Inhalt:
1. Einleitung 3
2. Biographische Anmerkungen 6
3. Der Stellenwert in der Theorie 13
4. Die Methode 17
5. Wahrheit als Erleuchtung 21
6. Fazit 25
Literaturverzeichnis 27
2
1. Einleitung
Augustinus interessiert sich in seiner ersten Phase seines Denkens, bis ca. 396 für zwei Dinge: Gott und die Seele.
Diesen Zielen ordnet er sein Streben nach Erkenntnis unter. Beeinflusst durch die in der Spätantike üblichen Skepsis, ist Augustinus unzufrieden mit den Erklärungen seiner Zeit über die Herkunft des Bösen, Sinn und Zweck des Lebens, kann sich aber andererseits mit dem Zweifel nicht geben. Am Ausgangspunkt seiner Suche steht die „Selbstvergewisserung“:
„Der du den Willen hast, in dich hineinzuschauen, hast du das Wissen auch von deinem Sein? - Ich hab es. -Woher weißt du dies? - Das weiß ich nicht. - Empfindest du dich selbst als einfach oder als ein Vielfaches? -Das weiß ich nicht. - Weißt du, dass du selbst denkst? - Ich weiß es.“ 2
1 www.wikimedia.org
2 Soliloqui zitiert bei Russell S. 367
3
Dies ist ein Ausschnitt aus den ,,Selbstgesprächen" von Augustinus. Darin führt er einen Dialog mit der Vernunft, also mit sich selbst. Dieses Gespräch öffnet ihm die Augen für eine Möglichkeit der Überwindung des Zweifels. Wie RUSSEL 3 etwas euphorisch betont, wird in dieser Stelle bereits das Cartesianische „Cogito ergo sum" vorweggenommen, das oft mit dem Beginn der Naturwissenschaft gleichgesetzt wird. Noch deutlicher spricht Augustinus das „Cogito ergo sum" an anderer Stelle aus: „[…] Wird jemand darüber zweifeln, dass er lebt, sich erinnert, Einsichten hat, will, denkt, weiß und urteilt? Eben wenn er zweifelt, lebt er […] wenn er zweifelt, weiß er, dass er nicht grundlos seine Zustimmung geben dar -Mag also einer auch sonst zweifeln, über was er will, über dieses Zweifeln selbst kann er nicht zweifeln.“ 4
Bei allem möglichen Zweifel bleibt also ein fester Grund, die Tatsache des Zweifelns, damit die Tatsache des Zweifelnden, was bei Augustinus gleichbedeutend mit der Seele dem Selbst ist. Der Grund für die hohe Wertschätzung des Cogito -Gedanken innerhalb der Philosophiegeschichte liegt im Gewinn der Unabhängigkeit des dadurch Erkannten vom historischen und empirischen Kontext. Bei Augustinus sowie bei Descartes dient die zweifelsfreie Erkenntnis des eigenen Denkens als absolut sicherer Ausgangspunkt der weiteren Forschung und genau das ist es, was der zwischen den Lehren seiner Zeit und den Einflüssen seiner Umgebung hin- und hergerissene Augustinus suchte. Dieser Punkt ist sicher und unverrückbar, so sehr sich auch alles andere wandeln mag. Somit wird deutlich, wonach Augustinus sucht, wenn er versucht, sich seines Selbst zu vergewissern; nach der Wahrheit. Das Gutachten wird zunächst danach fragen, woher der Wunsch nach Selbstvergewisserung rührt, um unter Rückgriff auf die Biographie von
3 Russell, Philosophie des Abendlandes S.367
4
Augustinus von dessen innerer Zerrissenheit zu sprechen. Die Suche nach dem Selbst scheint gleichbedeutend mit der Suche nach einem festen Standpunkt im Leben zu sein, den er schließlich, nach 396, vielleicht gefunden hat. Danach soll der theoretische Stellenwert der Selbstvergewisserung geklärt werden: inwiefern ist sie notwendig und für Augustinus fundamental?
Da es sich bei „Selbstvergewisserung“ offensichtlich um einen Prozess handelt, stellt sich anschließend die Frage nach der Methode: wie ist es dem Mensche möglich, sich seiner selbst zu vergewissern? Schließlich muss dargestellt werden, wo die Selbstvergewisserung hinführt, was sie ermöglicht. Hier muss die Erleuchtungslehre des Augustinus im Gegensatz zur platonischen Wiedererinnerungslehre betrachtet werden.
In einem Fazit schließlich wird versucht, kurz und bündig die Frage zu beantworten: was ist Selbstvergewisserung bei Augustinus?
4 Tri X, 10
5
2. Biographische Anmerkungen
Es liegt nahe, kurz auf das Leben des Augustinus einzugehen, da er dieses selbst in seinen Werken, vor allem den ,,Selbstgesprächen“ und den ,,Bekenntnissen“ immer wieder thematisiert. Die Titel deuten bereits an, dass hier geistige Suche und reales Leben in unmittelbarem Zusammenhang miteinander standen. Die „Selbstgespräche" schildern dabei die Entwicklung des nach Wahrheit Suchenden, der mit zunehmender Einsicht genügsam und vorsichtig in seinen Schlussfolgerungen wird, während die „Bekenntnisse" bilanzieren, durchaus unter kritischem Eingestehen anhaltenden Unwissens:
„Und ich bekenne dir, Herr, dass noch immer ich nicht weiß, was Zeit ist.“ 5 Doch Gegensatz zu den Anfängen seiner Suche, sind die dringendsten Fragen, wie die nach der Unsterblichkeit der Seele bei Abfassung der ,,Bekenntnisse“ geklärt oder ihre Dringlichkeit wurde relativiert, durch die Gewissheit des Fundamentes der Erkenntnis des eigenen Seins und der von Paulus beeinflussten Lehre von Gnade, Erbsünde und Prädestination.
Augustinus scheint große Teile seines Lebens an einer Art innerer Zerrissenheit gelitten zu haben, unaufhörlich von Zweifeln weiter getrieben auf der Suche nach festen Wahrheiten und Werten. 6 Seine Beschäftigung mit Platonismus und Neuplatonismus sowie dem Manichäismus oder den Stoikern ist geprägt von der Suche nach Erleuchtung, nach Weisheit, die Glückseligkeit verspricht. Auch die Suche nach Erkenntnis der eigenen Seele, des eigenen Selbst, der eigenen Person, deutet auf ein Bedürfnis hin, das eigene Dasein zu klären, eine Perspektive zu finden und zu fixie-
5 CXI 20
6 Vgl. Sol II S.216
6
ren. Entsprechend sind die ,,Selbstgespräche" geprägt von einem Drängen nach Wahrheit und Einsicht, um Freude und Erlösung vom Zweifel zu gewähren, nicht umsonst beginnen Sie mit einer eindringlichen Bitte, dem Anfangsgebet:
„Gott der Vater der Wahrheit, Vater der Weisheit, Vater des wahren und höchsten Lebens, Vater der Glückseligkeit, Vater des Guten und Schönen, Vater des Lichtes unserer Erkenntnis, Vater unseres Erwachens und unserer Erleuchtung, Vater des Unterpfandes, das uns anfeuert, zu dir zurückzukehren. […]“ 7
„Gott, du einziger Inbegriff all meiner Worte, komm du zu mir Hilfe; einzige wahrhafte, ewige Substanz, in der es keine Disharmonie gibt, keine Wirrnis, keine Veränderung, keinen Mangel, keinen Tod gibt; wo die größte Harmonie, die größte Klarheit, die größte Beständigkeit, die größte Fülle, die größte Lebenskraft ist; wo kein Mangel herrscht; wo der, der zeugt, und der, den er zeugt, eins ist; […]“ 8 und endet mit den Worten:
,,Erhöre, erhöre, erhöre mich nach deiner Art und Weise, wie sie nur eine kleine Anzahl gut kennt.“ 9
Nur Gott allein kann seine Suche beenden, nicht menschliche Erkenntnis, sondern die Rückkehr zu Gott, die Rückbesinnung auf die von Gott gegebene Seele und ihre Möglichkeit der reinen Erkenntnis. Diese reine Erkenntnis ist ein Gnadenakt Gottes, das Erfahren seiner Erleuchtung, keine Fähigkeit des Menschen. Was im Anfangsgebet der ,,Selbstgespräche" in demütiger Doktrin angedeutet wird, wird theoretisch ausgeführt im 7. Buch
7 Sol I S.11
8 Sol I S.17
9 Sol I S.19
7
Arbeit zitieren:
Patrick Siegfried, 2007, Die Selbstvergewisserung bei Augustinus, München, GRIN Verlag GmbH
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