Einleitung
„Google verdreifacht seinen Gewinn“, „Nach massiver Zensur zieht sich Google aus China zurück“, „Verbraucherschutzministerin rät Bürgern zu Widerspruch gegen Google Street View“. Dies waren Schlagzeilen der letzten Monate und zeigen ein Medienunternehmen im Spannungsfeld von Ökonomie, Politik und Publizistik.
Beispiele wie dieses gibt es viele, nicht nur in neuen Medien wie dem Internet, sondern auch in Rundfunk und Presse: Der Qualitätsjournalismus kämpft gegen die Gratiskultur im Internet, Redaktionen werden aus Kostengründen zusammengelegt und gefährden die Meinungsvielfalt. Medien haben Macht, sie können Menschen beeinflussen, doch genauso abhängig sind sie auch von ihren Publikum, denn nur wenn die Quoten, Verkaufszahlen und Unique User stimmen, sind die Werbeeinnahmen gesichert. Es stellt sich die Frage nach der Abhängigkeit der Medien zur Ökonomie, Publizität und Politik. Was sind die Ziele dieser drei Disziplinen? Inwiefern beeinflussen sie die Medienbetriebe?
Diese Arbeit versucht die Relation der drei Bereiche in Bezug auf Medien zu beschreiben. In drei Kapiteln werden die drei Systeme Publizistik, Ökonomie und Politik dargestellt. Anhand eines Definitionsversuchs sollen die verschiedenen Ziele und Ansprüche deutlich gemacht werden. Mit Hilfe einzelner Modelle werden Probleme und Diskrepanzen dargestellt. Viele aktuelle Beispiele hinterlegen die Vermutungen und Zusammenhänge.
Im abschließenden Fazit wird das Spannungsfeld anhand einer Abbildung noch einmal zusammengefasst und kommentiert.
Auf Grund der Thementiefe erhebt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern will lediglich einen kurzen Überblick geben.
2
1 Publizistik
Die Publizistik bezeichnet das Veröffentlichungswesen eines Mediums. Unter Publikationen sind Inhalte, welche für die Öffentlichkeit bestimmt sind, zu verstehen. Die Ansprüche der Publizisten liegen vor allem in der Aufklärung, der Meinungsbildung und der journalistischen Qualität der Veröffentlichungen, welche zum Allgemeinwohl ausgelegt sind. Kategorien wie zum Beispiel Ausgewogenheit, Vielfalt, Aktualität oder Relevanz bilden den Maßstab (vgl. Wyss 2006, S. 263 ff). Die Währung der Publizistik ist die Aufmerksamkeit der Rezipienten. Jede Publikation strebt das Interesse seines Publikums an um Reputation, Reichweite und Meinungsmacht zu erhalten. Aus diesen Zielen leiten sich somit die Verhaltensanweisungen des publizistischen Systems ab.
1.1 Publizistik im Spannungsfeld der Medien
Auf die Medienbranche bezogen, bedeutet die Meinungsvielfalt, dass eine Vielzahl von Inhalten, Themen, Meinungen und Interessen in den Massenmedien nachgefragt wird. Nischen- und Spezialthemengebiete finden ihre Nachfrager, was besonders deutlich auf dem Zeitschriftenmarkt zu beobachten ist.
Im Zuge der Wirtschaftlichkeit stellt sich jedoch die Frage, wie die publizistische Vielfalt gesichert werden kann. Es eröffnet sich das Spannungsfeld zwischen der Publizistik und der Politik. Nur durch Regulierungen, Förderung und Einschränkungen lässt sich die Meinungsfreiheit und -vielfalt langfristig gewähren. Ein Handeln nach rein ökonomischen Regeln durch freie Marktwirtschaft und Gewinnerzielungsabsicht führt zur Konzentration und Anpassung der Inhalte (vgl. Kiefer 2005, S. 21ff). Die Anpassungshypothese besagt, dass Medienunternehmen auf Absatz angewiesene Wirtschaftsunternehmen sind, sodass sie sich extrem den vermeintlichen Interessen ihrer Rezipienten anpassen (vgl. Rau 2007a, S. 209). Als Folge hat die Politik Gesetze erlassen, Kontrollinstitutionen eingerichtet und den Medienmarkt in ein privates und ein öffentlich-rechtliches System eingeteilt. Zu diesen Normen gehört vor allem Artikel 5 des Grundgesetzes, der als Leitrichtlinie gilt: (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Beschränkung auf vorherrschende Meinungen und Unterdrückung von Minderheitenmeinungen soll strengstens vermieden werden. Weder private
Interessengruppen noch der Staat sollen in die Meinungsbildung eingreifen. Informationen sollen wahrheitsgemäß und umfassend sein. (vgl. Kiefer 2005, S. 71)
3
Die Regulierungen sind besonders stark im Rundfunk. Hier sind Werbungsanteil und Programmvorgaben (z.B. Nachrichtenanteil) festgelegt. Bei Zeitungen und Zeitschriften ist dies nicht der Fall.
Die große Frage, welche sich die Publizität stellen muss, ist jedoch die Frage nach der Qualität der Inhalte und was an Inhalten erlaubt bzw. erwünscht ist, sowie welche Inhalte trotz Meinungs- und Pressefreiheit gegen die Gesetze verstoßen. Sanktionen können bei letzterem extern aus der Politik (z.B. Lizenzentzug durch die Landesmedienanstalt) oder durch die Gesellschaft selbst bzw. durch andere Medien (z.B. öffentliche Kritik) erfolgen. Diese relativ schwachen Konsequenzen sind wichtig, da starke Sanktionen gegen die Pressefreiheit und für die Zensur wirken würden (vgl. Kiefer 2005, S. 21). Im Gegensatz dazu hat die Ökonomie ein sehr starkes Sanktionssystem, nämlich den freien Wettbewerb. Wer nicht nach dem ökonomischen Prinzip handelt, verliert seine wirtschaftliche Existenz und muss aufgeben.
2 Ökonomie
Ökonomie ist die Lehre von der Knappheit. Diese Knappheit ist die Diskrepanz zwischen Wünschen, Zielen, Bedürfnissen und Begehren einzelner Wirtschaftsobjekte und der vorhandenen Menge an Gütern, die diese erfüllen. Die Situation der begrenzten Mengen erfordert somit ein Wirtschaften, das bedeutet eine möglichst effiziente Verteilung der vorhandenen Ressourcen um die kostengünstigste Produktion zu erreichen. Die Ausrichtung der Ökonomie ist streng eigennützig. Produzenten verfolgen die Gewinnmaximierung, Rezipienten das persönliche Nutzenoptimum. Um den Gewinn zu maximieren müssen Kosten eingespart (produktive Effizienz) oder die Nachfrage an die Bedürfnisse angepasst werden (allokative Effizienz).
2.1 Ökonomie im Spannungsfeld der Medien
Auf die Medienbranche angewandt, bedeutet das Streben nach Gewinn, dass durch Verbesserung der verschiedenen Variablen wie Material, Marketing, Vertrieb und, gültig für alle Massenmedien, die Inhalte, höhere Erlöse generiert werden können. Ein Modell für die Relation von Ökonomie und Publizistik für die Folgen der Qualitätsverbesserung ist die Anzeigen-Auflagen-Spirale im Zeitungs-und
Zeitschriftenmarkt, welche analog zum Rundfunkmarkt auch Reichweiten-Webeblock-Spirale oder im Internet Banner-Visit-Spirale genannt wird: Der Markt der Publizistik ist der Lesermarkt, das Ziel ist die Aufmerksamkeit, welche mit der besten inhaltlichen Qualität erreicht wird. Gute Inhalte führen zur Verstärkung der Auflagen und somit zu Lernkurveneffekte und Fixkostendegression. Der Übergang zur Ökonomie mit dem relevanten Werbemarkt erfolgt fließend: Kosteneinsparungen und höheren Auflagen wirken
4
Arbeit zitieren:
2010, Medienökonomie im Spannungsfeld der Ökonomie, Publizistik & Politik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Politik und wirtschaftlicher Wettbewerb in der Globalisierung
Kritik der Paradigmendiskussio...
Hendrik Hansen
Grundlagen der Politischen Ökonomie II. Ökonomische Theorie der Politi...
Peter Bernholz, Friedrich Breyer
Über die Grundsätze der politischen Ökonomie und der Besteuerung
David Ricardo, Heinz D. Kurz, Christian Gehrke
Demokratie und wirtschaftliche...
Herbert Obinger, Uwe Wagschal, Bernhard Kittel
Die politische Ökonomie des EU-Entscheidungsprozesses
Modelle und Anwendungen
Torsten Selck, Tim Veen
Ausbildungsfähigkeit im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Politik u...
Elisabeth Schlemmer, Herbert Gerstberger
0 Kommentare