Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung. 3
1 Übersetzungstheoretischer Konzept. 5
1.1 Aspekte der modernen Übersetzungswissenschaft 5
1.2 Übersetzung als interkulturelle Kommunikation. 6
2 Zum Verständnis des Komischen 9
2.1 Komik als Rezeptionsphänomen. 9
2.2 „Mechanisches als Kruste über Lebendigem“ 10
3 Sprachkomik bei Kindern 12
3.1 Der in den Worten liegende Widerspruch. 12
3.2 Versteckte Komik. 13
4 Fazit 15
Literaturverzeichnis. 17
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0 Einleitung
Antony G. Oettinger bemerkt in seinem Buch Automatic Language Translation: „Wie schwierig auch immer das Übersetzen sein mag - ebenso schwierig ist es, die Qualität von Übersetzungen zu beurteilen. Bis heute ist da jeder auf sich selbst gestellt“ (zit. nach Störig, S. 449). Es gibt jedoch heute zweifellos objektive Kriterien für eine sachgerechte Übersetzungskritik, doch sind sie bisher in unzureichendem Maße erkannt, systematisch begründet und dargestellt worden. Bisher verhält es sich weitgehend so, dass subjektive und objektive Beurteilungsmaßstäbe bei Übersetzungskritikern in bunter Folge einander ablösen.
Eine der Ursachen für die bisherigen Unzulänglichkeiten auf dem Gebiet der Übersetzungskritik mag darin zu suchen sein, dass die Vorstellungen davon, was eine Übersetzung überhaupt leisten kann und muss, noch stark auseinander gehen. Eine für alle Texte anwendbare Theorie der Übersetzung fehlt bis heute, obwohl sich in den Veröffentlichungen der letzen Jahre zu diesem Thema bereits interessante Ansätze finden. Besonders verdienen m.E. in diesem Zusammenhang erwähnt zu werden: Otto Kade, Eugene A. Nida, Rolf Kloepfer etc. Allerdings berücksichtigt Kade bei seinen Ausführungen ausdrücklich nur „pragmatische“ Texte, Nida stellt das Problem der Bibelübersetzung dar, Kloepfer befasst sich ausschließlich mit sog. „literarischen“ Texten (Vgl. Stolze 2001).
Trotz der zahlreichen übersetzungswissenschaftlichen Aufsätze, die sich zu kulturwissenschaftlichen Ansätzen in der Übersetzungswissenschaft bekennen, wurde bislang kein systematischer Versuch unternommen, die Kultur bzw. das kulturelle Wissen zur Sprache und zum Übersetzen in Beziehung zu setzen. Denn die bekannte Problematik der sog. Realia bzw. der nulläquivalenten Lexik greift zu kurz, um das komplexe Beziehungsgeflecht Sprache-Kultur-Übersetzen auf eine systematische Weise analysieren und aufzeigen zu können (Vgl. Reiß 1971, Wolf 1997, Witte 2000, Latyschew 2005).
Vor diesem Hintergrund soll im Folgenden ein Versuch unternommen werden, das Übersetzen an der Schnittstelle mit Sprache und Kultur zu skizzieren und zu zeigen, dass der Übersetzer 1 seiner Rolle nur erfolgreich nachkommen kann, d.h. u.a. eine qualitative Übersetzung leisten kann, wenn er das Ineinandergreifen des sprachlichen und kulturellen Wissens im Übersetzungsprozess bewältigt und das Sprachliche bis in die mikrostrukturellen Details der Zielsprache (ZS) und der
1 Der Gebrauch der maskulinen Form ist geschlechtsneutral gemeint.
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Ausgangsprache (AS) so beherrscht, dass er das kulturell Relevante in einem Text erkennt und weiß, wie er dies in dem Zieltext (ZT) sprachlich auszudrücken hat. Es ist auch zu bemerken, dass die vorliegende Arbeit sich auf Wortspiele in Kinderwitzen beschränkt, weil diese m.E. in besonderer Weise Probleme bei der Übersetzung erweisen können. An drei Beispielen soll gezeigt werden, wie sehr das Komische vom Wechselspiel der sprachlichen Komponenten und des außersprachlichen Wissens abhängig ist.
Hierbei geht es vor allem darum einzuschätzen, ob der komische Gehalt der Witze auch in der Übersetzung erhalten bleibt. Folgenden Fragen wird nachgegangen: Warum bleibt der komische Gehalt erhalten bzw. warum nicht? Inwieweit wirft die Sprachkomik zusätzliche Übersetzungsprobleme auf und welche Lösungsstrategien werden hier angewandt?
Um einen theoretischen Rahmen und somit ein Begriffsinventar für diese Untersuchung zu erhalten, werden zunächst verschiedene theoretische Aspekte der modernen Übersetzungswissenschaft auf ihre Anwendbarkeit für das untersuchte Thema überprüft. Danach wird auf den Begriff des Komischen eingegangen. Dadurch, dass die Geschichte der Komiktheorien bereits in mehreren Monographien ausführlich behandelt wird (Vgl. Horn 1988, Bachmaier 2005, Preisendanz 1976 usw.), wird hier deswegen nicht angestrebt, eine vollständige Forschungsgeschichte des Komischen zu geben, weil es die Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Vielmehr wird auf das Problem des Verstehens und der Übertragung kulturspezifischer Besonderheiten der Komik ein besonderer Akzent gelegt.
Dem schließt sich eine Skizze der für unser Ziel relevanten Überlegungen zum Phänomen des Komischen Bergsons an, sodann eine Eingrenzung des Untersuchungsfeldes erfolgt. Dabei wird vor allem der Sprachkomik ein breiter Raum eingeräumt.
Auf der Grundlage der Beobachtungen werden abschließend ausgewählte Kinderwitze zur Illustration herangezogen und einer kurzen Analyse unterzogen.
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1 Übersetzungstheoretischer Konzept
1.1 Aspekte der modernen Übersetzungswissenschaft
Lange Zeit blieb das Kriterium der Originaltreue oberstes Gebot für den Übersetzer. Um das 16./17. Jh. fand bereits eine Differenzierung zwischen wörtlicher (treuer) und sinngemäßer (freier) Übertragung statt, was zu einem ausgedehnten Meinungsstreit unter den Anhängern beider Richtungen führte. D. h. Übersetzung kann einerseits bedeuten, dass der kultur- und epochenspezifische Charakter des Originals seinen Niederschlag in dem übersetzten Text findet, oder andererseits, dass die Inhalte der Vorlage in entsprechende Inhalte der Entstehungszeit der Übersetzung transformiert werden, sowie auch epochen- und stilspezifische sprachliche Mittel erhalten oder durch neue ersetzt werden können. Heute unterscheidet man allgemein in der Übersetzungswissenschaft zwischen Übersetzung und Übertragung, wobei das letztere die Bezeichnung für eine rein technische Tätigkeit ist, die sich auf alle nichtliterarischen Texte bezieht. 2 Übersetzung hingegen wird als eine komplexe Tätigkeit verstanden, die das Schaffen von Entsprechungen, Kommentaren und Erläuterungen mit einschließt (Latyschew, S. 24). Unter Übersetzung wird also im Folgenden Übersetzung als Kunst verstanden. Eine „totale“ Übersetzung, eine Transportierung aller sprachlichen und außersprachlichen Inhalte in eine andere Sprache ist demnach nicht möglich (Vgl. Vermeer 1986, Arrojo 1997, Kußmaul 2002).
Durch die Zugehörigkeit der Übersetzung zur Kunst, durch ihre Loslösung vom Original und ihre somit erlangte Selbstständigkeit, stellt sich dem Übersetzer wie auch dem Theoretiker gleichermaßen die Frage, welche Inhalte bei der Übersetzung erhalten werden sollen.
Diese Feststellung von Güttinger ist die logische Konsequenz aus dem oben Gesagten. Da Übersetzung selbst zu Kunst wird, kann sie sich nicht damit begnügen, bloße Kopie des Originals zu sein. Durch die Veränderung dreier wesentlicher Faktoren, nämlich des Textproduzenten, des Textrezipienten und des Textes selbst, wird der übersetzte Text gegenüber seiner Vorlage sowohl in sprachlich-stilistischer, inhaltlicher
2 Im Russischen перевод - „wörtliche Übersetzung“ und передача - „sinngemäße Übersetzung“.
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Arbeit zitieren:
Palina Alekhno, 2008, Kinderwitze als Übersetzungsproblem, München, GRIN Verlag GmbH
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