Die Wirtschaft der Perestroika
von: Luca Bonsignore
1 EINLEITUNG 2
2 DIE WIRTSCHAFTLICHE SITUATION SEIT 1980 – AUF DEM WEG ZUR REFORM 3
2.1 ALLGEMEINE SCHWIERIGKEITEN DER ZENTRALEN PLANWIRTSCHAFT 3
2.2 PROBLEME DER 70ER UND 80ER 5
3 DER REFORMER: MICHAIL GORBATSCHOW 5
4 DIE REFORM 7
4.1 GLASNOST 7
4.2 PERESTROIKA 7
4.3 USKORENIE : „POLITIK DER BESCHLEUNIGUNG“ (1985 - 1987) 8
4.4 „POLITIK DER UMGESTALTUNG“ (1987- 1989). 8
4.5 DIE REFORM IN DER KRISE (1989-1991) 9
5 DAS SCHEITERN DER PERESTROJKAREFORM 10
5.1 DIE WIRTSCHAFTLICHE SITUATION 10
5.2 WIDERSTAND DER PRIVILEGIERTEN SCHICHT 10
5.3 GLASNOST - ALS SCHEITERGRUND FÜR DIE REFORM 11
5.4 STREIKS ALS ARTIKULATION DES ZORNES 12
5.5 GRÜNDE FÜR DAS SCHEITERN VON PERESTROJKA UND MAKROÖKONOMISCHE ENTWICKLUNGEN 13
6 DER GETEILTE GORBATSCHOW 13
6.1 GORBATSCHOW I 14
6.2 GORBATSCHOW II 14
7 DAS „SCHATALIN- 500 TAGE PROGRAMM 15
8 ERGEBNIS 16
9 LITERATUR 18
1 Einleitung
Perestroika und Glasnost sind Begriffe die fast jedem bekannt sind. Jeder verbindet sie direkt mit der ehemaligen Sowjetunion, mit Reformen aber auch vor allem mit Michail Gorbatschow. Dieser Sowjetpolitiker hat es geschafft Entspannung im politischen Mächteziehen zwischen den Ost- und Westmächten herzustellen. Darüber hinaus entwarf er eine Wirtschaftsreform die die Sowjetunion komplett verändern sollte. Jedoch ist diese Reform fast vollständig gescheitert und hat die wirtschaftliche Lage der Sowjetunion nicht verbessert sondern eher verschlechtert. In der folgenden Ausarbeitung wird die Reform als solches dargestellt, in Etappen untergliedert und das Phänomen Gorbatschow erörtert. Ein zentralen Schwerpunkt widmet diese Arbeit der Frage des Scheiterns.
2 Die wirtschaftliche Situation seit 1980 – Auf dem Weg zur Reform
2.1 Allgemeine Schwierigkeiten der zentralen Planwirtschaft
Zufolge der marxistisch-leninistischen Ideologie hat die zentralverwaltungswirtschaftliche Steuerung die Vorteile, dass wirtschaftliche und soziale Ausbeutung unmöglich werden, die Entfremdung des Menschen von sich selbst und seiner Arbeit beseitigt und eine langfristig perspektivische Planung der wirtschaftlichen Entwicklung möglich wird.1 Tatsächlich jedoch ist die Sowjetunion hauptsächlich an ihrem politischen und wirtschaftlichen System zerbrochen. Die gesamte Lenkung der Wirtschaftsprozesse, die in der Marktwirtschaft mittels Markt- Preis-Mechanismus "wie von selbst" geregelt wird, wird im Sozialismus durch einen immensen Verwaltungsapparat geleistet. Es hat sich jedoch gezeigt, dass dieser nicht annährend so gut geeignet ist, im Sinne einer effizienten Wirtschaft die Fragen einer rationalen und zielorientierten Planung zu beantworten. Aufgrund der fehlenden freien Preise (Preise, die sich auf dem Markt entsprechend dem Gesetz von Angebot und Nachfrage verhalten) gibt es keinen Knappheitsanzeiger. Die mit der zentralen Lenkung beauftragte hierarchische Verwaltung ist kaum in der Lage, auf veränderte Bedingungen schnell und angemessen zu reagieren. Die Wirtschaftsordnung ignoriert in weiten Teilen die Konsumwünsche ihrer Gesellschaft. Zudem hat der fehlende Wettbewerb zur Folge, dass der technische Fortschritt sehr viel langsamer vollzogen wird und Produkte überdurchschnittlich viele Mängel aufweisen.2 Das System der zentralen Planwirtschaft ging auf Kosten der Wirtschaftlichkeit der Sowjetunion.3
Anstatt den Bauern zu überlassen, was und wie auf den Feldern am günstigsten angebaut werden sollte, gab man von oben Planungsvorgaben. Allein hierfür wurden drei Millionen Aufseher beschäftigt.4 Diese Art der Entscheidungsfindung wirkte in zwei Richtungen: Einerseits prägte sich in der russischen Gesellschaft die Einstellung aus, dass "Privatinitiative ein Verbrechen an der Gesellschaft"5 sei. Die Menschen in der Sowjetunion versuchten, sich aufgrund der befürchteten Repressalien möglichst unauffällig zu verhalten. Dadurch wiederum wurden Fehlentwicklungen später bemerkt und behoben, als in einem System mit aktiven Mitwirkungs- und Mitsprachemöglichkeiten. Zum anderen scheint es ein systemimmanentes Phänomen zu sein, dass große Bürokratien gigantische aber letztlich wenig hilfreichen Projekte ins Leben ruft, wie beispielsweise ist das riesige Bewässerungsvorhaben, die "von niemanden benötigte Eisenbahnstrecke BAM"6 oder die zwei 170 Millionen PS starken "Energija"-Raketen, nach deren Fertigstellung die Planer feststellten, dass sie dafür gar keine Verwendung hätten.7 Auch die rasante Austrocknung des Aralsees ist einem überdimensionalen Projekt anzulasten, das mittels großzügiger Bewässerungssysteme in Usbekistans und Kasachstans den rückständigen Republiken im Süden zu mehr Wirtschaftlichkeit verholfen werden sollte.8 Die Bewässerung ermöglichte neben dem Anbau riesiger Baumwollfelder den Bau großer Städte und Industriebetriebe in diesen unwirtschaftlichen Gebiet. Um das sich anbahnende Unglück abzuwehren, entwarf man den Plan, die sibirischen Ströme nach Mittelasien umzuleiten. Der Zusammenbruch verhinderte dieses Vorhaben.9
Das planwirtschaftliche System litt unter einer mangelhaften Flexibilität. Es gab nur wenig Spielraum für Ad-hoc-Entscheidungen. Es unterlag immer der Schwierigkeit, zureichende Kriterien für die Informationserfassung beim Aufstellen eines Planes sowie der Kontrolle der Resultate zu entwickeln. Die zentralen Anweisungen griffen mitunter ohne genaue Kenntnisse der lokalen Bedingungen direkt in die wirtschaftliche Aktivität auf der Mikro-Ebene ein und führten im Ergebnis zu Schwierigkeiten bei Produktionsabläufen und Verteilungsverfahren.10 "Was das Wirtschaftssystem der zentralen Planwirtschaft betrifft, so versagte es desto mehr, je weiter der sowjetische Industrialisierungsprozess fortschritt, je komplexer folglich die Wirtschaftsstruktur wurde, je komplizierter sich hierdurch wiederum die Planungsaufgaben gestalteten, je mehr die Knappheit der ökonomischen Ressourcen [...] zunahm und je stärker sich das politische System im Sinne eines Verfalls von Autorität und Kompetenz veränderte."11
Die Systemmängel hatten eine Reihe von Folgen, die sich gegenseitig verstärkten und die der Sowjetunion zunehmend zusetzten. Aufgrund des fehlenden innerstaatlichen Wettbewerbs war die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt, der wichtige Devisen hätte einbringen können, gering. Die wirtschaftlichen Probleme und Fehlsteuerungen verursachten eine geschätzte Armutsrate von 20%.12 Die wirtschaftliche Misere des Einzelnen mag auch zum steigenden Alkoholkonsum der Bevölkerung beigetragen haben.13
2.2 Probleme der 70er und 80er
[...]
1 Vgl. Lampert, Heinz: Die Wirtschafts- und Sozialordnung der Bundesrepublik Deutschland, 11.Aufl., München 1991. Seite: 36.
2 Vgl. hierzu: Ebd. S.37 u. 38
3 "Wirtschaftlich" im Sinne von 1.Einnahmen gleich Ausgaben und 2.Gewährleistung der Grundversorgung der Gesellschaft.
4 Lt. Schmeljow, Nikolai: Perestroika aus der Sicht eines Ökonomen; in: Abalkin, Leonid/ Blinow, Anatoli (Hrsg.): Perestroika von innen. Zehn sowjetische Wirtschaftsexperten beziehen Stellung. Düsseldorf u.a. 1989. Seite: 35.
5 Krone-Schmalz, Gabriele: ...an Rußland muß man einfach glauben. Meine Moskauer Jahre. Seite: 35.
6 Schmeljow, Nikolai: Perestroika aus der Sicht eines Ökonomen, Seite:35.
7 Lt. Klingholz, Reiner: Gagarins arme Erben; in: s.o. Seite: 94.
8 Nove, Alec: An Economic History of the UdSSR, 1917-1991, Harmondsworth,1992. Seite: 402.
9 Vgl. hierzu: Steyer, Claus-Dieter: Schiffe liegen auf dem Wüstensand; in: Der Tagesspiegel vom 27.9.95. Seite: 28.
10 Lt. Hiller, Marlene P.: Politische Landeskunde der Sowjetunion. Seite: 61.
11 Höhmann, Hans-Herrmann: Der ökonomische Systemwechsel; in: Revolution in Moskau. Der Putsch und das Ende der Sowjetunion, Hamburg 1991. Seite: 211/212.
12 Lt. Druwe, Ulrich: Das Ende der Sowjetunion. Krise und Auflösung einer Weltmacht. Weinheim, Basel 1991. Seite: 41.
13 15% aller Konsumausgaben der Sowjetbürger entfielen auf dem Alkohol. (Vgl. Ebd.) Gorbatschow versuchte daher, mittels einer Kampagne dieses Problem in den Griff zu bekommen.
Arbeit zitieren:
Luca Bonsignore, 2002, Die Wirtschaft der Perestroika, München, GRIN Verlag GmbH
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