Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Abstract 5
Abkürzungen 6
Teil I - Einführung 7
1. Einleitung 7
2. Methodik und Inhalt 9
Teil II - Theoretische Grundlage der Arbeit:
Kreativwirtschaft und Migration als funktionale Elemente
Europäischer Metropolen 11
1. Das Konzept der Europäischen Metropolregion (EMR) 11
1.1 Was sind Metropolregionen? 11
1.2 Merkmale und Funktionen einer Metropolregion 12
2. Kreativwirtschaft 15
2.1 Begriffsklärung Creative Industries und Cultural Industries 15
2.2 Kreativwirtschaft in Schweden 17
2.3 Kreative und Kreatives Milieu 19
3. Migration als Indikator kultureller Vielfalt 25
3.1 Begriffsklärung Migration 25
3.2 Segregation 25
3.3 Der Einfluss der Migration auf den Segregationsprozess 27
Teil III - Untersuchungsgegenstand:
Die Rolle von Kreativwirtschaft und Migration im wirtschaftlichen und
politischen Entwicklungsprozess Stockholms als
Europäische Metropolregion 29
1. Sozioökonomische Einordnung - Stockholm als EMR 29
1.1 Räumliche Abgrenzung der Region Stockholm 29
1.2 Stockholm als Metropole 31
1.3 Einordnung in das Netz europäischer Wachstumszentren unter besonderer
Berücksichtigung der Faktoren Kreativwirtschaft und Migration - Stärken und Schwächen 33
1.4 Fazit 39
2
2. Kreativwirtschaft und Creative Class 40
2.1 Branchenverteilung kreativer Industrien 40
2.2 Kreative Wirtschaftscluster und Teilbranchen in der Region Stockholm 45
2.3 Zusammenarbeit mit internationalen Partnern - Das Beispiel Ostseeraum 48
2.4 Kreatives Humankapital - Herkunft, Bildung, Nutzung 49
2.5 Fazit 54
3. Migration als Faktor für Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit 56
3.1 Migrantenverteilung in Stockholm 57
3.2 Migrationspolitik 58
3.3 Wanderungsverhalten von Schweden und Nicht-Schweden 59
3.4 Segregationsverhalten und Qualities of place in Stockholm 64
3.5 Kulturelle Vielfalt und Migranten im kreativen Sektor 66
3.6 Fazit 69
4. Regionale Raum- und Regierungsstrukturen im Wandel -
wirtschaftliche und politische Entwicklungsmöglichkeiten
zur besseren Nutzung zukunftsorientierter Potenziale in der EMR Stockholm 71
4.1 Integrative Regionalisierung 71
4.2 Regional Governance 75
4.3 Fazit und Schlusswort 77
Literatur und Quellenverzeichnis 81
Indikatorenbeschreibung 85
Anhang 93
3
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: ABGRENZUNG ZWISCHEN KULTUR UND KREATIVWIRTSCHAFT.
ABBILDUNG 2: TEILBRANCHEN DER KREATIVWIRTSCHAFT NACH DCMS, KK-STIFTUNG UND
VINNOVA
ABBILDUNG 3: ABGRENZUNG DER KREATIVEN BERUFSGRUPPEN (CREATIVE CLASS
ZUGEHÖRIGKEIT)
ABBILDUNG 4: ZUSAMMENHANG ZWISCHEN „3T“ MODELL UND REGIONALER ENTWICKLUNG
ABBILDUNG 5: POPULATIONSVERTEILUNG IN DER STOCKHOLM MÄLAR REGION (2005)
ABBILDUNG 6: GLIEDERUNG DER STOCKHOL-MMÄLAR-REGION MIT KOMMUNEN UND
STADTTEILEN
ABBILDUNG 7: INNOVATIONSSTÄRKSTE REGIONEN EUROPAS
ABBILDUNG 8: PATENTANMELDUNGEN IM HOCHTECHNOLOGIESEKTOR 2003
ABBILDUNG 9: BESCHÄFTIGTE NACH SEKTOR IM STOCKHOLM LÄN (1987 - 2005)
ABBILDUNG 10: SOZIALHILFEEMPFÄNGER LÄNGER ALS 10 MONATE NACH HERKUNFT IN
PROZENT
ABBILDUNG 11: PENDLERVERHALTEN IN DER STOCKHOLM MÄLAR REGION (2002)
ABBILDUNG 12: VERTEILUNG REGIONALER SCHLÜSSELFAKTOREN (AUSGEWÄHLTE STÄDTE)
ABBILDUNG 13: BESCHÄFTIGUNGSVERTEILUNG IN DER KREATIVWIRTSCHAFT IM STOCKHOLM LÄN
AUF KOMMUNALEBENE (2002)
ABBILDUNG 14: VERTEILUNG BESCHÄFTIGTER IN DER KREATIVWIRTSCHAFT (2003/ 2004)
ABBILDUNG 15: VERTEILUNG DER KREATIVWIRTSCHAFTSANSIEDLUNG NACH KOMMUNE (2003)43
ABBILDUNG 16: KOMMUNEN MIT HÖCHSTEM BESCHÄFTIGUNGSWACHSTUM IN DER
KREATIVWIRTSCHAFT UND DEN MEISTEN NEUANSIEDLUNGEN ZWISCHEN 1997 -
ABBILDUNG 17: ANZAHL BESCHÄFTIGTER IM KREATIVEN SEKTOR (1997 UND 2003)
ABBILDUNG 18: DIE GRÖßTEN ARBEITGEBER IM STOCKHOLM LÄN (2004)
ABBILDUNG 19: SCHWEDISCHE WACHSTUMSBRANCHEN UND IHRE HAUPTMÄRKTE.
ABBILDUNG 20: ZUSAMMENHANG ZWISCHEN AUSBILDUNGSNIVEAU UND KREATIVER
BESCHÄFTIGUNG
ABBILDUNG 21: KREATIVE BESCHÄFTIGTE IM STOCKHOLM LÄN (2001)
ABBILDUNG 22: SCHWEDISCHER „CREATIVITY INDEX“
ABBILDUNG 23: EINWANDERUNG IN DEN STOCKHOLM LÄN AUS DEM AUSLAND 1998 - 2005 NACH
FAMILIENSTAND
ABBILDUNG 24: ZUWANDERUNG AUS DEM AUSLAND IN DEN STOCKHOLM LÄN 1986 - 2005
ABBILDUNG 25: DURCHSCHNITTLICHE ZU- UND ABWANDERUNG IM AUSLAND GEBORENER VON
UND NACH STOCKHOLM LÄN (1986 - 2005) NACH HERKUNFT.
ABBILDUNG 26: WANDERUNGSNETTO DER I-N UND AUSLÄNDER IM STOCKHOLM LÄN 1961 -
ABBILDUNG 27: ZUWANDERUNG NACH STOCKHOLM LÄN AUS DEM REST SCHWEDENS NACH
FAMILIENSTAND UND ABWANDERUNG AUS STOCKHOLM LÄN NACH REST
SCHWEDEN NACH FAMILIENSTAND
ABBILDUNG 28:KREATIVE KLASSE NACH UNIVERSITÄTSABSCHLUSS, ALTER UND HERKUNFT IN
SCHWEDEN (2008)
ABBILDUNG 29: BESCHÄFTIGTE IN DIENSTLEISTUNGSBERUFEN IN WISSENSINTENSIVEN
SEKTOREN IN EUROPA 2005
ABBILDUNG 30: AUSLÄNDERVERTEILUNG NACH HERKUNFT UND KOMMUNE IM STOCKHOLM LÄN
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Abstract
This thesis analyses the economic potential of Creative Industries and migration within the metropolitan area of Stockholm. Focusing on Creative and Cultural Capital and its influence on both factors it will be shown that those relativly new approaches open up new stages of development in regard to all initial political, economic and social sectors. The transformation to a spatial policy that emphasises on administrative institutions being able to operate on a regional level leads to a consolidation of the own market position at home and abroad. The exploitation of Creative Capital on a regional level is a profit to an economy to build a sustainable capability for social and economic integration into spatial networks and cluster.
5
Abkürzungen
BIP Bruttoinlandsprodukt BSR Baltic Sea Region (Ostseeraum) CI Creative/ Cultural Industries DCMS Departement for Culture, Media and Sport EMR Europäische Metropolregion EU Europäische Union EUREK Europäisches Raumentwicklungskonzept FUR Functional urban region (funktionale Stadtregion) HRST Human Resources in Science and Technology (Beschäftigte im Wissenschafts- und Technologiesektor) IKT Informations- und Kommunikationstechnologie KI Karolinska institutet (Medizinische Hochschule) KIBS Knowledge intensive business services sector KK -Stiftelsen Stiftelsen för Kunsskap- och Kompetensutveckling (Stiftung für Wissen) KKS Kaufkraftstandard KMU Kleine und Mittelständische Unternehmen KTH Kungliga Tekniska Högskolan (Technische Hochschule) LFS Labour Force Survey (Arbeitskraftindex) OECD Organisation for Economic Co-operation and Development RTK Regionplane- och Trafikkontoret (Regionalplanungs- und Verkehrsbüro) RUFS Regional utvecklingsplan för Stockholmsregionen (Regionalentwicklungskonzept für die Region Stockholm) SCB Statistika Centralbyrån (Statistisches Amt) SOU Statens offentliga utredningar STC Swedish Trade Council (Schwedischer Handelsausschuss)
VINNOVA Verket för Innovationssystem
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Teil I - Einführung
1. Einleitung
Die Stärke einer Stadt ist heutzutage nicht ausschließlich vom Stand ihrer wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Sie ist unbestritten das wohl wichtigste Element funktionierender städtischer Agglomerationen und unterliegt stetigen Veränderungen. Vielen Auffassungen zufolge werden Wirtschaft und Märkten wertefreie Charakteristiken zugeschrieben, welche sich lediglich durch freien Handel bestimmen. Wie wirken sich jedoch die Folgen der Globalisierung und Europäisierung auf regionale und städtische Raumstrukturen aus? Aus politischer Sicht eröffnen schwindende Grenzen und multilaterale Abkommen vor allem dem Humankapital eine größere Mobilität und einen dynamischen Arbeitsmarkt. Wirtschaftlich bietet die Öffnung der Märkte wissens- und innovationsbetonten Teilbranchen die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, da kreative Einflüsse schneller und flexibler erschließbar werden. Daher sprechen aktuelle sozialwissenschaftliche Ansätze den Faktoren Kultur und Kreativität durchaus eine starke Bedeutung für das Wachstumspotenzial einer Region zu. Wirtschaftliches Wachstum ist demnach auch durch die Fähigkeit der Nutzbarmachung kulturellen und kreativen Potenzials definierbar. Die metropolen Stadtgebiete Europas sind Beispiele multikultureller Gesellschaften, die ein großes Spektrum kultureller und kreativer Diversität in sich konzentrieren. Die Kultur einer Stadt hat sich mittlerweile zu einem attraktiven Anziehungskriterium entwickelt. Je charismatischer bzw. bedeutsamer das verortete kulturelle Kapital ist, desto mehr Menschen zieht es dorthin und desto weniger ziehen von dort weg. Wiedererkennungs- bzw. Identifikationswert zeichnen eine moderne Region ebenso aus wie ihre Wirtschaftskraft. Je mehr individuellen symbolischen Wert ein Lebensraum besitzt, desto attraktiver und anziehender ist seine Wirkung nach außen. Früher als politisches und wirtschaftliches Stiefkind betrachtet, erlangten Kreativwirtschaft und
Interkulturalität in den letzten Jahren zunehmend Beachtung. Die Herausbildung einer kreativen Gesellschaft gewann als Erklärungsansatz für wirtschaftliches und innovatives Wachstum in Großstadt- bzw. Metropolregionen eine bedeutende Ausprägung. Im Hinblick auf massive räumliche und gesellschaftliche Veränderungsprozesse stellt sich die Frage, wie all diese Faktoren zukünftig zusammen bzw. miteinander agieren können. Wie werden sie sich auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Region auswirken? Welche Potenziale lassen sich erkennen und nutzen? Welche
Herausforderungen stellen sie an die Kapazitäten einer Stadt und an ihre
7
Institutionen? Reicht es kreatives Kapital anzulocken, um die wirtschaftliche Entwicklung von Metropolregionen zu verbessern? Kann Segregation und fehlende Integration die Nutzung kreativen Kapitals verhindern?
Stockholm, bekannt als das „Venedig des Nordens“ oder die „Stadt, die auf dem Wasser schwimmt“ ist innerhalb der Europäischen Union die nördlichste Metropole. Sie liegt somit weit außerhalb des wirtschaftlichen Kernbereiches der Europäischen Gemeinschaft. Dennoch bemüht sie sich gemeinsam mit Malmö und Göteborg sowie ihren finnischen Nachbarn Turku und Helsinki, durch eine massive Aufwertung des kreativen Sektors das eigene Wachstum zu stärken und gleichzeitig eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb des Ostseeraumes zu fördern. Eine besonders hohe Lebensqualität, ein starkes soziales System sowie eine gesunde Arbeitmarktlage tragen dazu bei, dass die nordischen Städte besonders für junge Leute attraktive Zuwanderungsgebiete sind. Die Etablierung kultureller Verschiedenheit und eine verstärkte Fokussierung auf kreatives Kapital geben der Metropolregion Stockholm die Möglichkeit, ihrer Funktion als Wachstumsmotor für Schweden und für die Europäische Union gerecht zu werden.
Kreatives Kapital lebt vom Einfluss neuer Impulse. Bisher haben die nordischen Regionen vorwiegend im spezialisierten Technologiesektor von sich reden gemacht. Jedoch weisen sie, mehr als viele andere europäische Regionen, eine überdurchschnittlich junge Bevölkerung sowie starkes Bevölkerungswachstum auf. Daher liegt der Gedanke nahe, dass sich mit der Ansiedlung junger qualifizierter und zum Teil zugewanderter Menschen ein großes und vielfältiges kulturelles sowie kreatives Potenzial herausbildet, das die Entwicklung neuer wirtschaftlicher Nutzungsmöglichkeiten eröffnet.
Die vorliegende Arbeit soll die Potenziale in den Sektoren Kreativwirtschaft und Migration der Metropolregion Stockholm abbilden und aufzeigen, ob und inwieweit Möglichkeiten bestehen, diese für das Wirtschaftswachstum der Stadt, der Region und des Landes nutzbar zu machen. Hauptanliegen dieser Arbeit ist die Darstellung und Wirkungsweise kreativen und kulturellen Kapitals als effektive, wirtschaftlich nutzbare Komponenten. Eine stärkere Beachtung und Inkorporierung kreativen Kapitals im wirtschaftlichen und politischen Umfeld eröffnet neue Perspektiven zur Etablierung innovativer und symbolisch wertvoller regionaler Raumstrukturen innerhalb nationaler und internationaler Märkte. Die Verwertung kreativen Potenzials auf regionaler Ebene führt zur Bildung neuer Kompetenzpools, welche einen Wirtschaftsraum stärker in Netzwerke einbinden
8
und diese durch ihre Individualität einzigartig und unentbehrlich werden lassen. Nischenverhalten hat sich nicht nur in der Biologie als äußerst erfolgreiche Überlebensstrategie bewährt, sondern sichert besonders kleineren
Marktwirtschaften mit begrenzten Ressourcen eine wettbewerbsfähige Position gegenüber großen Konkurrenten. Kreatives Kapital ist eine durchaus individuell geprägte Komponente, deren Förderung und Nutzung klare Nischenvorteile erzielen kann.
Sowohl die Integration von Migranten als auch die Erschließung kreativer Einflüsse sind häufig mit hohem wirtschaftlichen und politischen Aufwand verbunden, da diese Ressourcen sehr differenziert sind. Beiden Faktoren, Migration und Kreativwirtschaft liegt die Gemeinsamkeit zugrunde, dass sie vor allem für Europäische Metropolregionen eine große wirtschaftliche Bedeutung haben. Da ihre Wirkung und ihre Einflüsse noch relativ unerschlossen sind und demnach ihr Potenzial weder klar erkennbar noch ausreichend nutzbar ist, konzentriert sich die Arbeit darauf beide Komponenten genauer auf ihre Stärken und Schwächen zu untersuchen.
2. Methodik und Inhalt
Schwerpunkt in Teil II bildet die Vorstellung und Definition der einzelnen Komponenten. Mit Hilfe verschiedener theoretischer Ansätze werden diese näher beleuchtet. Zunächst wird anhand der Ideen des Wirtschafts- und Sozialgeographen Hans Heinrich Blotevogel das Modell der Europäischen Metropolregionen samt ihrer Funktionen erklärt. Im Anschluss daran erfolgt eine nähere Betrachtung der Kreativwirtschaft bzw. des kreativen Sektors. Damit einhergehend hat Richard Florida den Begriff der Creative Class geprägt. Soziokulturelle Besonderheiten skizziert er in der Darstellung der Wichtigkeit qualitativer raumstruktureller Merkmale, die für eine funktionierende kreative Wirtschaft entscheidend sind. Diversität und Vielfalt nehmen bei Florida einen entscheidenden Stellenwert bei der städtischen Entwicklung ein, weshalb es sich lohnt, zusätzlich die Themen Migration und Segregation genauer zu beleuchten.
Der empirische Teil III beschäftigt sich näher mit dem Thema Stockholm als Metropolregion und ihrer wirtschaftlichen Situation. Wichtig für die Nutzung kulturellen und kreativen Kapitals ist unter anderem die Grundlage einer stabilen ökonomischen Struktur. Das erste Kapitel (Teil III) befasst sich damit, neben einer Definition des Handlungsbereichs die schwedische Hauptstadt sozioökonomisch in das europäische Netz anderer Metropolregionen
9
einzuordnen. Anschließend werden die Faktoren Migration und Kreativwirtschaft gezielt auf Stärken und Schwächen untersucht.
In den folgenden Kapiteln werden die potenziellen Faktoren Migration und Kreativwirtschaft im Einzelnen auf bestimmte förderfähige Ansatzmöglichkeiten empirisch untersucht. Dazu wurden Daten aus dem SCB und dem RTK mittels MS Excel 2003 ausgewertet und in Form von Diagrammen dargestellt. Eine nähere Beschreibung der einzelnen Indikatoren findet sich im Anhang.
Kapitel 2 (Teil III) befasst sich mit dem in Schweden aufstrebenden Sektor der Kreativwirtschaft. Nach einer Darstellung des kreativen Kapitals in Stockholm soll versucht werden zu erklären, wo die kreativen Industrien angesiedelt sind, wie sie genutzt werden und letztlich welchen Einfluss diese auf internationaler Ebene haben. Im Anschluss daran wird beschrieben, wo und wie potenzielles kreatives Kapital gewonnen wird und welchen Stellenwert Diversität und kulturelle Vielfalt in der Stockholmer Kreativwirtschaft einnehmen.
Kapitel 3 (Teil III) beschreibt die Verteilung der Migranten innerhalb der Region anhand der Darstellung vergangener und gegenwärtiger politischer Einflüsse. Weiterhin wird die Auswertung statistischer Datensätze das
Wanderungsverhalten von Schweden und Nicht-Schweden skizzieren und Gründe für die derzeitige kommunale Verteilung anführen. Als Gegendarstellung dazu wird das Segregationsverhalten innerhalb der Region näher beleuchtet und die Probleme der aktuellen Integrationsfähigkeit aufgezeigt.
Kapitel 4 (Teil III) bildet eine Analyse zur Einbindung wirtschaftlicher und politischer Akteure in bereits vorhandene regionale Raumordnungsstrukturen. Da politisch die regionale Ebene in Schweden eher rudimentär gestaltet ist, diese allerdings für eine zukünftig betonte Regionalentwicklung grundlegend ist, werden die bestehenden politischen Strukturen vorgestellt und entsprechenden Optimierungsvorstellungen gegenübergestellt. Förderfähige Wachstumsanreize der europäischen Regionalentwicklung können neue aufeinander abgestimmte wirtschaftliche und politische Ansätze zur Erschließung und Positionierung neuer spezifischer Ressourcen sein, die ein Zugewinn für die Metropolregionen Schwedens bedeuten. Letztendlich ist nicht allein das Vorhandensein der jeweiligen Ressourcen wichtig für eine funktionierende regionale Entwicklung, sondern effektive und abgestimmte Herangehensweisen zu deren Erkennung und Verwertung.
10
Teil II - Theoretische Grundlage der Arbeit:
Kreativwirtschaft und Migration als funktionale Elemente
Europäischer Metropolen
1. Das Konzept der Europäischen Metropolregion (EMR)
Ungefähr 80% der europäischen Bevölkerung leben in Städten oder städtischen Ballungsräumen. Somit ist Europa der am stärksten urbanisierte Kontinent der Erde (vgl. Lukkarinen 2004, S.8). Die Bedeutung einer Stadt ist nicht ausschließlich von ihrer wirtschaftlichen Funktion abhängig, sondern ebenfalls davon, wie sie sich als zentraler Punkt positioniert. Ihr Wachstum und Wohlstand ist gebunden an den Einfluss, den die Stadt auf politische, wirtschaftliche, juristische, religiöse und kulturelle Institutionen ausübt. Mehr als eine zentrale Lage der Stadt ist ihre Position in der Hierarchie des vorhandenen räumlichen Systems (vgl. Weber in Hohenberg/ Lees 1995, S.23). Die Schaffung der Europäischen Union hat als Reaktion aus Globalisierung und freier Marktwirtschaft den Urbanisierungsprozess und eine Förderung regionaler Strukturen zusätzlich gestärkt. Regionale Entwicklung über die Grenzen des wirtschaftlichen Kerngebietes Mitteleuropas hinaus bildet heute das Fundament der Sozial- und Wirtschaftspolitik der EU. Schlüsselfaktoren sind die funktionalen Wirtschaftsräume, die Europäischen Metropolregionen. Die weitläufige, zumeist wirtschaftliche Symbiose verbindet innovative Unternehmensansammlungen und kreatives Humankapital. (vgl. Krätke 2007, S.115) Da sich dieses Raumstrukturmodell durch gehäufte Ansiedlungen von kreativen
Unternehmensclustern und dienstleistungs- und serviceorientierten Einrichtungen auszeichnet, werden im Folgenden Theorien vorgestellt, die sich damit befassen, wie Metropolregionen charakterisiert sind und warum sie auf Kreative und Migranten als Lebensraum anziehend wirken.
1.1 Was sind Metropolregionen?
Der Begriff Metropolregion entspringt dem Terminus der „Megalopolis“. Dabei handelt es sich um „ein zusammengewachsenes Gebiet mit großer Einwohnerzahl, einzelnen Metropolen und dazwischen liegenden Großstädten.“ (vgl. Merz 2006, S.6). So gesehen beschreibt eine Metropolregion eine „in der Region verteilte Großstadt“ als
„Stadtlandschaft, die wenig oder nichts mehr mit den stadtgeographischen und
Der entscheidende Gedanke einer Metropolregion ist demnach die Verschmelzung der Stadt mit deren unmittelbarem Umland zu einer Region als Folge einer zunehmenden Überwindung zwischen vorherrschendem Gegensatz zwischen Stadt und Land bzw. Zentrum und Peripherie (vgl. Merz 2006, S.6). Auf europäischer Ebene gibt es keine einheitliche Definition des Begriffes. Stattdessen werden Metropolregionen oft mit „Großstadtregionen“ bzw. „Ballungsgebieten“ gleichgesetzt (vgl. Regionomica Berlin 2007, S.5). Synonym werden ebenfalls die Begriffe der „Metropolitan areas“ oder der „Functional urban areas“ (FUR) verwendet, selbst wenn diese durchaus abweichende Eigenschaften aufweisen können.
1.2 Merkmale und Funktionen einer Metropolregion
Im Hinblick auf die europäische Integration und zur Unterstützung der Lissaboner Ziele nimmt die Zusammenarbeit wirtschaftlicher Zentren stetig zu. Jedoch ist es bisher noch schwer, die Kompetenzen einzelner Wirtschaftszentren zu vergleichen, um ihr Wachstumspotenzial besser nutzen zu können. Dennoch lassen sich eindeutige Merkmale und Funktionen definieren, an denen der Charakter einer Metropolregion festgelegt werden kann. Diese Raumstrukturen lassen sich zunächst sowohl nach räumlichen als auch nach funktionalen Merkmalen unterscheiden. Räumlich gesehen besteht eine Metropolregion aus einer oder mehreren beieinander liegenden Städten und deren Umlandsgebieten. Aus funktionaler Sicht sind Metropolregionen Standorte bzw. Clusteranordnungen mit Einrichtungen, welche großräumig wirkungsvolle Steuerungs-, Innovations- und Dienstleistungsaufgaben übernehmen. Somit fungieren sie als Wachstumsmotoren der Regional- und Landesentwicklung (vgl. Krätke 2007, S.3). Die im Folgenden vorgestellten Funktionsbereiche der Metropolregionen beruhen auf den Schriften von Hans Heinrich Blotevogel. Die Funktionen sind in ihrer Wirkungsweise nicht unabhängig voneinander zu betrachten, sondern bedingen und verstärken einander.
1.2.1 Die Entscheidungs- und Kontrollfunktion
Zunächst sind Metropolregionen wichtige Zentren für entscheidungstragende 1 Institutionen und Organisationen. Sie zählen weiterhin, wie „Global Cities“ , zu
den politischen und ökonomischen Entscheidungszentren, in denen globale Finanz- und Informationsströme kontrolliert werden. Die Konzentration wichtiger
1 Der Begriff wurde von Saskia Sassen geprägt. In ihrem Buch „The Global City“ übernehmen die
Städte eine ausgeprägte Steuerungs- und Kontrollfunktion. Hinzu kommt, dass Global Cities über
eine hohe Ansiedlung postindustrieller Produktionen im Finanz- und Dienstleistungssektor
verfügen. Diese Charakteristik macht sie zu führenden Handelszentren auf nationaler und
internationaler Ebene. (vgl. Adam/ Göddecke-Stellmann/ Heidbrink, 2005, S.419).
12
national und international agierender Mehrbetriebsunternehmen sowie spezialisierter Dienstleistungsbranchen ist ein wesentliches Merkmal Europäischer Metropolregionen. Der Einfluss dieser meist global operierenden Unternehmen wirkt über regionale und nationale Grenzen hinaus und bindet eine Metropolregion in überregionale und internationale ökonomische Netzwerke ein. Die Wahl des Standortes für die entsprechenden Unternehmen steht nicht selten in Abhängigkeit vom Vorhandensein eines qualitativ hochwertigen Netzwerkes von unternehmensorientierten Dienstleistern. Andererseits ist die Möglichkeit des Einflusses auf Unternehmen ein attraktiver Faktor, Dienstleistungsanbieter in bestimmte Regionen zu ziehen. Zudem finden sich häufig neben starken wirtschaftlichen Aktivitäten auch Niederlassungen zahlreicher
regierungsrelevanter und hoher administrativer Instanzen sowie supranationaler Organisationen von großer Bedeutung. Entscheidend für dieses Kriterium ist, dass sich die Region nicht nur durch ihre Aktivitäten auf regionaler oder nationaler Ebene auszeichnet, sondern vor allem auch auf internationaler Ebene agiert. Damit bekleiden Metropolregionen eine wichtige Entscheidungs- und Kontrollfunktion innerhalb ihres Landes, aber auch gegenüber ihren Partnern.
1.2.2 Die Innovations- und Wettbewerbsfunktion
Metropolregionen bieten einen großen Pool neuer Kombinationen von Produktionsmerkmalen bzw. Wissen und verstehen sich damit als Knotenpunkte der Netzwerkökonomie und der Wissensökonomie. Die Wettbewerbsfähigkeit einer Metropolregion ist von ihrem Integrationsgrad in die Weltwirtschaft und von ihrer Innovationsfähigkeit abhängig.
Anhand der Leistungsfähigkeit zur Erzeugung und Verbreitung von Produkten sowie Wissen, Werten und Einstellungen lässt sich ein weiteres Merkmal erfolgreicher Metropolregionen definieren. Die Innovations-und
Wettbewerbsfunktion einer Region zeichnet sich einerseits durch wirtschaftliche und technische Innovationen aus. Dies wird durch die Ansiedlung wissensintensiver Dienstleister, Hochschulen, Forschungsinstitute, Einrichtungen des Wissens- und Technologietransfers, aber auch durch Unternehmen mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ermöglicht. Andererseits tragen auch soziale und kulturelle Innovationen und Einrichtungen, Orte sozialer Kommunikation, neue Lebensformen sowie die Entwicklung eines metropolitanen Habitus zur Sicherung einer herausragenden Rolle einer Metropolregion gegenüber anderen Regionen bei (vgl. Blotevogel 2007, S.9). Das Vorhandensein eines kreativen Milieus ist ebenfalls von entscheidender Wichtigkeit. Vor allem der kreative Sektor zeichnet sich durch kulturelle und soziale Innovationen aus.
13
1.2.3 Die Gateway-Funktion
Ein weiteres entscheidendes Kriterium für die Charakteristik einer Metropolregion ist ihre Erreichbarkeit. Daher ist die Entwicklung einer ausgeprägten Gateway-Funktion von großer Bedeutung. Eine Region erfüllt die Funktion eines Gateways, wenn sie gut erschließbar ist und international in Netzwerken von Gütern, Wissen und Informationen agiert. Dazu zählt vor allem die Zugänglichkeit zu Menschen, Wissen und natürlich Märkten. Eine gut ausgebaute Infrastruktur und die Etablierung der Region als Fernverkehrsknotenpunkt in Form von Flughäfen, guten Zugverbindungen oder öffentlichem Nahverkehr ermöglichen sowohl Menschen als auch Gütern einen effektiven und auch effizienten Zugang zur Region. Kurze Strecken und logistisch einfache Transportwege sind vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht im Standortwettbewerb ein Vorteil. Ebenso wichtig ist eine knotenartige Verdichtung von Kommunikationsmaßnahmen, um das Erschließen von Wissen zu gewährleisten. Dies wird durch Einrichtungen wie Bibliotheken und Medien möglich. Hinzu kommen stetig wechselnde Wissensangebote durch Veranstaltungen und Kongresse. Die Zugänglichkeit wird durch die Umsetzung von Messen und Ausstellungen gefördert, welche ein gutes Forum für den direkten Austausch von Wissen und Innovation bieten (vgl. Blotevogel 2007, S.9).
1.2.4 Die Symbolfunktion
Letztlich aber sind nicht nur wirtschaftliche Faktoren für die erfolgreiche Etablierung einer Metropolregion notwendig. Neben ökonomischen Kriterien zählt auch die Qualität der gegebenen Lebensbedingungen. Eine gute Lage und Stadtgestaltung sind ebenso wichtig wie das Image, das sie sowohl national als auch international verkörpert. Markante visuelle Symbole wie beispielsweise unverwechselbare Gebäude und Ensemble, bedeutende kulturelle Einrichtungen in Verbindung mit wichtigen wirtschaftlichen Produkten, politischen Strategien und Lebensstilen prägen das Bild und den Charakter einer Region. Die Symbolfunktion lässt sich demnach anhand ihres Angebotes an Kultur, Medien, Events, Architektur u.ä. messen. Menschen, welche dort leben und arbeiten, müssen sich wohl fühlen und die Möglichkeit haben, sich mit der Region identifizieren zu können. Schließlich sollen die Potenziale vor Ort gehalten und nicht durch Abwanderung geschwächt werden. Es sollte deshalb im Interesse jeder Metropolregion liegen, einen Lebensraum für unterschiedliche Personengruppen am gleichen Ort zu schaffen, um so die Grundlagen für ein innovatives Umfeld zu gewährleisten (vgl. Merz 2006, S.22).
14
2. Kreativwirtschaft
Eine eindeutige bzw. universelle Begriffsklärung für die Kreativwirtschaft gibt es nicht. Vielmehr variieren Definitionen vor allem nach den darin einbezogenen Sektoren und Branchen. Weiterhin ist die Begriffklärung vom jeweiligen Blickwinkel abhängig (vgl. Mayerhofer/ Mokre 2007, S.4). Während einige Definitionen von einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise ausgehen, bauen andere auf einer kulturell- und kreativgeprägten Grundlage auf. Es kann gesagt werden, dass jede wirtschaftliche Handlung zu einem Teil auch auf kulturelle Eigenheiten zurückzuführen ist. Andererseits sind kulturelle Handlungen nicht immer auch wirtschaftlich erfassbar.
Im Folgenden soll versucht werden, eine Abgrenzung zwischen den Begriffen kultureller und kreativer Industrien zu finden. Dabei wird der schwedische Begriff Kreativa näringar bzw. Kulturella näringar hauptsächlich von der Definition der Creative Industries bzw. Cultural Industries abgeleitet. Daher bietet es sich an, die aus dem Englischen stammende Terminierung der Creative Industries näher zu betrachten. Tatsächlich gibt es zahlreiche Beschreibungen, die sich nur geringfügig voneinander unterscheiden.
Die jeweiligen Definitionsunterschiede beziehen sich vor allem auf den Einfluss der Wirtschaft zur Kreativität. Im folgenden Abschnitt sollen einige der Hauptströmungen vorgestellt werden.
2.1 Begriffsklärung Creative Industries und Cultural Industries
Der kreative Sektor gehört zu den Branchen, die wirtschaftlich vollkommen wettbewerbsfrei agieren können. Dies stellt besondere Ansprüche an die öffentliche Ordnung. Aus dem englischen Creative Industries übernommen, bilden sie den Oberbegriff für Güter und Dienstleistungen, die mit kulturellem, künstlerischem oder unterhaltendem Wert in Verbindung stehen. Dem gegenüber beschreiben Cultural Industries Produkte und Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit sozialer Symbolik innerhalb einer Gesellschaft erschaffen werden (vgl. Hesmondhalgh 2002, S.12). Das britische Department for Culture, Media and Sport (DCMS) verwendet kulturelle und kreative Industrien synonym zur Vermeidung einer gegensätzlichen Darstellung des Begriffes „Kultur“ zur „Wirtschaft“ (vgl. RTK 2004, S.21). Dennoch liegt der Fokus der kreativen Industrien auf deren wirtschaftlichen Nutzbarmachung. Hierbei ist es weniger entscheidend, ob eine Branche kulturell oder kreativ ist, sondern viel mehr wie stark die wirtschaftliche Dominanz dem entsprechenden Sektor innewohnt. Kritiker einer wirtschaftlichen Prägung des Begriffes sehen ein Risiko vor allem für die nicht-kommerzialisierte Kultur (vgl. RTK 2004, S.22).
15
Dabei stellt vor allem die Organisationsstruktur wirtschaftlich eine nahezu unübersichtliche Herausforderung dar. Problematisch erweisen sich die weitläufigen und wertbehafteten sozialen Netzwerke, die in diesem Industriezweig stärker ausgeprägt sind als in vielen anderen wirtschaftlichen Sektoren (vgl. Caves 2000, S.1). Als Alternative zum Begriff der Creative Industries finden sich im europäischen Raum häufig die Bezeichnungen „Leisure Industry“, „Entertainment Industry“, „Experience Industry“, „Creative Economy“ oder aber „Cultural Industry“. An dieser Stelle auf die individuellen, zum Teil sehr geringen Unterschiede zwischen den einzelnen Begriffen einzugehen, würde den Rahmen der Arbeit übersteigen und wird daher nicht weiter verfolgt. Obwohl vereinzelt Diskussionen über individuelle Definitionen der einzelnen Begriffe existieren, werden Cultural Industries und Creative Industries weitestgehend synonym verwendet (vgl. Hesmondhalgh 2002, S.15).
Die ARGE Kulturwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen hat für ihre Kultur-und Kreativwirtschaft die folgende Abgrenzung definiert:
2 Abbildung 1: Abgrenzung zwischen Kultur und Kreativwirtschaft
Wie Abbildung 1 zeigt, verfügen beide Bereiche über vielfältige Schnittmengen. Jedoch existieren durchaus Bereiche, in denen sie sich voneinander unterscheiden. Cultural Industries oder Kulturwirtschaft betont eine starke
2 Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen: „5.
Kulturwirtschaftsbericht - Kurzfassung (Kultur- und Kreativwirtschaft; Wettbewerb-Märkte-Innovationen), Düsseldorf, 2008.
16
Abhängigkeit zwischen der Produktion und dem Konsum. Damit einhergehend ist sie ebenfalls an gesellschaftlich-kulturellen Werten ausgerichtet. Im Konzept der Kreativwirtschaft, sprich der Creative Industries, bildet die Kreativität die Grundlage für die entsprechenden Produkte und Dienstleistungen. Im Unterschied zur Kulturwirtschaft ist die Kreativwirtschaft nicht ausschließlich kulturbezogen (vgl. Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen 2008, S.8). Einig sind sich alle Beschreibungen darin, dass es sich sowohl bei Kreativwirtschaft als auch bei Kulturwirtschaft um Produkte bzw. Dienstleistungen handelt, welche designintensiv gestaltet sind. Damit unterliegen die kreativen Industrien wie keine andere Branche einem recht hohen wirtschaftlichen Risiko im Hinblick auf ihre Massenkompatibilität (vgl. RTK 2004, S.21ff.).
2.2 Kreativwirtschaft in Schweden
Der schwedische Begriff für Kreativwirtschaft Kreativa näringar findet seinen Ursprung in einer Definition vom britischen Department for Culture, Media and Sport (DCMS):
„The creative industries are those industries that are based on individual creativity,
Dementsprechend sind Kreativa näringar wie die Creative Industries hoch wissensbasiert. Sie zeichnen sich vor allem durch Kreativität, Individualität sowie Talent aus. Weiterhin besitzen diese Branchen genügend Potenzial, um Beschäftigung, Wohlstand und Wissen zu akkumulieren. Das in der englischen Definition beschriebene „intellectual property“ könnte man im Deutschen mit geistigem Eigentum übersetzen. Darin enthalten sind materielles Eigentum, die eigene Kreativität und die eigenen Ideen bzw. Innovationen. Das geistige Eigentum des jeweiligen Besitzers wird geschützt durch Patent, Markenzeichen, Design sowie Copyright/ Urheberangelegenheiten/ Vervielfältigung. Das DCMS zählt folgende Branchen zu den Creative Industries: Werbung, Architektur, Kunst und Handwerk, Computer und Videospiele, Design, Mode, Film und Video, Musik, Darstellende Künste, Verlags- und Buchwesen, Software, Fernsehen und Radio (vgl. Abbildung 2).
17
Abbildung 2: Teilbranchen der Kreativwirtschaft nach DCMS, KK-Stiftung und
3 VINNOVA
Die schwedische Kreativwirtschaft ist durch einen weiteren Begriff geprägt: Die Upplevelseindustri (Erlebnisindustrie) bezieht neben den vom DCMS definierten 4 Teilsektoren zusätzlich die Bereiche Gastronomie und Tourismus ein. Das
„Verket för Innovationssytem“ (VINNOVA) integriert in den staatlichen Zuwendungsbereich der Kreativa näringar zusätzlich die Bereiche Sport und (Glücks-)Spiel (vgl. Abbildung 2).
Weiterhin beschreibt Kreativa näringar eine Wachstumsumgebung mit grenzüberschreitendem Charakter, der sich vor allem um die Bereiche Tourismus, Kultur, Information und Medien bewegt. Kreativa näringar bilden den kommerziellen Teil der Kultur.
Eine Unterteilung in einzelne Sektoren ist äußerst schwierig, da die Waren und Dienstleistungen oft von mehreren verschiedenen Unternehmen bzw. Organisationen produziert und vermarktet werden (vgl. RTK 2004, S.25).
3 Quelle: Eigene Darstellung. Übernommen aus: RTK: „Kreativa näringar i Stockholmsregionen“,
Stockholm, 2004, S. 24.
4 Definiert durch die „Stiftelsen för Kunskap- and Kompetensutveckling” (the Knowledge
Foundation).
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Aufgrund der verschiedenen Formen von Beschäftigungs-und
Herstellungsmöglichkeiten ist auch die Messung der Größe der Gesamtkreativwirtschaft problematisch und nicht eindeutig bestimmbar. Die enge Verflechtung der einzelnen Teilsektoren mit anderen Akteuren wie Bildungs- und Forschungseinrichtungen mündet vor allem im kreativen Sektor in der Entstehung von wirtschaftlichen Clustern. Hinzu kommt, dass die örtliche Nähe innerhalb der Cluster eine kreative Atmosphäre hervorruft, die eine Zusammenarbeit zwischen den Akteuren fördert und die Zuwanderung qualifizierten Humankapitals erleichtern.
2.3 Kreative und Kreatives Milieu
Kreativität als Wirtschaftsfaktor und die Anerkennung von Kultur als Beschäftigung lassen die Grenzen zwischen Hochkultur und Popkultur sowie zwischen Kunst und Ökonomie seit Etablierung der Creative Industries zunehmend verblassen (vgl. Mayerhofer/ Mokre 2007, S.2).
Die Bildung eines Creative Milieu oder Creative Centers ist am besten im städtischen Raum auf der Grundlage einer heterogenen Mischung von Vertretern verschiedener Berufsgruppen möglich, die innerhalb eines Netzwerkes Ideen austauschen und diese marktfähig machen (vgl. Mayerhofer/ Mokre 2007, S.5).
„Such a milieu is a phsical setting where a critical mass of entrepreneurs,
Creative Milieus locken durch eine ausgeprägte Offenheit und Toleranz mehr Kreative an. Weiterhin wirken sie ebenfalls als attraktiver Standortfaktor auf die Ansiedlung neuer Unternehmen. Dieser Ansatz bildet die Grundlage für Richard Floridas Charakterisierung der Creative Class.
Der US-amerikanische Wissenschaftler beschreibt in seinen Theorien, dass die Kreativität einer Gesellschaft und das darin enthaltene Innovationspotenzial entscheidend für das wirtschaftliche Wachstum von Regionen sind. Jedoch bedarf die Nutzung der Potenziale einer fruchtbaren Umgebung, in der Kreativität zur Entfaltung kommen kann (vgl. Florida 2002, S.56). Eine erfolgreiche Wachstumsstrategie nach Florida zielt darauf ab, verstärkt kreative und qualifizierte Menschen anzuziehen. Weiterhin betont er, dass Kreative in einer ethnisch-kulturellen Vielfalt leben wollen, da sie daraus ihre Inspiration schöpfen (vgl. Florida 2002, S.226f). Für viele Unternehmen sind nicht mehr ausschließlich die harten Standortfaktoren entscheidend. Zunehmend zieht es Firmen in Regionen, in denen sie auf ein großes Reservoir an hoch
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Arbeit zitieren:
Cindy Schemmel, 2009, Kreativwirtschaft und Migration als Enwicklungsfaktoren von Metropolregionen, München, GRIN Verlag GmbH
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