Referat
Die Bachelorarbeit behandelt die Thematik des Einflusses von Sport auf interkulturelle Beziehungen. Die soziale Kompetenz wird in diesem Zusammenhang berücksichtigt und an dem Beispiel der Konfliktregion Sri Lanka dargestellt. Das Projekt Peace Village vor Ort erwies sich als ein umfangreiches Forschungsfeld.
Ziel war es herauszufinden, ob der Sport eine interkulturelle Beziehung fördert. Ein Experiment in Form einer Befragung wurde durchgeführt, um zu einem Ergebnis zu kommen.
Im Laufe der Arbeit wird ein umfangreiches Theoriegerüst zu den Punkten Kompetenz, Sport und dem Forschungsgegenstand aufgebaut und anschließend in einer Zusammenführung dargelegt. Daraufhin sind die Ergebnisse des Experiments des Projekts Peace Village detailliert interpretiert und mit Schaubildern verdeutlicht. Am Ende der Arbeit ist eine Zusammenfassung und eine eigene Einschätzung der Thematik erläutert.
Bibliographische Beschreibung
Hannappel, Kathrin:
Einfluss von Sport auf interkulturelle Beziehungen - unter Berücksichtigung der sozialen Kompetenz, dargestellt an der Konfliktregion Sri Lanka. - 2009 - 57 S. Köln, Hochschule Mittweida (FH), Fachbereich Medien, Bachelorarbeit
Bachelorarbeit Kathrin Hannappel
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 3
1 Einleitung 4
1.1 Vorgehensweise. 5
1.2 Fragestellung 5
1.3 Der Forschungsstand 7
1.4 Aufbau der Arbeit 8
1.4.1 Wissenschaftliche Methode: Das Experiment 9
1.5 Begriffliche Erläuterungen 11
2 Kompetenz 12
2.1 Kompetenzbegriff 12
2.1.1 Kompetenzen in den Sozialwissenschaften 14
2.2 Kompetenzentwicklung und Kompetenzbiografien 15
2.2.1 Kompetenzerwerb. 15
2.2.2 Kompetenzevaluation 15
2.2.3 Kompetenzdiskurs 16
2.2.4 Wechselwirkung zwischen Kompetenz und sozialer Stellung. 17
2.3 Soziale Kompetenz 17
2.3.1 Der Begriff in seiner Komplexität 18
2.3.2 Bedeutung der sozialen Kompetenz. 18
2.3.3 Kritik. 19
2.3.4 Entwicklungsaufgaben 19
2.3.5 Soziale Kompetenz bei Jugendlichen. 20
2.3.6 Jugendpsychologie 20
2.4 Friedens- und Konflikterziehung 21
2.5 Sport und soziale Arbeit 22
3 Beschreibung des Forschungsgegenstandes. 22
3.1 Sri Lanka 22
3.2 Kulturgruppen/Ethnien. 23
3.3 Der Krieg zwischen Regierung und LTTE. 23
3.4 Sri Lanka als Konfliktregion 24
3.5 Asian German Sports Exchange Programme 26
3.6 Peace Village 28
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3.6.1 Zielsetzung 29
3.6.2 Das Grundkonzept 29
3.6.3 Zielgruppe. 30
3.6.4 Der Ablauf. 31
3.6.5 Die Stationen 32
4 Einfluss von Sport 33
4.1 Der Nostrifikationsprozess. 35
4.2 Bedeutung von Sport im Peace Village 35
4.2.1 Kritik: Sport im Peace Village 36
5 Ergebnisse 37
5.1 Zusammenfassung der Thematik 37
5.2 Darstellung der Ergebnisse: Experiment. 41
5.3 Interpretation der Ergebnisse: Experiment. 44
5.4 Verbesserungsvorschläge: Peace Village. 46
6 Fazit 48
Literaturverzeichnis 52
Anhang
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Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Beurteilung der einzelnen Stationen im Peace Village in Bezug auf die Förderung der interkulturellen Beziehung.................42
Abbildung 2: Vorlieben der Teilnehmer des Peace Villages
in Bezug auf die Stationen..........................................................43
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1Einleitung
Die Sportvereine zählen zu den wichtigen Institutionen der modernen Gesellschaft und nehmen eine beachtliche Rolle in der Entwicklung der Jugendlichen ein. Eine Mitgliedschaft in einem Verein trägt zu der sozialen Entwicklung bei.
In der Arbeitswelt gewinnt die soziale Kompetenz immer mehr an Bedeutung. Die Fähigkeiten, Kontakte zu knüpfen, Gespräche und neue Freundschaften zu initiieren, Interesse zu zeigen, Gefühle und Wünsche anderer richtig einzuschätzen und adäquat darauf zu reagieren, ohne dabei eigene Bedürfnisse zu vernachlässigen sowie Kritik zu äußern und konstruktiv damit umzugehen, gehören zu den wichtigsten Merkmalen der sozialen Kompetenz. Abgesehen von der Arbeitswelt ist sie in anderen Bereichen des Lebens ebenso wichtig. Durch die soziale Kompetenz kann der Mensch eigene Gefühle wahrnehmen, Handlungskompetenzen entwickeln und sie zur Kommunikation und Interaktion mit Anderen einsetzen. Mit diesen Fähigkeiten können Verhaltensformen gegenüber dem Unbekannten geändert werden. Spannungen zwischen Personen oder kulturellen Wertvorstellungen können entschärft werden.
Gegensätze, Reibungen, Spannungen und Konflikte sind alltägliche Erscheinungen unseres Lebens. Es ist nicht immer einfach mit völlig verschiedenen Denkmustern, Werten und Anschauungen der
verschiedenen Ethnien umzugehen.
Unabhängig von Alter, Geschlecht, Gesundheitsstand, Beruf, Bildung, Sprache, Kultur oder Veranlagung trägt Sport kultur-und
nationenübergreifend zur Förderung und Entwicklung der Gemeinschaft bei.
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1.1Vorgehensweise
Im Rahmen meines Studiums hatte ich im Sommer 2009 die Möglichkeit, ein 3-monatiges Praktikum in einer sozialen Organisation an der Westküste Sri Lankas zu absolvieren und konnte somit einen kleinen Einblick in die Besonderheiten dieser Kultur gewinnen. Ein Land mit einer ganz anderen Kultur faszinierte mich. Neben den neuen Gerüchen, der ungewohnten Natur, dem anderen Klima oder der unbekannten Küche Sri Lankas bemerkte ich schnell die Unstimmigkeiten und Konflikte in der Gesellschaft, die durch die jahrzehntelange Kriegszeit hervorgerufen wurde. Neben dem Leid in einem Dritte Welt Land war es furchtbar zu sehen, dass durch schreckliche Geschichten mittels Mundpropaganda das ganze
Streitpotential des Krieges noch vervielfacht wurde. Ein erschreckendes Beispiel war: Singhalesische Kinder fragten, ob die Tamilen wirklich ihre eigenen Kinder essen würden.
Die Organisation hatte, unter anderem, vor fünf Jahren ein Projekt ins Leben gerufen, das den Disparitäten der Ethnien des Landes auf eine neue Art und Weise entgegen wirken sollte. In Form von Sportevents werden Kinder und Jugendliche eingeladen, sollen Zeit miteinander verbringen, um sich kennen zu lernen und Vorurteile abzubauen.
Die Situation vor Ort und die eigenen Erfahrungen, die ich machte, weckten mein Interesse speziell an diesem Projekt. Ich fragte mich, wie bringt man die Kinder und Jugendlichen dazu, diesen Geschichten keinen Glauben zu schenken und wie kann man die Beziehung zwischen ihnen fördern?
1.2 Fragestellung
Die vorliegende Arbeit behandelt die Thematik des Einflusses von Sport auf interkulturelle Beziehungen. Ich habe die soziale Kompetenz in diesem Zusammenhang berücksichtigt und stelle das Ganze an dem Beispiel der Konfliktregion Sri Lanka dar. Das Projekt Peace Village vor Ort war mir eine
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vielversprechende Quelle zu einem umfangreichen Forschungsfeld. Ziel war es herauszufinden, ob der Sport eine interkulturelle Beziehung fördert. Ich habe während der Zeit ein Experiment in Form einer Befragung durchgeführt, um zu einem Ergebnis zu kommen.
Während den Vorbereitungen und Recherchen zu meiner Bachelorarbeit wurde ziemlich schnell deutlich, dass es bisher nur wenig wissenschaftliche Literatur über diese ferne Kultur im indischen Ozean gibt, die in deutscher Sprache verfasst ist und in der nicht ausschließlich über den langjährigen Bürgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen berichtet wird. Da ich das Thema jedoch aus diesem Grund nicht verwerfen wollte, stützen sich meine folgenden Ausarbeitungen größtenteils auf Interviews, die ich vor Ort mit Mitarbeitern geführt habe.
Für die Generierung von Hintergrundinformationen und
Expertenmeinungen wurden Interviews geführt. Die Interviewpartner sind Personen, die sich direkt mit dem Peace Village beschäftigen oder sich damit beschäftigt haben.
Hierbei wird die Methodik des narrativen Interviews verwendet, die durch ihre freie Stilistik lediglich die Rahmenthematik bestimmt, den Gesprächspartner zur freien Erzählung animiert und durch den Interviewer die Richtung gewiesen wird. Dadurch wird dem Befragen, der sich seit längerer Zeit mit dem Forschungsgegenstand beschäftigt, eine relativ freie Ausführung ermöglicht, sowie dem Interviewer eventuelle neue Aspekte eröffnet, die eine konkrete, strukturierte Befragung hingegen nicht zulassen würde. 1
1 vgl. Heinze 2001, 116f.
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1.3Der Forschungsstand
Angela Deitersen-Wieber bemängelt in ihrer Ausarbeitung zu Sport und Persönlichkeit:
„Wie kaum ein anderes Wissenschaftsgebiet scheint die sportbezogene Persönlichkeitsforschung bemüht, in ihren engen Grenzen zu verweilen. Es wird beinahe zwanghaft versucht, Erkenntnisse über den Zusammenhang von ‚Sport und Persönlichkeit’ zu produzieren. Es wird auf dem gleichen Level geforscht wie vor 30 Jahren (teilweise sind die neueren Studien noch viel weniger aussagekräftig als die Älteren) ohne neue oder gar gesicherte Erkenntnisse zu schaffen.“ 2
Welche positiven, aber auch negativen Wirkungen Sport unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen wirklich hat, welche Erfahrungen man tatsächlich mit ihm macht, was man in ihm erlebt, welche Gewohnheiten und Einstellungen man erwirbt, welchen Sinn der Sport bieten kann, welchen man in ihm sucht und welchen man am Ende findet, darüber gibt es bislang kaum verlässliche wissenschaftliche Studien. 3
Bei Kindern, die heute in multikulturellen Kontexten aufwachsen, stellt sich die Frage, was dies für sie bedeutet und wie sie in solche Gesellschaften hineinwachsen. Zur Forschung der Problematik braucht es angemessene Konzepte, um die neue multikulturelle Wirklichkeit und die Entwicklung der Kinder zu erfassen. 4
Sri Lanka ist ein Land mit vielen Konflikten. Die ethnischen Disparitäten haben weltweit für Aufsehen gesorgt und bieten ein hochinteressantes Forschungsfeld.
2 Deitersen-Wieber 2001, 23
3 vgl. Hofmann 2000, 57
4 vgl. Sauer 2007, 62
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NachBeendigung des Krieges im Mai 2009 ist die Zielsetzung des Projektes Peace Village, die interkulturelle Entwicklung zu fördern, wertvoller denn je. Zudem hat jedes Projekt seine eigenen Hintergründe, Schwierigkeiten, Zielsetzungen, Konzeptionen und Anforderungen, weshalb eine ganz individuelle Betrachtung sinnvoll ist.
1.4 Aufbau der Arbeit
Zur sachgerechten und angemessenen Erfassung der Thematik ist ein Theoriegerüst notwendig, auf dessen Basis die Ergebnisse genauer rekonstruiert und gedeutet werden können. Im 1. Kapitel wird zunächst der Forschungsstand zur Thematik beschrieben und im Anschluss die wissenschaftliche Methode zur Ergebniserzielung vorgestellt. Zusätzlich folgen zum Verständnis begriffliche Erläuterungen. Die Forschungsfrage erfordert verschiedene theoretische Ansätze der Pädagogik, der Sportwissenschaft und der Sozialwissenschaft, um die Dimensionen des Sports genauer erfassen zu können. Dazu wird im 2. Kapitel mit einer detaillierten Auseinandersetzung der Kompetenz im Allgemeinen begonnen. Was sind Kompetenzen? Wie lassen sie sich erwerben und evaluieren? Danach wird die soziale Kompetenz beschrieben. Der Bezug zwischen der sozialen Kompetenz und Jugendlichen wird aufgezeigt. Daraufhin werden die sozialen Fähigkeiten und Sport in Zusammenhang mit Friedens- und Konflikterziehung miteinander verkettet.
Zur Präzisierung und Untersuchung wird der Forschungsgegenstand Peace Village in Sri Lanka im Kapitel 3 geschildert. Das Land, die Kulturgruppen, die Konflikte sowie die Organisation werden einleitend dargestellt. Das Projekt Peace Village wird im Detail angeführt. Welche Ziele verfolgt das Projekt? Wie sieht das Konzept aus? Wer nimmt daran teil? Wie genau sieht der Ablauf aus? Anschließend handelt das 4. Kapitel von dem Einfluss des Sports allgemein. Der Sportaspekt wird aus verschiedenen Betrachtungswinkeln aufgezeigt.
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WelcheRolle der Sport im Peace Villages spielt, wird unter Punkt 4.2 deutlich gemacht und mit Expertenaussagen belegt. Nachdem die theoretischen Grundlagen für die behandelte Thematik vermittelt wurden, folgt im 5. Kapitel ein Resümee. Das Thema wird zusammengefasst und die Ergebnisse im Kontext untersucht. Direkt im Anschluss werden unter Kapitel 5.2 die Ergebnisse präsentiert, interpretiert und die Forschungsfrage beantwortet. Zusätzlich wird unter diesem Punkt auf Verbesserungen des Forschungsgegenstandes eingegangen. Das Fazit beendet mit Kapitel 6 die Bachelorarbeit. Eine Aussicht auf weitere Forschungsfragen rundet die Arbeit ab.
1.4.1 Wissenschaftliche Methode: Das Experiment
Gemäß der lateinischen Bedeutung von - experimentum -, nämlich Versuch, Probe, Beweis, handelt es sich bei einem Experiment um eine Untersuchung, bei der gezielt eine bestimmte Annahme oder Vermutung geprüft und entweder bewiesen oder widerlegt werden soll. Das Experiment ist ein Verfahren zur Datenerhebung, das hauptsächlich in den Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften wie der Psychologie und Soziologie angewendet wird.
GRUNDLAGEN DES EXPERIMENTS
Ein Experiment besteht immer aus bestimmten Faktoren, dazu zählen:
1. das untersuchte Objekt bzw. Subjekt
2. der Beobachter
3. die Methoden der Untersuchung bzw. der Versuchsaufbau
4. der Vorgang der Untersuchung selbst. 5
5 vgl. http://www.e-teaching.org/didaktik/qualitaet/experiment/, zugegriffen am 14. Oktober 09
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MeineFaktoren setzen sich wie folgt zusammen:
1.
Das untersuchte Objekt ist das Peace Village in Sri Lanka. Dieses Projekt stelle ich detailliert im Kapitel 3 als Forschungsgegenstand vor.
2.
Als Beobachter des Forschungsgegenstandes fungierten mehrere Personen vor Ort. Dazu zählen diverse Praktikanten, der Mitgründer des Peace Villages sowie seine direkten Assistentinnen. Nähere Angaben zu den Personen befinden sich im Anhang (Transkripte).
3.
Die Methode meiner Untersuchung ist die Befragung. Zur objektiven Repräsentativität habe ich zwei Befragungen durchgeführt. Die Erste beschäftigt sich mit den Kindern, den Hauptteilnehmern des Forschungsgegenstandes und die Zweite führte ich mit den beobachtenden erwachsenen Personen durch.
4.
Ich habe während meiner Zeit in Sri Lanka an sieben Peace Villages teilgenommen. Auf jeder Veranstaltung habe ich 20 Kinder befragt:
„Welche Station gefällt dir am besten?“
Die zweite Gruppe bestand aus zehn Mitarbeitern, denen ich folgende Frage stellte:
„Auf einer Skala von 1 - 10, wie sehr fördert die Station die interkulturelle Beziehung unter den Kindern?“
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Dazuhatte ich einen Fragebogen erstellt, auf dem die Erwachsenen die Frage für jede der vier Stationen beantworteten konnten. Die aus den Befragungen resultierenden Ergebnisse stelle ich im Kapitel 5 vor. Die Fragebögen befinden sich unter Punkt 2 im Anlageverzeichnis.
1.5 Begriffliche Erläuterungen
In der Arbeit tauchen immer wieder Begriffe auf, die zum Verständnis vorher definiert werden:
KONFLIKT
Problematische Spannungssituation infolge von Differenzen, ausgelöst durch unterschiedliche Meinungen, Überzeugungen, Interessen, Ziele, Wertehaltungen, Bedürfnisse, Ansprüche, Handlungstendenzen von mindestens zwei Konfliktparteien (Personen, Gruppen, Staaten). 6
INTERKULTURELLER KONFLIKT
Interessengegensätze verschiedener ethnischer Gruppen, die
unterschiedliche Ursachen haben können: z.B. unterschiedliche kulturell bedingte Einstellungen und Verhaltensweisen, aber auch historisch gewachsene Dominanzansprüche einer ethnischen Gruppe gegenüber anderen ethnischen Gruppen. 7
NONVERBALE KOMMUNIKATION
Verständigung auf nicht sprachlicher Ebene. Ausdrucksmittel sind Augenkontakt, Gesichtsausdruck, Körperhaltung- und bewegung. Sie ist
6 Tenorth 2007, 416
7 Tenorth 2007, 349
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teilweisedem Bewusstsein entzogen und dient als Hinweis auf Glaubwürdigkeit von Aussagen. 8
INTERKULTURELLES LERNEN
Form des sozialen Lernens für den Erwerb von Einstellungen, Wertorientierungen und Kompetenzen, die für die Kommunikation und das Zusammenleben von Personen aus unterschiedlichen Kulturen erforderlich oder hilfreich sind. 9
PRÄVENTION
Ein frühzeitiges Eingreifen, bevor die Probleme sich manifestieren und intensive, teure Hilfestellungen nötig werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Prävention als „vorbeugendes Eingreifen“ definiert. 10
2 Kompetenz
2.1 Kompetenzbegriff
Grundlage des Kompetenzbegriffs ist die Definition von Franz Weinert:
„Die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernten kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“ 11
8 Tenorth 2007, 530
9 Tenorth 2007, 349
10 Knorth 2009, 438
11 Weinert 2001, 27f.
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ImAlltag lassen sich zwei Begriffskerne von Kompetenz unterscheiden. So verweist Kompetenz einerseits auf eine Fähigkeit, andererseits aber auf Befugnisse im Sinne von Entscheidungskompetenzen. Wenn in der Bildungsforschung von Kompetenz gesprochen wird, ist damit die erste Bedeutung gemeint: Ein Individuum ist dann kompetent, wenn es fähig ist, etwas Bestimmtes zu tun.
Kompetenz wird nicht durch Reifungsprozesse beeinflusst, sondern durch Aktivitäten des Individuums, die zum Ziel haben, Einfluss auf die eigene Umwelt auszuüben.
Kompetenz stellt die Verbindung zwischen Wissen und Können her und ist als Befähigung zur Bewältigung von Situationen bzw. Aufgaben zu sehen. Jede Illustration oder jedes operationalisieren einer Kompetenz muss sich daher auf konkrete Anforderungssituationen beziehen.
Unabhängig von den Divergenzen zwischen den verschiedenen Konzepten von Kompetenz ist aktuellen Definitionen die Betonung der Bedeutung von Übung und Lernprozessen für die Kompetenzentwicklung gemeinsam. Kompetenz gilt damit als lern- und beeinflussbar und wird durch das Sammeln von Erfahrungen in bestimmten Bereichen und Situationen erworben.
Im internationalen Kontext erweist sich zurzeit der Kompetenzbegriff als einer der meist diskutierten Zielbegriffe schulischer und beruflicher Bildung. Erkenntnisse aus der Lehr- und Lernforschung und internationale Entwicklungen in der empirischen Bildungsforschung verweisen auf die zentrale Bedeutung von individuellen Kompetenzen.
Kompetenz wird als kontextualisierte Fähigkeit beschrieben, um spezifische Situationen und Anforderungen zu bewältigen, während Intelligenz als generalisierbare Fähigkeit, neue Probleme zu lösen, definiert wird. Die Binnenstruktur zur Beschreibung interindividueller Leistungsunterschiede
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ergibtsich beim Kompetenzkonzept aus den Situationen und Anforderungen, denen sich die Individuen zu stellen haben. In der Literatur werden besonders zwei große Kompetenzbereiche diskutiert, wobei diese häufig nicht als vollständig gegensätzliche Bereiche, sondern auch in ihrer Interdependenz beschrieben werden: fachliche sowie überfachliche Kompetenzen.
In diesem Sinne verweisen die aktuellen Forschungsergebnisse auf die Bedeutung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen, die in ihrer Interdependenz noch verstärkt werden müssen. 12
2.1.1 Kompetenzen in den Sozialwissenschaften
Der Begriff ist in den Sozialwissenschaften gegenwärtig nicht im Konsens definiert. Jenseits dieser Klassifizierungen bezeichnet Kompetenz fachbezogene und fachübergreifende Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Lösung bestimmter Probleme. Kompetenzen bilden ebenfalls die Basis für die Formulierung von Bildungsstandards und umfassen in dieser Beziehung auch die Motivation sowie die soziale und volitionale Bereitschaft zur Nutzung dieser Problemlösungsstrategien. In der Fachdidaktik hat es sich im Kontext der Debatten und der Konstruktion von Bildungsstandards als sinnvoll erwiesen, unter Kompetenz die erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten zu sehen, die notwendig sind, um bestimmte, domänenabhängige Probleme zu lösen. Kompetenzen werden demzufolge an Wissensinhalte gekoppelt erworben und beinhalten auch die motivationalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten zur verantwortungsvollen Anwendung in variablen Situationen. Der Begriff der Kompetenz wird gleichzeitig innerhalb des breiten Spektrums pädagogischer Themen und erziehungswissenschaftlicher Forschung intensiv genutzt. 13
12 vgl. Andresen 2009, 492ff.
13 vgl. Tenorth 2007, 413f
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2.2Kompetenzentwicklung und Kompetenzbiografien
Dieses Teilkapitel besteht, wenn nicht anders angegeben, aus Textteilen aus dem Pädagogik Lexikon von Heinz-Elmar Tenorth (2007).
Die Kompetenzentwicklung ist ein lebenslanger Prozess, der auf alle Bereiche bzw. Dimensionen sowie Domänen (Bereiche) von Kompetenzen wirkt und mittels Kompetenzbiografien methodisch erfasst werden kann. Eine Kompetenzbiografie ist eine sozialwissenschaftliche Methode zur Erfassung individueller Kompetenzentwicklungsverläufe, die als eine Form des Interviews verstanden werden kann und auch Elemente des problemzentrierten und des fokussierten Interviews enthält.
2.2.1 Kompetenzerwerb
Kompetenzen kann man mit dem Aufbau von Problemlösestrategien im Zuge von Bildungsprozessen erwerben. Der Kompetenzerwerb kann sowohl in formalen und non-formalen als auch in informellen Lernumgebungen erfolgen und wird stets implizit anhand konkreter Inhalte, aber auch durch didaktische Gestaltung nachhaltig gefördert.
2.2.2 Kompetenzevaluation
Eine Evaluation kann in einer systematischen und dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Methodik angepassten Erfassung von Kompetenzen in einem klar abgegrenzten Fachbereich erfolgen. Die Kompetenzevaluation und Kompetenzdiagnostik sind erst in Ansätzen ausgeprägt.
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2.2.3Kompetenzdiskurs
Grundlegend für die Diskussion ist insbesondere Franz E. Weinerts Definition des Kompetenzbegriffs als „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Fähigkeiten, um die Problemlösung in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen können“.
Zum einen verweist der Begriff Kompetenz seit der Debatte um Bildungsstandards und Kompetenzen auf klare Erwartungen: Kompetenzen sollen messbar sein und mit entsprechenden Testinstrumenten erfasst werden können. Hier geht es einerseits um die Verbindung von Wissen und Können im Sinne der Befähigung zur Bewältigung unterschiedlicher Situationen, z.B. Probleme erfolgreich in der Gruppe lösen. Zum anderen geht es um die Vergleichbarkeit, die Effizienz und Qualität der Fähigkeiten.
Es gibt eine Vielzahl verschiedener Konzepte in Bezug auf die Kompetenzen. Alle bisher beschriebenen Konzepte teilen die Kompetenzen in Überbegriffe ein. Die einzelnen Konzepte sind daher inhaltlich sehr ähnlich, werden jedoch immer mit anderen Begrifflichkeiten versehen. In Fachartikeln oder Büchern tauchen sehr häufig folgende Autoren auf: Grob/Maag/Merki (2001), Rychen/Salgnik (2003), Weinert (2001), Chomsky (1969), Conell/Sheridan/Gardner (2003).
Um das Thema der Kompetenzen nicht zu sehr ins Detail zu beschreiben, wird an dieser Stelle darauf verzichtet, näher auf die einzelnen Kompetenzmodelle einzugehen.
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2.2.4Wechselwirkung zwischen Kompetenz und sozialer Stellung
Der Erwerb von Kompetenzen wirkt unmittelbar auf die soziale Stellung ein. So schreibt etwa Beatrice Hungerland:
„Der ausweisliche Erwerb von gesellschaftlich geforderten Fähigkeiten bestimmt […] die individuelle Chance zur gesellschaftlichen Partizipation. Bei einem Mehr winkt Statusgewinn, materieller Gewinn, während ein Weniger die Chancen schmälert. […] Menschen, die bestimmte erwartete Kompetenzen nicht erworben haben, werden aus bestimmten Formen gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen […]. Welche Kompetenzen das sind, ist gesellschaftlich definiert. Die soziale Kompetenz ist die wichtigste Fähigkeit.“ 14
2.3 Soziale Kompetenz
Soziale Kompetenz bezieht sich auf alle Fertigkeiten, die für ein zufriedenstellendes Zusammenleben erforderlich sind. Solche Fertigkeiten setzen folgende Teilfertigkeiten voraus:
- eine differenzierte soziale Wahrnehmung,
- eine komplexe soziale Urteilsfähigkeit und
- ein umfassendes Repertoire an sozialen Handlungsweisen.
Bei der sozialen Kompetenz handelt es sich um ein psychologisches Konzept, das seit circa 30 Jahren diskutiert wird. Hauptsächlich dient der Begriff dazu entweder Entwicklungsziele im Kindes- und Jugendalter zu beschreiben oder Trainings- beziehungsweise Therapieziele in der Verhaltenstherapie zu spezifizieren. Hierbei bildet soziale Kompetenz kein einheitliches oder eindimensionales Konzept, sondern ein komplexes Gebilde, das durch Begriffe wie Selbstsicherheit, Durchsetzungsvermögen
14 Hungerland 2002, 283
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oderKontaktfähigkeit nur teilweise definiert werden kann. Die Verhaltensweisen, die soziale Kompetenz ausmachen, sind altersabhängig, das heißt, sie nehmen im Verlauf der Entwicklung an Komplexität zu. 15
2.3.1 Der Begriff in seiner Komplexität
Der Begriff soziale Kompetenz ist in ein Bedingungsgefüge eingebettet, das individuelle Voraussetzungen und Fähigkeiten umfasst, von den gesetzten Zielen der beteiligten Personen abhängt, ein Produkt interaktiver und situativ konstruierter Bedeutung der schulischen Settings eine eigene Dynamik erhält, die zugleich Grenzen der Einflussnahme markiert.
Die exemplarische Betrachtung der sozialen Kompetenz hat gezeigt, dass emotionale und kommunikative Kompetenzen in der Regel als Teildimensionen sozialer Kompetenz gefasst werden und dazu beitragen, soziales Verhalten im Umgang mit Menschen und Situationen zu zeigen. 16
2.3.2 Bedeutung der sozialen Kompetenz
Die Wahrnehmung der eigenen Gefühle, Gedanken und
Handlungskompetenzen ist Voraussetzung für Kommunikation und Interaktion mit anderen, doch ohne kollektive Aushandlungsprozesse gibt es keine individuelle Weiterentwicklung der sozialen Kompetenz.
Heute ist unumstritten, dass nachhaltiges Lernen durch Lernen im sozialen Kontext gefördert wird und die Kommunikation unter- und miteinander bedeutende Verstehensprozesse nach sich zieht. 17
15 vgl. Jugert 2001, 9f.
16 vgl. Rohlfs 2008. 28f.
17 vgl. Rohlfs 2008, 21f.
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