1. Einleitung
In der wissenschaftlichen Arbeit wird das Thema über das Freie Radio dargelegt. Diese Arbeit hat das Ziel eine Darstellung zu schaffen, was genau ein freies Radio ist, wie ein solches Radio funktioniert, inwieweit sich das freie Radio von den öffentlich-rechtlichen und privatkommerziellen Radiosendern unterscheidet. Zu Beginn werde ich auf die Geschichte und Entstehung des freien Radios eingehen. Im Anschluss werden seine Merkmale, Ziele, Forderungen und Themen erläutert und dargelegt. Ein wichtiger Punkt wird noch erwähnt und analysiert und nämlich die Art und Weise der Kommunikation bei dem freien Radio. Ich werde die Radiotheorie von Bertolt Brecht und Enzensberger darstellen und in Bezug auf das freie Radio analysieren. Aufbauend auf diesen allgemeinen Angaben zum freien Radio, stelle ich ein Beispiel für freies Radio. Ich werde Freies Radio Naumburg präsentieren und auf dessen Geschichte, Ziele, Themen und Programmstruktur konkret eingehen. Dieses konkrete Beispiel wird uns die Möglichkeit geben einen Blick darauf zu ziehen wie ein freies Radio in der Wirklichkeit umgesetzt wird. Zum Schluss fasse ich die wesentlichen Thesen zusammen und ich gebe noch mal präzise Antwort auf die Kernfragen des Themas.
2. Geschichte und Entstehung des Freien Radios
In den USA entstanden schon Anfang des 20. Jahrhunderts die nichtkommerziellen Radios auch „Community Radios“ oder „Public Radios“ genannt in einer engen Verbindung mit dem kommerziellen Rundfunksystem. In Deutschland wurden ebenfalls ab dem 20. Jahrhundert freie Radios gegründet. In den 70er Jahren, vor allem in den 80er Jahren entstanden illegal sendende Radios, sogenannte Piratenradios, die sich selbst als freie Radios bezeichneten und einen politisch-parzipatorischen Anspruch besaßen. Hierzu gehörte auch Radio Verte Fressenheim. Andere Piratensender waren beispielweise Radio Freies Wendland, Radio Utopia, Radio Pflasterstein und Radio Schlappmaul. Einer der ersten bundesdeutschen politischen Piratensender war 1975 der Piratensender Unfreies Westberlin, dessen Ziel darin bestand, bisher „unterdrückte oder verfälschte Nachrichten an die Öffentlichkeit zu bringen“ (Pinseler 2001, S. 370). Allerdings hatten die Piratenradios meist nur eine kurze Lebensdauer und nur wenige von denen sendeten über eine längere Zeitspanne. Der in den 80er Jahren entstehende private Rundfunk führte dazu, dass nun auch in Deutschland die entsprechenden medienrechtlichen Voraussetzungen zur Zulassung des
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nichtkommerziellen lokalen Rundfunks geschaffen wurden. In Deutschland entwickelten sich die freien Radios in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhundert als „Medien der Gegenöffentlichkeit“ (Pinseler 2001, S.371) und wurden auch als alternativen Radios bezeichnet. Laut Kleinsteuber (1991) gelten als Vorläufer der bundesdeutschen freien Radios, die radios libres, die in Italien bereits seit 1975 bestanden. Für die Wahrnehmung der italienischen freien Radiosender in der Bundesrepublik spielten die „politisierten“ Radios - RadioAlice in Bologna und Radio Popolare Milano eine bedeutsame Rolle. Diese Sender füllten das Radioprogramm nicht nur mit anderen Inhalten, sondern sie brachen sozusagen den Prinzipien wie bis dahin Radio gemacht wurde. Diese Sender hatten Ziele, die sie folgten. Die wichtigsten Ziele dieser Radios waren erstens die kollektive Produktion der Sendungen und die Selbstorganisation des Senders, zweitens der freie Zugang für Betroffene zum Radio und drittens die Unvermitteltheit der Kommunikation.
In Deutschland steht die Entwicklung nichtkommerzieller Lokalradios in einem engen Zusammenhang mit der Entstehung der sogenannten neuen sozialen Bewegungen, der Anti-Atom-, der Ökologie-, der Friedensbewegung und mehrere alternativer Bürgerbewegungen. Wie schon erwähnt, in den 70er und 80er Jahren wollten die freie Radios Medien der Gegenöffentlichkeit sein. Sie wollten unterdrückten Nachrichten verbreiten, solche Meldungen, die in den öffentlich-rechtlichen Medien nicht zu hören waren. In den 90er Jahren aber kam das Konzept der Gegenöffentlichkeit immer mehr in die Kritik. Freie Radios müssten sich hingegen das Recht nehmen zu senden, ohne sich an den bürgerlichen Medien zu orientieren und ständig zu korrigieren und zu kritisieren. Das Model der Gegenöffentlichkeit hat sich zum Modell der Informationsverbreitung umgewandelt. Den freien Radios ging es weniger um eine Kritikübung an den anderen Medien wie bisher, als darum, richtigere und wahrere Information zu verbreiten.
In den 70er und 80er Jahren gab es in Deutschland immer noch illegale freie Radios. Das erste legalisierte freie Radio und überhaupt das älteste deutsche freie Radio ist das Freiburger Radio Dreyeckland. Nachdem es Ende des Jahres 1987 seine Lizenz erhielt, begann es 1988 legal zu senden. Es gibt momentan nach Angaben des Bundesverbandes Freier Radios 35 freie Radios in der Bundesrepublik Deutschland (Stand: August 2005). Heute gibt es nichtkommerzielle, freie Radios in fast allen Bundesländern. Nur noch in Bremen, Saarland und Mecklenburg-Vorpommern gibt es keinen freien Radios. Zu den drei in Sachsen-Anhalt sendenden nichtkommerziellen Lokalradios gehören Radio Corax, die Harz-Börde-Welle und das Freie Radio Naumburg. Derzeit gehören 22 lizenzierte nichtkommerzielle Lokalradios und zehn Radioinitiativen ohne eine medienrechtliche Lizenz zum Bundesverband Freier
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Radios (BFR). In den restlichen Bundesländern fehlen noch bestimmte gesetzliche Voraussetzungen um nichtkommerzielle Lokalradios oder auch freie Radios zu lizenzieren. Die Bedingungen unter denen die freien Radios arbeiten müssen, sind bei den einzelnen Bundesländern sehr ähnlich, dagegen sind die durch die Mediengesetzte festgelegten Voraussetzungen zur Lizenzierung, die Anforderungen an das Programm, die Organisation, die Finanzierung und Förderung bundesweit verschieden. So werden diese Radios beispielweise nicht in allen Bundesländern institutionell unterstützt.
3. Unterschieden zwischen den freien und den etablierten Radiosendern
3.1 Merkmale des Freien Radios
Ein freies Radio unterscheidet sich von den anderen etablierten Hörsendern durch sein Konzept, seine Organisationsstruktur, seine Themen, seine Ziele. Bei einem freien Radio, handelt es sich um ein nicht-kommerzielles Lokalradio, um einen „dritten“ Typ Radio, der neben den öffentlich-rechtlichen und den massenorientierten Hörsender zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die freien Radios sind privat organisiert, streben aber keinen kommerziellen Gewinn an. Ein freies Radio fördert den offenen, den direkten Zugang für Personen, Gruppen, Initiativen im Informationsbereich. Ein freies Radio stellt Beziehungen zwischen den Hörern und den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklungen her. Freie Radios zeigen gesellschaftliche Zusammenhänge auf, die die anderen Medien nicht aufdecken. Dies erreichen sie dadurch, dass auch denjenigen, die sonst in den Medien nicht die Möglichkeit dazu haben, die Chance gegeben wird ihre Meinung zu äußern. Dazu gehören zum Beispiel sexistisch oder rassistisch diskriminierte Personen oder Gruppen und andere gesellschaftliche Randgruppen. Es wird kein Anspruch auf Objektivität erhoben. Der Hörer des freien Radios kann selber Informationslieferant werden, und hat in jeder Zeit die Möglichkeit am Programm des Radios mitzuwirken.
Im Unterschied von den öffentlich-rechtlichen Hörsendern decken die freien Radios ihre Kosten nicht durch Werbung. Das ermöglicht ein anderes Verhältnis zwischen Sender und Empfänger aufgebaut zu werden. Nämlich eine offene Kommunikation. Und genau diese Form der Offenheit, ermöglicht die Behandlung von Themen, die in den etablierten Medien keinen Eingang finden.
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„ Freie Radios sind kollektiv und gesellschaftlich sowie oftmals gemeinnützig organisiert, nicht auf Profit ausgerichtet und lehnen die Finanzierung durch kommerzielle Werbung ab.“ (Wikipedia 2005, S. 1)
Dem Zitat ist zu entnehmen, dass freie Radios nicht gewinnorientiert sind und Werbe-Finanzierungen ablehnen. Diese Tatsache zählt zu den wichtigsten Merkmalen dieser Radios. Die meisten freien Radios finanzieren sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Stiftungen, Vereine oder Sponsern. Zusätzliche Hilfe kommt auch aus Unterstützungsveranstaltungen, sowie aus der Veranstaltung von Festen oder Konzerten. Diese Vielzahl der Finanzierungsmöglichkeiten verhindert zwar einerseits, dass die Unabhängigkeit der freien Radios gefährdet wird (Kleinsteuber 1991), ist aber andererseits eine sehr unregelmäßige und riskante Einnahmequelle. Sind aber allen freien Radios unabhängig von Werbeeinnahme? Auf diese Frage gibt uns der Autor Kleinsteuber die Antwort.
In einem von seinen Büchern stellt Kleinsteuber eine Studie dar, die einen Überblick der internationalen Erfahrungen mit freien Lokalradios bietet. Es wurden 15 Länder nach bestimmten Kriterien ausgewählt und systematisch analysiert. Die folgenden Schwerpunkte wurden in den Mittelpunkt gestellt: Organisation des jeweiligen Senders, Personal, Finanzierung, Zugangsmöglichkeiten zum Programm für die Hörer, Programmstruktur und Programminhalt. Der Autor stellt fest, dass die freien Radios sich auch selbst voneinander durch Organisations- und Finanzierungsformen unterscheiden können. Er kommt zu dem Ergebnis, dass man bei den freien Radios eine reiche Palette von Organisationsformen finden kann, im Gegensatz zum kommerziellen Sender. Dass sich die freien Radios auch selbst voneinander durch Organisations- und Finanzierungsformen unterscheiden, ist ein wichtiges Merkmal dieses Radiotyps. Als ein Beispiel dafür führt Kleinsteuber zwei freie Radiosender in Spanien an, die sich durch ihre Finanzierungsform unterscheiden: „Radio Iris“ und „Onda Madrid“. Die beide Radiosender besitzen die Merkmale eines nicht-kommerziellen Senders und nämlich: Zugangsmöglichkeiten für Nicht-Journalisten, aktive und passive Beteiligungsmöglichkeiten aller Bürger oder Gruppen, Sicherung von Lokalität, Überlassung eines Sprachrohrs an Minderheiten usw. Aber der Unterschied ist, dass während sich „Radio Iris“ auf Produktwerbung verzichtet, wird „Onda Madrid“ von der Stadt Madrid durch Werbung finanziert. Kleinsteuber zieht am Ende die Schlussfolgerung, dass nichtkommerzielles Radio auch durch Werbung finanziert werden kann. Das Senden von Werbespots scheint keinen Einfluss auf das Programm zu haben, soweit das beurteilt werden kann. Da es, wie bereits erwähnt, kein eindeutiges Muster zur Form der Finanzierung gibt, ist
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es auch extrem orientierten Gruppierungen und Minderheiten möglich, das Programm mitzubestimmen. Somit ist die Gefahr groß, freie Radios als Propaganda-Mittel zu eigennützigen Zwecken zu missbrauchen. Politischen Parteien, Sekten, Kirchen und Zeitungsunternehmen sollte es daher verboten werden, Träger oder Geldgeber zu werden, da sie einen zu großen Einfluss auf die Struktur des freien Radios nehmen könnten.
3.2 Mehrseitige Beziehung zwischen Sender und Empfänger
Ein anderes wesentliches Merkmal der nicht-kommerziellen, freien Sender ist die Vermittlung von Medienkompetenz. Die freien Radios sind stark medienpädagogisch orientiert und durch einen basisdemokratischen Anspruch charakterisiert. Bei den freien Radios wird den Mitbürgern die Möglichkeit geboten, Medienkompetenz zu erwerben. Freie Radios geben allen Personen und Gruppen innerhalb des gesetzlichen Rahmens die Möglichkeit zur unzensierten Meinungsäußerung und Informationsvermittlung. Jede und jeder hat die Möglichkeit, am Programm des Radios mitzuwirken, unabhängig von Alter, Geschlecht, Interessen, Nationalität usw. Besonderes Anliegen des freien Radios ist es, Betroffene selbst zu Wort zu kommen und im Idealfall eigene Sendungen gestalten zu lassen und nicht nur professionelle oder quasi- professionelle MedienarbeiterInnen über andere berichten und diskutieren zu lassen. Ganz im Gegensatz dazu stehen die öffentlich-rechtlichen und privatkommerziellen Radiosender, bei denen eine sehr einseitige Beziehung zwischen Sender und Empfänger besteht. Diese einseitige Beziehung ist dadurch charakterisiert, dass der Moderator die Vermittlung, Belehrung und Führung übernimmt und das Publikum keine Gelegenheit hat, in die Gestaltung und Produktion der Programme einzugreifen. Die Hörer können also nicht antworten, sie haben keine Möglichkeit Zustimmung oder Ablehnung auszudrücken. Der Einfluss des Publikums auf das Gesendete besteht ausschließlich bei dem Ein-, Ab- oder Umschalten des Radios (Wenzel 1998). Daraus kommt eine einseitige Beziehung zwischen Radiostation und Hörenden. Wenzel (1998) führt seine These über diese Einseitigkeit ein. Er meint, dass die Medien einseitig sind, weil unsere Interpretation zu den Medien einseitig ist. So stellt er das Sender-Empfänger-Model dar. Der Autor geht davon aus, dass diese Einseitigkeit nicht durch den Sender, sondern durch den Empfänger und nicht durch den Inhalt, sondern durch die Form bestimmt wird:
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Arbeit zitieren:
Zornitsa Boneva, 2005, Das freie, nichtkommerzielle Radio, München, GRIN Verlag GmbH
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