und wollen wissen, wie etwas funktioniert. Auch eine geschlechtsneutrale Erziehung erzeugt das gleiche Ergebnis (vgl. Matzner/Tischner 2008, S.78) Der Kindergarten verstärkt allerdings eine geschlechtstypische Behandlung durch die räumliche und materielle Ausstattung, wie Bau- und Puppenecke. Auch die Peergroup verstärken das einseitige Spielen. So gibt es ja schon fast Bestandsaufnahmen, wenn kleinere Jungen in eine Jungen-Gruppe mit älteren Jungen aufgenommen werden möchten. Sie müssen begehrte Spielzeuge (Flugzeuge, Baufahrzeuge, etc.) mitbringen oder Fachwissen in einem bestimmtem Bereich (Dinosaurier, Spielkarten etc.) haben. Das Spielen mit den Mädchen im Kindergarten führt zum Ausschluss der Jungen-Gruppe. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S.82) Bei großer Interesse arbeiten Jungen sehr intensiv und mit großer Ausdauer an jenem Projekt und werden schon im Kindergarten zu kleinen Fachspezialisten. Werden sie aber von Erzieherinnen darin unterbrochen, weil der Tagesablauf dies erfordert, oder auch beim Einschränken eines lautstarken, raumgreifenden Spielen, fühlen sie sich in ihren Bedürfnissen nicht ernst genommen und rebellieren heimlich oder offen gegen die Bevormundung durch “Frauen“. Männer hingegen erkennen Jungen eher als die “Bestimmer“ und beugen sich ihrer Erwartungen. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 85) Im Kindergarten gibt es aber Männer so gut wie nie, lediglich 3,84%. Dabei sind sie für die Geschlechtsidentifikation und Imitation von Verhalten wichtig. Sind sie nicht vorhanden, so müssen sich Jungen ausschließlich in der Peergroup sozialisieren, wobei hier auch wiederum häufig “Männlichkeitsmodelle“ aus den Medien übernommen werden. Aber auch eine weitere Erkenntnis leitet sich unter anderem daraus ab: Kinder machen somit häufig die Erfahrung, dass das “männliche“ Arbeiten in der Gesellschaft höher geschätzt wird als “Tätigkeiten“ von Frauen. So wurde ein Erzieher von einem Kindergartenkind gefragt, ob er arbeitslos sei, weil er im Kindergarten arbeite. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 87)
3.2 Schule
Das geschlechtsspezifische Verhalten setzt sich in der Schule weiter fort. So legen Jungen überwiegend das “Raufverhalten“ gerne an den Tag und lassen sich durch ihr auffälliges,
7
störendes und regelwidriges Verhalten aufmerksam machen. So sind Jungen zu 75 % und Mädchen zu 25 % an einem “hyperaktives“ Verhalten zu erkennen, welches zur Unbeliebtheit bei der Lehrerschaft führt. Auch sind Jungen häufiger übergewichtig, was ebenso die Beliebtheit erschwert und auch schnell zum sozialen Ausschluss führt. Diese unbewusste Isolation seitens der Lehrer/innen zieht zwei miteinander verbundene Folgen mit sich: Da die Kinderfreundschaften weitgehend in der eigenen Klasse entstehen, sind diese mit dem sozialem Ausschluss auch dahin - nicht unbedingt, aber das Risiko ist dennoch hoch. Und der Schulerfolg kann dadurch auch erschwert werden. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 126) Jungen beklagen sich auch im Gegensatz zu den Mädchen in der Schule über mehr Langeweile, sie fühlen sich nicht wohl und nicht angenommen und die Lernfreude ist geringer. Ein großer, seit kurzem heftig debattierter Unterschied liegt in den Schulleistungen von Jungen und Mädchen. Jungen sind ins Hintertreffen geraten. Bevor wir uns den schulischen Werdegänge von Jungen widmen, lassen wir zunächst einen flüchtigen Blick auf die PISA-, (Programme of International Student Assessment) IGLU- (Internationalen-Grundschul-Lese-Untersuchung) und TIMSS- (Third International Mathematics and Science Sutdy) Studien werfen. An den Studien lässt sich erkennen, dass Jungen zwar im Lesen weiter zurück liegen im Gegensatz zu den Mädchen aber die grauen Balken, die in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften weit hinausragen, fallen ebenfalls auf.
Beim näherem Hinsehen kann man weitere Beobachtungen machen: Vergleicht man die beiden IGLU-Studien, die die Lesekompetenz untersucht haben, so ist festzustellen, dass die Jungen sich von dem Jahr 2001 auf 2006 verbessert haben und die Mädchen ein wenig verschlechtert. Bei Mathematik und den Naturwissenschaften verhält sich das genau umgekehrt: 2007 haben die Mädchen ein wenig aufgerückt und die Jungen schnitten nicht so gut ab, wie im vorherigem Test im Jahr 2001.
Anhand der Studien lässt sich nicht sagen, dass die Jungen die Bildungs-Verlierer im Allgemeinen sind. Vergleicht man nun aber die Leistungstest mit den Zeugnisnoten sind sie nicht übereinstimmend. Hier bekommen Jungen generell schlechtere Noten. (vgl.
Bude/Scholand/Faustich-Wieland 2008, S. 121)
Aber wie ist dieses Mysterium zu erklären? Sind vielleicht überhaupt nicht die Jungen die Verlierer, sondern jemand anderes - eventuell die Lehrer, die Schulen oder gar das gesamte Schulsystem? Oder steckt noch etwas anderes dahinter? Bevor wir diesen Fragen auf den Grund gehen, wollen wir zunächst die Bildungsdaten anschauen.
8
4 Jungen - neue Bildungsverlierer etwa seit langem?
4.1 Bildungsdaten von früher und heute im Vergleich
Schaut man sich folgende Tabelle an, so kann man erkennen, dass früher ca. von den 40er bis in den 60er Jahren insgesamt die meisten Jugendlichen den Haupt- oder Volksschulabschluss erlangten, wobei man hinzufügen muss, dass es ca. in den 60er eine Wende gab. Bis dahin gingen Mädchen überwiegend auf die Haupt- oder Volksschule, aber nun waren die Jungen in der Überzahl und blieben es bis heute noch. Auch lässt sich sagen, dass ab den 60er Jahren immer weniger Jugendliche den Hauptschulabschluss absolvierten sondern dafür eher den Realschulabschluss bevorzugten. Auf der Realschule waren die Verhältnisse umgekehrt: Von den 40er Jahren an bis heute besuchen mehr Mädchen als Jungen die Realschule, wobei speziell seit den 60ern ein enormer Zuwachs besonders seitens der Mädchen gab, der bis heute anhielt. Die Verhältnisse auf dem Gymnasium über die Jahre hin gesehen zeigen noch deutlicher, in wie weit die Mädchen aufgeholt und die Jungen überholt haben. Angefangen in den 40er Jahren waren erheblich mehr Jungen auf dem Gymnasium, welches zu der Zeit noch insgesamt am geringstem besucht wurde. Auf - und überholt haben die Mädchen die Jungen in den 70er Jahren. Laut dieser Tabelle ist das Gymnasium heute die meist besuchte Schulform.
Bevölkerung nach Altersgruppen und allgemeinem Bildungsabschluss, 2004 (Angaben in Prozent; vgl. vbw 2009, S.20)
9
Bei Jugendlichen ohne jeglichen Abschluss ist eine leichte Zunahme von ca. 2 Prozent zu bemerken, wobei auch hier die Jungen früher eher einen Abschluss erhielten, heute aber auch hier hinterherhinken. Insgesamt gesehen sieht man aber auch, dass Jungen nicht pauschal die Bildungs-Verlierer sind, wenn man einen Vergleich zu den Vätern und Großvätern zieht. Hier ist die Schul- und Ausbildung bei Jungen erheblich gewachsen. Die wahrhaftigen “Versager“ bilden somit eine Minderheit, dies relativiert das gesamte Bild.
Des Weiteren zeigen zahlreiche Untersuchungen, dass Mädchen in den USA schon in den 1920er Jahren und in Deutschland bereits in den 1950er Jahren bessere Noten hatten als Jungen. (vgl. Helbig 2010, S.5)
Das folgende Diagramm verdeutlicht noch einmal, dass Jungen 2006 mit über 20 % die Mehrheit an den Hauptschulen bilden. An der Realschule und an dem Gymnasium hingegen sind überwiegend Mädchen mit mehr als 25 und sogar mit mehr als 35 % zu finden.
Beteiligungsquoten von Mädchen und Jungen an den Schularten in Deutschland (vgl. vbw 2009, S. 96)
Andererseits dürften uns diese Tendenzen nicht überraschen, wenn wir uns weitere Ergebnisse anschauen. So wurden Jungen seit den 70ern zunehmend an Sonderschulen überwiesen. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S.124) Im Jahr 2005 machten Jungen 66,4 %, sprich etwa 2/3 aller Erstklässler aus. (vgl. Budde/Mammes 2009, S. 37)
Auch bekommen Jungen seltener Empfehlungen für den Besuch an ein Gymnasium. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 93)
Wenn Jungen von Anfang an an unterqualifizierte Schulen verwiesen werden, dann ist es auch kein Wunder, wenn Jungen weniger die Hochschulreife, aber dafür eher den Haupt- und
10
Realabschluss absolvieren.
Aber dennoch gibt es wiederum andere Ergebnisse, bei denen festzustellen ist, dass Jungen selber während der Schullaufbahn schlechter abschneiden als Mädchen. So müssen sie zu 5,8 % häufiger das Schuljahr wiederholen im Gegensatz zu Mädchen (4,3 %). (vgl. Budde/Mammes 2009, S. 37)
Des Weiteren gehören Jungen deutlich öfter zu den Schulschwänzern und Ausbildungsabbrechern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, Jungen in der Tat schlechtere Leistungsergebnisse in der Schule erzielen als Mädchen. Jedoch der historische Rückblick zeigt auch etwas anderes, das oftmals nicht erwähnt wird. Die Jungen bekommen zum einem schon seit langem schlechtere Noten und sie werden insgesamt nicht schlechter sondern sogar besser, auch immer mehr Jungen besuchen das Gymnasium.
4.2 Erklärungsversuche
4.2.1 Der Übeltäter: Feminismus
Im 20stem Jahrhundert kann man von einem Bildungs- Aufschwung für Mädchen reden. Im Jahr 1900 durften Mädchen erstmalig normale Gymnasien besuchen, ab 1908 wurde ihnen das Studium zugänglich gemacht, in den 50er und 60er wurde das Schulwesen koedukativ und ab den 80er wurden Mädchen schulisch und beruflich gefördert. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 122) Haben nun diese Förderungen Jungen benachteiligt und brauchen sie nun im 21stem Jahrhundert Förderungen in der Bildung?
Schauen wir uns das Bildungssytem an und was sich hier in der Zeit verändert hat. Um die Mädchen schulisch zu fördern, wurde die gesamte Schulstruktur mehr weiblich ausgerichtet. Besonders die Unterrichtsmethoden veränderten sich: Früher gab es ausschließlich nur den Frontalunterricht, heute wird auch selbstständig und an Projekten gelernt. So wurden der Lernstil und -bereitschaft stärker den Mädchen ausgerichtet, ebenso wie die Lernbedürfnisse undinteressen von Mädchen stärker berücksichtigt wurden. Geht man an Grundschulen vorbei, so fallen als erstes Blumen und Schmetterlinge aus buntem Papier an den Fensterscheiben auf. Oder hat sich die Schule automatisch mit der “Feminisierung“ der Schule “verweiblicht“? Das folgende Diagramm zeigt, dass je mehr weibliche Lehrkräfte an der Schule tätig waren, die Abiturquoten der Jungen sich verschlechterten:
11
Lehrerinnenanteil aus allen staatlichen Schulformen (vgl. Helbig 2010, S. 3) Auch die Studie von Diefenbach und Klein (2002) zeigte, dass in den ostdeutschen Bundesländern, dort wo der Männeranteil an Schulen besonders niedrig ist, die Jungen schlechter abschneiden.
Doch in wie weit übt das Geschlecht des Lehrenden auf den Erfolg der Schüler aus? Das Fehlen von männlichen Vor- und Leitbilder führt zu schlechteren Entwicklungen von Jungen in ihrer geschlechtlichen Zugehörigkeit. 1 Führt es denn auch bei Jungen zu vermehrter Verunsicherung und zu negativer Lernbereitschaft? Hierzu die Studie der englischen Training and Development Agency for School (2007): Sie zeigte, dass für einen Teil Jungen Männer eine große Bedeutung haben kann. Es wurden 803 acht- bis elfjährige Grundschüler befragt. Das Ergebnis: 51 Prozent der Jungen meinten, dass sie sich in Anwesenheit eines Lehrers besser benehmen würden, 44 Prozent fühlten sich dann in der Schule wohler, 42 Prozent würden härter arbeiten und 37 Prozent wären dann mehr mit sich selbst zufrieden. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 14-15)
Dennoch ist es unklar, ob der Schulmisserfolg der Jungen tatsächlich an der geringen Männerpräsenz liegt. Festzustellen ist, dass es bis heute kaum Forschung zur direkten Wirkung des Geschlechts von Lehrkräften auf die Leistung der Schülerschaft gibt. Die Studie (Neugebauer/Helbig/Landmann 2010) zeigte, dass es keinerlei Zusammenhänge zwischen den Schulerfolg und dem Geschlecht der Lehrkräfte gibt. (vgl. Helbig 2010, S.5)
1 Die Wichtigkeiten von männlichen Vorbildern vorwiegend in der Familie wurden bereits in den Punkten 2.2.3 und 2.2.4 erläutert.
12
Liegt der Schulmisserfolg der Jungen aber vielleicht direkt an den vermehrten Lehrerinnen? Benoten sie Jungen anders als ihre Kollegen?
Es liegt nahe, dass Lehrerinnen Verhaltensweisen von Mädchen prämieren als diese von den Jungen. Möglicherweise irritiert das “Wildfangverhalten“ der Jungen, das den schulischen Alltag stört, den weiblichen Lehrkräften mehr als den männlichen, da die Letzteren sich früher sicherlich genauso verhalten haben und somit es besser verstehen können. (vgl. Helbig 2010, S.4) Unabhängig des Geschlechts der Lehrkräfte lässt sich hier ein Phänomen heranführen: Selbst die Jungen an sich geraten wegen der Probleme im Sozialverhalten, die bereits schon in den 60er und 70er Jahren diskutiert wurden, in ein Dilemma:
Einerseits wird dieses „Rowdy-Verhalten“ von ihnen als “normal“ angesehen und in einigen Familien sogar immer noch erwartet, andererseits wird ihr Verhalten kritisiert und sanktioniert. Früher wurde es mit dem autoritärem Erziehungsstil in Zaum gehalten, heute wollen und können Lehrkräfte nicht mehr danach greifen. Dadurch können die Jungen noch wilder, frecher und widerständer sein, gleichzeitig wird aber auch von ihnen erwartet, dass sie von sich selbst aus einsehen sollen, sozialer zu sein. Tun sie es nicht, erfolgen unmittelbare, indirekte Sanktionen, z.B. schlechtere Verhaltens- und Kopfnoten, die sich wiederum auf die Zeugnisnote auswirken . (vgl. Matzner/Tischner 2008, S.110)
4.2.2 Lebenswelten von Jungen im geschichtlichem Vergleich
Im folgendem möchte ich auf die Lebenswelten von Jungen eingehen, die sich indirekt auf ihre schulischen Leistungen beziehen. Schauen wir uns an, was Jungen in ihrer Freizeit bewerkstelligen, was ihre Hobbys sind. Auf dem erstem Moment werden die Debatten über die “Gewalt-erzeugenden-Computer-Spiele“ ins Gedächtnis gerufen. Wo früher die Bücher die Jungen in eine andere Welt versetzten, geben heute bestimmte Aktion-Serien im Fernseher oder die Computerspiele ihr Bestes. Aber ist das Klischee von belesenen Mädchen und computerspielenden Jungen auch wahr? Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hat im Jahr 2005 23000 Kinder und Jugendliche nach ihrem Medienkonsum befragt. Das Ergebnis: Deutlich mehr Jungen als Mädchen sind Besitzer eines Fernsehers. Ca. 40 % der Jungen und ca. 16 % der Mädchen haben eine Spielekonsole in ihrem Zimmer stehen, die sie auch dementsprechend nutzen. (vgl. Beuster 2007, S. 79) Die regelmäßige und ausgeprägte Nutzung von Medien mit Gewaltinhalten beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit in so fern, dass die Medien Stress auslösen, der die gelernten Inhalte gewissermaßen löscht. Folgendes Diagramm zeigt die Leseaktivitäten von Jungen und Mädchen im Vergleich:
13
Leseaktivitäten in Prozent aus Sicht von Mädchen und Jungen in Deutschland (vgl. vbw 2009, S.89)
Anscheinend lesen Jungen durchschnittlich tatsächlich weniger als Mädchen. Infolge dessen haben sie auch logischer Weise vermehrt Probleme in sprachlichen Unterrichtsfächern und in Fächern, in denen Sprache, Ausdruck und Gefühl von hoher Bedeutung ist, wie Sozialkunde, Deutsch und Geschichte. Denn wo keine Übung ist, ist auch kein Können. Es ist ebenso zu beobachten, dass Kinder immer mehr “Stubenhocker“ werden. Früher mussten viele Kinder kilometerweite Strecken zur Schule zurücklegen, heute werden sie von Schulbussen oder ihren Eltern kutschiert. Früher hieß es den Wald zu erforschen, die Baumwipfel zu ergattern, Hütten zu bauen und wilde Verfolgungsjagden durchs Gestrüpp zu führen. Heute sieht man noch gelegentlich Jugendliche auf dem Sportplatz Basketball spielen, aber die Tendenz geht eher dahin, dass die Kinder still daheim vor dem Fernseher oder Computer sitzen. Dieses ständige Still-sitzen kann zu dem “Zappelphillip-Syndrom“ ADHS oder zu Konzentrationsschwierigkeiten führen. Beides wirkt sich wiederum negativ in der Schule aus.
5 Diagnose Junge - und die Medizin?
5.1 Hilfsmittel in der Familie
„Es gibt nichts gutes, außer man tut es!“ (Erich Kästner)
Und in einigen Familien wird anscheinend für die Jungen nichts gutes getan, da sie nichts tunweil sie selber verunsichert sind, weil sie selber zu viel zu tun haben, oder auch, weil sie nicht können oder wollen. Ich werde mich im folgendem nur auf die “Hilfsmittel“ in der Familie beziehen, die der Bildung von Jungen dienlich sein können. An den Lebenswelten von Jungen im Punkt 4.2.2 haben wir gesehen, dass die heutige Freizeitbeschäftigung von Jungen nicht optimal
14
leistungsfördernd ist. Hier ist ein Einschreiten der Eltern möglich. Es können klare und unmissverständliche Regeln gesetzt werden, wie lange und was im Fernseher geschaut wird und auf dem PC gespielt werden darf. Um mehr Bewegung in die Jungen zu bringen, können die Eltern ihre Söhne in die verschiedensten Sportvereine, Pfadfinder-Gruppen oder andere Jugendgruppen geben und zusätzlich selber mit ihnen Fahrradtouren, Wanderungen erleben oder spannende Klettererlebnisse machen. Denn Bewegung ist das A und O für die gesamte Entwicklung eines Kindes. Durch Bewegung wird nicht nur der Körper entwickelt, sondern auch die geistigen Fähigkeiten, denn Motorik und Psyche sind eng miteinander verbunden. Bewegung schafft Selbstvertrauen und sich mit anderen zu bewegen macht sozial, da man Regeln einhalten muss. (vgl. Beuster 2007, S. 303)
Auch wenn jemand, der etwas Sinnvolles zu tun hat, keinen Unsinn macht, muss dennoch genügend „(...)Zeit sein, um einfach vor sich hingucken zu können.“, wie es Astrid Lindgren einst formulierte.
Was in einer Familie auf keinem Fall fehlen darf, ist Liebe, Zuneigung und Wärme. So wurde empirisch gut belegt, dass in Familien, in denen Vernachlässigung, körperliche und sprachliche Gewalt und Missbrauch herrscht, Jungen hauptsächlich mit Aggression und Lernschwierigkeit zu kämpfen haben. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 127)
Johann Heinrich Pestalozzi formulierte es einmal so: „ Ihr müsst die Menschen lieben, wenn ihr sie ändern wollt. Euer Einfluss reicht nur so weit wie die Liebe.“
5.2 Hilfsmittel in der Schule
Um auch in der Schule Bewegung in die Masse zu bekommen, könnte man beispielsweise auch während des Unterrichts mehr physische Verausgabung abverlangen. Wenn man merkt, dass die Klasse immer unruhiger wird, wird eine Runde um die Sporthalle gedreht oder es wird eine Minute lang auf den Boden gestampft oder Entspannungsübungen gemacht. Zudem sollte eine größere Auswahl an Sportkurse an den Schulen angeboten werden. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S.130f)
Was das auffällige Verhalten von Jungen im Unterricht angeht: Oftmals machen sie auf Probleme aufmerksam, die alle Kinder betreffen, sei es der Frontalunterricht, das lange Sitzen oder die erscheinende Ziel- und Zwecklosigkeit des Unterrichts. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 118) Und alle angeführten Gründe können behoben werden. Hat man ein Ziel vor Augen, fällt einem auch das Lernen viel leichter.
Auch hier ist der Satz von Erich Kästner sehr zutreffend: „Es gibt nichts gutes, außer man tut es!“
15
Denn auch die Schule reagiert auf “schwierigen Jungs“ häufig mit dem Versuch der Ruhigstellung, Bestrafung bis hin zur Abschiebung auf eine anderen Schulform. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S.126) So müssen auch strukturelle Rahmenbedingen angetastet werden, wenn sie schädlich sind. Folgende Vorschläge sollten herangeführt werden: der Verzicht auf Abschiebung in Sonderschulen, die Abschaffung des zwangsweisen Sitzenbleibens, der Verzicht auf Empfehlungen für Sekundarschulen, die Überwindung des gegliederten Sekundarsystem und den Ausbau von Ganztagsschulen. (vgl. Matzner/TIschner 2008, S. 129)
6 Eigene Stellungnahme
Fangen wir wie die Hausarbeit von ganz vorne an und beginnen mit den Grundlagen der Jungen-Pädagogik. Anschließend gehen wir chronologisch die Hausarbeit durch.
Einige Theorien und Aspekte lassen sich teilweise widerlegen. Doch überwiegend trifft es auf die Jungen zu, auch wenn man hier absolut nicht von allen reden kann und darf. So kenne ich auch viele Jungen, die sich kaum geschlechtsspezifisch fühlen, denken oder agieren. Und einige von ihnen wurden auch ganz verschieden erzogen. Ich kenne Jungen aus allen möglichen Richtungen, Strömungen und Variationen, bei denen das ein und das andere zutrifft, aber dann war das auch schon wieder.
Kommen wir auf das Thema Schule, so kann ich dem nicht voll und ganz zu stimmen, dass die Jungen so extrem benachteiligt sind. Aus der Sicht einer Frau lässt sich das natürlich schnell sagen, doch ich hab nun auch einige Jungen, die ich dazu bewegen konnte, darüber geredet, wie sie die Situation in der Schule empfanden. Sie sahen auch keine Benachteiligung - auch bezüglich der Notengabe, außer es waren die Kopfnoten. Im Gegensatz zu mir hätten sie sich sogar vermehrt Gruppen- und Projektarbeit gewünscht. Allerdings muss ich dazu sagen, wenn ich mich zurück erinnere und es ist ja noch nicht all zu lang her, waren die Jungen in den Projektarbeiten immer stets zurückhaltend oder waren mit anderen Dingen beschäftigt. Hielten sie ein Referat war es stets schlechter als eines von den Mädchen. Als es um die Notenvergabe ging, wir Mitspracherecht hatten, versuchten wir ein gutes Wort für ihn einzulegen und sagten: Für einen Jungen war das Referat doch gar nicht so übel. Dabei fiel uns zunächst einmal überhaupt nicht auf, dass wir die Jungen geschlechtsspezifisch denken, bisuns ein Lehrer einst darauf hinwies.
Alle angeführten Statistiken und Ergebnisse der Studien müssen selbstverständlich relativiert werden, da sie sich nur auf Durchschnittswerten beziehen und somit Aussagen über Jungen
16
verallgemeinern. Jeder Junge ist individuell, hat eigene Charaktere und andere Anlagen, ist anders groß geworden mit anderen Erziehungsstil, Vorbildern, Erfahrungen und im anderen Milieu und Bekanntenkreis. Und doch lassen sich Gemeinsamkeiten in der männlichen Masse erkennen.
Doch Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Schule und den Benachteiligten sind auch in den sozialen Verhältnissen so wie auch der ethnischen Zugehörigkeit zu finden. Und wenn man ein Vergleich der Durchschnittswerte der Geschlechtsunterschiede und der Unterschiede nach der sozialen Lage im Bildungssystem, dann sind die letzteren Unterschiede größer. Dies bewiesen auch die PISA-Studien, die auch nach dem kulturellen Milieu, der sozialen Lage und der emotionaler Unterstützung der Familien geschaut hat. Diese waren nämlich für die Schulkarriere von wesentlicher Bedeutung. So sind Jungen, die aus sozial belasteten Familien, besonders häufig der Arbeiter- Migranten Familien angehören, am meisten benachteiligt. In Anbetracht dessen, sollte man sich vielleicht Gedanken darüber machen, ob man die Datenlage noch einmal genauer analysiert und dann eher die fördert, die es tatsächlich nötig haben: die Arbeiter Kinder beides Geschlechts. Wenn man allgemein nur Jungen fördert, wird sicherlich ein Teil der Betroffenen geholfen. Aber dabei versinken ein Teil der Mädchen aus sozial schwachen Familien noch weiter in den Sumpf. Vielleicht ist es hier auch nur eine Augenwischerei, ein Ablenkmanöver von den tatsächlichen Problemen in der Bildung. Dass mehr Kinder als nur Jungen einen ungerechten Bildungszugang haben, da sie sozial schwächere Voraussetzungen haben, ist jedoch keine Begründung dafür, dass auch in den sozial belasteten Familien Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen im Bildungswesen gibt.
Aber dennoch ist die Frage zu stellen, ob eine Diskussion darüber notwendig ist, wenn wir die Datenlage der Mädchen genauer im Blickwinkel haben. Mädchen sind zwar die momentanen Bildungsgewinner, aber in Bezug auf Beruf und Verdienst liegen sie immer noch hinter den Jungen und werden immer noch benachteiligt. Jungen dahingegen nicht. Es gibt auch immer noch wie zu vor mehr erwerbstätige Männer als Frauen. Meiner Meinung nach sollte man die gesamte Debatte noch einmal überdenken und effizienter an das Problem im Bildungswesen herangehen.
17
Abbildungsverzeichnis:
Abb.1: Bevölkerung nach Altersgruppen und allgemeinem
Bildungsabschluss, 2004 …................................................................................. 9
Abb.2: Beteiligungsquoten von Mädchen und Jungen an den Schularten
in Deutschland ….............................................................................................. 10
Abb.3: Lehrerinnenanteil aus allen staatlichen Schulformen ….................................. 12
Abb.4: Leseaktivitäten in Prozent aus Sicht von Mädchen und Jungen
in Deutschland ….............................................................................................. 14
18
Literaturverzeichnis: Bücher:
Beuster, Frank: “Die Jungenkatastrophe - Das überforderte Geschlecht“. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck bei Hamburg, 2007
Budde, Jürgen/ Mammes, Ingelore (Hrsg.): “Jungenforschung empirisch - Zwischen Schule, männlichen Hbitus und Peerkultur“
VS Verlag für Sozialwissenschaften /GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden, 2009
Budde, Jürden / Scholand, Barbara / Faulstich-Wieland, Hannelore: “Geschlechtergerechtigkeit in der Schule - Eine Studie zu Chancen, Blockaden und Perpektiven einer gender- sensiblen Schulkultur“
Juventa - Verlag, Weinheim und München, 2008
Matzner, Michael / Tischner, Wolgang (Hrgs.): “Handbuch Jungen - Pädagogik“. Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 2008
Schulheis, Klaudia /Strobel-Eisele, Gabriele / Fuhr, Thomas (Hrsg.): “Kinder: Geschlecht männlich - Pädagogische Jungenforschung“ Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 2006 Hefte:
Helbig, Marcel: “Lehrerinnen trifft keine Schuld an der Schulkrise der Jungen“ WZ Brief Bildung 11, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Mai 2010
vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (Hrsg.): “Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem“
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Jahresgutachten 2009
19
Arbeit zitieren:
Angelique Lischka, 2010, Jungen - Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Institutionelle Diskriminierung - Bestandsaufnahme und Lösungsansätze
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik: neuer Titel erschienen: Jungen - Pädagogik
Gloeckchen Fiedeline hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare