Inhaltsverzeichnis
1. Themenstellung
1.1. Zum mesianischen Wahrheitsanspruch der Religionen. 4
2. Theoretischer Rahmen und historischer Hintergrund
2.1 „Fundamentalismus“: ein allgemeiner Definitionsversuch. 6
2.1.1. Was ist religiöser Fundamentalismus? 8
2.2. Die epische Konfrontation zwischen Religionen. 11
2.2.1. Das VI. Jahrhundert: Die neueste Religion auf den militärischen
Vormarsch........................................................................................ 12
2.2.2. Eskalation des Konfliktes: Die christliche militärische Reaktion. 13
2.2.3. Eine dritte Partei: die Reiberei mit den Juden. 16
2.3. Konfliktanalyse. 18
2.3.1. Konfliktlösung. 19
3. Kulturübergreifende Problematik radikaler Glaubensaussichten
3.1. Israel und Palästina: ein endloser Streit im Nahem Osten. 22
3.2. Die USA, der Westen und der Islam:
Der Krieg gegen den Terrorismus. 25
4. Schlussfolgerungen:
Konfliktbearbeitung und Vorschläge für eine friedliche Interaktion. 27
5. Literaturverzeichnis. 30
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1. Themenstellung
Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts sieht sich die Weltöffentlichkeit immer mehr gezwungen in allen Bereichen überwiegend Aufmerksamkeit auf das Phänomen des religiösen Fundamentalismus zu richten. Viele terroristische Akte, Kriege und andere kulturübergreifende Konflikte sind die unmittelbaren Folgen einer Konfrontation zwischen radikalen Glaubensbewegungen, die in der heutigen Welt eine gewaltbereite Religiosität ausüben. Ob in Nahen Osten (Jerusalem oder Gazastreifen), Nordamerika (Oklahoma City oder New York) oder Europa (London, Madrid oder Moskau) werden die gewaltsamen Spuren dieser globalen Gefahren häufiger sichtbar. Fundamentalismus kann als eine allgemeine Bezeichnung für verabsolutierende, konservative, in einer einzigen Wahrheit verankerten Sichtweisen verwendet werden. In dieser Hinsicht ist zu bemerken, dass religiös motivierte fundamentalistische Ideologien und Haltungen sowohl in den drei großen monotheistischen Religionen (Judentun, Christentum und Islam) als auch in allen anderen Konfessionen wie Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus, etc., auftreten können. So finden wir christliche Gruppierungen, die wissenschaftliche biologische Erkennungen über die Lebensentstehung vehement bestreiten und nur den biblischen Schöpfungsbericht für wahr halten oder streng religiöse jüdische, durch massive Einflussnahme auf das Staatsleben gekennzeichnete Parteien genauso wie islamische terroristische Abwicklungen wie Al-Qaida und buddhistische Fundamentalisten in Indien, die im Namen der Religion töten.
Die nicht seltene Gründungen militanter Organisationen, die in einer weit säkularisierten und globalisierten sozialen Umgebung für ihren Gott und gegen alles Neue und Fremde kämpfen, zeigen den wahren Charakter des neuen Fundamentalismus, nämlich den Widerstand. Denn im 21. Jahrhundert bedeutet Fundamentalismus meistens „Aufstand gegen die Moderne“ (Meyer, 1989). Um das Gewaltpotential dieser Fakten abbauen zu können, es ist nötig den religiösen Fundamentalismus als gesellschaftliches strukturelles Problem zu betrachten, anders gesagt den Konflikt als Ganzes mit seinen tiefen Texten und Widersprüchen zu verstehen. 1 Dies bezüglich werden im folgenden die paradoxen, ambivalenten Kategorien im Zusammenhang mit den drei monotheistischen Religionen in einem weiteren Sinne analytisch behandelt.
1 Dem norwegischen Sozialwissenschaftler und Konfliktenexperte Johan Galtung nach ist das, was unter der Oberfläche liegt bzw. die Haltung und das Verhalten der Akteure sowie der Widerspruch innerhalb und zwischen Kategorien das entscheidende für die Bearbeitung eines spezifischen Problems. Er nennt sie das ABC (Attitude,
Behaviour
and
Contradiction)
der Konfliktanalyse. (vgl. Galtung, 2007, S. 197f.)
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1.1. Zum mesianischen Wahrheitsanspruch der Religionen
Religion setzt zweifellos den Glauben von Anfang an voraus trennt aber nicht die Glaubensrichtungen kategorisch ab. Religiös zu sein heißt generell über etwas transzendentes, was die existenzielle Lebensbedingungen betrifft, eine bestimmte Einstellung zu vertreten. In der zivilisatorischen Entwicklung des monotheistischen religiösen Bewusstseins hat sich aber die Aufwertung des absoluten, durch die Ehrung eines einzigen wahren Gottes charakterisierten Glaubens durchgesetzt. In diesem Kontext entstand der Anspruch nach ebenfalls einziger religiösen Wahrheit, die im Praktizieren der eigenen Religion impliziert war und ausgrenzend gegenüber Glaubensalternativen wirkte. Alle drei große Traditionen des Monotheismus, das Judentum, das Christentum und der Islam streben seit ihren Ursprüngen in indirekter oder direkter Weise nach der Verabsolutierung ihrer eigenen Aussagen (nur unsere eigene Darstellung der Welt und unser eigenes Gott sind wahr und keine andere) und sind von dem Bild einer messianischen Funktion geprägt. Durch die narrative Inszenierung der Ankunft eines Auserwählten oder göttlichen Führers stützen sie die Figur des eigenen Messias 2 (ob Moose, Jesus Christus oder Mohammed) und ziehen das Recht einer möglichen Erlösung von Leid und Schuld allein zu sich selbst und ihren Anhängern. Alle Gläubigen der eigenen Religion werden pragmatisch dem Guten zugeordnet, während die Andere oder Nicht-Gläubige dem Bösen. Die eigene Beichte wird als heilig gehalten und jede andere fremde religiöse Weltsicht dämonisiert. Die Würde des Menschen wird auf eine Waage gestellt, die die Absolutheit eines einzigen Glaubens voraussetzt und über das Leben entscheiden kann: „nur der der glaubt ist würdig zu leben“. Der messianische erlösende Auftrag lautet, die dämonische Kräfte zu zerstören indem man den bösen Kern des Unglaubens besiegt und die wahre Nachricht überall verbreitet. Kurz gesagt, religiöse Identität beruht in ihren Anfängen auf einen kosmischen Kampf zwischen Gut und Böse. In Wirklichkeit handelt es sich hier aber um ein von Menschen konstruiertes Verhältnis, das im unversöhnlichen religiösen Machtantagonismus ihre Basis hat und als strategische verallgemeinerte Kategorisierung zwischen den Menschen (Gläubige) und den Unmenschen (Ungläubige) gerechtfertigt wurde. 3
Es ist die institutionelle Aufrechterhaltung eines Horizonts der Gott-Monogamie („Du sollst keine Götter haben neben mir“), die anhand der Determinante „jeder könne einen und nur einen Gott wählen und müsse alle andere ausschließen“ das Verständnis von Religion in Verbindung mit der
2 Der Begriff Mesias entstand aus dem „Tanach“ (der jüdischen Bibel). Die Terminologie wurde aus dem hebräischen „Maschiach“ oder „Moschiach“ (Der Gesalbte) abgeleitet und von der christlichen Tradition übernommen. Die Könige Israels wurden durch die Salbung zum König berufen. Der ähnliche islamische Titel
„Mahdi”
dagegen heißt Rechtgeleiteter. Der christliche Begriff des Messias bezieht sich auf Jesus in der Bedeutung Heiland und erhoffter Erlöser. (vgl. Ohana, 2009)
3 Laut Ulrich Beck schafft der in den Religionen internalisierte Dualismus von Gut und Böse eine Relation, in der das Sein oder Nicht-Sein des Menschen zu einem fatalen Spiel wird. Diese implizierte Unterscheidung von Wir und den Anderen konstituiert den Samenkern religiös motivierter Gewalt. (vgl. Beck, 2008, S. 77 f.)
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westlichen Kultur überall in der Welt ausbreitete. (vgl. Beck, 2008, S. 70f.) Heutzutage kann man wie einst Hans-Michael Haußig erläuterte von einem „eurozentrischen Bias“ im Bezug auf die Religion sprechen, da spätestens nach dem Kolonialismus des 15. und 16. Jahrhunderts die europäische religiöse Einsicht auf alle anderen Kontinente übertragen und folglich alle Kulturen nach monotheistischen Kriterien bemessen und beurteilt wurden. (Haußig, 1999) Da Religion schon immer ein wesentliches Kriterium für Vergesellschaftung war, es ist leicht aufzuschließen wie fundamentalistische religiöse Identitätskategorien funktionieren. Sie bauen eine Beziehung in die gesellschaftliche Semantik ein, die die Etikettierung von guten und bösen Menschen hervorhebt und somit auf radikale Inklusion und Exklusion stützt.
Am Ende dieser Themeneinführung ist es sinnvoll klar zu stellen, dass natürlich nicht alle religiösen Personen als fundamentalistisch bezeichnen werden können. Wir betrachten aber die Tiefenstrukturen der monotheistischen Religionen als konfliktstiftend und fundamentalistischer Tendenzen zuneigend. Es hängt von jedem Gläubigen ab ob er seine eigene Religion relativieren kann und sie respektvoll im Anklang mit allen anderen Religionsgemeinschaften der Welt praktiziert oder nicht.
2. Theoretischer Rahmen und historischer Hintergrund
Der Begriff des Fundamentalismus wird in theoretischem Rahmen sehr viel kritisiert, mit der Begründung seinen spezifischen Inhalt sei extrem diffus. Oft wird das Wort für die Bezeichnung aller möglichen Ränkenspiele in der politischen, sozialökonomischen oder religiösen Szene verwendet, aber eine bestimmte aufschlussreiche und akzeptierte Definition gibt es nicht. Der Terminus hat sich in dieser Form ohne weiteres eingebürgert um einen radikalen eingeschränkten Einstellungstrend zu benennen. Als die Rede von Fundamentalismus in den letzten 30 Jahren inflationär wurde, stellte die Geschichtswissenschaft fest, dass ihre Entstehung im Sprachgebrauch auf die ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts in den USA zurückzuführen ist, wo vielerlei Protestantengruppen sich selber als „Fundamentalisten“ abgrenzten um sich von den „liberalen“ zu unterscheiden, die ihrer Ansicht nach gegen die christliche Vorschriften verstießen. Diese fundamentalistischen Gruppen hatten als Priorität zu den christlichen Grundlagen (Fundamente) zurückzukehren um die vermeintliche Tradition zu bewahren, indem sie die wortwörtliche Interpretation der Bibel sowie die Aufrechterhaltung strenger Glaubenssätze gegen alle und alles verteidigten. Nach diesem Prototyp will man alle heutigen fundamentalistischen Gruppen identifizieren, wobei hier leicht zu übersehen ist, dass jeder „Fundamentalismus“ jedoch eigenen Gesetzen folgt und seine eigene Dynamik birgt. Die meisten Aktivisten des modernen
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Fundamentalismus halten eine religiöse Grundlagenlehre für unwichtig, sie interessieren sich eher für Macht sowie für ihre eigene ökonomische Interessen und nutzen Technologien genauso wie Netzwerke um ihre Ziele zu erreichen. Damit kann man sagen, dass heutzutage Fundamentalismus, so paradox wie es klingt, nicht mehr als konservativ und in der Vergangenheit geblieben, sondern als wesentlich modern und innovativ verstanden werden muss. (vgl. Armstrong, 2000, Meyer, 1989, Graf, 2004). Im weiteren Verlauf dieses Aufsatzes werde ich die These des neuen Fundamentalismus als Folge der Moderne detaillierter erschließen. 2.1. „Fundamentalismus“: ein allgemeiner Definitionsversuch
Bei der gegenwärtigen Verwendung des (Fach)Begriffs „Fundamentalismus“ ist es zu beachten, dass das Wort nicht selten, v.a. im wissenschaftlichen theoretischen Diskurs mit den Kategorien eines ideologischen Totalitarismus gleichgesetzt wird. Dogmatische Positionen werden aus erkenntnistheoretischer Perspektive unmittelbar mit Fundamentalismus assoziiert. Allerdings benutzen die einzelnen Fachgebiete eigene bedingte Begriffsdefinitionen, die immer wieder ergänzt werden und auch neue kommen dazu. Es gibt generell keine allgemein akzeptierte Definition für das Phänomen des Fundamentalismus.
Um den Versuch einer Begriffsbestimmung zu unternehmen ist es zuerst nötig die etymologischen Ursprünge des Wortes „Fundamentalismus“ festzulegen. Diese sind im Lateinischen „fundus“ (Grund) oder „fundare“ (das Verb: einen Grund legen) zu finden. Darin werden die Konzepte „Fundamente“ und „Fundamental“ explizit gemeint. Das Wort wurde bis in das 14. Jahrhundert ausschließlich im Baugewerbe verwendet, danach erweiterte sich der Gebrauch und wurde von den Geisteswissenschaften übernommen. Es hatte einen Stellenwert für Grundlagen und Prinzipienlehre, der mit der positiven Idee einer festen sicheren Basis kognitiv verbunden war. Aufgrund der in der Zeit der Renaissance herrschenden kulturell-historischen Weltsicht gewann der Begriff an Bedeutung und Beliebtheit. Diese positive Inwertsetzung des Wortes widerspiegelte ohne zweifel die sozial-sinnlichen Bedürfnisse dieser Epoche. Sie drückte den Bedarf nach der Existenz eines unwiderlegbaren, stabilen Halts aus, auf den sich problemlos alles mögliche stützen, aufbauen oder ableiten lässt. Nicht umsonst ließen sich die elitären Königsdisziplinen der Wissenschaft, wie die „Fundamentaltheologie“ oder die „Fundamentalphilosophie“ so benennen. (vgl. Salamun, 2005, S 22.) Im Laufe der Jahrhunderte und spätestens nach der Erscheinung religiöser fundamentalistischer Protestantenbewegungen in den USA am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, verlor das Wort Fundamentalismus alle positiven Wertkonnotationen und verwandelte sich in eine negativ aufgeladene kontroverse Bezeichnung, die heute sogar direkt mit „Terrorismus“ in Verbindung gebracht wird.
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In diesem Kapitel geht es mir spezifisch darum, der sogenannte neue Fundamentalismus theoretisch abzugrenzen. Wie oben bereits erläutert, ist die These des Fundamentalismus als Reaktion auf die moderne Kultur in der aktuellen sozialwissenschaftlichen Debatte stark vertreten. In dieser Hinsicht behaupten die Experten Martin Marty und Scott Appleby in seinen sechs bändigen Werk über religiösen Fundamentalismus, dass alle modernen Fundamentalismen einem bestimmten Muster folgen:
„sie sind kampfbereite Formen von Spiritualität, die als Reaktion auf eine als krisenhaft erlebte Situation entstanden sind. Sie führen Krieg gegen Feinde, deren säkularistische Überzeugungen und politische Strategien der Religion als solcher feindlich gesinnt sind. (…) Sie fürchten der Vernichtung und versuchen deshalb ihre bedrohte Identität durch selektive Wiedereinführung bestimmter Lehren und Praktiken aus des Vergangenheit zu stärken.(…) sie schaffen eine Gegenkultur“ 4 (Marty & Appleby, 1991, S. 814f.)
Veränderungsprozesse in der Gesellschaft waren schon immer von leidvollen Ereignissen begleitet. Sobald der Mensch spürt, dass er die vermeintliche Kontrolle über seinen Lebensraum verliert, fühlt er sich verzweifelt und ratlos. In Folge dessen erscheint das Neue und Fremde nur noch als unheimlich und wird als Bedrohung wahrgenommen. Dies ist die Pathologie der fundamentalistischen Weltanschauung in Zeiten der Globalisierung. Denn der vom Westen weltweit in Kraft gesetzten Modernisierungsprozess mit seinen demokratischen, rationalen und säkularen Inhalten veränderte gewaltig die gesellschaftliche, ökonomische und kulturelle Konstitution ganzer Regionen, was dazu führt, dass viele Bevölkerungsgruppen mit fundamentalistischen Einstellungen wütend einen Rückschlag - oder im Sinne von Marty & Appleby einen „fighting back“ - bereit zu leisten sind. (ebd. S. 232) Fundamentalismus schreibt der Politologe Thomas Meyer „ist eine willkürliche Abschließungsbewegung, die als immanente Gegentendenz zum modernen Prozess der generellen Öffnung des Denkens, des Handelns, der Lebensformen und des Gemeinwesens absolute Gewissheit, festen Halt, verlässliche Geborgenheit und unbezweifelbare Orientierung durch irrationale Verdammung aller Alternativen zurückbringen soll“. (Meyer, 1989, S. 32) Nach dieser argumentativen Linie und obwohl keinen Konsens über eine in allen Bezügen passende Definition von Fundamentalismus vorhanden ist, können wir nicht bestreiten, dass viele der aktuellen Begriffsklärungen aussagekräftig die gleiche Relation aufzeigen, nämlich den direkten Zusammenhang zwischen Fundamentalismus und Moderne.
4 Ihr Argument ist hier eindeutig, moderne Fundamentalisten entwickeln ein widersprüchliches hegemoniales Verhältnis zu der modernen Welt, einerseits lehnen sie ihre Kategorien entscheidend ab andererseits verinnerlichen sie ihren Rationalismus in der strategischen Bearbeitung fundamentaler Ideologien, die als Aktionspläne dienen und nur mit Hilfe von Technologien zu durchführen sind. (vgl. Marty & Appleby, 1996)
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In einem erweiterten Bezugsrahmen und trotz aller Unbestimmtheiten des Begriffes wird angedeutet, dass sowohl in der wissenschaftlichen als auch in der eingebürgerten Verwendung des Wortes auf sehr ähnliche Symptome aufgewiesen wird. Kurt Salamun identifiziert vier Merkmale, die in allen Verwendungen des Begriffes gemeinsam sind. Er kennzeichnet sie als notwendige -keineswegs als hinreichende- Kriterien um zu beschließen ob eine Weltanschauung als fundamentalistisch angewiesen werden kann oder nicht.
Ein erstes Merkmal („absoluter und ausschließlicher Wahrheitsanspruch“) fundamentalistischer Positionen ist der Frage nach der Existenz einer einzigen Wahrheit und derer Begründung zuzuordnen. Ein Fundamentalist ist der festen Überzeugung, dass es eine absolute Wahrheit gibt und dass sie von einer unbestreitbaren Instanz hervorgeht, sei es einem Gott, einem Prophet (geistlichem Führer) oder einem Text. Hierbei verbindet die fundamentalistische Sicht einen Ausschließlichkeitsanspruch. Ja die eigene Betrachtungsweise wird als einzige wahre gehalten und alle anderen werden ohne weiteres ausgeschlossen. Das zweite Merkmal nennt sich „elitär-autoritäres Erkenntnisideal“ und bezieht sich auf die systematische Abgrenzung verabsolutierender Denkformen und auf die Frage nach ihrem Zugang. Fundamentalisten erheben sich in ihrer eigenen Position als Elite und ziehen die Autorität auf sich allein, zu entscheiden wer Teil an ihrer Gemeinschaft nehmen kann und wer nicht. Ein Fundamentalist neigt in der Geschlossenheit ihres Gedankengebäudes ebenfalls dazu alles was unpassend zu ihrer Einstellung ist zu diskriminieren und sogar als minderwertig und subversiv zu bezeichnen, was als drittes Merkmal mit dem Name „monistisches Totalitätsstreben“ gilt. Ein letztes Kennzeichen von Fundamentalismen ist die „starke Tendenz zum Alternativ-Radikalismus“, d.h. das radikale polarisiertes Verhalten. Die Welt wird nur nach dem Prinzip des Entweder-Oder erklärt, jedes Sachverhalt wird mit einem Für-mich oder Gegen-mich beurteilt und weder graduelle Differenzierungen noch Kompromisse werden zugelassen. (vgl, Salamun, 2005)
Merkmale von Fundamentalismus findet man in allen menschlichen Handlungssphären, in diesem Aufsatz werden wir uns aber nur auf ein Gebiet konzentrieren und zwar auf die Religion. Das Hauptanliegen dieser Arbeit besteht weiterhin in der strukturellen Analyse religiöser Konflikten unserer Zeit, welche unmittelbar in fundamentalistischen Weltauffassungen ihren Ursprung haben.
2.1.1. Was ist religiöser Fundamentalismus?
Im ersten Kapiteln wurde bereits über die Rolle und Kategorien der Religion in der Gesellschaft gesprochen, die eine latente (aber nicht immanente) Tendenz zur fundamentalistischen Interpretation aufweisen können. Als nächster Schritt geht es mir darum den Fundamentalismus in
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Omar Castillo, 2010, Religiöser Fundamentalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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