Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Legalitätstaktik der NSDAP ab 1924 2
3. Die SA zwischen Hitlerputsch und Neugründung 5
3.1 Die SA während ihrer Verbotszeit 5
3.2 Der Anspruch an die SA nach der Wiedergründung der Partei 7
4. Franz Pfeffer von Salomon als Oberster SA-Führer 10
4.1 Wesentliche Züge der Neuorganisation 10
4.2 Verhältnis zur Reichswehr 12
5. Zusammenfassung 14
Literaturverzeichnis 16
Quellen 16
Sekund ärliteratur 16
1. Einleitung
Nach dem gescheiterten Putschversuch vom 9. November 1923, dem sogenannten Münchner Landfriedensbruch, und der darauffolgenden Verhaftung einiger beteiligter Akteure stand die nationalsozialistische Bewegung vor einem Scheiterhaufen. Es war offensichtlich geworden, dass die militärischen Ressourcen der NSDAP und ihrer Kampftruppe nicht ausreichten, um auf diesem Weg die Macht im Staat zu übernehmen. In der Folge brach ein innerparteilicher Streit aus, mit welcher Strategie die Machtübernahme glücken konnte.
Nach seiner Festungshaft bekräftigte Adolf Hitler nun offen, dass sich auch eine republikfeindliche Bewegung wie seine Partei mit dem bestehenden System auseinandersetzen und als Konsequenz daraus die legale Machtübernahme über Parlamentswahlen und somit im gesetzlichen Rahmen anstreben müsse. Aber wie kam es überhaupt dazu? Wie entstand diese Legalitätstaktik, wie sie in der Literatur oft genannt wird, und gab es auch nach Hitlers Rückkehr noch innerparteiliche Spannungen um die richtige Strategie? Wie waren die offiziellen Begründungen zu diesem Schritt? Welche Rolle nahm Hitler überhaupt in diesem Kurswechsel ein?
Um diese Fragen klären zu können, beginnt diese Hausarbeit in Kapitel 2 mit einer näheren Erklärung, wie und warum diese Taktik entwickelt wurde. Es soll dabei verstärkt darauf eingegangen werden, welche Rolle Hitler dabei spielte und welche anderen Meinungen es parallel in der Partei gab.
Im dritten Kapitel wird näher auf die Sturmabteilung 1 eingegangen. Zuerst soll dargestellt werden, was mit der SA nach dem Hitlerputsch und somit während ihres Verbots passierte und wie ihre Kampfkraft erhalten werden konnte. Es folgt eine Erklärung, welche Konsequenzen die Legalitätstaktik für die SA hatte. Im Zuge dessen wird eine Quelle herangezogen, welche die wesentlichen Merkmale der Richtlinien enthält, die im Zuge der neuen Strategie für die SA festgelegt wurden. Diese Quelle wurde als Anordnung von Hitler an die SA weitergegeben und als „Satzung der Sturmabteilung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“ bezeichnet. Sie ist symptomatisch für
1 Im Folgenden mit „SA“ abgekürzt.
1
alle Anordnungen Hitlers an die SA nach 1924 und damit sehr wertvoll für diese Untersuchung.
Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Zeit unter Franz Pfeffer von Salomon als SA-Führer und das Verhältnis zwischen Parteiführung und SA-Führung zu dieser Zeit. Die Frage nach der Ausgestaltung der Legalitätstaktik bleibt hierbei im Zentrum der Untersuchung.
Die Hausarbeit schließt mit einem Fazit, in dem die gewonnen Erkenntnisse zusammengefasst und die Fragestellung abschließend beantwortet werden soll.
2. Die Legalitätstaktik der NSDAP ab 1924
Das Jahr 1924 war für die nationalsozialistische Bewegung ein Schicksalsjahr. Nach dem Hitlerputsch wurden die NSDAP und alle ihre Untergliederungen verboten. Während der Festungshaft Hitlers veränderte sich die Bewegung im Deutschen Reich damit erheblich. Während seiner Abwesenheit mussten aufgrund der - nach Ländern unterschiedlich ausgesprochenen - Parteiverbote neue Taktiken festgelegt werden. Die Bewegung entzog sich zum großen Teil dem Einfluss Hitlers, da er während seiner Haft nicht gerade Entscheidungsfreude an den Tag legte. Zwar wurde immer wieder beteuert, dass der Führerkult nicht aufgegeben werden solle. Die wirklichen Entscheidungen trafen zu dieser Zeit aber andere Akteure. 2
Nach dem erfolglosen Putschversuch stellte sich nun die Frage, wie eine weiterführende Strategie der Machtübernahme aussehen sollte. Sollte man nun bei Wahlen antreten und versuchen, in die Parlamente zu kommen, nachdem die Putschtaktik nicht mehr erfolgversprechend war? Wollte man sich also an dem System beteiligen, das man doch so vehement ablehnte, um es zu unterwandern? Diese Entscheidung fiel den meisten Faschisten nicht leicht, lehnte man doch den Parlamentarismus strikt ab. Aussagen, die den Reichstag als „den Krebsschaden Deutschlands“ (Alfred Rosenberg) 3 oder als
2 vgl. Longerich, S. 47.
3 Petzold, S. 10.
2
„Grundübel unserer jetzigen Lage“ (Erich Ludendorff) 4 diffamierten, zeigen, wie eindeutig diese Meinung war.
Der Putsch war die militärische Lösung gewesen. Sie war offensichtlich gescheitert. Die politische Lösung musste nun eine Beteiligung an Wahlen vorsehen. Es kristallisierten sich zwei Flügel heraus, die um diese Frage stritten. Das Umfeld um Erich Ludendorff und Gregor Strasser setzte sich für eine Beteiligung der NSDAP an Parlamentswahlen im Rahmen eines völkischen Wahlblocks ein. Ebenso auch Alfred Rosenberg, den Hitler vom Gefängnis aus mit der Führung der verbotenen Partei beauftragt hatte. Die andere Seite bestand aus Teilen der bayerischen Nazigruppe um Julius Streicher und Hermann Esser, die sich entschieden gegen solche Wahlbündnisse aussprachen, weil sie die Existenz eines Parlaments an sich nicht anerkannten. 5
Dieser Zwiespalt sollte die nationalsozialistische Bewegung noch lange beschäftigen. Es herrschte bei den Faschisten natürlich Einigkeit darüber, dass die Republik kein zukunftsträchtiges Konzept zu sein vermochte. Aber wenn es gelingen würde, das System auf demokratischem Wege auszuhöhlen, könnte niemand der NSDAP juristisch etwas vorwerfen, weder im In- noch im Ausland, so die Überlegung. Hier darf die Entscheidungskraft Hitlers nicht überbewertet werden. Auch wenn im Nachhinein die Nazi-Geschichtsschreibung die legale Machtübernahme als Grundidee Hitlers darstellte, kann dies doch sehr bezweifelt werden. Diese Meinung wurde zwar auch in der bürgerlichen Geschichtsschreibung während der frühen Bundesrepublik noch vertreten, kann aber aufgrund neuerer Befunde nicht aufrechterhalten werden. Viel sicherer ist, dass Hitler während seiner Haft eine solche Unentschlossenheit zeigte, dass seine Führerposition in der Partei durchaus gefährdet war. Von ihm kamen derart widersprüchliche Äußerungen, dass sich sowohl die Gegner als auch die Befürworter einer Wahlbeteiligung in den Aussagen Hitlers bestätigt sahen. 6 Er wurde zwischenzeitlich zur Marionette der Flügelkämpfer, die sich allesamt auf ihn beriefen. Gegen Ende der Haftzeit konnte Hitler allerdings erste Erfolge bei Wahlen beobachten, weswegen er sich nun endgültig für eine Seite zu entscheiden schien:
4 Werner, S. 284.
5 vgl. Petzold, S. 14.
6 vgl. ebd., S. 10.
3
Arbeit zitieren:
Andreas Lins, 2010, Die Reorganisation der Sturmabteilung (SA) nach dem Hitlerputsch im Zeichen der Legalitätstaktik der NSDAP, München, GRIN Verlag GmbH
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