momentan helfen, außer das eine: die Nähe des geliebten Menschen, sie weiß aber,
dass es unmöglich ist und erwartet deshalb gar nichts. Hoffnungslosigkeit und Passivität
führen das lyrische Ich in eine tiefe Depression ein, bei der man sich gehen lässt, seine
Gesundheit und den Haushalt vernachlässigt: „...ich esse nicht und ich schlafe nicht“ (1.
Strophe, 2. Zeile) und „...ich gebe meinen Blumen kein Wasser“ (1. Strophe, 3-4 Zeilen).
Seit der geliebte Mensch nicht mehr da ist, lebt das lyrische Ich nur noch von seiner
Stimme, die in seinem Herzen gespeichert wurde, doch es bleibt immer weniger von ihr
übrig: „ich habe jeden Tag ein kleines Stück von ihr gegessen“, „gegessen“ wird hier
metaphorisch gemeint: die Erinnerung an den Geliebten oder an die Geliebte stellt die
einzige Nahrung dar. Es ist jedoch nicht ausreichend. Man vergleicht sich deswegen mit
den Tieren der Armen, die hungrig auf der Straße treiben, weil sie kein Futter
bekommen. Genauso das lyrische Ich erhält keine Nahrung, die es sättigen könnte - die
Liebe einer bestimmten Person.
In der dritten Strophe wird die Zwiespalt der Gefühle deutlich: „so wenig, so viel wie die
Stimme“. Mit dieser Antithese will der Dichter folgendes sagen: diese Stimme ist nur
eine kleine Erinnerung - das ist ja so wenig. Sie bedeutet einem jedoch unheimlich viel,
weil sie das einzige ist, was von der geliebten Person übrig geblieben ist, und deshalb
ist es „so viel“. „...musst du mir lassen“ - damit wird um das Erbarmen gebeten, man
besteht darauf, sonst wäre es viel zu gnadenlos, weil man diese Stimme zum Atmen
braucht, ohne sie kann man beziehungsweise will man nicht mehr atmen.
Man bekommt den Eindruck, dass die Person die Zeit stoppen will, damit die
Erinnerung, die als Stimme bezeichnet wird, nicht verloren geht.
Die Überschrift „Magere Kost“ gibt die Stimmung des Gedichtes sehr geschickt wieder:
physisch ernährt man sich gar nicht mehr, die Kost besteht nur aus der Stimme, die man
noch in Erinnerung hat, was allerdings ziemlich mager ist, weil man nur von der Nähe
und der Liebe eines bestimmten Menschen „satt“ werden könnte.
Ich persönlich finde dieses Gedicht sehr schön und rührend, die Worte des Dichters
haben mich nicht kalt gelassen. Ich glaube, ich kann die Person sehr gut verstehen, ich
könnte mir vorstellen, was man empfindet, wenn ein Mensch, an dem man hängt und
der einem so viel bedeutet, weggeht. Dann bleibt nur noch die Leere da. Man will nicht
mehr aktiv leben und versinkt in sich selbst und in der Vergangenheit.
So eine Phase muss man einfach überleben, denn die Zeit heilt alle Wunden. Nach
einer Weile findet man wieder die richtige Spur und bekommt die Lebenslust wieder.
Textinterpretation von "Der Schritt zurück" von Annete Rauert
In der Kurzgeschichte von Annete Rauert mit dem Titel "Der Schritt zurück" geht es um
einen jungen Mann, der in das Wasser vor einem Publikum springen muss, doch sich
nicht soweit fühlt und sich schließlich gegen den Sprung entscheidet.
Er steht ganz am Rand, das Wasser unter ihm sieht wie geschmolzenes Blei aus, er hat
Angst, doch die Stimme des Trainers fordert ihn auf zu springen. Er fühlt sich
verpflichtet Zuschauer zu befriedigen, doch gleichzeitig fühlt er, dass er noch nicht bereit
ist und fürchtet, dass mit ihm irgendetwas passiert, wenn er springt. Er will sich aber
auch nicht blamieren, doch seine Angst ist zu groß. Er wartet, dass jemand ihn
zurückruft. Aber das tut niemand. Er will schreien, die Feigkeit der Zuschauer ekelt ihn,
sie kommen ihm wie "blöde Schafe" vor.
Ob er was errreicht, ob er nicht so feig wie sie ist, wenn er jetzt springt? - dreht sich in
seinem Kopf. Sein Fuß schiebt sich langsam vor, doch im letzten Moment dreht er sich
um. Und als er durch die starre Gruppe geht, spricht oder lacht keiner. Er fühlt sich
plötzlich erleichtert und hat sogar Achtung vor sich selbst. Er weiß plötzlich, dass er das
eines Tages schaffen wird.
Die Geschichte hat einen unvermittelbaren Anfang, doch durch kurze und klare Sätze
wird dem Text schon am Anfang die Spannung verliehen: "Unter ihm die gleißende
Wasseroberfläche" (1. Zeile) - mit der Ellipse wird nur das wichtigste weitergegeben.
Die Spannungskurve steigt bis zum entscheidenden Moment der Handlung, als der
Junge endlich den Fuß nach vorne schiebt - das ist der Höhepunkt - und dann sich
plötzlich umdreht. Als er zurückgeht, fällt die Kurve etwas ab, es wird aber noch die
Reaktion der Zuschauer erwartet. Das Publikum ist ruhig und die Spannung fällt ab.
Der Junge ist nun überzeugt davon, dass er das Richtige getan hat und die Geschichte
endet, somit hat sie ein geschlossenes Ende.
Es wird von einem allwissenden Erzähler berichtet, der alles über die Gefühle und
Gedanken der Hauptperson weiß. Die Gedanken des Jungen werden nicht als wörtliche
Rede weitergegeben, sondern sind einfach in die Worte des Erzählers hinzufügt.
Die Hauptperson wird im Laufe der ganzen Geschichte nur mit "Er" genannt, sein Alter
erfährt der Leser auch nicht, sein Äußeres wird gar nicht beschrieben. Dadurch wird die
Aufmerksamkeit des Lesers nur auf sein Verhalten und seine Gedanken gerichtet, was
hier am wichtigsten ist.
Arbeit zitieren:
2011, Gedichtsinterpretation von "Magere Kost" von Hilde Domin und Textinterpretation von "Der Schritt zurück" von Annette Rauert, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Tugend und Laster - Gemischte Charaktere in Friedrich Schillers 'D...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Deutsch - Literatur, Werke: neuer Titel erschienen: Gedichtsinterpretation von "Magere Kost" von Hilde Domin und Textinterpretation von "Der Schritt zurück" von Annette Rauert
Schritt für Schritt zur Freude zurück
Das Leben nach traumatischen E...
Yvonne Dolan, Theo Kierdorf
Erste Schritte in die Klavierwelt. First Steps into the Piano World
Klavier-Vorschule für Kinder a...
Uwe Korn, Elena Malycheva, Jan Daxner
Schritte international 2. Niveau A1/2 / Glossar XXL Deutsch-Englisch, ...
Deutsch als Fremdsprache
Schritte international 1+2. Glossar Deutsch-Französisch
Deutsch als Fremdsprache - Niv...
Micheline Funke
0 Kommentare